Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

Schlagworte auf dieser Seite: Biquadrat; Biquet; Bir; Bīr; Birāgo; Birara; Biraren; Bīrbhūm; Birch; Birch-Hirschfeld

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Biquadrat - Birch-Hirschfeld

Biquadrat ist das Quadrat eines Quadrats, also die 4. Potenz einer Größe. Das B. von 3 ist 3⁴ (3✕3✕3✕3) = 81. Eine biquadratische Wurzel ist daher eine Zahl, die, viermal als Faktor gedacht, zum Produkt eine gegebene Zahl giebt, wie also 3 von 81. Eine biquadratische Gleichung ist eine Gleichung 4. Grades. Biquadrat-Reste einer Zahl p heißen in der höhern Arithmetik Zahlen, die man bei den Divisionen von B. durch p als Reste erhält.

Biquet (frz., spr.bickeh), Schnellwage für Goldmünzen, Kippe.

Bīr (arab.), bedeutet Brunnen oder Quelle. Das Wort findet sich in geogr. Namen (ganz wie das etymolog. identische hebr. Beêr in Beêr Scheba', Beêr Elim u. s. w.) sehr häufig in Zusammensetzung mit Eigennamen und Appellativen zur Bezeichnung von Karawanenstationen in den Oasen (nicht nur in Arabien, sondern auch in allen von den Arabern vielfach bereisten Ländern Asiens und Afrikas), in welchen sich eine Quelle oder ein Brunnen befindet.

Bir (Bira), Stadt in Syrien, s. Biredschik.

Birāgo, Karl, Freiherr von, österr. Militäringenieur, Erfinder des nach ihm benannten, auf der Anwendung zerlegbarer Böcke und Pontons beruhenden Brückensystems, geb. 24. April 1792 zu Cascina d'Olmo bei Mailand, studierte in Pavia Mathematik, war 1823‒26 Lehrer der Mathematik an der Pionierkorpsschule in Mailand und trat 1825 mit der von ihm erfundenen Kriegslaufbrücke hervor, die 1828 in die Armee eingeführt wurde. Zum Hauptmann befördert, war er 1830‒35 beim Bau der Befestigungen von Linz thätig, wo er eine zweckmäßige Lafettierung für die in den Türmen aufgestellten Haubitzen erfand; er leitete 1835 die Befestigungen des Poübergangs bei Brescello, trat 1836 als Major im Generalstabe wieder zum Dienst im Pionierkorps ein und verfaßte die «Anleitung zur Ausführung der im Felde am meisten vorkommenden Pionierarbeiten» und «Untersuchungen über die europ. Militärbrückentrains u. s. w.» (Wien 1839). Für den Herzog von Modena errichtete er 1839 nach den in seinem Werke entwickelten Theorien bei Brescello eine Militärbrücke über den Po, welche alle Erwartungen übertraf; 1840 wurde unter seiner Leitung ein größerer Brückentrain nach seinem System angefertigt und die Übungen damit unter seinen Befehlen gemacht. Als ihm 1844 das Brigadekommando der 1843 vereinigten Pionier- und Pontonierkorps übertragen wurde, erfolgte zugleich seine Erhebung in den Freiherrenstand. B. starb 29. Dez. 1845 zu Wien.

Birara, s. Neupommern.

Biraren, tungus. Volksstamm am obern Amur und seinen Nebenflüssen Bureja und Seja.

Bīrbhūm (sanskr. wīrbhūmī, «Heldenland», engl. Beerbhoom), nach der Hauptstadt auch Surī (engl. Sooree) genannt, Distrikt der zu der Lieutenant-Gouverneurschaft Bengalen gehörenden Division Bardwan in Ostindien. B., mit einem Areal von 4548 qkm und einer Bevölkerung von (1881) 794428 Seelen, wird westlich und nordwestlich von der Division Bhagalpur, östlich von dem Distrikte Murschidabad, südlich von den Distrikten Bardwan und Bankura und westlich eine kurze Strecke von dem Distrikte Manbhum (Hauptstadt Purulia) der Division Tschutia Nagpur begrenzt, besteht größtenteils aus niedrigem Alluvialland und wird von vielen (nicht schiffbaren) Flüssen durchströmt, welche sich teils direkt, teils durch Vermittelung des Bhagirathi genannten Gangesarms und des Flusses Damodar in östl. und südöstl. Richtung in das Ästuarium des Ganges ergießen. Die Bodenerzeugnisse von B. sind die von Bengalen; in den höher gelegenen Gegenden finden sich Steinkohlen und Eisenerze, beide von besonderer Güte. B. wurde zuerst von Schah Alam, dem damaligen Beherrscher des Reiches Dehli, zugleich mit Bengalen, Bihar und Orissa als Lehen (Diwani) den Engländern übergeben.

