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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

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Beuteldachs - Beutelstare

Beuteldachs oder Bandikut (Peramelidae), eine Familie der insektenfressenden Beuteltiere (s. d.), deren Mitglieder sich durch eine rüsselförmig zugespitzte Schnauze, große Ohren, eine an die Springbeutler erinnernde Körpergestalt und sehr eigentümliche Zehenbildung auszeichnen. An den Vorderfüßen sind nur die drei Mittelzehen ausgebildet, die übrigen zu Warzen verkümmert, an den Hinterfüßen die zweite und dritte Zehe bis zur Kralle verwachsen, die vierte sehr vergrößert, die erste und fünfte rudimentär. Hierher gehört der Nasenbeuteldachs (Perameles nasuta Geoffr., s. Tafel: Beuteltiere 1, Fig. 2), ein mausfarbenes, langschwänziges, mardergroßes Tier aus Neusüdwales, das sich von Insekten und Pflanzen ernährt und in selbstgegrabenen Höhlen haust.

Beutelgaze, s. Beuteltuch.

Beutelhund, s. Beutelwolf.

Beutelkartätschen, Kartätschen, deren Kugelfüllung in Beutel statt, wie jetzt fast nur gebräuchlich, in Metallbüchsen gefüllt war.

Beutelknochen (Ossa marsupialia), ein Paar schlanker Knochen, von denen jederseits einer dem vordern Schambeinrand des Beckens bei den Beuteltieren und Monotremen, in rudimentärer Form auch bei einigen Raubtieren, aufsitzt und in die Muskulatur der Bauchwand hineinragt. Bei weiblichen Beuteltieren dienen sie auch als Stütze des Beutels.

Beutelkrebs, s. Einsiedlerkrebse.

Beutelmarder, Raubbeutler (Dasyurus), Beuteltiere (s. d.) Australiens von Dachs- oder Mardergestalt, die durch die spitze, nackte Scknauze mit langen Schnurren, die scharfen Sichelkrallen an den hinten vierzehigen Füßen und besonders die spitzen Eckzähne und scharfen, zackigen Mahlzähne ihre Raubtiernatur zeigen. Zu den typischen B. gehört der Zibethbeutler (Dasyurus viverrinus Geoffr., s. Tafel: Beuteltiere I, Fig. 3), ein sehr verschieden gefärbtes, über 40 cm langes Tier mit langem, buschigem Schwanz, gleich den meisten Arten seiner Gattung mit weißen Flecken gezeichnet; es bewohnt Tasmanien und Neusüdwales und nährt sich räuberisch von kleinen Tieren. Eine kurzschwänzige Gruppe mit fünfzehigen Hinterfüßen trägt den Gattungsnamen Diabolus. Hierher gehört der auf Tasmanien einheimische Teufel oder Beutelbär (Diabolus ursinus Geoffr.), ein wütendes Tier von gedrungener Gestalt, mit buschigem, dickem Schwanz, kurzem Kopf mit kleinen Katzenohren, fast schwarz oder braunschwarz mit heller Brustbinde, das tags über in hohlen Bäumen und Erdhöhlen schläft, nachts auf Raub ausgeht, trotz seiner geringen Größe, da es höchstens 60 cm lang wird, sogar Schafe anpackt, mit besonderer Gewandtheit aber die Hühnerhöfe beraubt. Die meisten typischen B. haben lange Schwänze, sind weniger grimmig und lassen sich zähmen. Zibethbeutler und Teufel gelangen häufiger auf den europ. Tiermarkt und sind zuweilen in den Tiergärten zu finden. Jener wird mit 30 M., dieser mit 150 M. bezahlt. Ein mäßig großer Raum genügt den trägen Tieren, und als Futter Pferdefleisch. In den zoologischen Gärten zu Köln haben sich beide Arten bereits fortgepflanzt.

Beutelmaschinen, s. Mühlenbeutelmaschmen.

Beutelmeise, s. Meise.

Beutelnager, s. Beuteltiere.

