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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

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Bentheim (Prinz von Bentheim-Bentheim) - Bentinck

Die jüngere Linie, Bentheim-Bentheim und Bentheim-Steinfurt, begründet von Graf Arnold von B. (gest. 1643), erhielt 21. Jan. 1817 in der Person des Grafen Ludw. Wilh. von B. (gest. 20. Aug. 1817) den preuß. Fürstenstand. Gegenwärtiges Haupt der Linie ist Fürst Alexis, geb. 17. Nov. 1845, Sohn des Fürsten Ludwig von B. (geb. 1. Aug. 1812, gest. 28. Sept. 1890), erbliches Mitglied des preuß. Herrenhauses. - Vgl. Möller, Geschichte der vormal. Grafschaft B. (Lingen 1879).

Bentheim, Friedrich Wilhelm Belgicus, Prinz von Bentheim-Bentheim, österr. Feldmarschalllieutenant, geb. 17. April 1782 zu Steinfurt als Sohn des spätern Fürsten Ludwig Wilhelm von Bentheim-Steinfurt, trat 1799 in das österr. Heer ein, wurde 1809 auf dem Schlachtfelde von Aspern zum Obersten ernannt und kämpfte ruhmvoll in den Schlachten von Wagram (1809), Dresden und Kulm (1813). Bald darauf ward er General, erhielt dann den Auftrag, eine deutsche Legion zu errichten, die gegen Ende des franz. Krieges 1814 im südl. Frankreich noch wesentliche Dienste leistete. Nach dem Pariser Frieden war er im Interesse der mediatisierten deutschen Fürsten als deren Bevollmächtigter thätig. Zum Heere zurückgekehrt, ward er 1827 Feldmarschalllieutenant und trug 1831 zur Unterdrückung der Bewegung im Kirchenstaate bei. Als Commandeur des 2. Armeekorps in Italien starb er 12. Okt. 1839 zu Villafranca.

Bentinck, ein Geschlecht, das schon im 14. Jahrh. in Geldern ansässig war, später auch nach England und Oldenburg verpflanzt wurde.

1) Die ältere Linie ward begründet und nach England übergeführt durch Wilhelm B., geb. 1649, der mit Wilhelm III. nach England hinüberging und von ihm 1689 zum Baron Cirencester, Viscount Woodstock und Grafen von Portland erhoben wurde. Sein ältester Sohn Heinrich erhielt 1716 den Titel eines Herzogs von Portland. Da des letztern Sohn Wilhelm sich mit der Erbin der Herzöge von Newcastle, Margarete Cavendish-Harley vermählte, so nahm die Familie den heute noch geführten Namen Cavendish-Bentinck an.

Der zweite Sohn des dritten Herzogs von Portland war Lord William Cavendish-Bentinck, geb. 14. Sept. 1774. Er stieg schnell in der Armee auf, war 1803-7 Gouverneur von Madras, wurde aber abgerufen, weil man seinen Maßregeln eine Revolte der Sepoys zuschrieb. Nach diplomat. und militär. Verwendung in Spanien wurde er 1811 als engl. Vertreter und Befehlshaber der engl. Hilfstruppen gegen Napoleon nach Sicilien geschickt. Er trat hier mit hochmütigen Herrschaftsansprüchen auf, zwang den König, dem Lande eine Verfassung nach engl. Muster zu verleihen, und zog sich besonders die Feindschaft der Königin Karoline Marie zu. 1813 leitete er eine wenig erfolgreiche Expedition nach der span. Ostküste, eine glücklichere 1814 gegen Genua. Nach Beendigung der Napoleonischen Kriege (1815) lebte er mehrere Jahre ohne Amt. 1827-35 war er Generalgouverneur von Bengalen, ordnete durch Sparsamkeit in der Verwaltung die ind. Finanzen, nahm sich der Rechtspflege und der Erziehung der Eingeborenen an, verwandte letztere im Dienst der Regierung, gab der Presse größere Freiheit und ging besonders streng gegen das Verbrennen der Witwen vor. 1833 wurde er der erste "Generalgouverneur von Indien". Weniger gut war unter seiner Leitung die Haltung der ind. Lehnsstaaten. 1835 legte er sein Amt nieder und ging nach England zurück. Er starb 17. Juni 1839 in Paris.

