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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

Schlagworte auf dieser Seite: Blain; Blaine; Blainv; Blainville; Blair

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Blain. - Blair

können sich zu viel solche B. entwickeln, besonders nach allzu reichlichem Genuß von kohlensäurereichen oder gärenden Dingen, besonders von Most, jungem, hefenhaltigem Bier, Sauerkraut, oder zur Gärung geneigten Pflanzenspeisen, z. B. Kohl, Bohnen und andern grünen Gemüsen u. s. w., welche man deshalb blähende nennt. Aber auch hier hilft sich ein gesunder Magen bald, indem die Gase nach oben (durch Aufstoßen, s. d.) oder nach unten (als Winde) entweichen. Sie erregen aber Beschwerden bei schwachen oder empfindlichen Verdauungswerkzeugen, noch mehr bei wirklichen Krankheiten der Darmschleimhäute, z. B. bei Katarrh derselben, Darmgeschwüren, Darmverengerungen, und hier reicht dann oft schon eine geringe Menge solcher Winde oder solcher leicht gärender Speisen hin, um heftige Beschwerden zu verursachen. Diese, die sog. Blähungsbeschwerden (Blähsucht, Flatulenz, Meteorismus, Tympanitis), bestehen besonders in Austreibung der Därme, in absatzweisen, heftig kneipenden oder schneidenden Schmerzen (Windkolik, Bauchkneipen), in Beklemmung und Atemnot, in hartnäckigem Kopfweh, Schwindel und Ohnmacht, Gemütsverstimmung u. s. w. In manchen Fällen sind jedoch diese Zufälle nur ein Zeichen dafür, daß der Darmkanal an irgend einer Stelle verengt (eingeklemmt, z. B. durch einen Bruch), oder daß er in weiterer Ausdehnung geschwächt und gelähmt ist; denn einen gelähmten, d. h. seines Zusammenziehungsvermögens beraubten Darm treiben die Darmgase sehr bedeutend auf. Oft sind auch die sog. Blähungsbeschwerden, besonders die sog. Vapeurs der hysterischen Frauen und der Hypochonder, nichts anderes als Nervenschmerzen und stellenweise Krämpfe im Unterleibe. Die Behandlung erfordert vor allem sorgsamste Regelung der Diät, insbesondere die gewissenhafte Vermeidung aller blähenden, leicht gärenden Speisen, und da die Flatulenz oft von Schlaffheit der Bauch- und Darmmuskeln bedingt ist, so erweisen sich regelmäßige Bewegung, viel Spazierengehen sowie die Gymnastik, zumal das Turnen, dagegen sehr nützlich. Auch methodische Friktionen (Massage) des Unterleibes und die hydropathischen Mittel (kalte Umschläge auf den Bauch, Kaltwasserklystiere u. s. w.) zeigen sich oft heilsam.

Die sog. blähungtreibenden Mittel (Carminativa) sind hauptsächlich ätherisch-ölige Pflanzenmittel, welche die Darmbewegung anregen und der Gärung Einhalt thun: besonders Kamillen, Fenchel, Anis, Kümmel, Pfeffer- und Krauseminze, Kalmus, Muskatnuß, Baldrian u. dgl., welche man teils in Theeaufgüssen, teils in Tinkturen (oder Liqueuren) einnimmt. (S. Aromatische Mittel.) Oft braucht man auch ihre ätherischen Öle (z. B. als Ölzucker, Plätzchen), oder man wendet diese äußerlich an, als Einreibung oder Pflaster. Besonders beliebt ist Muskatbalsam und Karbenöl. Bei Kindern sind die B. meist durch Darmkrankheit oder durch Säure, unverdaute Milch und gärenden Darminhalt hervorgerufen; daher helfen hier oft Magnesia mit Rhabarber, Klystiere und andere ausleerende Mittel.

Blain. oder Bleinv., bei naturwissenschaftlichen Namen Abkürzung für Ducrotay de Blainville (s. d.).

