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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

Schlagworte auf dieser Seite: Bieberst; Biebrich; Biebricher Scharlach; Biecz; Biedenkopf; Biedermann

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Bieberst. - Biedermann (Friedr. Karl)

bedeutenden Eisensteinbergbau und Grubenbahn nach Gelnhausen, Viehzucht, Ausfuhr von Brenn- und Nutzholz und wird als Sommerfrische besucht.

Bieberst., s. Bieb.

Biebrich (Biebrich-Mosbach), Stadt im preuß. Reg.-Bez. und Landkreis Wiesbaden, 5 km südlich von Wiesbaden, in reizender Lage rechts vom Rhein und an den Linien Frankfurt a. M.-Rüdesheim (Bahnhof Mosbach) und Frankfurt-Wiesbaden mit Station Curve, von wo eine Zweigbahn (5,9 km) nach B. führt, der Preuß. Staatsbahnen, ist Station der Rheindampfschiffahrt (Mannheim-Köln-Rotterdam), hat (1890) 11 023 E., darunter 3742 Katholiken, evang. und kath. Pfarrkirche, städtisches und königl. Realprogymnasium (9 Lehrer, 134 Schüler), Privatknabeninstitut (Dr. Künkler), städtische höhere Mädchenschule, Mädcheninstitut, seit 1867 eine königl. Unteroffizierschule (649 Mann) in der schönen Kaserne, ein Postamt erster Klasse, Telegraph, Zollamt, Hauptsteueramt, großherzoglich luxemb. Finanzkammer, Dampfstraßenbahn nach Wiesbaden, und war bis zum J. 1840 die Residenz des Herzogs von Nassau. Das Schloß, im franz. Geschmacke 1699-1706 begonnen und von Karl August von Nassau-Usingen (gest. 1753) vollendet, ist der schönste Fürstenpalast am Rhein und war bis 1866 die Sommerresidenz des Herzogs. In demselben die Moosburg, erbaut 1806 auf den Trümmern der alten Kaiserpfalz Biburk. Beim Landeplatz der Dampfboote ein Denkmal für 1870/71. B. hat Fabrikation von Cement und Cementwaren, Anilin, künstlichem Dünger, Schwefelsäure, Dachpappe, Seife und Essig; Eisengießereien, Gipsbrennereien und Holzschneidereien. Südöstlich, nach Kastel zu, wo sich noch die Spuren eines Römerkastells finden, mag Cäsar bei seinem zweiten Zuge gegen die Sueven, und Agrippa, als er gegen die Katten zog, über den Rhein gegangen sein. Nachdem B. die Rechte eines Freihafens (Rheinschiffahrtsakte von 1831) erhalten hatte, legte die nassauische Regierung für größere Schiffe und Dampfboote bei B. einen Landungsplatz an und baute von der gegenüberliegenden Insel (Biebricher Wörth) eine 300 m lange Fangbuhne in südl. Richtung nach der Ingelheimer Aue. Die hess.-darmst. Regierung ließ, veranlaßt durch den Mainzer Handelsstand, der den Wettbewerb von B. fürchtete, in der Nacht vom 1. März 1841 durch 103 mit Steinen beladene Neckarschiffe an der Spitze der nassauischen Fangbuhne das Fahrwasser nach der Hess. Petersaue zuwerfen und verlegte es auf den linken Stromarm, mußte jedoch durch Vermittelung des Bundestags den Steindamm wieder herausschaffen.

^[Abb.]

Biebricher Scharlach, ein wichtiger, 1878 entdeckter Tetrazofarbstoff (s. Azofarbstoffe). Man stellt ihn dar, indem man Sulfosäuren des Amidoazobenzols mit Natriumnitrit in die Diazoverbindung umwandelt und auf dieselbe ß-Naphthol in alkalischer Lösung einwirken läßt. Die chem. Konstitution des B. S. ist in folgender Formel wiedergegeben:

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und es existiert eine große Zahl Wolle rot färbender Azofarbstoffe (Croceinscharlach, Doppelscharlach, Ponceau, Azorubin, Bordeaux) von ganz ähnlicher Konstitution.

