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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

Schlagworte auf dieser Seite: Blanc

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Blanc (Jean Joseph Louis) - Blanc (Marie Thérèse)

mie aufgenommen und 1878 Professor der Ästhetik am Collège de France. Er starb 17. Jan. 1882 zu Paris. Als Kunstschriftsteller ist er vorzüglich bekannt durch seine Mitwirkung an der «Histoire des peintres de toutes les écoles» (14 Bde., 1849‒75), einem mehr durch geistvolle Darstellung als durch Gründlichkeit ausgezeichneten Prachtwerk. Ferner schrieb er: «De Paris à Venise» (1858), «L’œuvre de Rembrandt» (2 Bde., 1873 u. ö.), «Grammaire des arts du dessin» (3. Aufl. 1876), Hauptwerk des Verfassers, und als Fortsetzung dazu: «Grammaire des arts décoratifs» (1881); ferner «Ingres, sa vie et ses ouvrages» (1870), «Les artistes de mon temps» (1876) und «Histoire de la renaissance artistique en Italie» (2 Bde., Par. 1889). – Vgl. Massarani, Ch. B. et son œuvre (Par. 1885).

Blanc (spr. blang), Jean Joseph Louis, franz. socialistischer Publizist und Historiker, geb. 29. Okt. 1811 in Madrid, wo sein Vater unter Joseph Bonaparte Oberfinanzinspektor war, studierte seit 1830 zu Paris, wo er in dürftigen Verhältnissen lebte. Vorübergehend war er Schreiber bei einem Advokaten, dann in Arras Hauslehrer. 1834 kehrte er nach Paris zurück, war Mitarbeiter an radikalen Zeitungen und 1837‒38 Chefredacteur des Journals «Le bon sens». Sodann gründete er 1839 «La Revue du progrès», worin er vielfach sociale Fragen behandelte: hier erschien auch zuerst seine berühmte Abhandlung «Organisation du travail» (besonders Par. 1840 u. ö.; deutsch, Nordhausen 1847). Er schreibt die Not der Massen dem «Individualismus» und der daraus entspringenden Konkurrenz zu und verlangt daher das Aufgehen des Individuums in einem «solidarischen» Verhältnisse, wobei jeder vom Staat so viel erhalten soll, als er nötig hat. Die Erkenntnis der Notwendigkeit einer Umgestaltung der Gesellschaft fordere eine andere «Organisation der Arbeit»; zunächst sei es Aufgabe des Staates, durch Errichtung socialer Werkstätten (ateliers sociaux, s. Nationalwerkstätten) Abhilfe zu schaffen. Nach Ausbruch der Revolution von 1848 wurde B. Mitglied der Provisorischen Regierung und setzte den sog. «Regierungsausschuß für die Arbeiter» ein, dessen Präsident er selbst war. Dieser Arbeiterkongreß vermochte indes nichts Haltbares zu schaffen. Die ihm von den Arbeitern angebotene Diktatur nahm B. nicht an und verlor damit an Geltung. Nach der socialistischen Kundgebung vom 15. Mai, die im Einverständnisse mit ihm geschehen war, entwich B. nach Belgien und ging von da nach England. Außer einer Anzahl polit. Broschüren und polemischer Schriften gab er von dort eine in Paris erscheinende Monatsschrift, «Le nouveau monde» (1849‒51), heraus und vollendete seine schon vor 1848 in Paris begonnene «Histoire de la Révolution française» (s. unten) auf Grundlage der reichen Broschürensammlung des British Museum und der Papiere Puisayés und Goupilleaus. Infolge der Ereignisse vom 4. Sept. 1870 kehrte B. nach Paris zurück. Am 8. Febr. 1871 wählte ihn das Seinedepartement zum Abgeordneten der Nationalversammlung in Bordeaux, wo er für die Fortsetzung des Krieges eintrat; später in Versailles gehörte er zur äußersten Linken. Die von der Commune aufgestellte Forderung municipaler Freiheiten erkannte er als berechtigt an, verdammte aber ihre Auflehnung gegen die Versailler Regierung. Noch 1878 sprach er sich für Abschaffung des Amtes eines Präsidenten der Republik, des Senats, des Kultusbudgets, für Absetzbarkeit sämtlicher Beamten, für absolute Preß- und Vereinsfreiheit und allgemeine Amnestie aus. Mit dem Antrag auf Amnestierung sämtlicher Communarden drang er zuletzt durch. Er starb 6. Dez. 1882 in Cannes und wurde 12. Dez. auf Staatskosten unter großen Feierlichkeiten in Paris auf dem Friedhof Père-Lachaise beerdigt. Als demokratischer Historiker zeigte sich B. in «Histoire de dix ans, 1830‒40» (5 Bde., Par. 1841‒44; 13. Aufl. 1883), die außerordentlichen Beifall fand, sodaß in Frankreich vier Ausgaben zu gleicher Zeit, in Deutschland ebensoviel Übersetzungen (von Buhl, 5 Bde., Berl. 1844, Bd. 1 in 2. Aufl.; Fink, 5 Bde., 2. Aufl., Zür. 1847, u. a.) erschienen. Das Werk war der populärste Ausdruck aller Klagen und Beschwerden der Opposition gegen die Julidynastie. Geringern Erfolg hatte «Histoire de la Révolution française» (12 Bde., Par. 1847‒62; illustr. Ausg. in 2 Bdn. 1881), deren erster Band, eine Reihenfolge histor. und litterar. Abhandlungen, den socialistischen Staat für die nächste Zukunft in Aussicht stellte und die ersten Keime der Revolution von 1789 noch in die Zeit vor Luther verlegte. Eine Auswahl der zahlreichen Korrespondenzen, die B. aus London für Pariser Journale lieferte, bieten die «Lettres sur l’Angleterre» (4 Bde., Par. 1866‒67), eine Gesamtausgabe «Dix années de l’histoire d’Angleterre» (10 Bde., ebd. 1879‒81) Unter seinen letzten publizistischen Arbeiten sind zu erwähnen: «Histoire de la Révolution de 1848» (2 Bde., 1870), «Questions d’aujourd’hui et de demain» (5 Bde., Par. 1873‒84), seine Artikel im «Rappel» und «Homme libre», welches Journal er 1876 gegründet hatte. – Vgl. Fiaux, L. B. (in den «Portraits politiques contemporains», Bd. 2, Par. 1883); Ch. Hugo, Les hommes de l’exil (ebd. 1874).

