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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

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Beyrich (Ferd.) - Beza

franz. Vorlagen hat sie frei bearbeitet: "Vater Carlets Pflegekind" (1876), "Doris und Dora" (1879), "Der Weg zum Glück" (1881), "Elfriede" (1890).

Beyrich, Ferd., chem. Techniker, geb. 25. Nov. 1812 in Berlin, wurde daselbst Apotheker, wandte aber später sein Interesse der Herstellung photogr. Chemikalien für den Kollodiumprozeß zu, dessen Bedarfsartikel bis dahin fast ausschließlich von Frankreich geliefert wurden. B. wurde dadurch der Begründer der jetzt blühenden photogr.-chem. Industrie Deutschlands. Später betrieb er die Herstellung aller photogr. Bedarfsartikel und zog sich 1861 gänzlich von der Pharmacie zurück. Besondere Verdienste erwarb er sich durch Mitbegründung des Photographischen Vereins (1864) und des Vereins zur Förderung der Photographie in Berlin (1869). Er starb 29. Aug. 1869 zu Berlin.

Beyrich, Heinr. Ernst, Geolog und Paläontolog, Bruder des vorigen, geb. 31. Äug. 1815 zu Berlin, ist Professor der Geologie an der Universität daselbst und Mitdirektor der preuß. Geologischen Landesanstalt. Als akademischer Lehrer hat er sich viele Verdienste um die Belebung der exakten geolog. Forschungen im Sinne und Geiste Leopold von Buchs erworben. Er schrieb "Beiträge zur Kenntnis der Versteinerungen des rhein. Übergangsgebirges" (Berl. 1837), "über einige böhm. Trilobiten" (ebd. 1845), "Untersuchungen über die Trilobiten" (ebd. 1846), "Die Konchylien des norddeutschen Tertiärgebirges" (6 Hefte, ebd. 1853-57), "Über die Crinoiden des Muschelkalks" (ebd. 1857), "Über Semnopithecus pentelicus" (ebd. 1860), "Über eine Kohlenkalkfauna von Timor" (ebd. 1865), "Über einige Cephalopoden aus dem Muschelkalk der Alpen und über verwandte Arten" (ebd. 1867). Auch ist unter seiner Leitung die "Geologische Karte von Preußen und den thüring. Staaten" (im Maßstabe 1: 25 000) in der Ausführung begriffen.

Beyschlag, Robert, Maler, geb. 1. Juli 1838 in Nördlingen, besuchte die Akademie von München, wo er mit Hauschild, Schwoiser u. a. zu den Nachfolgern seines Lehrers Ph. Foltz gehörte. Die Gegenstände seiner Gemälde sind meist lyrischer oder idyllischer Natur und schöpfen aus dem reichen Stoff des Frauen- und Liebelebens, das er meist im deutschen Renaissancegewande koloristisch reizvoll, aber nicht ohne eine gewisse Monotonie und Sentimentalität darstellt. Von seinen größern Kompositionen sind hervorzuheben: Iphigenie auf Tauris (1861), Das Bildnis des Geliebten (1871), Frühlings Erwachen (1874), Der Hochzeitszug (1876), Mutterglück, Brückenzoll, Frühling im Mittelalter (1878), Abzug der Besatzung, Die Dorfkokette (1892).

