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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

Schlagworte auf dieser Seite: Berncastel; Bernd von Guseck; Berne; Berne-Bellecour; Berneck

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Berncastel - Berneck

(Abgeordneter Dr. Friedberg, nationalliberal). – 2) Kreisstadt im Kreis B. und bis 1863 Hauptstadt des Herzogtums Anhalt-Bernburg (s. Anhalt), in 61‒95 m Höhe an der Saale und an den Linien Cöthen-Aschersleben und Cönnern-B.-Calbe (26 km) der Preuß. Staatsbahnen, hat (1890) 28326 (14375 männl., 13951 weibl.) E., darunter 1339 Katholiken und 335 Israeliten, in Garnison (500 Mann) das 2. Bataillon des 93. Infanterieregiments; 2379 Wohngebäude mit 6393 Haushaltungen und zerfällt in die Altstadt und die Neustadt mit der Vorstadt Waldau am linken Ufer und der Bergstadt am hohen rechten Ufer, verbunden durch eine 1891 erbaute eiserne Brücke. Die sechs Kirchen sind die im got. Stil erbaute Stadt- oder Marienkirche aus dem 11. Jahrh. (im 15. Jahrh. umgebaut), mit schönen Bildhauerarbeiten und Turm (67 m), die Schloß- oder Ägidienkirche (1752 umgebaut, 1889 erneuert), Nikolaikirche (14. bis 15. Jahrh.), St. Martinskirche (1884‒87 nach Plänen von Hase-Hannover in got. Stil erbaut) mit schönen Glasfenstern und Turm (68 m), die kath. Bonifaciuskirche (1865 in got. Stil erbaut) und die alte Stephankirche in der Vorstadt Waldau. Ferner eine Synagoge. Von andern Gebäuden ist das zum Teil sehr altertümliche Schloß in der Bergstadt, jetzt Behördenhaus, bemerkenswert; es stammt aus dem 13. Jahrh. und wurde im 16. Jahrh. erweitert; der Mittelbau wurde 1894 durch Brand zerstört; ein Rathaus mit Bildern der letzten Bernburger Herzöge und berühmter Kunstuhr. – B. ist Sitz der Kreisdirektion, der herzogl. Bau- und Forstverwaltung, eines Amtsgerichts (Landgericht Dessau) mit Strafkammer, der Saalschleusenverwaltung und hat 1 Oberbürgermeister, 3 Stadträte (1 besoldet), 30 Stadtverordnete, Postamt erster Klasse, Telegraph, Fernsprecheinrichtung, Zoll-, Untersteueramt, Aichamt; Kreiskasse, Kreissparkasse, Reichsbanknebenstelle, Karls-Gymnasium, früher Stadtschule (Direktor Dr. Hachtmann, 16 Lehrer, 249 Schüler), Realgymnasium, 1853 als städtische höhere Bürgerschule gegründet (Direktor Dr. Hutt, 15 Lehrer, 99 Schüler), höhere Mädchenschule, Knabenmittel-, Mädchenbürger-, Volks-, kath. und Industrie-Schule, Fachschule der Innungen, kaufmännische Unterrichtsschule; Altertumsverein, Stadttheater, Freimaurerloge «Alexius zur Beständigkeit», landwirtschaftliche Versuchsstation, Landesheil- und Pflegeanstalt für Geisteskranke (1872‒75 erbaut), St. Johanneskrankenhaus, St. Johannes-Hospital, früher Augustinerkloster (1318), Armen- und Siechenhaus, Johannisasyl, Anstalt für verwahrloste Knaben, Volksküche, Gasbeleuchtung, Wasserleitung und Schlachthaus mit Viehhof. Die Industrie erstreckt sich auf Fabrikation von Soda, Kali und Chlorkalium (Deutsche Solvaywerke), von Dampfkesseln, Papier, Zucker, landwirtschaftlichen Maschinen, Kohlensteinen, Cement, Rohrwaren, Cigarren, Zuckerwaren, Konditoreigerätschaften, auf elektrische Telegraphenanlagen, auf Herstellung von Korsetten, Sprit und Liqueuren, Seifen und Federhaltern; außerdem bestehen noch Eisengießereien, Zinn- und Bleiwalzwerke, Färbereien, Spiritusbrennereien, Ziegeleien, Stein- und Kalkbrüche, Mühlen, Wagenbauereien, Ölraffinerie, Dampfschneidemühlen, Buch-, Steindruckereien und lithographische Anstalten. Von großer Bedeutung ist der Getreidehandel und das Bankgeschäft. ^[Spaltenwechsel]

^[Abb. Wappen von Bernburg]

Berncastel, s. Bernkastel.

