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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

Schlagworte auf dieser Seite: Blumieren; Blümlisalp; Blumner; Blümner; Blunder; Blunderbüchse; Bluntschli

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Blumieren - Bluntschli

und kaufte 1852 das durch ihn berühmt gewordene Schwefelbad Boll bei Göppingen, wo er, in dem Glauben durch Handauflegung und geistlichen Zuspruch Kranke heilen zu können, als Wunderarzt und Seelsorger bis an seinen Tod, 25. Febr. 1880, thätig war. Er schrieb: «Handbuch der Missionsgeschichte und Missionsgeographie» (2 Bde., Bas. 1828‒37; 3. Aufl., Stuttg. 1863), «Sammlung von Morgenandachten»(Boll 1865; 2. Aufl., Barm. 1873), «Hausandachten» (Boll 1868). B.s «Gesammelte Werke» (Karlsr. 1886 fg.) gab sein Sohn Christoph heraus. – Vgl. Zündel, J. Ch. B. Ein Lebensbild (1.‒4. Aufl., Zür. 1880‒83; 5. Aufl. 1887).

Blumieren, mit Blumenmustern versehen; Blumist, Blumenfreund, Blumenzüchter; Blumistik, Blumenkunde.

Blümlisalp oder Frau, Bergstock des Berner Oberlandes, 16 km südlich vom Thunersee zwischen dem Kienthal, dem Öschinenthal und dem Kander- und Tschingel-Firn gelegen, gehört der Zone von Jurakalk an, welche vom Kanderthale bis zum Hasli der krystallinischen Hauptmasse der Berner Alpen nördlich vorgelagert ist. Die B., die zwischen dem Doldenhorn, 3646 m, und dem wildzerrissenen Gspaltenhorn, 3437 m, aufragt, trägt sieben Gipfel, von denen die vier höchsten, das Öschinen- oder Kanderhorn 3490 m, das Blümlisalphorn 3670m, die Weiße Frau 3661 m und das Morgenhorn 3629 m, den südl. Gipfelgrat bilden, die niedrigern dagegen, das Rothhorn 3300 m, der Blümlisalpstock 3219 m und die Wilde Frau 3259 m, aus dem Eis- und Firnmantel des Nordabhangs aufsteigen. Der größte Gletscher ist der Blümlisalpgletscher, der sich vom Gipfelgrate nach NW. und dann nach W. gegen das Öschinenthal senkt; kleine Eisströme gehen von der Westflanke gegen den Öschinensee, von der felsigen Ostseite gegen den Gamchigletscher hinab; gegen S. fällt die B. in kahlen steilen Felsmauern zum Kandergletscher ab. Obwohl die B. von manchem Hochgipfel der Alpen an Höhe übertroffen wird, steht sie doch, was Formenschönheit anbetrifft, hinter keinem zurück. Alle Gipfel des Berges sind von der Nordseite her zugänglich. Die erste Besteigung des Blümlisalphorns wurde 1860 von den Engländern Leslie Stephen, Liveing und Stone, die der Weißen Frau 1862 von den schweiz. Klubbisten Fellenberg und Roth ausgeführt. 1875 wurde eine Klubbütte am Hohthürligrat, die Frauenbalmhütte, 2706 m, zwischen dem Öschinen- und dem Kienthal errichtet.

Blumner, Martin, Komponist, geb. 21. Nov. 1827 zu Fürstenberg in Mecklenburg, trieb in Berlin theol. und philos., seit 1847 besonders unter Dehn musikalische Studien und wurde 1876 Direktor der Berliner Singakademie, deren Geschichte er schrieb (Berl. 1891). Seine Kompositionen bestehen aus Motetten, Liedern, zwei Oratorien: «Abraham» und «Der Fall Jerusalems», einem achtstimmigen Tedeum und einer Kantate: «In Zeit und Ewigkeit». Seit 1884 ist B. auch Dirigent der Zelterschen Liedertafel.

