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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

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Blauband-Armee - Blaue Erde

ben Augenring und ebensolchen Flecken jederseits am Unterkiefer. Der B. gehört zu den seltenern Erscheinungen in den zoolog. Gärten und wird mit 200-300 M. bezahlt. Bei Hanf, Hafer und Mais hält er sich viele Jahre.

Blauband-Armee, s. Blue-Ribbon-Army.

Blaubart (frz. Barbe bleue), Beiname des Helden in einem franz. Märchen des Charles Perrault. Der Ehemann mit blauem Barte prüft die Neugier seiner Frau, indem er ihr, eine Reise vorschützend, den Schlüssel zu einem Zimmer anvertraut, das sie nicht betreten soll. Da sie die Probe nicht besteht, tötet er sie. Gleiches Los haben noch mehrere Frauen, bis endlich die letzte im letzten Augenblicke von ihren Brüdern gerettet und B. getötet wird. Die beiden Hauptmotive, die versuchte Tötung der letzten Frau und das verbotene Zimmer finden sich teils vereinigt, teils einzeln in Märchen und Liedern aller europ. Völker, z. B. in Grimms Märchen "Fitchers Vogel". Vgl. E. Sidney Hartland, The forbidden Chamber (in "The Folklore Journal", Bd. 3, S. 193 fg.), und die Anmerkungen zu Nr. 4 von F. I. Child, English and Scottish popular Ballads (Bd. 1, S. 22 fg.). Tieck hat in seinem "Phantasus" diesen Stoff zu einem geistvollen, aber mit zahlreichen romantisch-satir. Zuthaten versetzten Drama verarbeitet, Grétry zu der Oper "Raoul", Offenbach zu der Operette "Blaubart".

Blaubeere, s. Vaccinium.

Blaubeuren. 1) Oberamt im württemb. Donaukreis, hat (1890) 20184 (9544 männl., 10640 weibl.) E., 2 Städte und 30 Landgemeinden. -

2) Oberamtsstadt im Oberamt B., 19 km westlich von Ulm, am Ursprunge der Blau, in einem engen, tiefen, wildromantischen, mit grotesken Felsen gekrönten Thale der Schwäbischen Alb, in 514 m Höhe, an der Linie Ulm-Sigmaringen der Württemb. Staatsbahnen, Sitz eines Oberamtes, Amtsgerichts (Landgericht Ulm), Zoll- und Grenzsteueramtes, Kameral-, Forst-, Revieramtes, ist ziemlich regelmäßig gebaut und teilweise noch mit Mauern umgeben und hat (1890) 2930 E., darunter 2613 Evangelische, Post zweiter Klasse, evang.-theol. Seminar (1817 gegründet, 50 Zöglinge) im ehemaligen Benediktinerkloster, Latein- und Realschule, Knaben- und Mädchenschule, Bezirkskrantenhaus, städtisches Hospital, Kreditbank, Handels- und Gewerbebank. Ferner bestehen mehrere bedeutende Cementfabriken, Leinweberei, bedeutende Bleichereien, Rotgerberei, mehrere Mühlwerke, Ackerbau und Viehzucht. B. ist Sitz der 1. Sektion der Leinenberufsgenossenschaft. Unter den Baulichkeiten ist beachtenswert die 1465-96 in Kreuzesform erbaute spätgot. Kirche mit neuerdings restaurierten geschnitzten Chorstühlen von Jörg Syrlin (1493) sowie dem 1496 vollendeten Flügelaltar, bedeckt mit Schnitzwerken und Gemälden, erstere von Syrlin, letztere von Barth. Zeitblom. Die Stadtkirche enthält gleichfalls einen vortrefflichen Flügelaltar teils von B. Zeitblom (Flügel), teils von A. Altdorfer (Mittelbild). Das Kloster, das, 1095 von drei Brüdern aus der Familie der nachmaligen Pfalzgrafen von Tübingen gestiftet, in seinem ersten Abte Azelin (gest. 1101) einen der gelehrtesten Männer seiner Zeit aufzuweisen hatte, wurde, als sich 1562 die Reformation auch auf B. ausdehnte, der vom Herzog Christoph gegründeten Klosterschule überwiesen. Hinter dem Klostergebäude, am Fuße eines steilen Abhangs der Alb, entspringt die Blau im sog. Blautopfe (s. d.). Bei B. ist eine durch Wasserkraft betriebene Pumpstation für die Versorgung von 9 Landgemeinden der Rauhen Alb mit Trinkwasser; sie ist 1875 vom Oberbaurat von Ehman ausgeführt. B. wurde 1447 mit den Festen Ruck, Gerhausen und Blauenstein nebst der Klostervogtei von den Grafen von Helfenstein an Württemberg verkauft. - Vgl. Baur, Das Kloster zu B. (Blaubeuren 1877).

