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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

Schlagworte auf dieser Seite: Bernauer; Bernay; Bernays; Bernburg

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Bernauer - Bernburg

Steueramtes, hat (1890) 7725 E., darunter 306 Katholiken, Postamt zweiter Klasse, Telegraph, eine got. Marienkirche (1519; mit dreifachem Wandelaltar, Triumphkreuz und Epitaphien), got. St. Georg-Hospitalkirche, kath. Schul- und Bethaus, Volks- und Privatschulen, Krankenhaus, vier Privat-Irrenpflegeanstalten; ferner Forst- und Landwirtschaft, Baumwoll-, Woll- und Seidenweberei, Wickelei (8 Fabriken und bedeutende Hausindustrie), Sammetschneiderei, Posamenten, Korsett-, Handschuh-, Tabak-, Apothekerwaren- und Petardenfabrikation, Drechslerei, Holzschnitzerei, Nagelschmiederei. B. besitzt einen großen Forst am Liepnitzsee. – In dem Kampfe auf dem sog. Rutenfelde und den roten Ländern von B. (23. April 1432) wurden die Hussiten von den Brandenburgern so entscheidend geschlagen, daß sie nicht mehr in die Mark einfielen. – Vgl. Bernauer Chroniken von Tobias Seiler (Handschrift 1736) und Aug. Wernicke (Druck 1886).

Bernauer, Agnes, war die schöne Tochter des Baders Kaspar B. zu Augsburg. Herzog Albrecht, einziger Sohn des regierenden Herzogs Ernst von Bayern-München, vermählte sich 1432 heimlich mit ihr und führte sie auf seine Schlösser. Herzog Ernst, erzürnt über die unebenbürtige Heirat seines Sohnes und den Schimpf, der seinem Hause durch die Zurückweisung desselben auf dem Regensburger Turnier der bayr. Ritterschaft 1434 angethan wurde, ließ Agnes verhaften und als Zauberin 12. Okt. 1435 in der Donau ertränken. Ergrimmt über diese Unthat griff Albrecht zu den Waffen gegen seinen Vater und verwüstete, mit den Feinden desselben verbündet, weithin das Land. Den Mahnungen des Kaisers Sigismund und den Bitten der Freunde gelang es spät erst, Albrecht an den Hof seines Vaters zurückzuführen, wo er sich endlich auch mit Anna von Braunschweig vermählen ließ. Herzog Ernst selbst ließ über dem Grabe der Ermordeten eine Betkapelle aufbauen, und Albrecht ließ 1447 die Gebeine der «ehrsamen Frau» in der von ihr ausersehenen Ruhestätte zu Straubing begraben. – Vgl. Riezler, Geschichte Bayerns, Bd. 3 (Gotha 1889). Den Stoff bearbeitete Graf Törring in einem Trauerspiele (neue Aufl., Mannh. 1791), so auch Jul. Körner (Lpz. 1821), A. Böttger (ebd. 1846), Hebbel (Wien 1855), Melchior Meyr in seinem «Herzog Albrecht» (Stuttg. 1862) und Martin Greif (Lpz. 1894).

Bernay (spr. -näh). 1) Arrondissement im franz. Depart. Eure, hat 1091,25 qkm, (1891) 59232 E., 124 Gemeinden und zerfällt in die 6 Kantone Beaumesnil (176,17 qkm, 5853 E.), Beaumont-le-Roger (213,30 qkm, 10084 E.), B. (164,55 qkm, 14804 E.), Brionne (160,31 qkm, 10916 E.), Broglie (217,13 qkm, 7963 E.), Thiberville (159,79 qkm, 9612 E.). – Hauptstadt des Arrondissements im franz. Depart. Eure (Normandie), am linken Ufer der Charentonne und an den Linien Mantes-Cherbourg und Echauffour-B. (41 km) der Franz. Westbahn, hat (1891) 5788, als Gemeinde 8016 E., Post und Telegraph, ein Tribunal erster Instanz, ein Handelsgericht, ein Kommunal-Collège (in den Gebäuden eines alten Klosters), eine Bibliothek von 8000 Bänden, Mineralquellen, zahlreiche Mühlen, Woll- und Baumwollspinnereien, Garnbleichen, Gerbereien, Eisengießereien, Papier- und Glasfabrikation sowie Handel mit Getreide, Vieh, Leder, Wolle und Manufakten. Wichtig ist die Leinwandmesse und die sog. Foire fleurie) in der fünften Fastenwoche, wo die schönsten normann. Pferde verkauft werden. Bemerkenswert sind die Kirchen Ste. Croix und Notre-Dame de la Couture, beide aus dem 15. Jahrh. – Am 22. Jan. 1871 drangen die deutschen Truppen nach hartem Kampfe mit der Nationalgarde in die Stadt ein und besetzten sie bis zum 10. März. ^[Spaltenwechsel]