Beutelratten (Didelphyidae), eine zu den fleischfressenden Beuteltieren (s. d.) gehörende und rein amerik. Saugetierfamilie mit mehrern Gattungen und über 40 Arten, unterscheidet sich von den Verwandten durch die mit nagellosem, abgesetztem Daumen versehenen Hinterfüße und den langen, nur am Grunde behaarten, übrigens nackten und mit Schuppenringen besetzten Schwanz. Der Körperbau ist gestreckt, der Kopf lang und zugespitzt; die Zahl der Zähne beträgt 50. Die Füße sind kurz, mit starken krummen Krallen bewehrt und die Augen mit einer Nickhaut versehen. Unter den Arten, welche Nordamerika bewohnen, ist die bekannteste und größte die virginische Beutelratte oder das Opossum (Didelphys virginiana Shaw), von Mexiko bis Pennsylvanien und Canada verbreitet, 50 cm lang ohne den 30 cm langen Schwanz. Der wertlose Pelz ist schmutzigweiß, bald mehr ins Gelbliche, bald ins Gräuliche und an den Füßen und Augen, über welchen letztern ein weißlicher Fleck steht, in rußiges Braun übergehend. Die großen, dünnhäutigen, schwärzlichen Ohren, der unbehaarte, bleich-fleischfarbene Wickelschwanz, die vorstehenden Augen und die eigentümliche, starke, unangenehme Ausdünstung machen das Opossum zu einem widerlichen Tier. Es verschläft den Tag in hohlen Bäumen und geht des nachts auf die Jagd nach Vögeln, kleinen Säugetieren, Reptilien und Insekten, dringt aber auch in die Hühnerställe, wo es alles tötet, was es erreichen kann. Um bei Verfolgungen sich zu retten, rollt es sich in einen Knäuel zusammen und behauptet, wenn es aufgefunden wird, hartnäckig, selbst gegen Stöße und Verwundungen, den Schein des Totseins. Die 12-16 Jungen, welche sehr unvollkommen als kleine, formlose, nur 80 g wiegende Klumpen geboren werden, hängen sich in der Beuteltasche an die Zitzen der Mutter, wo sie sich festsaugen und in etwa 50 Tagen die nötige Ausbildung erlangen. Das Fleisch ist zwar weiß, zart und fett, besitzt aber einen widrigen Geruch und wird nur von Negern gegessen. Eine zweite Art dieser Gattung, die surinamische Beutelratte (Didelphys dorsigera L.), ist besonders dadurch merkwürdig, daß sie die Jungen auf dem Rücken herumträgt und ihnen dabei den Schwanz zum Anhalt darbietet, weil sie statt einer Beuteltasche nur eine flache Hautfalte hat. Sie ist graugelb, an Stirn und Wangen weiß, etwa 20 cm lang ohne den 18 cm langen Schwanz, und lebt in Surinam, Guayana und dem nordöstl. Brasilien. Eine dritte, gleichfalls brasil. Art, die graue Beutelratte (Didelphys cinerea Temminck, s. Tafel: Beuteltiere I, Fig. 4), hat 50 cm Länge, wovon 28 cm dem Schwanz zukommen. In der Gefangenschaft findet man in der Regel nur die virginische Beutelratte, die mit 25 M. bezahlt und mit Pferdefleisch ernährt wird. Besondere Freude bereitet sie ihrem Pfleger nicht, da sie den ganzen Tag über still daliegt und, aufgescheucht, nur die Zähne zeigt.

Beutelsbach, Marktflecken im Oberamt Schorndorf des württemb. Jagstkreises, 11 km östlich von Schorndorf, nahe der Mündung der Beutel in die Rems, hat (1890) 1467 E., darunter 67 Katholiken, Postagentur, Telegraph; Alabasterbrüche, Obst- und Weinbau. Die alte Kirche des 1321 nach Stuttgart verlegten Heiligenkreuzstifts enthielt die Grabstätten der Grafen von Württemberg bis 1320. Auf dem Kapellberge die Ruine der Beutelsburg, der 1311 zerstörten Stammburg des württemb. Königshauses.

Beutelstare oder Krähenstärlinge, auch Stirnvögel (Cassicus, Ostinops), schlanke Vögel von mehr als Starengröße, aus der Familie der Stärlinge, welche Südamerika bewohnen, lange,