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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

Schlagworte auf dieser Seite: Bessarĭon; Bessastadir; Bessèges; Besseggen; Bessel

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Bessarion - Bessel

dem Generalgouverneur von Neurußland steht. Am Dnjestr liegen die Festungen Chotin und Bender, an der Mündung desselben Akjerman, der einzige Hafen von Bedeutung.

Geschichtliches. B. spielt als das Übergangsland aus den südruss. Steppen in die Donauniederungen in der Geschichte der Völker- und Kriegszüge aller Zeiten eine wichtige Rolle. Die frühesten bekannten Bewohner waren scythische Nomadenstämme. Im 2. Jahrh. v. Chr. finden sich daselbst die kriegerischen Geten. Seit 106 n. Chr. östlichster Teil der röm. Provinz Dacien, wurde das Land im 3. Jahrh. von den Goten besetzt, im 5. von den Hunnen verwüstet, dann folgten die Völkerzüge der Avaren, Bulgaren und Slawen, die hier ihre Städte (Bjelgorod) erbauten. Im 7. Jahrh. bemächtigten sich desselben die Bessen, von denen es seinen Namen trägt, im 9. die Ugrer, im 10. die Petschenegen, im 11. die Kumanen, Uzen und Polowzer, im 13. die Mongolenhorden des Batu Chan. In demselben Jahrhundert errichteten die Genuesen Handelsniederlassungen an den Ufern des Dnjestr. Von 1367 an war B. ein Teil der Moldau. 1503 geriet der südl. Teil B.s in die Gewalt der Türken, 1560 fielen 30000 Mann Nogaier in das Land ein und verwüsteten dessen nördl. Teil. In allen Türkenkriegen seit dem 18. Jahrh. wurde B. eine Beute der Russen: so 1711, 1736–39, 1787–91, 1806–12. Durch den Frieden von Bukarest (28. Mai 1812) fiel B. an Rußland, wurde 1818 zu einem «Gebiet», 1873 zum Gouvernement organisiert. Die im Pariser Frieden vom 30. März 1856 an die Moldau abgetretenen Gebiete, wie das Stadtgouvernement Ismail und der größte Teil des Kagulschen Kreises, sind durch den Berliner Frieden vom 13. Juli 1878 von Rumänien wieder an Rußland zurückgefallen. – Vgl. Nakko, Geschichte V.s von den ältesten Zeiten an (Odessa 1873).

Bessarĭon, Johannes oder Basilius, Humanist, geb. 1395 oder 1403 zu Trapezunt, einer der ersten, die im 15. Jahrh. altgriech. Philologie und Philosophie ins Abendland verpflanzten und eine freiere, der Scholastik entgegengesetzte Forschung anregten. Er trat 1423 in den Orden des Basilius, wo er den Gemistos Pletho zum Lehrer hatte und von diesem für den Platonismus begeistert wurde. 1437 Erzbischof von Nicäa geworden, begleitete er Kaiser Johannes Ⅶ. Paläologos nach Italien und erwirkte auf dem Konzil zu Florenz 1439 eine (freilich nicht nachhaltige) Union der griech. und röm. Kirche. Später trat B. zur röm. Kirche über. Papst Eugen Ⅳ. ernannte ihn zum Kardinal, Nikolaus Ⅴ. zum Bischof von Sabina, dann von Frascati und übertrug ihm die Legation von Bologna (1450–55). Nach dem Falle Konstantinopels suchte er in Deutschland auf den Reichstagen zu Nürnberg, Worms und Wien, später in Frankreich einen Kreuzzug gegen die Türken zu stande zu bringen und nahm sich seiner flüchtigen Landsleute thätig an. Er starb zu Ravenna 19. Nov. 1472. Im Streite über den Vorzug des Plato oder Aristoteles verwarf er bei aller Vorliebe für jenen diesen nicht. Venedig, wo er gern weilte, vermachte er für die Markusbibliothek seine 600 wertvollen griech. Handschriften. B.s Schriften (lat. Übersetzungen griech. Autoren, Streitschriften für Plato, Reden und Briefe) erschienen vereinzelt (am vollständigsten bei Migne, «Patrologia Graeca», Bd. 161, Par. 1866); die bedeutendste ist «Adversus calumniatorem Platonis» (Rom 1469). – Vgl. ^[Spaltenwechsel] Bandini, De vita et rebus gestis B. (Rom 1777); W. von Goethe, Studien und Forschungen über das Leben und die Zeit B.s (Heft 1, 1871); Vast, Le cardinal B. (Par. 1879).