Blaine (spr. blehn), James Gillespie, nordamerik. Staatsmann, geb. 31. Jan. 1830 in West-Brownsville in Pennsylvanien, wurde Lehrer der Mathematik an einem Militärinstitut in Kentucky und siedelte 1854 nach Maine über, wo er das «Kennebec Journal» und seit 1857 auch den «Portland Daily Advertiser» herausgab. Seit 1858 gehörte er der Gesetzgebenden Körperschaft seines Heimatstaates an, trat 1862 als Mitglied der republikanischen Partei in den Kongreß, in dem er bis 1876 saß und 1869‒75 das Präsidium führte. Seine Hoffnung, 1876 als republikanischer Kandidat für die Präsidentschaft aufgestellt zu werden, wurde durch die Veröffentlichung der sog. «Mulligan-Briefe» vereitelt, die B. des Mißbrauchs seiner amtlichen Stellung zur Begünstigung eines Eisenbahnunternehmens überführten. Seinen Sitz im Senat, den er 1876 erhalten hatte, gab er 1881 auf, als er von dem Präsidenten Garfield zum Staatssekretär ernannt wurde. Als solcher griff er thatkräftig in die auswärtigen Angelegenheiten ein, besonders in dem Streite zwischen Peru und Chile (s. d.), und schlug die Aufhebung des Vertrags mit England vor, betreffend die gemeinsame Garantie eines Panamakanals. Als nach Garfields Ermordung Arthur die Präsidentschaft übernommen hatte, trat B. im Dez. 1881 mit seinen Amtsgenossen zurück. 1884 unterlag er bei der Präsidentschaftswahl seinem demokratischen Gegner Cleveland. Er zog sich nun von dem polit. Leben zurück, beschäftigte sich mit der Aufzeichnung seiner Erinnerungen: «Twenty years of Congress» (2 Bde., Norwich 1884‒86) und unternahm eine Reise nach Europa. 1888 lehnte er eine Kandidatur für die Präsidentschaft ab, übernahm aber unter seinem Parteigenossen Harrison im Mai 1889 wieder sein früheres Amt als Staatssekretär und bewies in dieser Stellung große staatsmännische Gewandtheit. Im Herbst 1889 berief B. einen panamerik. Kongreß nach Washington, um durch Errichtung eines Zollvereins den Zusammenschluß der amerik. Staaten vorzubereiten. In dem Konflikt mit Chile, wegen des Angriffs auf amerik. Matrosen 1891, trat er sehr entschieden auf. Im Juni 1892 trat er, nachdem er zuvor wieder abgelehnt hatte, für die Präsidentenwahl zu kandidieren, von seinem Posten wegen Meinungsverschiedenheiten mit Harrison zurück. Er starb 27. Jan. 1893 in Washington. – Vgl. R. H. Conwell, Life and Public Services of B. (Boston 1884); E. H. Strobel, B. and his Foreign Policy (ebd. 1884); An american statesman: the work and words of J. G. B. (Philadelphia 1892).

Blainv., bei naturwissenschaftlichen Namen Abkürzung für Ducrotay de Blainville (s. d.).

Blainville, s. Ducrotay de Blainville.

Blair (spr. blähr), Hugh, schott. Geistlicher und Schriftsteller, geb. 7. April 1718 zu Edinburgh, wo er auch studierte, wurde 1743 Landprediger in Fife, dann in Edinburgh und gewann seit 1758 als erster Pastor daselbst großes Ansehen. 1762 wurde er auf den eben errichteten Lehrstuhl für Rhetorik und schöne Litteratur in Edinburgh berufen. 1755 gründete er die «Edinburgh Review». Er starb 27. Dez. 1800 zu Edinburgh. Seine Theorie über Dichtkunst legte er in den «Lectures on rhetoric and belles lettres» (2 Bde., Lond. 1783; 2. Aufl., 3 Bde., 1798 u. ö.; deutsch von Schreiter, 4 Bde., Liegnitz 1785‒89) nieder; er verlangt vom Dichter Natur und Individualität, weshalb ihm Homer als Ideal vorschwebt. Vielfach unterstützte er daher Macpherson bei der Herausgabe der Gesänge Ossians (s. d.), deren Echtheit er 1763 in der «Critical dissertation on the poems of Ossian» (deutsch, Hannov. 1785) verteidigte. Seine Predigten («Sermons», 5 Bde., 1777‒1801; deutsch von Sack und Schleiermacher, 5 Bde., Lpz.