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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

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Böhtlingk (Otto) - Boieldieu

und wurde 1886 Professor der Geschichte und Litteratur an der Technischen Hochschule zu Karlsruhe. B.s Schriften sind: "Die holländ. Revolution und der deutsche Fürstenbund" (Bonn 1874), "Napoleon Bonaparte, seine Jugend und sein Emporkommen" (2 Bde., 9. Aufl., Lpz. 1883), "Napoleon Bonaparte und der Rastatter Gesandtenmord" (ebd. 1883), "Die beiden ersten deutschen Kaiser" (1888), "Fürst Bismarck, zur Geburtstagsfeier 1890" (Karlsr. 1890), und die Dramen "König Konrad" (Jena 1881) und "Franz von Sickingen" (ebd. 1881).

Böhtlingk, Otto, Sanskritist, geb. 30. Mai (11. Juni n. St.) 1815 in Petersburg, studierte seit 1833 an der Universität zu Petersburg orient. Sprachen, neben dem Arabischen und Persischen namentlich Sanskrit, ging 1835 nach Berlin, dann nach Bonn, von wo er 1842 als Adjunkt der kaiserl. Akademie der Wissenschaften nach Petersburg zurückkehrte. 1855 wurde er zum ordentlichen Mitglied der Akademie, 1860 zum Wirkl. Staatsrat, 1875 zum Geheimrat ernannt. 1868 siedelte er nach Jena über; seit 1885 lebt er in Leipzig. Die Arbeiten B.s, sowohl im Sanskrit als im Türkischen und den verwandten Dialekten, zeichnen sich durch Genauigkeit und Sorgfalt, besonders in der Behandlung des Grammatischen und Lexikalischen aus. Von seinen vielen Schriften sind hervorzuheben: die Ausgabe von Paninis "Acht Büchern grammatischer Regeln" (2 Bde., Bonn 1839-40), Vopadevas "Grammatik" (Petersb. 1847) und Kalidasas "Sakuntala" (Text mit Übersetzung, Bonn 1842), die "Sanskrit-Chrestomathie" (Petersb. 1815: 2. gänzlich umgearbeitete Aufl. 1877), Hematschandras "Wörterbuch" (mit Ch. Rieu, ebd. 1847), "Über die Sprache der Jakuten" (Text, Grammatik und Wörterbuch, ebd. 1851), "Indische Sprüche" (2. Aufl. in 3 Tln., ebd. 1870-73; eine Auswahl, von seiner Schwester herausgegeben, 1868), eine Übersetzung des Schauspiels "Mṛcchakatika oder das irdene Wägelchen" (ebd. 1877), "Paninis Grammatik mit Übersetzung" (Lpz. 1887), "K'hândogjopanishad, kritisch herausgegeben und übersetzt" (ebd. 1889), "Bṛhadâranjakopanishad, Text und Übersetzung" (Petersb. 1889), "Daṇdins Poetik, Text und Übersetzung" (Lpz. 1890). Außerdem erschienen von ihm mehrere Abhandlungen, unter denen hauptsächlich die "Über den Accent im Sanskrit" (1843) zu erwähnen ist, in den "Mémoires" der Petersburger Akademie der Wissenschaften, sowie kleinere Mitteilungen im "Bulletin" derselben Akademie und in andern gelehrten Zeitschriften. Verschiedene wichtige Arbeiten über die Litteratur der Upanischaden hat er neuerdings in den Berichten der Sächsischen Gesellschaft der Wissenschaften veröffentlicht. Sein Hauptwerk ist das mit Rud. Roth in Tübingen bearbeitete große "Sanskrit-Wörterbuch" (7 Bde., Petersb. 1853-75), welches den Sprachschatz der altind. Litteratur in möglichster Vollständigkeit darlegt. Eine Bearbeitung desselben in kürzerer Fassung umfaßt gleichfalls 7 Bände (ebd. 1879-89).

Bohumin, czech. Name von Oderberg in Österreichisch-Schlesien.

