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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

Schlagworte auf dieser Seite: Bludenz; Bludow; Blue-Mountains; Blue Billy; Blue books; Blue Coat School; Blue pills

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Bludenz - Blue pills

jutanten (von Nostitz) gerettet wurde. In B.s Abwesenheit hatte Gneisenau, sein Generalstabschef, den Rückzug anstatt auf die bisherigen Verbindungen, auf Wavre, d. h. in Richtung auf die Armee Wellingtons angesetzt. Hierdurch war es möglich, daß B. auf dem Schlachtfelde von Waterloo 18. Juni rechtzeitig eintraf und die Schlacht entschied. B. rückte hierauf in Eilmärschen gegen Paris vor und besetzte dasselbe 7. Juli. Auch diesmal verhehlte er keineswegs sein Mißtrauen in die Diplomatie und trat der noch immer bestehenden Neigung, das franz. Selbstgefühl ungebührlich zu berücksichtigen, nach Möglichkeit entgegen. Auf einem Feste, das der Herzog von Wellington gab, brachte er, gegen Castlereagh gewandt, den berühmten Toast aus: «Was die Schwerter uns erwerben, laßt die Federn nicht verderben!» Um B.s hohe Verdienste um Preußen und Deutschland zu ehren, stiftete Friedrich Wilhelm Ⅲ. ein Ordenszeichen, das in einem von goldenen Strahlen umgebenen Eisernen Kreuze bestand und ausschließlich B. verliehen wurde. Chef von B.s Generalstab war anfangs Scharnhorst, nach dessen Tode Gneisenau, dessen Verdiensten er stets unumwunden volle Anerkennung zollte. Nach dem zweiten Pariser Frieden lebte B. meist in Krieblowitz und besuchte jährlich Karlsbad. Noch bei seinem Leben, 26. Aug. 1819, dem Jahrestage der Schlacht an der Katzbach, wurde ihm in seinem Geburtsorte Rostock ein von Schadow zu Berlin ausgeführtes Standbild errichtet, welches folgende charakteristische Inschrift (von Goethe) trägt: «In Harren und Krieg, in Sturz und Sieg bewußt und groß – so riß er uns vom Feinde los.» B. starb 12. Sept. 1819 nach kurzem Krankenlager zu Krieblowitz in Schlesien. In Berlin ward ihm eine von Rauch modellierte Bronzestatue 18. Juni 1826, in Breslau eine andere ebenfalls von Rauch gearbeitete 1827 errichtet. Seinen Namen führt das preuß. 5. (Pommersche) Husarenregiment. – Vgl. Schöning, Geschichte des preuß. 5. Husarenregiments mit besonderer Rücksicht auf B. (Berl. 1843); Bieske (Leibarzt des Fürsten), Der Feldmarschall Fürst G. L. B. von Wahlstadt (ebd. 1862); Scherr, B., seine Zeit und sein Leben (4. Aufl., 3 Abteil., Lpz. 1887); Varnhagen von Ense, Fürst B. von Wahlstadt (Bd. 3 der «Biograph. Denkmale», 3. Aufl., ebd. 1872); von Colomb, B. in Briefen aus den Feldzügen 1813‒15 (Stuttg. 1876); Wigger, Feldmarschall Fürst B. von Wahlstatt (Schwerin 1878); Blasendorff, Gebhard Leberecht von B. (Berl. 1887).

Bludenz. 1) Bezirkshauptmannschaft in Vorarlberg. Dieselbe hat 1320,35 qkm, (1890) 25104 (11946 männl., 13158 weibl.) meist kath. E., darunter 96 Evangelische; 6806 Häuser, 5498 Wohnparteien in 30 Gemeinden mit 70 Ortschaften und umfaßt die Gerichtsbezirke B. und Schruns in Montafon. – 2) Stadt, Sitz der Bezirkshauptmannschaft B., in 582 m Höhe, rechts an der Ill, nahe bei der Vereinigung des Kloster- und des Montafonthals mit dem Walgau, an der Linie Innsbruck-Bregenz der Arlbergbahn, hat (1890) 3265, als Gemeinde 4501 kath. E., Bezirksgericht (777 qkm, 20 Gemeinden, 56 Ortschaften, 17768 E.), mehrere Baumwollspinnereien, mechan. Weberei, Bleicherei und Schokoladefabrik. Der Ort ist altertümlich und eng gebaut; mehrere Gassen haben Laubengänge; an die Stelle der alten Wälle und Gräben sind Gärten getreten. Hoch über der Stadt befindet sich das stattliche Schloß Gayenhofen, der freiherrlichen Familie Sternbach gehörig, und die Pfarrkirche, zu der eine bedeckte Marmortreppe hinaufführt. Der besuchteste Punkt der Umgebung ist der Hohe Frassen (1981 m) mit schöner Aussicht, von B. aus in 3‒4 Stunden zu besteigen, sowie der tiefgrüne, 5 qkm große Lüner See (1924 m) und die Scesaplana (2967 m).

