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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

Schlagworte auf dieser Seite: Blindheim; Blindheit; Blindholz; Blindmaus; Blindrahmen; Blindrebe; Blindschleiche; Blindwühler

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Blindheim - Blindwühler

auch: «Er geht blind darauf los wie ein Hesse». – Vgl. Wiesenbach, Die blinden Hessen (Hamb. 1891).

Blindheim oder Blenheim, s. Höchstädt.

Blindheit ist das Fehlen des Sehvermögens. Absolute Blindheit besteht dann, wenn jede Lichtempfindung erloschen ist. Man pflegt jedoch auch solche Personen blind zu nennen, die zwar noch Lichteindrücke wahrnehmen, aber doch nicht mehr im stande sind, sich ohne fremde Hilfe zurechtzufinden. Die B. kann dadurch entstehen, daß die von der Außenwelt kommenden Lichtstrahlen nicht ins innere Auge und durch die lichtbrechenden Substanzen hindurch bis zur Netzhaut gelangen und auf letzterer ein den Außendingen entsprechendes Bild erzeugen können; so bei angeborenem oder erworbenem Verschluß der Augenlider, Verdeckung der Hornhaut durch einen undurchsichtigen Überzug (Augenfell), Undurchsichtigkeit der Hornhaut selbst, angeborenem oder erworbenem Verschluß der Pupille, Undurchsichtigkeit der Linse (Grauer Star) oder des Glaskörpers. Ferner kann B. entstehen, wenn die Netzhaut unempfindlich gegen die Lichtstrahlen ist, oder der Sehnerv die Erregungen der Netzhaut nicht mehr zum Gehirn fortleitet, oder letzteres erkrankt ist und keine Gesichtswahrnehmung vermittelt, so bei Entzündungen der Aderhaut oder der Netzhaut selbst, bei Blutergüssen in die Netzhaut, bei mangelhafter Beschaffenheit des die Netzhaut ernährenden Blutes, bei Absperrung der arteriellen Blutzufuhr (bei Pfropf- oder Embolusbildung in der Netzhautcentralarterie), bei Netzhautablösung, bei Geschwulstbildungen im Innern des Auges, bei Lähmungen und Schwund des Sehnerven oder des den Sehnerven aufnehmenden Gehirnteils. Diese Lähmungen selbst können wieder die verschiedensten Ursachen haben, als z. B. Entzündungen der Hirnhäute oder des Gehirns, Ansammlung von Flüssigkeit an der Basis oder in den Höhlen des Gehirns, Druck von Geschwülsten des Gehirns oder der Schädelknochen, Blutergüsse und Erweichung des Gehirns u. s. w. Bisweilen kommt auch B. vor ohne nachweisbare anatom. Störung; dieselbe tritt meist rasch ein und verschwindet nach kurzem Bestehen wieder, z. B. im Verlaufe von Nierenleiden durch Überladung des Blutes mit Harnstoff. Ein Beispiel sehr schnell vorübergehender B. ist das Schwarzwerden vor den Augen, das beim Beginn oder auch bei bloßer Anwandlung einer Ohnmacht eintritt. Andauernde B., die ihren Sitz im nervösen Teile des Sehapparats (Netzhaut, Sehnerv, Gehirn) hat, pflegte man früher als Schwarzen Star (s. Star) zu bezeichnen.

Ob eine Erblindung Aussicht auf Heilung bietet oder nicht, hängt ganz von der Ursache der Erkrankung ab. Die Trübungen der Hornhaut können öfters gebessert, der Verschluß der Pupille durch Operation beseitigt, eine undurchsichtige Linse (Grauer Star, s. Star) künstlich entfernt werden. Die im nervösen Teile des Sehapparats begründete B. bietet nur dann Aussicht auf Heilung, wenn sie noch frisch ist, und wenn noch keine erheblichen anatom. Veränderungen der betroffenen Teile eingetreten sind. Die bei manchen Formen des Grünen Stars (s. Glaukom) plötzlich eintretenden Erblindungen können in der Regel durch eine kleine beizeiten gemachte Operation schnell wieder gehoben werden. Tiefere Erkrankungen der nervösen Centralorgane, des Rückenmarks und Gehirns, komplizieren sich nicht allein, sondern beginnen auch zuweilen mit jener Form der Erblindung, die auf einem Schwund der Sehnerven beruht: so sind Erblindungen dieser Art nicht selten die Vorläufer schwerer, auch mit psychischen Störungen einhergehender Nervenleiden.