Bohuslän, die nördlichste der Westprovinzen Schwedens, bildet mit dem westlichsten Teile der Provinz Westergötland (Umgegend von Gothenburg) das Göteborgs- und Bohus-Län, eine Landeshauptmannschaft, die den schmalen Küstenstrich am Skagerrak von der untern Götaelf bis zum Swinesund an der norweg. Grenze begreift, hat 5101,3 qkm, davon 89,8 qkm Seen, und (1892) 302 494 E., d. i. 59 auf 1 qkm. Die 150 km lange Küste ist ungemein zerrissen und bietet mit ihren Inseln, unter denen Orust und Tjörn die bedeutendsten sind, und den zahllosen nackten, von aller Vegetation entblößten Klippen und Schären ein trauriges Bild. Doch besitzt dieselbe viele gute Häfen und das Meer einen großen Reichtum an Fischen, weshalb auch Schiffahrt und Fischerei die Hauptnahrungszweige der zum Teil sehr wohlhabenden Bewohner sind. Bei vielen Küstenorten befinden sich zum Teil stark besuchte Seebäder, wie Marstrand mit 1495 E. und 2000 Badegästen, Lysekil mit 1750 E. und über 2000 Badegästen, Strömstad mit 2608 E. und Moorbädern u. a. Das Innere des Landes hat viel fruchtbaren Boden, der Getreide über den Bedarf hervorbringt; die Waldungen, auch im Innern des Landes nur spärlich, bedecken etwa 12,5 Proz. der gesamten Oberfläche. Unter den Bewohnern, einem eigenartigen Menschenschlage, lebt ein reicher Schatz altnordischer Sagen fort, und zahlreiche vorgeschichtliche Denkmale sind erhalten. - Die Landschaft gehörte während des ganzen Mittelalters zu Norwegen, mit diesem Lande seit 1380 zu Dänemark, obgleich die Schweden ihr Lehnsrecht über dasselbe behaupteten und es 1658 im Frieden zu Noeskilde auch wirklich erhielten. - Benannt ist die Landschaft nach Bohus-Slott, das auf dem kleinen Felseilande Elfvebacken am nördl. Ende der Insel Hisingen in der Götaelf bei der Stadt Kongelf liegt und früher eine wichtige norwegische, mehrfach vergeblich belagerte Grenzfestung gegen Schweden bildete. Die Ruinen der Burg gehören zu den schönsten in Schweden.

Bohus-Slott, s. Bohuslän.

Bohusudov, czech. Name von Mariaschein in Böhmen.

Boi (frz. boie, spr. bŏá), s. Flanell.

Boie, Heinr. Christian, Schriftsteller, geb. 19. Juli 1744 zu Meldorf, studierte 1764-67 in Jena die Rechte und ging 1769 nach Göttingen; 1776 wurde er Stabssekretär in Hannover, kehrte 1781 als dän. Justizrat und Landvogt in Süderdithmarschen nach Meldorf zurück und starb daselbst 3. März 1806. Voll Begeisterung für die deutsche Poesie, entschloß er sich 1770 zur Herausgabe des ersten deutschen (Göttinger) "Musenalmanachs" (s. d.), den er bis 1775 fortsetzte. Gleichzeitig ward B. der Mittelpunkt eines Kreises junger Dichter, die, durch das Studium des klassischen Altertums angefeuert und von Liebe für das Vaterländische beseelt, den Göttinger Dichterbund (s. d.) bildeten. Nachdem B. die Herausgabe des "Musenalmanachs" an Voß (der B.s Schwester Ernestine heiratete) abgetreten hatte, gründete er mit nationaler Tendenz 1776 das "Deutsche Museum", eine der vielseitigsten und gehaltreichsten Zeitschriften des 18. Jahrh., die er seit 1788 (bis 1791) als "Neues Deutsches Museum" fortführte. Sein umfänglicher Briefwechsel ist literarhistorisch wichtig. - Vgl. Weinhold, H. C. B. (Halle 1868).

Boieldieu (spr. bŏajälldĭöh), François Adrien, franz. Opernkomponist, geb. 15. Dez. 1775 zu Rouen, wo sein Vater Sekretär in der erzbischöfl. Kanzlei war, erhielt Musikunterricht als Chorknabe an der Kathedrale daselbst. Hier brachte er 1793 eine kleine Oper: "La fille coupable", deren Text sein Vater verfertigt hatte, mit Beifall zur Aufführung und ließ 1795 "Rosalie et Mirza" folgen. Ohne Mittel, etwa 19 J. alt, wandte er sich nun nach Paris, wo er sich mit Romanzen und Liedern den Weg