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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

Schlagworte auf dieser Seite: Bin-basch-kola; Binär; Bination; Binaureāles Hören; Binche; Binde; Bindegewebe; Bindegewebsentzündung

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Binär - Bindegewebsentzündung

Binär (binār, binārisch, lat.), aus zwei Einheiten bestehend; binäre Rechenkunst, soviel wie Dyadik (s. d.). Binäre Formen sind ganze homogene Funktionen zweier Veränderlichen. Die algebraische Theorie derselben ist besonders von Aronhold, Brioschi, Cayley, Sylvester, Hermite, Clebsch ausgebildet worden. - Vgl. Faà di Bruno, Einleitung in die Theorie der binären Formen (deutsch von Walter, Lpz. 1881).

Bination (lat.), das zweimalige Celebrieren der Messe, das kath. Geistlichen im Falle des Bedürfnisses an Sonn- und Feiertagen erlaubt wird.

Binaureāles Hören, das Wahrnehmen des Schalls mit Hilfe beider Ohren im Gegensatze zum monaurealen Hören, d. i. zum Hören mit einem Ohre. Obwohl ersteres in der Regel stattfindet, ist dasselbe doch erst neuerdings untersucht worden (A. Steinhauser, "Die Theorie des B. H.", Wien 1877), indem man sich bis dahin mit der Lehre vom monaurealen Hören begnügte, welche die Erforschung der Einrichtung des menschlichen Ohres und seiner Teile zum Gegenstand hatte, sowie auch die Untersuchung, in welcher Weise das Hören mit einem Ohre zu stande kommt. Nach Steinhauser hat das B. H. hauptsächlich den Zweck, aus den verschiedenen Stärken, mit denen ein Schall mittels beider Ohren gehört wird, die Richtung zu erkennen, in der die Schallquelle liegt. Nach Versuchen von Rayleigh (1877) orientierte sich ein Ohr allein falsch über den Ort, von wo der Ton einer Stimmgabel ausging, besser jedoch über die Richtung, in der eine menschliche Stimme erklang. Nach Versuchen von Mach ist es wahrscheinlich, daß nur sehr hohe Töne auf beide Ohren ungleich wirken können, was in der Steinhauserschen Theorie nicht berücksichtigt ist. Hiermit würde sich auch der scheinbare Widerspruch zwischen Steinhauser und Rayleigh aufklären.

Bin-basch-kola (tatar.), die tausendköpfige Höhle, so genannt wegen ihrer zahllosen Verzweigungen, befindet sich in den westl. Ausläufern des Tschatyrdagh auf der Halbinsel Krim und ist durch prähistor. Funde bemerkenswert.

Binche (spr. bängsch), Stadt in der belg. Provinz Hennegau, 17 km östlich von Mons, an der Haine und an der Linie Brüssel-Ecaussines- (Sud) Haine-St. Pierre-Erquelines der Belg. Staatsbahnen, hat (1890) 10 104 E., Post, Telegraph, Fabrikation der sog. Fleurs à plat für die Brüsseler Spitzen. Der früher befestigte Ort wurde im Mittelalter mehrmals belagert und 1554 im Kriege Karls V. gegen Heinrich II. zugleich mit dem in der Nähe gelegenen von Karls Schwester Maria von Ungarn erbauten Schloß Marienort eingeäschert.

Binde, Fascie, in der Anatomie eine sehnige Haut, welche eine oder mehrere Muskeln umgiebt (s. Bänder).