Birch (spr. börtsch), Samuel, engl. Archäolog, geb. 3. Nov. 1813 in London, besuchte Privatschulen in Greenwich und Blackheath, dann die Merchant Taylors' School in London und erlangte 1836 eine Anstellung als Assistent in der Abteilung der Antiquitäten im Britischen Museum, in der er später zum Subdirektor aufstieg, bis er 1861 zum Direktor der orient., mittelalterlichen und brit. Antiquitäten und der ethnogr. Sammlungen des Museums ernannt wurde. Er starb 27. Dez. 1885 in London. B. wandte sich mit besonderer Vorliebe ägypt. Studien zu. Als Ägyptologe nahm er an Bunsens (s. d.) Werk über Ägypten Anteil, zu dessen engl. Bearbeitung er noch 1867 zahlreiche neue Beiträge lieferte. Neben seinen ägyptolog. Arbeiten schrieb B. auch über griech. und röm. Altertumskunde, über Numismatik, Ethnographie und Keilschriftlitteratur. Außer zahlreichen Abhandlungen in Fachschriften erschien von ihm das Handbuch zu den Antiquitäten des Britischen Museums: «Galery of antiquities» (Lond. 1844), der gemeinschaftlich mit Newton verfaßte «Catalogue of Greek vases» (1851), ferner «An introduction of the study of hieroglyphics» (1857), «History of ancient pottery» (1858), «Description of the papyrus of Nash-khem» (1863) und «The Rhind papyri» (1866); 1878 gab er Wilkinsons «Manners and Customs of ancient Egyptians» und 1875‒80 «The Records of the Past of Egypt and Assyr. monuments» (Bd. 1‒12, Lond. 1875‒89) heraus. – Vgl. S. B. Biographical Notices from the British and Foreign Press. With an Introduction by W. de Gray Birch (Lond. 1886).

Birch-Hirschfeld, Felix Victor, Patholog, geb. 2. Mai 1842 zu Cluvensieck bei Rendsburg, studierte in Leipzig Medizin, war dann 2 Jahre Assistent am pathol. Institut und an der mediz. Poliklinik zu Leipzig, wurde hierauf Hilfsarzt an den Irrenanstalten Sonnenstein und Colditz und 1870 Prosektor am städtischen Krankenhause in Dresden; auch leitete er 1882‒85 die Irrenabteilung dieser Anstalt als dirigierender Arzt. 1885 wurde er ord. Professor der pathol. Anatomie und Direktor des pathol. Instituts in Leipzig. Er schrieb «Lehrbuch der pathol. Anatomie» (2 Bde., 4. Aufl., Lpz. 1889), «Die Bedeutung der Muskelübung für die Gesundheit» (ebd. 1883), «Die Skrofulose und Affektionen der Lymphdrüsen» (in Ziemssens «Handbuch der speciellen Pathologie» Bd. 13, 2. Aufl. 1879), «Die Krankheiten der Leber und der Milz» (in Gerhards «Handbuch der Kinderkrankheiten», Bd. 4, Abteil. 2, Tüb. 1880).

Birch-Hirschfeld, Gust. Adolf, Bruder des vorigen, Romanist, geb. 1. Okt. 1849 zu Kiel, studierte 1868‒70 Naturwissenschaften, 1875‒77 Philologie in Leipzig und habilitierte sich 1878 daselbst für roman. Philologie. Nach längerm Aufenthalte in Paris ging B. 1883 nach Gießen, wo er 1834 ord. Professor wurde. Seit April 1891 wirkt er in gleicher Eigenschaft an der Universität Leipzig. Von seinen litterarhistor. Schriften sind zu