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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

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Bocksbeutel (Glasflasche) - Bocskay

(Bocksbeutelzopf) das Festhalten an alten Gebräuchen, altväterische Denkart, Schlendrian, nach heutigem Ausdruck überhaupt das Beharren auf einem überwundenen Standpunkte. Mit B. wurde schon im 17. Jahrh., insbesondere in Hamburg, das pedantische Bewahren veralteter Sitte lächerlich gemacht. Ein bedeutendes Hamburger Lokalstück, «Der Bookesbeutel», schrieb in Platt 1746 Heinrich Borkenstein: vgl. Heitmüller, Hamburgische Dramatiker zur Zeit Gottscheds (Dresd. 1891), S. 68 fg.

Bocksbeutel heißen die kurzhalsigen, bauchigrunden, etwas breitgedrückten Glasflaschen, auf welche die besten Frankenweine (s. d.), besonders Leisten- und Steinwein, von der Schloßkellerei in Würzburg gezogen werden. Auf dem Verschluß tragen sie das Siegel des Hauses, den heil. Geist, daher man den Stein- auch «Heiligen Geistwein» nennt.

Bockschnitt, s. Bilwis.

Bocksdorn, Pflanzengattung, s. Lycium.

Bockseife, Mineral, s. Bergseife.

Böckser ist die Bezeichnung für schwefelwasserstoffhaltigen Wein.

Bocksgras, s. Nardus.

Bockshornbaum, s. Johannisbrot.

Bockshornklee, s. Trigonella.

Bocksknie, bei Pferden eine Abweichung von der normalen Kniestellung nach vorn, wird auch vorbiegige Kniestellung genannt.

Bocksmelde, s. Chenopodium.

Bocks Pektoral, s. Geheimmittel.

Bocksperger, Hans, s. Bocksberger.

Böckstein, s. Gastein.

Bockstriller (Trillo caprino), von den alten ital. Gesanglehrern gebrauchter Spottname für einen nicht mit der nötigen Rundung und Fertigkeit, sondern steif und meckernd ausgeführten Triller; heute, in Deutschland wenigstens, die gewöhnliche Form des Trillers bei Sängern und Sängerinnen.

Bockum-Dolffs, Florens Heinr. Gottfr. von, liberaler Politiker, geb. 19. Febr. 1802 in Soest, studierte zu Heidelberg und Berlin Jurisprudenz und Mathematik, trat dann in den Staatsdienst und war Landrat des Kreises Soest, als er 1847 in den Vereinigten Landtag gewählt wurde. 1849–51 war er Mitglied der Ersten Kammer, 1852–85 als Vertreter des Wahlkreises Hamm-Soest Mitglied des Abgeordnetenhauses, wo er anfangs der Fraktion Vincke angehörte, nach deren Auflösung aber mit polit. Freunden die Fraktion des linken Centrums bildete. Wegen seiner liberalen Richtung wurde er vom Ministerium Manteuffel 1852 zur Disposition gestellt, in der neuen Ära 1859 als Oberregierungsrat nach Koblenz berufen, 1862 aber nach Gumbinnen versetzt, wodurch er sich 1865 veranlaßt fand, den Staatsdienst zu verlassen. Als zweiter Vicepräsident des Abgeordnetenhauses hatte B. 11. Mai 1803 einen verhängnisvollen Konflikt mit dem Kriegsminister von Roon. Seit 1867 gehörte er auch für denselben Wahlkreis dem Norddeutschen und darauf bis 1884 dem Deutschen Reichstag an, wo er keiner Fraktion beitrat.

Bockwa, Dorf in der sächs. Amts- und Kreishauptmannschaft Zwickau, an der westl. Mulde, 2 km von Zwickau, im Steinkohlenrevier, hat (1890) 2156 E. und ist mit Zwickau durch eine Industriebahn verbunden. Die im reinsten got. Stil erbaute Kirche gilt für die schönste Dorfkirche Sachsens.

Bocoholz, das Holz der in Guayana wachsenden Bocoa provacensis Aubl.; es besitzt braunschwarzen ^[Spaltenwechsel] Kern mit unregelmäßigen Konturen, ist dicht und schwer und wird in der Kunsttischlerei verwendet.