Binde oder Bandage, in der Chirurgie ein Zeugstreifen von viel größerer Länge als Breite, mag dieser nun aus einer einfachen Lage bestehen oder durch Zusammenfalten eines breitern Zeugstücks hergestellt sein. Die verschiedensten leinenen, baumwollenen oder wollenen Stoffe können zur Anfertigung von B. benutzt werden. Am häufigsten bedient man sich der B. aus Leinwand, Flanell, Gummigewebe, Tricot, Gaze (Mull). Diese B. werden aus einem längern Zeugstück herausgerissen oder herausgeschnitten. Auch B. aus breitem Bande sind im Gebrauch. Die Breite der B. schwankt je nach dem beabsichtigten Zwecke zwischen 3-10 cm, ihre Länge zwischen 1-8 m. Ist der Streifen nur einfach aufgerollt, so nennt man die B. eine einfache Rollbinde; sind beide Enden gerollt, so entsteht die doppelte Rollbinde. Für manche Zwecke verwendet man aus mehrern Stücken zusammengesetzte B., z. B. T=Binden, vielköpfige B. Ihre Bestimmung ist im allgemeinen, die auf wunde und kranke Teile gelegten Deckmittel (Charpie, Baumwolle, Kompresse) zu fixieren oder durch Zug und Druck eine Heilwirkung hervorzubringen, daher sie besonders bei der Behandlung der Wunden und Geschwüre, Geschwülste u. s. w. an äußern Teilen Anwendung finden. Die Anlegung der B. wird, nachdem sie zu einem sog. Bindenkopf aufgerollt sind, nach bestimmten Regeln vorgenommen, wozu stets Geschick und Übung erforderlich sind. (S. Verband.)

Binde, in der Heraldik, s. Balken.

Bindegewebe, Zellgewebe (tela cellulosa), eins der allgemeinsten und am meisten verbreiteten organischen Gewebe. Die eigentlichen Gewebe des tierischen Körpers, wie die Muskelbündel, Nerven, Drüsenbestandteile u. s. w., liegen meist nicht einfach aneinander, sondern werden durch eine aus feinen Fäden bestehende Substanz zusammengehalten, durch das B. In diesem Falle bildet das B., welches jene Gewebsbestandteile umstrickt, kein selbständiges Gewebe, sondern nur ein Hilfsorgan. In der Umgebung größerer Gewebsmassen, z. B. der Drüsen, ganzer Muskeln und Muskelmassen, tritt es jedoch zu festen Häuten zusammen, welche jene scheiden= oder kapselförmig einhüllen; ebenso bildet es die Grundlage der hautartigen Überzüge der Leibeshöhlen und der eigentlichen Haut an der Körperoberfläche. Zwischen größern Gewebsmassen (z. B. der Haut und den darunterliegenden Muskeln) bildet es eine lockere, zellige Masse, die Zellgewebe heißt. Das Zellgewebe gehört zu den einfachsten Geweben des Körpers. Es erscheint unter dem Mikroskop in der Form feiner, langer, welliger, oft untereinander verfilzter Fäserchen und ist dasjenige Gewebe, welches bei Neubildungen stets mit auftritt. Während die komplizierter gebauten Gewebe nach ihrem Verlust nur in seltenen Fällen wieder ersetzt werden, entsteht B. überall da, wo solche Verluste stattgefunden haben; es ist die bekannte Narbensubstanz. (S. Narbe.) Ebenso ist es auch bei krankhaften Neubildungen beteiligt. Seine chem. Natur ist dadurch charakterisiert, daß es beim Kochen Leim giebt und bei Zusatz von Essigsäure aufquillt und durchsichtig wird. Eine eigentümliche Modifikation der Bindegewebsfasern sind die sog. elastischen Fasern, die sich besonders in den Bändern, Gefäßen und im Lungengewebe finden und die große Elasticität dieser Organe bedingen.

Bindegewebsentzündung, Zellgewebsentzündung (Cellulitis, Phlegmone). B. kann wegen der großen Verbreitung des Bindegewebes (s. d.) fast an allen Stellen des Körpers auftreten, befällt aber mit einer gewissen Vorliebe das Unterhautzellgewebe der Extremitäten, des Halses, der weiblichen Brust, der Achselhöhle und wird meist durch Bakterien, namentlich Staphylokokken (s. Eiter und Eiterung) erregt, welche durch Wunden, insbesondere Quetschwunden oder durch kleinste Hautrisse in das Unterhautzellgewebe eindringen. Die akute B. beginnt gewöhnlich ähnlich der Rose mit heftigem Fieber, Schwellung, Rötung und Schmerzhaftigkeit der Haut und führt in der Regel rasch zu ausgebreiteter Eiterbildung, oft auch zu brandiger Zer- ^[folgende Seite]