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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

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Bholanpaß - Bhotan

Bholanpatz, s. Bolanpaß.

Bhooj, s. Bhudsch.

Bhopal. 1) Mohammed. Vasallenstaat des Indobritischen Reichs in Malwa, bildet in administrativer und polit. Hinsicht die B. Political Agency des Oberkommissariats Centralindien, grenzt im N. und W. an Gwaliar und einige kleinere Staaten der centralind. Agentschaft, im S. an die Narbada und das Gebiet Nimawar des Holkar von Indaur, im O. an den brit. Distrikt Sagar (in der Division Dschabalpur), hat 17 568 qkm und (1891) 95 2486 E. (d. i. 58 auf 1 qkm), darunter 747 000 Hindu, 82 000 Mohammedaner (meist Abkömmlinge der unter Aurangseb aus Nordindien eingewanderten afghan. Pathan), 119 000 Angehörige von ureingeborenen Stämmen. Der südlichste Teil gehört dem Flußthale der Narbada an. Von hier erhebt sich das Land nach der Kette des Windhjagebirges hin, auf dessen Nordseite dasselbe, ein Plateau bildend, mit seiner größeren Hälfte gelegen ist. B. wird von den Flüssen Narbada, Betowa und Parbati bewässert. Die Einkünfte von B. betragen jährlich 2 811 600 M.; das Heer besteht aus 694 Reitern, 2200 Fußsoldaten und 291 Artilleristen mit 57 Geschützen. - 2) Hauptstadt des Staates B., 23° 15½' nördl. Br. und 77° 26' östl. L., in 509 m Höhe gelegen, von einem gemauerten Walle umgeben, hat (1891) 70 338 E., breite, gerade Straßen sowie ein Fort, zeigt aber wie auch die fürstl. Residenz, das südwestlich von der Stadt auf einem Felsen erbaute, befestigte Schloß Fatihgarh, allenthalben Spuren des Verfalls. Südwestlich von letzterm befindet sich ein künstlich angelegter, 7,25 km langer und 2,4 km breiter, mit Fischen und Krokodilen erfüllter tiefer Teich, von dem die Stadt durch eine Wasserleitung ihr Wasser erhält. Ein halb so großer Teich liegt östlich von der Stadt. Von B. führt über Hoschangabad eine Eisenbahn nach Itarsi, zum Anschluß an die Linie Bombay-Allahabad oder an die demnächst zu eröffnende Linie Bombay-Kalkutta und eine Linie nach Ihansi mit Anschluß nach Agra und Kanpur.

Geschichte. Das Reich B. wurde von dem Afghanen Dost Muhammad gegründet, der, früher im Dienst von Aurangseb stehend, sich unabhängig machte und 1723 starb. Stifter der gegenwärtigen Dynastie war Wasir Muhammad, der seine Unabhängigkeit wiederholt gegen die Angriffe der Mahratten, namentlich 1809-12, mit ebensoviel Tapferkeit als Glück verteidigte. Er starb 1816. Sein Sohn Nasar Muhammad schloß 1818 einen Vertrag mit den Engländern, wodurch seinem Reiche die Unabhängigkeit garantiert wurde, unter der Bedingung, daß derselbe ein Kontingent von 300 Fußsoldaten und 600 Reitern zu der engl.-ind. Armee stellte. Als der Nawwab bald nachher starb, hinterließ derselbe eine einzige Tochter, Sikandar-Begam, welche, verheiratet mit ihrem Neffen, eine Schah-Dschahan genannte Tochter gebar. Sikandar-Begam leitete die Verwaltung von B. mit so vieler Geschicklichkeit und Kraft, daß sie zur Herrscherin über dieses Reich und ihre Tochter zu ihrer Nachfolgerin ernannt wurde. Für ihre guten Dienste 1857 bei Gelegenheit des Aufstandes der Sepoys erhielt sie von den Engländern eine Vergrößerung ihres Grundgebietes. Als sie 1868 auf der Pilgerfahrt nach Mekka starb, folgte ihr ihre Tochter unter dem Titel Nawwab Schah Dschahan Begam, die sich 1874 mit Ahmad Ali-Chan vermählte; ihre Tochter, Sultan Dschahan Begam, ward 1884 als künftige Thronerbin bestätigt.