Biecz (spr. bjetsch), Stadt in der österr. Bezirkshauptmannschaft Gorlice in Galizien, auf einer Anhöhe an der Ropa, einem Nebenflusse der Wisloka und der Linie Grybow-Neu-Zagorz der Osterr. Staatsbahnen, hat (1890) 957, als Gemeinde 3180 poln. E., Bezirksgericht (27 739 E.), Steueramt, eine große got. Pfarrkirche mit merkwürdigen Grabmälern, ein Schloß (jetzt Reformatenkloster) und ein reich ausgestattetes städtisches Armenhaus. B., eine der ältesten Städte Polens, war ehemals königl. Freistadt, die als sog. "parva Cracovia" an Reichtum jahrhundertelang mit Krakau wetteiferte. Von der alten Burg- und Stadtbefestigung sind noch Überreste vorhanden. B. ist der Geburtsort des bekannten Chronisten Martin Cromer.

Biedenkopf. 1) Kreis im preuß. Reg.-Bez. Wiesbaden, hat 676,96 qkm, (1890) 41 329 (19 737 männl., 21 592 weibl.) E., 1 Stadt, 89 Landgemeinden und gehörte bis 1866 zum Großherzogtum Hessen. - 2) Kreisstadt im Kreis B. an der Lahn, 33 km nordwestlich von Marburg, an der Nebenlinie Marburg-Creuzthal der Preuß. Staatsbahnen, Sitz des Landratsamtes, eines Amtsgerichts (Landgericht Marburg), Kreisbauamtes, Kataster-, Zoll-, Steueramtes, einer Eisenbahnbauinspektion, Oberförsterei, hat (1890) 2833 E., Post, Telegraph, 2 evang., 1 kath. Kirche, königl. Realprogymnasium, Wasserleitung; Eisensteinbergbau, Eisengießereien, Wollweberei, Gerberei und Dampfsägewerk.

Biedermann, Aloys Emanuel, prot. Theolog, geb. 2. März 1819 zu Oberrieden, studierte 1837-41 zu Basel und Berlin, ward 1843 Pfarrer in Mönchenstein bei Basel, 1850 außerord. Professor der Theologie in Zürich und zugleich Lehrer der Religion und Philosophie am dortigen obern Gymnasium, bis er 1864 als ord. Professor der Dogmatik ganz an die Hochschule überging; er starb 25. Jan. 1885. In frei fortbildender Weise an Hegel anknüpfend, suchte B. nachzuweisen, daß der durch wissenschaftlich-kritische Verarbeitung der Schrift- und Kirchenlehre gewonnene geistige Gehalt der christl. Religion mit den Resultaten einer geläuterten Philosophie durchaus übereinstimme. Sein Hauptwerk ist die "Christl. Dogmatik" (Zür. 1869; 2. Aufl., 2 Bde., Berl. 1884-85). Seine Stellung zur Kritik hat B. dargelegt in der Rektoratsrede: "Strauß und seine Bedeutung für die Theologie" (in den "Jahrbüchern der prot. Theologie", 1875). Außer wertvollen Artikeln in der 1845 von ihm mit D. Fries gegründeten Monatsschrift "Die Kirche der Gegenwart" (bis 1850) und den von H. Lang redigierten "Zeitstimmen" sind von seinen Schriften noch zu nennen: "Die freie Theologie oder Philosophie und Christentum in Streit und Frieden" (Tüb. 1844), "Leitfaden für den Religionsunterricht an höhern Gymnasien" (Zür. 1859), "Biographie Heinrich Langs" (ebd. 1876) und "Ausgewählte Vorträge und Aufsätze, mit biogr. Einleitung", hg. von Kradolfer (Berl. 1885).

Biedermann, Friedr. Karl, Publizist, Politiker und Kulturhistoriker, geb. 25. Sept. 1812 zu Leipzig, studierte daselbst und in Heidelberg Theologie und Philologie, habilitierte sich 1835 für Philologie an der Universität zu Leipzig, wo er 1838 eine außerord. Professur erhielt. 1848 trat er in das Vorparlament zu Frankfurt ein und wurde von diesem in den Fünfziger-Ausschuß gewählt. In der Deutschen