Bludow, Dmitrij Nikolajewitsch, Graf, russ. Staatsmann, geb. 16. April 1785 im Gouvernement Wladimir, stammte aus einer alten Familie, studierte auf der Universität Moskau und war Mitglied des «Arsamas» (s. d.). Seit 1801 im Staatsdienst, war B. nacheinander Legationssekretär in Stockholm und Wien, dann Botschaftsrat und eine Zeit lang Geschäftsträger in England. Nach Rußland zurückgekehrt, ward er von Kaiser Nikolaus zum Staatssekretär ernannt. Als solcher nahm er an der Untersuchung über die Verschwörung von 1825 hervorragenden Anteil und erwarb sich dabei das Vertrauen des Kaisers Nikolaus. B. wurde 1837 Minister des Innern, 1839 Justizminister und noch am Schlusse desselben Jahres Präsident des Gesetzgebungs-Departements im Reichsrat. In dieser Eigenschaft vervollständigte er die Kodifizierungsarbeiten Speranskijs und suchte durch die unter seinem Einflusse entstandenen Ukase von 1842 und 1847, nach welchen den Hörigen verstattet wurde, rechtsgültige Verträge mit ihren Gutsherren zu schließen und Grundeigentum zu erwerben, auf eine Besserung der Lage des leibeigenen Landvolks hinzuarbeiten, was indessen nicht gelang, da der Kaiser seine reformatorischen Absichten bald wieder aufgab. Daneben ward B. zu andern wichtigen Aufträgen verwendet, so 1846 zu der Mission nach Rom, wo er über die Verhältnisse der röm.-kath. Kirche in Rußland und das Konkordat unterhandelte, das 1847 zu stande kam. 1842 erhielt er den Grafentitel. Auch Alexander Ⅱ. schenkte ihm großes Vertrauen , und neben dem Grafen Panin gewann B. den größten Einfluß auf die neue Regierung. Im Sept. 1855 ward er der Nachfolger Uwarows als Präsident der Akademie der Wissenschaften, im Jan. 1858 Mitglied des Hauptkomitees, das zur Durchführung der Bauernemancipation eingesetzt wurde, und im Jan. 1861 an Orlows Stelle Präsident des Reichsrats und des Ministerkomitees. Als solcher unterzeichnete er 3. März (19. Febr.) 1861 den Akt, der die definitive Abschaffung der Leibeigenschaft aussprach. Er starb zu Petersburg 2. März (18. Febr.) 1864. – Vgl. Kowalewskij, Graf B. und seine Zeit (russisch, 1. Bd., Petersb. 1866); Aus der Petersburger Gesellschaft (5. Aufl., Lpz. 1880). – Seine unvermählt gebliebene Tochter, Gräfin Antonida Dmitrijewna B., Kammerfräulein der Kaiserin, gest. 19. (7.) April 1891 in Petersburg, machte sich daselbst bekannt als eifrige Förderin slawophiler Bestrebungen.

Blue Billy (engl., spr. bluh) nennt man die hauptsächlich aus Eisenoxyd bestehenden Pyritabbrände der Schwefelsäurefabrikation.

Blue books (engl., spr. bluh bucks), s. Blaubücher.

Blue Coat School (spr. bluh koht skuhl), s. Christ Church Hospital.

Blue-Mountains (spr. bluh mauntĭns), s. Blaue Berge.

Blue pills (engl., spr. bluh, d. i. Blaue Pillen, Pilulae coeruleae), Quecksilberpillen der engl. und amerik. Pharmakopöe, aus Quecksilber (pro Pille 0,06 g), Rosenkonserven und gepulverter Süßholz- ^[folgende Seite]