Bernd von Guseck, s. Berneck.

Berne, Kleidungsstück, s. Marlotte.

Berne-Bellecour (spr. bärn bellkuhr), Etienne Prosper, franz. Maler, geb. 29. Juni 1838 in Boulogne-sur-Mer, bildete sich bei Picot und Barrias. Zunächst, 1861‒68, versuchte er sich in Landschaftsbildern, ging dann zur Genremalerei über. Besondern Erfolg hatten: Aus dem Sattel gehoben, Ein Sonett (1869), Nach der Prozession (1870). Nach dem Kriege 1870 und 1871 widmete er sich der Darstellung von Kriegsscenen. Sein bestes Werk ist: Ein Kanonenschuß (1872), für das er die Medaille erster Klasse erhielt; ferner sind zu nennen: Tirailleure im Kampf bei Malmaison, 21. Okt. 1870 (1875), Im Laufgraben, Auf Vorposten (1878), Einschiffungsmanöver (1882), Landung (1885).

Berneck. 1) Bezirksamt im bayr. Reg.-Bez. Oberfranken, hat (1890) 15307 (7531 männl., 7776 weibl.) E., 29 Gemeinden und 149 Ortschaften, darunter 3 Städte. – 2) Bezirksstadt im Bezirksamt B., 7 km südlich von der Station Marktschorgast-B.der Linie Bamberg-Hof der Bayr. Staatsbahnen,in 389 m Höhe, am Fuße des Fichtelgebirges, romantisch in dem engen Thale des Forellenbachs Ölsnitz, der sich unterhalb B. in den Weißen Main ergießt, Sitz eines Amtsgerichts (Landgericht Bayreuth), hat (1890) 1409 E., Post, Telegraph, Bezirksamt, evang. Kirche; Steinhauerei, Glasschleiferei, königl. Perlenfischerei (jährlich gegen 60 Stück) in der Ölsnitz und nahen Bächen und Baumwollweberei. B. ist wegen des milden Klimas und der schönen, waldreichen Umgebung besuchte Sommerfrische und hat seit 1857 eine Molkenkuranstalt mit Flußbad, warmen und Fichtennadelbädern, seit 1875 ein neues Kurhaus mit Lese- und Musiksaal; ferner werden gegeben Mineral-, Salz-, Schwefel-, Seifen- und Malzbäder. Auf dem steilen Berge die Trümmer zweier Burgen und einer Kapelle, sowie ein hoher Aussichtsturm (32 m) mit schöner Aussicht in Thäler und auf nahe bewaldete Berge. – Herren der Stadt und Burg waren die Grafen von Babenberg bis 1003, das Bistum Bamberg bis 1168, die Grafen von Andechs, nachherige Herzöge von Meran, bis 1248, dann abwechselnd die Burggrafen von Nürnberg und Grafen von Orlamünde bis 1357, erstere ausschließlich bis 1417,dann bis 1791 die Markgrafen von Brandenburg-Kulmbach. – Vgl. Förtsch, B., Molkenkurort mit Badeanstalten (3. Aufl., Reichenbach 1894). – 3) Stadt im Oberamt Nagold des württemb. Schwarzwaldkreises, in rauher Gegend im Schwarzwald, hat (1890) 367 evang. E.

Berneck, Karl Gust. von, Novellist und Militärschriftsteller, als letzterer Pseudonym Bernd von Guseck, geb. 28. Okt. 1803 zu Kirchhagen in der Niederlausitz, wurde 1820 preuß. Offizier, 1839 Lehrer an der Divisionsschule in Frankfurt a. O., 1848 Rittmeister und Lehrer der Mathematik an der Artillerieschule in Berlin und 1855 Major; 1862 nahm er seinen Abschied und starb 8. Juli 1871 zu Berlin. Seine vielen zerstreuten Arbeiten, die meist geschichtliche Stoffe behandeln, sind gesammelt in «Novellen und Erzählungen» (3 Bde., Lpz. 1837), «Vom Borne der Zeiten» (3 Bde., Berl. 1844), «Wildfeuer» (2 Bdchn., ebd. 1845) u.s.w. Von seinen durch patriotische Gesinnung ausgezeichneten Romanen sind zu nennen: «Die Stedinger» (Lpz. 1837), «Der