Beyschlag, Willibald, evang. Theolog, geb. zu Frankfurt a. M. 5. Sept. 1823, studierte 1840-44 zu Bonn und Berlin Theologie und wurde nach kurzem Vikariat zu Koblenz 1850 als Hilfspfarrer nach Trier, 1856 als Hofprediger nach Karlsruhe berufen. Hier nahm B. als Verteidiger des Kirchenregiments gegen die liberale Agitation an dem 1858 wegen Einführung der neuen Agende ausbrechenden bad. Kirchenstreit lebhaften Anteil. 1860 wurde er als Professor der praktischen Theologie nach Halle berufen. Als seit 1873 die synodale Verfassung der altpreuß. Landeskirche ins Leben gerufen ward, begründete B. die Mittelpartei, durch deren Unterstützung auf der außerordentlichen Generalsynode von 1875 das Verfassungswerk im Sinne der Regierung vollendet wurde. Mit Wolters gründete B. als Organ der Mittelpartei die Monatsschrift "Deutschevang. Blätter". 1886 ging vornehmlich von ihm die Anregung zur Bildung des "Evang. Bundes zur Wahrung der deutsch-prot. Interessen" aus. Von B.s Schriften sind zu nennen: "Aus dem Leben eines Frühvollendeten" (2 Tle., Berl. 1859; 6. Aufl., Halle 1889), "Christologie des Neuen Testaments" (Berl. 1866), "K. J. Nitzsch, eine Lichtgestalt der neuern Kirchengeschichte" (ebd. 1872), "Erinnerungen an Albrecht Wolters" (Halle 1880), "Zur deutsch-christl. Bildung" (ebd. 1880), "Der Altkatholicismus" (1. bis 3. Aufl., ebd. 1882-83), das "Leben Jesu" (2 Bde., ebd. 1885; 3. Aufl. 1893), "Neutestamentliche Theologie" (2 Bde., ebd. 1891-92), "Offener Brief an den hochwürdigen Bischof von Trier" (Lpz. 1893), Predigtsammlungen und die Gedichtsammlung "Blütenstrauß vom Lebensweg" (Halle 1893).

bez. oder b., auf Kurszetteln = bezahlt, d. h. es fanden zu dem angegebenen Preise Umsätze statt.

Beza, Theodor, eigentlich de Béze, nach Calvin Haupt der reform. Kirche zu Genf, geb. 24. Juni 1519 zu Vezelay, aus altem burgund. Adel, seit 1528 von dem deutschen Humanisten Melchior Wolmar erzogen, studierte seit 1535 zu Orleans die Rechte und ging 1539 nach Paris, um seine jurist. Thätigkeit zu beginnen. Im Besitz reicher Pfründen, zugleich durch die Herausgabe seiner "Juvenilia" als Humanist und Dichter berühmt, sah sich B. am Eingang einer glänzenden Laufbahn, als er nach einer schweren Krankheit beschloß, sich ganz dem Dienst der Reformation zu widmen. 1548 traf er in Genf ein und übernahm 1549 eine Professur der griech. Sprache an der Akademie zu Lausanne. Dort schrieb B. gegen den berüchtigten Ketzerrichter Peter Lizet die Spottschrift "Passavantius", mehrere dramat. Bearbeitungen von alttestamentlichen Geschichten und vor allem eine Übersetzung der Psalmen, welche in den franz.-reform. Gottesdiensten allgemein gesungen wurden. An den kirchlichen Kämpfen nahm er teil durch Verteidigung der Calvinschen Prädestinationslehre gegen Bolsec und der Verbrennung Servets; 1557 war er Mitglied einer Gesandtschaft, welche die großen Kantone der Schweiz und die evang. Fürsten Deutschlands bestimmen sollte, der franz. Regierung Vorstellungen zu Gunsten der Waldenser in Piemont und der verfolgten Brüder in Paris zu machen. 1559 siedelte B. als Prediger und Professor der Theologie nach Genf über, und verließ die Stadt 1561 nur, als es den Anschein gewann, daß in Frankreich der Protestantismus den Sieg davontragen werde, war auf den Religionsgesprächen zu Poissy (Sept. 1561) und zu St. Germain (Jan. 1562) der Sprecher der Protestanten und wirkte voll Eifer für die Sache der Hugenotten, bis durch das von Condé angenommene Pacifikationsedikt vom 12. März 1563 die Niederlage entschieden war. Darauf kehrte B. nach Genf zurück und ward 1564 Calvins Nachfolger in der Leitung der Genfer Kirche. Er leitete die Synoden zu La Rochelle 1571 und zu Nimes 1572, wo er sich Morels Antrag auf Änderung der Kirchenzucht widersetzte und die Lehre durchsetzte, daß im Abendmahl der Leib Christi seiner Substanz nach empfangen werde, ging 1574 in Geschäften des Prinzen Condé an den pfälz. Hof und maß sich 1586 bei dem Religionsgespräch zu Mömpelgard mit den württemb. Theologen, besonders mit Jak. Andreä. B. starb 13. Okt. 1605. Durch entschiedenes Eingehen in