Blümner, Hugo, Archäolog, geb. 9. Aug. 1844 in Berlin, studierte 1862‒66 in Breslau, Berlin und Bonn und war 1866 Lehrer am Elisabeth-Gymnasium, 1867‒75 Lehrer am Marien-Magdalenen-Gymnasium in Breslau. 1870 habilitierte er sich für Archäologie an der Universität Breslau, wurde 1875 außerord. Professor in Königsberg, 1877 ord. Professor der klassischen Philologie in Zürich. Er veröffentlichte: «Archäol. Studien zu Lucian» (Bresl. 1867), «Die gewerbliche Thätigkeit der Völker des klassischen Alterthums» (von der fürstl. Jablonowskischen Gesellschaft gekrönte Preisschrift, Lpz. 1869), «Technologie und Terminologie der Gewerbe und Künste bei Griechen und Römern» (4 Bde., ebd. 1875‒87), «Lessings Laokoon» (hg. und erläutert, Berl. 1876; 2. Aufl. 1879), «Laokoon-Studien» (Heft 1‒2, Freib. i. Br. 1881‒82), «Die archäol. Sammlung im eidgenössischen Polytechnikum in Zürich» (Zür. 1881), «Winckelmanns Briefe an seine Züricher Freunde» (Freib. i. Br. 1882), eine Neubearbeitung von Hermanns «Griech. Privataltertümern» (ebd. 1882), «Das Kunstgewerbe im Altertum» (2 Bde., Prag u. Lpz. 1884‒85), «Leben und Sitten der Griechen» (3 Bde., Prag u. Lpz. 1887), «Der bildliche Ausdruck in den Reden des Fürsten Bismarck» (Lpz. 1891), «Studien zur Geschichte der Metapher im Griechischen» (1. Heft, ebd. 1891), «Die Farbenbezeichnungen bei den röm. Dichtern» (Berl. 1892).

Blunder (engl., spr. blönnder), Irrtum.

Blunderbüchse, altes Gewehr von großem Kaliber, war zum Schießen von Kugeln wie von Schrot verwendbar und wurde besonders auf Schiffen beim Entern zum Nahkampf gebraucht.

Bluntschli, Joh. Kaspar, Staatsrechtslehrer und Politiker, geb. 7. März 1808 zu Zürich, studierte auf dem sog. Politischen Institut seiner Vaterstadt, in Berlin und Bonn. Nachdem er einen Winter in Paris verlebt hatte, fand er 1830 Anstellung beim Bezirksgericht in Zürich und hielt bald darauf auch als Privatdocent am Politischen Institut Vorlesungen über röm. Recht. 1833 wurde er zum außerord., 1836 zum ord. Professor an der Universität Zürich ernannt. Seit 1837 Mitglied des Großen Rats, stand B. an der Spitze der sog. konstitutionellen und städtischen Partei und trat 1839 mit in die Regierung des Staates und damaligen Vorortes Zürich ein. Seit 1845 zog er sich vom öffentlichen Leben der Schweiz zurück,nahm nach dem Unterliegen des Sonderbundes und seiner Partei in der anonymen Flugschrift «Stimme eines Schweizers für und über die Bundesreform» (Zür. 1847) von seinem Vaterlande Abschied und siedelte nach München über, wo er 1848 eine Professur des deutschen Privatrechts und allgemeinen Staatsrechts erhielt. 1861 ging er als Professor der Staatswissenschaften nach Heidelberg. B. wirkte mit zur Gründung des Deutschen Abgeordnetentags (1862) und an dem Sechsunddreißiger-Ausschuß zur gesetzlichen Agitation für die Rechte Schleswig-Holsteins. Er war einer der Stifter des Deutschen Protestantenvereins und regelmäßig Präsident auf den Protestantentagen und der bad. Generalsynode (seit 1867). B. war auch Mitglied der bad. Ersten Kammer und wurde 1867 ins Zollparlament gewählt. Er gehörte ferner zu den Begründern des Internationalen Instituts für Völkerrecht in Gent (1873), dessen Präsident er 1875‒77 war. Auf der Europäischen Konferenz für Kriegsvölkerrecht in Brüssel war er Deputierter des Deutschen Kaisers. Er starb 21. Okt. 1881 zu Karlsruhe. B. schrieb: «Entwicklung der Erbfolge gegen den letzten Willen» (Bonn 1829; Doktordissertation), «Über die Verfassung des Staates Zürich» (Zür. 1830), «Das Volk und der Souverän» (ebd. 1831), worin er seiner Abneigung gegen den schweiz. Radikalismus Ausdruck gab, «Staats- und Rechtsgeschichte der Stadt und Landschaft Zürich» (2 Bde., ebd.