Blaublindheit, s. Farbenblindheit.

Blaubock (Hippotragus leucophaeus Pall., s. Tafel: Antilopen 111, Fig. 2), Pferdeantilope, zum Unterschied von der dunkler gefärbten Rappenantilope (Hippotragus niger Sund..), auch Schimmelantilope genannt, 2 m lange, 1,6 m hohe Antilopenart von Innerafrika, mit schwarzen bis 70 cm langen, geringelten Hörnern, blau oder gelbgrau glänzender Behaarung und einer hellgrauen Nackenmähne. Die B. sind feurige, mutige Tiere, welche sich gegen den Jäger zur Wehr setzen. Nach Europa gelangt der B. nur selten, und das ein- bis zweijährige Tier wird schon mit 2000 M. bezahlt. Er erträgt die Gefangenschaft sehr gut, ist auch wenig empfindlich gegen mäßigen Frost, wird aber mit dem Alter sehr bösartig. Man füttert ihn mit Hafer, Gerste, Mais, Möhren und Wiesenheu.

Blaubücher (Blue-books) heißen in England von der Farbe ihres Umschlags die dem Parlament vorgelegten Drucksachen, welche Geschäftsberichte über einzelne Zweige der Verwaltung enthalten. Die von den parlamentarischen Kommissionen erstatteten Berichte heißen ebenfalls B. Die am meisten genannten diplomatischen B. enthalten die Korrespondenz zwischen dem Ministerium des Auswärtigen und den Vertretern Englands im Auslande.

Blauda, czech. Bludov, Dorf in der österr. Bezirlshauptmannschaft und dem Gerichtsbezirk Schönberg in Mähren, an den Linien Sternberg-Wickstadtl-Lichtenau und Hohenstadt-Zöptau der Mähr. Grenzbahn, hat (1890) 2273 czech. E., Post, Telegraph, eine Pfarrkirche mit mehrern Gräbern von Mitgliedern der Familie Zierotin und eine Wallfahrtskirche im Walde. In der Nähe die Ruinen der Burg Bludov.

Blaudrossel, s. Drossel.

Blaudsche Pillen (Pilulae Blaudii), benannt nach dem franz. Arzt P. Blaud (spr. bloh, geb. 1774 zu Nîmes, gest. im Mai 1858 zu Beaucaire), der sie zuerst gegen Blutarmut und Bleichsucht empfahl, bestehen aus je 15 cg schwefelsaurem Eisen und kohlensaurem Kali sowie dem formgebenden Tragantschleim; man nimmt dreimal täglich 2 bis 5 Stück.

Blaue Berge (Blue-Mountains). 1) Teil der Appalachen (s. d.) in Nordamerika;

2) Gebirge in Vorderindien, s. Nilgiri;

3) Bergkette im W. von Sydney in Neusüdwales (s. d.).

Blaue Blume, eigentlich die unbekannte blaue Wunderblume des Märchens, die, unversehens aufgefunden, den Weg zu verborgenen Schätzen weist. In Novalis' "Heinrich von Ofterdingen" (1802) ist sie die Poesie und erfüllt das Sehnen des Helden; seitdem ward sie das Symbol der romantischen Dichtkunst und Weltanschauung.

Blaue Erde, eine sandige Lettenschicht des untern Oligocäns (s. d.), welche hauptsächlich in Samland verbreitet ist und sich durch Reichtum an Bernstein (s. d.) auszeichnet. Die B. E. besitzt im Samland eine Mächtigkeit von 1 bis 15 m. Am stärksten ist sie südlich von Palmnicken (s. d.). Sie verdankt ihre Farbe einem grünlichblauen Mineral, dem Glaukonit, außerdem besteht sie aus Thon, fei-