Über die Häufigkeit der B. schwanken die Angaben aus den verschiedenen Ländern zwischen 5 (Holland) bis auf 21 (Finland) auf je 10000 Bewohner. In Deutschland rechnet man 8‒9 Blinde auf 10000, ebensoviele in England, wo nach der Zählung im J. 1881 unter je 100 Blinden etwa 8 von Geburt an blind waren. Eine 1884 in Böhmen angestellte Erhebung ergab unter je 100 Blinden: durch die Blattern erblindet 7‒8, von Geburt an (wahrscheinlich mit Einschluß der Augenentzündung der Neugeborenen) 12‒13, durch Verletzungen 16, durch verschiedene Krankheiten 64. In den Blindenanstalten, in denen vorwiegend nur jugendliche Blinde vorhanden sind, entfällt etwa der 8. Teil auf angeborene, der 4. bis 3. Teil auf die durch die Augenentzündung der Neugeborenen verursachte B. – Über die rechtlichen Folgen der B. s. Blinde. – Vgl. Fuchs, Die Ursachen und die Verhütung der B. (Wiesb. 1885); Kerschbaumer, Die Blinden des Herzogtums Salzburg nebst Bemerkungen über die Verbreitung und die Ursachen der B. im allgemeinen (ebd. 1886); ders., Wie viele Blinde giebt es und kann es geben (Wien 1886); ders., Die Jugendblindheit (Wiesb. 1886); Magnus, Die B., ihre Entstehung und Verhütung (Bresl. 1883).

Blindholz, s. Weinbau.

Blindmaus, Blindmoll (Spalax), ein süd-russ. Mausgeschlecht mit einer Art, Spalax typhlus Pallas (s. Tafel: Nagetiere Ⅰ, Fig. 4); es ist ein 24 cm langer, schwanzloser Nager von plumper, unbehilflicher Gestalt, mit kurzen, kräftigen Grabbeinen, unverhältnismäßig dickem Kopfe und gelbgrauem, weichem Felle. Über die Ohren und Augen geht die Körperhaut hinweg; die Tiere leben unterirdisch, daher die Rückbildung ihrer Augen, und hören sehr scharf, da die geringste Erderschütterung von ihnen empfunden wird. Man findet die B. in Kleinasien und dem südöstl. Europa bis nach Ungarn.

Blindrahmen, Holzrahmen, über den die Leinwand zu einem Gemälde gespannt wird.

Blindrebe, s. Weinbau.

Blindschleiche (Anguis fragilis L., s. Tafel: Echsen Ⅰ, Fig. 5), ein im gemäßigten Europa häufiges Tier, das Laien irrtümlich als Schlange gilt, jedoch den Eidechsen und zwar der Ordnung der Kurzzüngler (s. d.) zugehört. Ihr cylindrischer, 30 bis 45 cm langer Körper ist mit kleinen glänzenden Schuppen bedeckt, von braungrauer Farbe, die bisweilen mit dunklern Längsstreifen, besonders in jungen Individuen, wechselt. Ihr Maul ist eng, nicht ausdehnbar, und die Zähne sehr klein und giftlos. Der Schwanz setzt sich kaum vom Körper ab und bricht sehr leicht, weshalb sie auch Bruch- oder Glasschlange heißt. Sie bringt lebendige Junge zur Welt, vergräbt sich während des Winters, den sie in Erstarrung verschläft, und geht nachts der Nahrung nach, die nur in Würmern, Insekten und nackten Ackerschnecken besteht, durch deren massenhafte Vertilgung die B. sehr nützlich wird. Man findet dieses lichtscheue, furchtsame und ganz unschädliche Tier vorzüglich in steinigen Laubholzwäldern und an Gartenzäunen unter dürrem Laube.

Blindwühler, Schleichenlurche, Ringelwühler, Cöcilien (Apoda. Gymnophiona), eine sehr merkwürdige Ordnung von Amphibien, im Aussehen viel eher an Regenwürmer als an Wirbeltiere