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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

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Bicêtre - Bicornis

von Oxford, hat (1891) 3343 E., eine schöne, 1126 gegründete, 1862 restaurierte Kirche, Spitzen- und Sackleinwandfabrikation. In der Nähe röm. Altertümer; 5 km im W. Middleton-Stony mit dem Middletonpark.

Bicêtre (spr. bisiähtr), berühmtes Hospital in der Nähe und auf der südwestl. Seite von Paris, auf einer kahlen Höhe, war vormals ein altes Ritterschloß, wurde von Ludwig XIII. zur Wohnung für invalide Offiziere und Soldaten eingerichtet, aber nachher, als Ludwig XIV. das große Invalidenhaus gestiftet hatte, in ein Civilhospital umgewandelt. Bis 1837 befand sich in B. auch ein Gefängnis für zum Tode oder zu den Galeeren verurteilte Verbrecher. Gegenwärtig ist B. ausschließlich ein Armen-, Kranken- und Irrenhaus mit ungefähr 3000 Betten, wovon ungefähr 1000 für die Blöd- und Wahnsinnigen, die übrigen für die Armen bestimmt sind, welche wenigstens 70 J. alt oder mit unheilbaren, zu jeder Arbeit untauglich machenden Gebrechen behaftet sein müssen, wenn sie zugelassen werden sollen.

Bichat (spr. bischah), Marie François Xavier, franz. Arzt, geb. 11. Nov. 1771 zu Thoirette im Depart. Jura, studierte in Lyon und Paris Medizin, hielt seit 1797 Vorlesungen über die Anatomie in Verbindung mit Experimentalphysiologie und Chirurgie und wurde 1800 Arzt am Hôtel-Dieu in Paris, starb aber schon 22. Juli 1802. B. schuf die sog. allgemeine Anatomie, die Lehre von den Geweben des menschlichen Körpers und ihrer Gleichartigkeit in den verschiedenen Organen, und ist somit als der eigentliche Begründer der physiol. Medizin zu betrachten. Seine Hauptwerke sind: "Traité des membranes" (Par. 1800 u. ö.), der in fast alle europ. Sprachen übersetzt wurde (deutsch von Dörner, Tüb. 1802), "Recherches physiologiques sur la vie et la mort" (Par. 1800; deutsch von Veizhans, Dresd. 1802), "Anatomie générale" (2 Bde., Par. 1801 u. ö.; deutsch von Pfaff, 2 Bde., Lpz. 1802).

Biche (frz., spr. bisch), Hindin; auch soviel wie Lorette (s. d.); Bicherie, Lorettenwirtschaft.

Biche de mer (spr. bisch de mähr), franz. Benennung für Trepang, s. Holothurien.

Bicho (span., spr. bitscho), Hautwurm (in Südamerika), wahrscheinlich die Larve einer Fliege; Bicho del culo, eine von ihm erzeugte gefährliche Krankheit am After. Auch der Sandfloh wird mit diesem Namen, der eigentlich Giftschlange bedeutet, bezeichnet.

Bichon (frz., spr. bischóng), Schoß-, Bologneser-Hündchen.

Bicinium (lat.), Tonstück für zwei Stimmen, ungefähr dasselbe, was heute Duett genannt wird. Während aber heute unbegleitete Duette selten sind, verwendet die ältere a capella-Komposition die bicinia ziemlich häufig. Ein Meister in ihrer Behandlung ist Orlando Lasso.

Bickaner, s. Bikanir.

Bickbeere, s. Vaccinium.

Bicke, Werkzeug, s. Picke.