Bessastadir, Ort auf Island, s. Reykjavik.

Bessèges (spr. bessähsch'), Hauptstadt des Kantons B. (51,90 qkm, 5 Gemeinden, 16218 E.) im Arrondissement Alais des franz. Depart. Gard, am rechten Ufer der zur Rhône gehenden Cèze und an der Linie Alais-B. (31 km) der Franz. Mittelmeerbahn, inmitten des sehr wichtigen Steinkohlenbeckens der Cèze, hat (1891) 8068, als Gemeinde 8673 E., ungemein tiefe Steinkohlen- und Eisengruben und bedeutende Hochofen und Glashütten. Durch Eindringen von Wasser in die Schächte wurden 1861 und 1869 große Unglücksfälle verursacht.

Besseggen, Gebirgskamm, s. Jötunfjeldene.

Bessel, Friedr. Wilh., einer der größten Astronomen aller Zeiten, geb. 22. Juli 1784 zu Minden, kam als Lehrling in ein Bremer Handlungshaus. Hier eignete er sich mathem. Kenntnisse an und gewann bald besonderes Interesse für Astronomie. Eine astron. Arbeit verschaffte ihm Olbers' Bekanntschaft, auf dessen Empfehlung er 1806 nach Lilienthal zu Schröter kam, wo er 4 Jahre die Stelle eines Inspektors und Observators auf dessen Privatsternwarte versah. Von hier 1810 nach Königsberg berufen, baute er 1811–13 die dortige Sternwarte, die, anfangs mit engl. Instrumenten ausgerüstet, 1819 mit neuen Reichenbachschen Instrumenten und später mit Fraunhoferschen und Repsoldschen von der höchsten Vollkommenheit versehen wurde. Er starb 17. März 1846. Zu B.s frühesten Schriften gehören die Abhandlung: «Über die wahre Bahn des im J. 1807 erschienenen Kometen» (Königsb. 1810) und die «Fundamenta astronomiae deducta ex observationibus J. Bradley» (ebd. 1818). Klassischen Wert haben seine «Untersuchungen über die Länge des einfachen Sekundenpendels für Königsberg» (Berl. 1828), denen sich später die Untersuchung über die «Bestimmung der Länge des einfachen Sekundenpendels in Berlin» (ebd. 1837) anschloß. Von großem Wert waren ferner die von ihm herausgegebenen «Astron. Beobachtungen auf der Sternwarte zu Königsberg», die Zeit von 1815 bis mit 1835 umfassend (21 Abteil., Königsb.1815–44; fortgesetzt von Busch), die «Tabulae regiomontanae reductionum observationum ab a. 1750 usque ad a. 1830 computatae» (ebd. 1830), die mit Baeyer ausgeführte und herausgegebene «Gradmessung in Ostpreußen» (Berl. 1838), die «Darstellung der Untersuchungen und Maßregeln, die in den J. 1835–38 durch die Einheit des preuß. Längenmaßes veranlaßt worden sind» (ebd. 1839) und «Astron. Untersuchungen» (2 Bde., Königsb. 1841–42). In den J. 1824–33 vollendete er eine Reihe von Zonenbeobachtungen von Sternen zwischen -15° und +45° Deklination. Eine seiner interessantesten kleinern Arbeiten ist die «Messung der Entfernung des Sterns 61 im Sternbilde des Schwans» in Schumachers «Jahrbuch» (1839). Zu den letzten der überaus zahlreichen, das gesamte Gebiet der Astronomie umfassenden Arbeiten B.s gehört eine Abhandlung vom J. 1844, welche die genauesten Untersuchungen über die Veränderlichkeit der eigenen Bewegungen von Sirius und Procyon enthält; er schloß daraus, daß sich in der Nähe dieser Fixsterne große, aber uns unsichtbare Massen befänden, die mit dem sichtbaren Stern zusammengenommen ein System