Lord George Cavendish-Bentinck (Will. George Frederick), dritter Sohn des vierten Herzogs von Portland, geb. 27. Febr. 1802, trat 1819 als Kornett in die Armee, wurde schon 1825 Major, entsagte aber dem aktiven Dienst seit seinem Eintritt ins Unterhaus 1826. Er war gemäßigter Whig, ein Bewunderer Cannings, trat für die Katholikenbefreiung ein, wohl auch für Parlamentsreform, neigte aber dabei schon den Tories zu und verließ 1834 die Whigs ganz und hielt zu Peel. Ein ministerielles Amt wies er jedoch wiederholt ab. Bei Peels Übergang zum Freihandel wurde er als Schutzzöllner dessen Gegner und Führer der Protektionistenpartei, die in der Opposition zu Peels Sturz 1846 beitrug; sein Berater in dieser Zeit war Disraeli (Beaconsfield). Er starb 21. Sept. 1848. - Vgl. Disraeli, Lord C.-B., a political biography (Lond. 1851; deutsch Cassel 1853).

2) Die jüngere Linie der B. ward begründet von einem jüngern Sohn des obenerwähnten Grafen von Portland, Wilhelm von B. (geb. 17. Nov. 1704, gest. 13. Okt. 1773), Herrn zu Rhoon und Pendrecht, Präsident der Ritterschaft in den Staaten von Holland und Westfriesland, der 29. Dez. 1732 zum Reichsgrafen erhoben wurde, sich 1733 mit Charlotte Sophie, der Erbtochter des letzten Grafen von Aldenburg, Antons II, vermählte und dadurch das gräfl. Aldenburgische Fideïkommiß, die freie Herrschaft Kniphausen, die Edelherrschaft Varel nebst Gütern im Oldenburgischen an sein Haus brachte. Der Reichsgraf Wilhelm von B. hinterließ zwei Söhne, durch die sich die jüngere Hauptlinie wieder in zwei Zweige spaltete, Christian Friedrich Anton, der Stifter der westfälischen Linie, und Johann Albert, geb. 29. Dez. 1737, der in engl. Seedienste trat, dadurch der Stifter einer zweiten englischen Linie ward und 23. Sept. 1775 starb.

Christian Friedrich Anton (geb. 15. Aug. 1734, gest. 1. April 1768) hatte wieder zwei Söhne, Wilhelm Gustav Friedrich und Johann Karl, durch die sich die westfälische Linie von neuem in den ältern und jüngern Zweig teilte. Der erstere, Wilhelm Gustav Friedrich, geb. 21. Juli 1762 im Haag, kam 1768 in den Besitz der Fideïkommißherrschaften und war in erster Ehe mit einer Freiin van Reede verheiratet, die 1799 starb und ihm eine Tochter und einen Sohn hinterließ, welcher 1813 starb. Dann lebte er seit 1800 mit Sarah Margarete Gerdes, der Tochter eines oldenburg. Landmanns in Bockhorn, in einer sog. Gewissensehe bis 1816, wo er sich förmlich mit ihr trauen ließ. Von ihr hatte er mehrere Kinder, darunter drei Söhne, Wilhelm Friedrich (geb. 1801, gest. 1867), Gustav Adolf (geb. 1809, gest. 5. Mai 1876) und Friedrich Anton (geb. 1812). Dem ältesten trat der Vater (der nach der Wiederherstellung des niederländ. Staates 1813 wiederum in die Ritterschaft Hollands aufgenommen war, 12. Aug. 1814) schon 1827 die Mitregentschaft über die Fideïkommißherrschaften ab, die während der franz. Invasion eine Zeit lang zu Holland, dann als bloße Privatgüter zum franz. Kaiserreich gehört hatten, 1818 aber unter oldenburg. Hoheit gekommen waren und zuletzt durch das Berliner Abkommen von 1825 als mediatisierte Herrschaften mit vielen Rechten und Privilegien ihrem vormaligen Landes-^[folgende Seite]