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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

Schlagworte auf dieser Seite: Bergblau; Bergbohrer

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Bergblau - Bergbohrer

unter Aufsicht der höhern B. stehende Behörden (Bergwerksdirektionen, Bergwerksinspektionen, Hüttenämter, Salinenämter) eingesetzt, unter denen Subalternbeamte (Bergverwalter, Obersteiqer, Werkmeister, Obermeister u. s. w.) den Betrieb führen. Die Bergwerksdirektoren erhalten den Titel Bergrat, Oberbergrat, Geh. Bergrat. - Die in ältern Zeiten vorhanden gewesene besondere Berggerichtsbarkeit ist in die neuen Berggesetze nicht mit übergegangen. Die streitige Gerichtsbarkeit verwalten auch in Bergsachen die ordentlichen Gerichte des Landes; in manchen Angelegenheiten ist indessen den B. eine vorläufige Entscheidung eingeräumt.

Bergblau, eine Malerfarbe. Das natürliche B., das gegenwärtig im Farbenhandel kaum oder nur zu sehr hohem Preise zu finden ist, ist fein gemahlener und geschlämmter Lasurstein. Das künstliche B., auch Mineral-, Englisch-, Kalk-, Kupferblau, Bremer, Casseler, Hamburger und Neuwieder Blau genannt, ist ein basisch-kohlensaures Kupferoxyd mit oder ohne fremde Beimengungen (Gips, Schwerspat u. a.). Es wird erhalten, indem man eine kalte Lösung von Kupfervitriol mit Sodalösung bis zum Eintritt der gewünschten Färbung versetzt, dann den Niederschlag auswäscht und bei gewöhnlicher Temperatur trocknet.

Bergbohrer, Erdbohrer, Grundbohrer heißen die Instrumente, mit denen Tiefbohrungen ausgeführt werden, um Lagerstätten nutzbarer Mineralien, Petroleum, Solquellen oder Brunnenwasser aufzusuchen. Der B. ist schon den ältesten Kulturvölkern, den Chinesen, Ägyptern und Syrern bekannt gewesen und in den letzten Decennien in ausgedehnte Anwendung gekommen. Die größten mit Tiefbohrungen erreichten Tiefen sind 1303 m bei Sperenberg und 1748,4 m bei Schladebach. Die Bohrwerkzeuge werden bei geringen Tiefen durch Menschenkraft, bei größern durch Maschinen bewegt. Über dem Bohrloch stellt man einen Bohrturm (Bohrgerüst, Fig. 19 u. 21) auf, in dessen Spitze eine Seilscheibe zum Einlassen und Ausziehen des Bohrgerätes mittels Seil angebracht ist. Außerdem befindet sich im Bohrturm die balancierartige Vorrichtung zum abwechselnden Anheben und Fallenlassen des Bohrapparates. Das Bohren geschieht mit Gestänge und Seil, letzteres war schon den Chinesen bekannt und wird gegenwärtig in Pennsylvanien viel angewendet. Jeder Gestängbohrer besteht aus dem Bohrgestänge, dem Kopfstück und dem Oberstück; er wird je nach der Tiefe des Bohrlochs aus mehr oder weniger Gestängteilen, Schaftstücke genannt, zusammengesetzt. Das Gestänge besteht zumeist aus quadratischem Eisen oder schmiedeeisernen Röhren, seltener aus Holz, und wird in seinen Schaftstücken durch sog. Zungen (Fig. 5) oder Schraubenschlösser (Fig. 20) fest zusammengesetzt. Das Bohren selbst erfolgt nun drehend oder stoßend, je nach der Beschaffenheit des Gesteins. Fig. 1, 2, 28, 29 zeigen Bohrer zum Drehendbohren bei weichem, mildem Gestein, Fig. 3, 4, 13, 14, 15, 26, 27 Bohrköpfe zum Stoßendbohren bei festem Gestein. Außerdem hat man verschiedene Hilfsstücke, die sowohl beim Bohren zur Anwendung gelangen müssen, als auch in besondern Fällen, wie z. B. bei Gestängbrüchen, beim Abbrechen der Bohrköpfe u. dgl. m., anzuwenden sind.

Zu dem Hilfsgezäh gehört das Setzkreuz (Fig. 24, 25) oder die Bohrkrücke, auch Bohrkrückel, ein zweiarmiger Hebel, der einige Meter unter der Erdoberfläche am Bohrgestänge angebracht ist und vom Bohrmeister beim Stoßendbohren umgesetzt wird; ferner die Gleit- und Rutschschere (Fig. 6), eine Vorrichtung innerhalb des Gestänges zum Zwecke der Teilung der Gestänglast; dann verschiedenartige, am Gestänge angebrachte, zur Geradführung desselben dienende Leitungsvorrichtungen, sodann Freifallvorrichtungen, wie sie von Kind, Fabian und Werner angegeben worden sind, die den Vorteil eines raschen und sichern Bohrens für sich haben und darin bestehen, daß nicht das ganze Gestänge mit dem Bohrer, sondern letzterer als besonderes Abfallstück für sich allein aufschlägt, so daß das Gestänge den direkten Stößen und so einer Beschädigung nicht ausgesetzt ist. Beim Kindschen Freifallbohrer (Fig. 22 u. 23) sind es zwei Zangen, die sich beim Auf- und Niedergange schließen oder öffnen und so den Bohrkopf fassen oder fallen lassen. Zur Beseitigung des beim Bohren entstehenden Mehles oder Schmantes bedient man sich eines Schmantlöffels (Fig. 11), der von Zeit zu Zeit unter Beseitigung des Gestänges in das Bohrloch eingelassen wird und durch ein in seinem Boden befindliches Ventil den Schmant in seine cylindrische Röhre aufnimmt. Das Auslöffeln ist daher eine zeitraubende Arbeit, weshalb auch Konstruktionen ersonnen worden sind, das Mehl und den Schmant durch das Bohrgestänge selbst und zwar kontinuierlich zu beseitigen. Man hat daher hohle Gestänge (Fig. 17) in Anwendung gebracht oder wenigstens

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