Bocquillon (spr. bockijóng), Guillaume Louis, genannt Wilhem, franz. Musiker, geb. 18. Dez. 1781 zu Paris, wurde nach Studien am dortigen Konservatorium 1803 Musiklehrer an der Militärschule von St. Cyr, 1810 am Lycée Napoléon (dem spätern Collège Henri Ⅳ.), war bald ein gesuchter Privatlehrer und pflegte mit größtem Erfolg den Schul- und Männergesang. Seit 1819 mit der Organisation des Musikunterrichts in sämtlichen Pariser Elementarschulen betraut, wurde er 1839 Generaldirektor für den Musikunterricht und starb 26. April 1842 zu Chaillot bei Paris. B.s Verdienst ist die Einführung und Verbreitung der Methode des gegenseitigen Unterrichts in der Musik, sowie die Begründung der Orphéons (s. d.). Er schrieb viele Gesangswerke und gab eine große Sammlung von a-capella-Gesängen, «Orphéon» (5 Bde., 1837–40 u. ö.; zuletzt 1847, 10 Bde.) heraus. Von seinen pädagogischen Schriften sind «Guide de la méthode élémentaire et analytique de musique et de chant» (1821–24) und «Manuel musical à l'usage des collèges etc.» (2 Bde., 1836 u. ö.) hervorzuheben. – Vgl. Jomard, Discours sur la vie et sur les travaux de G. L. B. Wilhelm (Par. 1842); Niboyet, Notice historique sur la vie et sur les ouvrages de G. L. B. Wilhelm (ebd. 1843); de Lafage, Notice u. s. w. (ebd. 1844).

Bocskay (spr. bótschkai), Stephan, Fürst von Siebenbürgen, geb. 1556, kam an den ihm verwandten Fürstenhof der Báthory, wo er bald zu großem Einflusse gelangte und 1594 Oberkapitän von Großwardein und der siebenbürg. Teile von Ungarn wurde. B. war in wiederholten Gesandtschaften am kaiserl. Hofe zu Prag, neigte überhaupt zu Österreich, von dem ihn jedoch die Nichterfüllung ehrgeiziger Hoffnungen sowie die Wahrnehmung entfernte, daß die Räte des Kaisers die Freiheiten Ungarns und Siebenbürgens beseitigen wollten. Ebenso wurde seine prot. Überzeugung durch die Schrecken der Gegenreformation schwer getroffen. Er zog sich deshalb auf seine ungar.-siebenbürg. Güter zurück, wo er die günstige Gelegenheit zum Aufstande abwartete. Diese fand sich, als Kaiser Rudolf Ⅱ. 1604 den 21 Gesetzartikeln des Landtags eigenmächtig einen 22. zufügte, der die Religionsfreiheit der ungar. Protestanten schwer bedrohte. Da trat B. mit Bethlen Gabor und andern ungar. und siebenbürg. Unzufriedenen in Verbindung und stellte sich im Okt. 1604 an die Spitze der Erhebung. Der Aufstand war erfolgreich; B. wurde vom Sultan als Fürst von Siebenbürgen bestätigt (Nov. 1604); im April wählten ihn auch die oberungar. Stände zum Fürsten. Die kaiserl. Truppen mußten Siebenbürgen räumen, hier und in Nord- und Westungarn fiel ein fester Platz nach dem andern in B.s Hände. Diese siegreiche Erhebung führte schließlich zum Wiener Frieden 23. Juni 1606, der bis auf die neueste Zeit eine Grundlage des öffentlichen Rechts in Ungarn bildete. In diesem Frieden ward der eigenmächtige 22. Artikel vom J. 1604 aufgehoben und neben der Erneuerung der Rechte des Landes insbesondere die freie Religionsübung der Protestanten zugestanden, allerdings mit dem Zusatze «ohne Nachteil der kath. Kirche». Das Fürstentum B.s wurde anerkannt, er überdies zum «Fürsten des Heiligen Römischen Reichs» erhoben und ihm außer Siebenbürgen und Teilen Ungarns noch die Gespanschaften Bereg,