Bickell, Gust. Wilh. Hugo, kath. Theolog und Sprachforscher, geb. 7. Juli 1838 zu Cassel, Sohn des folgenden, studierte seit 1857 zu Marburg und Halle, habilitierte sich 1862 in Marburg für semit. und indogerman. Sprachen, trat 1865 zur kath. Kirche über, erhielt 1867 die Priesterweihe, sowie die Professur für orient. Sprachen in Münster, wurde 1874 Professor der semit. Sprachen in Innsbruck, 1891 in Wien. Außer zahlreichen Abhandlungen schrieb B.: "De indole ac ratione versionis Alexandrinae in inte pretando libro Jobi" (Marb. 1862), "Grundriß der hebr. Grammatik" (2 Tle., Lpz. 1869-70), "Gründe für die Unfehlbarkeit des Kirchenoberhauptes“ (2. Aufl., Münst. 1870), "Conspectus rei Syrorum litterariae" (ebd. 1871), "Messe und Pascha" (Mainz 1872), "Metrices biblicae regulae exemplis illustratae" (Innsbr. 1879), "Synodi Brixinenses saeculi XV" (ebd. 1880), "Carmina veteris testamenti metrice" (ebd. 1882), "Dichtungen der Hebräer" (3 Tle., ebd. 1882-83), "Der Prediger (Koheleth) über den Wert des Daseins" (ebd. 1884), "Ein Papyrusfragment eines nichtkanonischen Evangeliums" (ebd. 1885), "Das Buch Job" (Wien 1894); auch besorgte er Ausgaben der "Caramina Nisibena" Ephräms des Syrers (Lpz. 1866), der Werke Isaaks von Antiochien (2 Bde., Gieß. 1873-77), des syr. Werkes "Kalilag und Damnag" (Lpz. 1876) und Übersetzungen "Ausgewählter Schriften und Gedichte syr. Kirchenväter" (in der "Kemptner Sammlung der Kirchenväter", Bd. 71 u. 72).

Bickell, Joh. Wilh., Kirchenrechtslehrer, geb. in Marburg 2. Nov. 1799, studierte hier und in Göttingen Rechtswissenschaft, habilitierte sich 1820 in Marburg, wurde 1824 außerord., 1826 ord. Professor daselbst, 1832 Oberappellationsgerichtsrat in Cassel, 1841 Direktor des Obergerichts zu Marburg, 1845 Vicepräsident des Oberappellationsgerichts zu Cassel, 1846 Vorstand des kurhess. Justizministeriums. Er starb 23. Jan. 1848 in Cassel. Die bedeutenden Ergebnisse der neuern Forschung auf dem Gebiete der ältern Quellengeschichte des Kirchenrechts wurden vielfach durch B. angeregt und vorbereitet. Von seiner "Geschichte des Kirchenrechts" erschien nur Lieferung 1 (Gieß. 1844) und 2 (hg. von Röstell, Frankf. a. M. 1849). Von seinen Schriften ist noch zu erwähnen: "Über die Entstehung und den heutigen Gebrauch der beiden Extravagantensammlungen des "Corpus juris canonici" (Marb. 1825), "De paleis quae in Gratiani decreto inveniuntur" (ebd. 1827), "Über die Reform der prot. Kirchenverfassung" (ebd. 1831), "Über die Verpflichtung der evang. Geistlichen auf die symbolische Schriften" (Cass. 1839; 2. Aufl. 1840).

Bickfordsche Zündschnur, s. Leitfeuer.

Bicocca, Dorf zwischen Mailand (7 km) und Lodi, geschichtlich denkwürdig durch den Sieg, den 27. April 1522 die Kaiserlichen unter Prospero Colonna über die Franzosen unter Lautrec davontrugen. Zuerst wurden durch Frundsberg die 10 000 schweiz. Söldner unter Albrecht von Stein und Arnold von Winkelried vernichtet und dann der im Rücken angreifende Lautrec geschlagen. Nach dem Abzug der noch übrigen Schweizer mußte nun Lautrec die Lombardei räumen, in der die Franzosen nur die Citadelle von Mailand, Cremona und Novara behaupteten. Von dieser Schlacht heißt Bicoque im Französischen eine leicht einzunehmende Festung.

Bicolor (lat.), zweifarbig.

Bicoque (frz., spr. bikóck), s. Bicocca.

Bicornen, s. Bicornis.

Bicornis (lat.), zweihörnig; bicornĭger, der Zweigehörnte, Beiname des Bacchus. - Bicornen, zweihörnige Tiere. - In der Botanik heißt Bicorncn eine Ordnung aus der Gruppe der Dikotyledonen, Abteilung der Sympetalen, charakterisiert durch meist regelmäßige, zwitterige Blüten mit fünfzähligem Kelch, fünfzähliger Blumenkrone, 10 Staubgefäßen, deren Antheren in der Regel mit 2 Hörner-^[folgende Seite]