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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

Schlagworte auf dieser Seite: Bittgänge; Bittó; Bittschrift; Bitūmen; Bituminīt; Bituminöse Schiefer; Biturĭger; Bitzius

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Bittgänge - Bitzius (Albert)

laugung aus einem, aus zersetztem vulkanischen Gestein oder Gips bestehenden Mergel; sie schmecken sämtlich bittersalzig und wirken laxierend. Die gebräuchlichsten B. sind die von Püllna und Seidschitz in Böhmen, von Friedrichshall in Sachsen-Meiningen und die Ofener B. (die Königin-Elisabethquelle, Franz-Josephquelle, die Rakoczyquelle und die Hunyadi-János-Bittersalzquelle). Außerdem hat man mehrere künstlich bereitete, z. B. das Meyersche (in den Struveschen Anstalten), das Vogelsche, Franksche, Henrysche. Den B. nahe stehen manche abführende Solen (z. B. von Kösen, Wittekind) und das Meerwasser selbst. Die B. werden meist bei vollblütigen Personen gegen Kongestionen nach Kopf und Brust angewendet, besonders bei Neigung zu Stuhlverstopfung. Nachteilig wirken die B. bei großer Reizbarkeit des Magens und Darms, bei Neigung zu Diarrhöe sowie bei Blutarmen und erschöpften Personen. (S. Mineralwässer.)

Bittgänge, Bußgänge, Betfahrten (Rogationes, Supplicationes), in der kath. Kirche Prozessionen, die jährlich an bestimmten Tagen (Bittage), aber auch in außerordentlichen Fällen unter Absingung von Litaneien verrichtet werden, teils als Buß- und Betübungen überhaupt, teils für bestimmte Zwecke, z. B. zur Abwendung größerer öffentlicher Übel u. dgl. Als regelmäßige B. gelten der größere am St. Markustage, 25. April, und die kleinern, die an den drei Tagen vor Christi Himmelfahrt zur Herabflehung des göttlichen Segens auf die Saaten gehalten werden.

Bittó, Stephan von, ungar. Staatsmann, geb. 22. Mai 1822 zu Sárosfa auf der Insel Schütt im Preßburger Komitat, absolvierte seine jurist. Studien bis 1840 zu Preßburg, wurde 1845 Notar des Wieselburger, später des Preßburger Komitats. Als Repräsentant des Unterschütter Bezirks auf dem Pester Reichstage von 1848 folgte er der ungar. Regierung nach Debreczin und Szegedin und flüchtete nach der Katastrophe von Világos 1849 ins Ausland, kehrte aber 1851 in die Heimat zurück. Er war von 1861 an ununterbrochen Mitglied des Abgeordnetenhauses, zu dessen Vicepräsidenten er für die Periode 1869‒72 gewählt wurde. Nach dem Rücktritte Horváths übernahm B. 5. Juni 1871 in dem Kabinett Andrássys das Ministerium der Justiz. In dieser Stellung hatte er infolge der neuen Gerichtsorganisation eine Reihe von Richterernennungen zu vollziehen, wobei er mit großer Unabhängigkeit und Umsicht verfuhr. Als Andrássy 14. Nov. 1871 nach Beusts Rücktritt die Leitung der äußern Politik der Österreichisch-Ungarischen Monarchie übernahm und Lónyay Ministerpräsident wurde, trat B. zurück und entwickelte dann in den stürmischen parlamentarischen Kämpfen eine einflußreiche Thätigkeit. Am 25. März 1874 wurde B. zum Ministerpräsidenten ernannt, nahm aber, als es ihm nicht gelang, die oppositionelle Linke für sich zu gewinnen, 14. Febr. 1875 seinen Abschied. Seither gehört B. fortwährend dem ungar. Reichstage an, wo er außerhalb der Parteien steht.

Bittschrift, Supplik, im röm. und frühern deutschen Civilprozeß ein an die höchste Instanz eingelegtes Rechtsmittel; jetzt wird der Ausdruck B. oder Supplik nur noch angewendet für Gnadengesuche an den Landesherrn oder für Gesuche um Gewährung von Unterstützungen oder andern Wohlthaten.