Bhot, Bhotia, Bhutija (hindustan. bhôt; tibet. bod-pa, der Tibeter; der Name hat mit Buddha nichts zu thun), ind. Name eines Zweiges des tibetan. Volks, das in den Gebirgsländern des Himalaja zwischen den Flüssen Kali und Tista in größter Zahl lebt. Sie sind in Bhotan (s. d.) und Sikkim durch Zahl und Kultur die herrschende Bevölkerung; in Nepal sind sie schwächer vertreten. Stets im Zusammenhang mit Tibet, sind sie ganz teilhaft dieser Kultur, sie erkennen die geistliche Oberherrlichkeit des Dalai-Lama an und werden von einem inkarnierten Heiligen, dem Dharmaradscha, regiert. Aber im Gegensatz zu der gelben (reformierten) Religion Tibets, vertreten die B. die rote (ältere) Schule. Das Mönchtum beansprucht einen großen Teil der Bevölkerung, ist aber in viele Sekten zerfallen. Die physischen Eigenschaften stimmen mit denen der Tibeter überein (s. Tafel: Asiatische Völkertypen, Fig. 8). Wie diese haben sie Polyandrie. Die Büchersprache und Schrift ist tibetisch, die Volkssprache aber ein eigener Dialekt. (S. Himalajavölker.) - Vgl. Hunter, A statistical account of Bengal, Bd. 10 (Lond. 1875); Graham Sandberg, Manual of the Sikkim Bhutia language (Kalkutta 1888).

Bhotan, auch Bhōtāng, Bhōtānt oder Bhōt (falsch: Bhutan), unabhängiger Staat in den südl. Abhängen des Himalaja, zwischen 26° 45' und 28° nördl. Br. und zwischen 89 und 92° östl. L. von Greenwich, im N. durch den Himalaja von Tibet getrennt, grenzt im W. an Sikkim, im S. an die brit. Distrikte Goalpara und Kamrup der Provinz Assam und den bengal. Distrikt Dschalpaïguri, im O. an ein noch sehr wenig bekanntes, von barbarischen Stämmen bewohntes Gebirgsland und hat etwa 34 900 qkm. B. ist ein Alpenland, in dessen Innerm sich einzelne Berge bis über 5000 m erheben, während die Kammlinie dieses östlichsten Teils vom Himalaja mehrere 7-8000 m hohe Gipfel besitzt. Eine Anzahl von Nebenflüssen des Brahmaputra, von denen der Manas mit Kuru-tschu und Mali-tschu, der Sankosch, Raidak und Ma-tschu die bedeutendsten sind, durchströmt B. von N. nach S. Das Land ist reich an Wäldern, aber an allen nur irgend zugänglichen Stellen sorgfältig angebaut und mit Fruchtbäumen bepflanzt. Eine Anzahl breiter, sanft abfallender Hügelrücken, "Dwar" (Thüren), d. h. Pässe, führt in die Ebene von Assam und Bengalen herab, darunter der 3405 m hohe Bielja nach Paro und der 3316 m hohe östlichere Pelilapsa nach Tongsu. Die Zahl der Bewohner, Bhotia oder Bhot (s. d.), beträgt nicht viel über 200 000 (d. i. 6 auf 1 qkm). Die Verfassung ist eine eigentümliche. An seiner Spitze steht als erblicher Fürst der Dharma-Radscha, welcher, gleichwie der Dalai-Lama in Tibet, für eine Inkarnation von Buddha gilt. Die Ausübung aller weltlichen Macht dagegen ist in Händen des jedesmal für 3 Jahre gewählten Deb-Radscha oder weltlichen Gebieters. Unter dem erstern Radscha steht ein geistlicher Rat von 12 Murk, unter dem andern ein weltlicher Rat von 6 Zimp, die einen permanenten Ministerrat ("Lenehen") bilden. Dem Deb-Radscha sind 2 Statthalter untergeordnet, von denen der eine, Paro-Penlo genannt, das Land westlich vom Sankoschflusse, der andere, Tongsu-Penlo, das östlich von demselben gelegene Land verwaltet. Unter jedem von ihnen stehen 6 Distriktskommissare. Während des Winters bewohnen beide Radscha das 1222 m ü. d. M. gelegene Panakha,