Bernays, Jak., Philolog, geb. 18. Sept. 1824 zu Hamburg, stammte von israel. Eltern, studierte 1844‒48 zu Bonn Philologie und Philosophie, habilitierte sich daselbst 1849, wurde 1853 als Lehrer der klassischen Altertumsfächer an das Jüdisch-Theologische Seminar zu Breslau berufen, wo er gleichzeitig Vorlesungen an der Universität hielt, und folgte 1866 einem Rufe als außerord. Professor der Philologie und Oberbibliothekar der Universitätsbibliothek nach Bonn. Hier starb er 27. Mai 1881. Von seinen Arbeiten sind zu nennen: «Heraclitea» (Tl. 1, Bonn 1848), eine Textausgabe des Lucretius (Lpz. 1852), «Joseph Justus Scaliger» (Berl. 1855), «Über das Phokylideische Gedicht» (ebd. 1856), «Grundzüge der verlorenen Abhandlung des Aristoteles über Wirkung der Tragödie» (Bresl. 1857), «Über die Chronik des Sulpicius Severus» (Berl. 1861), «Die Dialoge des Aristoteles» (ebd. 1863), «Theophrastos’ Schrift über Frömmigkeit» (ebd. 1866), «Die Heraklitischen Briefe» (ebd. 1869), «Lucian und die Kyniker» (ebd. 1879), «Zwei Abhandlungen über die Aristotelische Theorie des Dramas» (ebd. 1880), «Phokion» (ebd. 1881). Außerdem übersetzte er die drei ersten Bücher der «Politik» des Aristoteles (Berl. 1872) und die unter Philons Werken stehende Schrift «Über die Unzerstörbarkeit des Weltalls» (ebd. 1876). Seine Abhandlungen sind gesammelt herausgegeben von Usener (2 Bde., Berl. 1885).

Bernays, Michael, Litteraturhistoriker, Bruder des vorigen, geb. 27. Nov. 1834 zu Hamburg, studierte 1853‒56 zu Bonn und Heidelberg Philologie und Litteraturgeschichte, habilitierte sich 1872 zu Leipzig, wurde 1873 außerord., 1874 ord. Professor der Litteraturgeschichte in München. B.’ Lehrthätigkeit kam seine Vortragskunst zu statten. 1890 zog er sich zur Vollendung lange zurückgestellter wissenschaftlicher Arbeiten nach Karlsruhe zurück. Von seinen formvollendeten litterarhistor. Arbeiten, die nächst Goethe besonders Shakespeare betreffen, sind zu erwähnen: «Über Kritik und Geschichte des Goetheschen Textes» (Berl. 1867), der Beginn philol.Untersuchung des Goetheschen Wortlauts, Ausgabe von «Goethes Briefen an Friedr. Aug. Wolf» (ebd. 1868) mit einer Darlegung von Goethes Beziehungen zur Antike, die Biographien «Goethe. Gottsched» (Lpz. 1880), «Zur Entstehungsgeschichte des Schlegelschen Shakespeare» (ebd. 1872). B. besorgte eine Ausgabe der Schlegel-Tieckschen Übersetzung Shakespeares (Berl. 1871‒72; neue Ausg. 1891; dazu «Vor- und Nachwort» in den «Preuß. Jahrbüchern», Okt. 1891) und eine Säkularausgabe der ältesten Voßschen Übersetzung von «Homers Odyssee» (Stuttg. 1881); die aus S. Hirzels Goethe-Bibliothek zusammengestellten Jugendwerke Goethes «Der junge Goethe» (2.Ausg.,Lpz.1887) leitete er ein.

Bernburg. 1) Kreis im Herzogtum Anhalt, hat 396,91 qkm, (1890) 82444 (41264 männl., 41180 weibl.) E., darunter 77403 Evangelische, 4431 Katholiken und 496 Israeliten; 8957 Wohnstätten, 16954 Familienhaushaltungen, 1203 einzeln lebende selbständige Personen, 90 Anstalten, 4 Städte, 36 Dörfer und 27 Gutsbezirke. Der Kreis entspricht dem Reichstagswahlkreise Bernburg-Ballenstedt