Bitūmen, Bezeichnung für gewisse in der Erde vorkommende, hauptsächlich aus Kohlenstoff und Wasserstoff bestehende, brennbare Produkte, die fast ausschließlich organischen Ursprungs sind und im festen und flüssigen Zustande sich durch mehr oder weniger dunkle (braungelbe bis schwarze) Farbe und einen eigentümlich brenzlichen, teerartigen Geruch charakterisieren. Diese Stoffe sind entweder gasförmig (Erdgase), flüssig (Erdöle) oder fest. Bei dem festen B. unterscheidet man Erdwachs (knetbar, gelb bis braun; s. Ozokerit), Erdpech oder Erdharz (knetbar und schwarz), Asphalt (spröde und schwarz); der Name Asphalt (s. d.) wird jedoch meist auch für Erdpech gebraucht. Der Erdteer oder Bergteer stellt ein Gemisch aus Erdöl und Erdharz dar, erscheint desto dicker, je mehr er von letzterm enthält, und wird bei seinem (auf Verdunstung oder Oxydation des Öls beruhenden) Eintrocknen ganz zu Erdharz. Erdöl und Erdteer quellen häufig von Wasser begleitet, ersteres oft auch ohne dieses, hervor; Erdharz wird teils auf Seen schwimmend gefunden, teils gegraben. Ein anderes häufiges Vorkommen von Erdteer und Erdharz besteht darin, daß dieselben Kohlen oder verschiedene Gesteine (namentlich Kalkstein oder ein Konglomerat von Kalksand, Thonschiefer u. s. w.) mehr oder weniger reichlich durchdringen und ihnen die dunkle Farbe und den eigenen Geruch mitteilen (s. Bituminöse Schiefer und Asphalt). Fundorte des Erdteers sind: mehrere Gegenden in der Provinz Hannover, Braunschweig, Elsaß, Tirol, die Auvergne, Zante, Barbados, Trinidad. ^[Spaltenwechsel]

Bituminīt, s. Bogheadkohle.

Bituminöse Schiefer, in verschiedenen geolog. Formationen auftretende, mehr oder weniger Bitumen enthaltende und deshalb dunkel gefärbte Schiefergesteine, die sich durch Entweichen der flüchtigen Substanzen meist weiß brennen. Hierzu gehören: 1) der bituminöse Mergelschiefer oder Kupferschiefer (s. d.), 2) die Brandschiefer (s. d.), 3) die Ölschiefer (s. d.), 4) die Blätterkohle oder Papierkohle (s. d.).

Biturĭger, ein großes kelt. Volk in Gallien, dessen Hauptmasse in der Mitte dieses Landes wohnte, durch den in großem Bogen sich hinziehenden Lauf der Loire von den Äduern im Osten, den Carnuten im Norden und den Turonen im Nordwesten getrennt. Im 5. Jahrh. v. Chr. wanderte ein Teil von ihnen nach Italien aus. Die Zurückgebliebenen waren später als geschickte Metallarbeiter berühmt. Den Reichtum ihres Landes an Raseneisenstein wußten sie vortrefflich auszunutzen. Ihre schöne Hauptstadt Avaricum (Bourges, s. d.) ist namentlich durch Cäsars Belagerung 52 v. Chr. bekannt. Ein Zweig der B. hatte neben den iberischen Völkern von Aquitanien an der untern Garonne und Gironde Sitze genommen, führte den Beinamen der Vivisker (Vivisci) und hatte als Hauptstadt Burdigala (Bordeaux).

Bitzius, Albert, schweiz. Volksschriftsteller, bekannt unter dem Pseudonym Jeremias Gotthelf, geb. 4. Okt. 1797 zu Murten im schweiz. Kanton Freiburg, wo sein Vater Pfarrer war, studierte 1813‒20 zu Bern und hielt sich seit März 1821 einige Zeit in Göttingen auf. Seit 1824 Vikar zu Herzogenbuchsee, dann an der Heiligengeistkirche zu Bern, erhielt er 1832 das Pfarramt zu Lützelflüh im Emmenthal. Er starb 22. Okt. 1854. Am öffentlichen Leben in seinem Heimatskanton hat sich B. lebhaft beteiligt, indem er bis zur Verfassungsänderung von 1831 an der Opposition gegen das