Blanc, Ludw. Gottfr., Romanist, geb. 19. Sept. 1781 zu Berlin, aus einer Familie der franz. Kolonie, besuchte das Französische Gymnasium daselbst, studierte an dem damit verbundenen theol. Seminar Theologie und wurde 1806 Prediger der reform. Gemeinde zu Halle. Auf den Verdacht, einer Verschwörung zum Umsturz der westfäl. Regierung anzugehören, ward er 1811 verhaftet und in Cassel gefangen gehalten, bis ihn 28. Sept. 1813 ein russ. Streifkorps befreite. Als Feldprediger machte er im Blücherschen Korps die Feldzüge 1814‒15 mit. 1822 wurde er außerord., 1833 ord. Professor der roman. Sprachen in Halle und 1838(‒60) zweiter Prediger an der Domkirche. Er starb zu Halle 18. April 1866. B.s Sprachstudien sind umfassend und gründlich, namentlich die auf Dantes Werke und die Erläuterungslitteratur dazu bezüglichen. Seine Hauptwerke sind: «Grammatik der ital. Sprache» (Halle 1844), der erste Versuch einer Entwicklungsgeschichte der Formen und Gesetze dieser Sprache; die Artikel «Ital. Sprache», «Dante», «Petrarca» u. a. in Ersch und Grubers «Encyklopädie», «Vocabolario Dantesco» (Lpz. 1852) und der «Versuch einer bloß philol. Erklärung mehrerer dunklen und streitigen Stellen der Göttlichen Komödie» (2 Bde., Halle 1860‒65; ital. von Occioni, Triest 1865); eine reimlose Jamben-Verdeutschung der «Göttlichen Komödie» mit Erläuterung (Halle 1864). Außer Predigten ist noch das «Handbuch des Wissenswürdigsten aus der Natur und Geschichte der Erde und ihrer Bewohner» (1824; 8. Aufl., 3 Bde., Braunschw. 1867‒69) zu nennen.

Blanc (spr. blang), Marie Thérèse, franz. Romanschriftstellerin, s. Bentzon, Th.