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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

Schlagworte auf dieser Seite: Bologna (Giovanni da); Bolognese; Bologneser Flaschen

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Bologna (Giovanni da) – Bologneser Flaschen

Anmerkung: Fortsetzung des Artikels 'Bologna (Stadt)'

selben auf das fruchtbare Erdreich bezieht. Konsulate baden in B.: Argentinien, Deutsches Reich, Österreich-Ungarn, Peru, Spanien, Türkei, Uruguay und Venezuela.

Umgebung. Ungefähr 3km südwestlich von B. liegt auf einer Anhöbe das Nonnenkloster Madonna di San Luca (von 1731), ein berühmter Wallfahrtsort, zu dem ein bedeckter Säulengang von 635 Bogen eine halbe Stunde weit führt. Ein anderer, von dem ersten abzweigend, führt zu dem auf Napoleons I. Befehl erbauten Campo santo bei dem ehemaligen Kartäuserkloster Certosa, dessen helle, geräumige Bogenhallen mit zahlreichen Monumenten und frischgrünen Rasenplätzen den Friedhof, ein unvergleichliches Museum der neuern Skulptur bilden. Vgl. Collezione scelta die monumenti sepolcrali del commune cimitero di B. percura di N. Salvardi (1825).

Geschichtliches. Die Stadt B., als Felsina von den Etruskern oder Umbrern begründet, später im Besitze der Bojer und Bononia genannt, wurde nach der Schlacht bei Mutina (193 v.Chr.) Militärkolonie der Römer (189) und spielte in der röm. Kaiserzeit eine sehr wichtige Rolle. Nachher kam sie zum Exarchat und wurde später von den Langobarden genommen. Ihre ersten Privilegien erhielt die während des 12. Jahrh. emporblühende Stadt von Kaiser Friedrich I. (1158); 1167 trat sie dem Lombardischen Städtebunde bei und war 1239 im Kampfe mit Kaiser Friedrich II. neben Mailand das Bollwerk der Guelfen in Oberitalien; der glänzende Sieg der Bolognesen an der Fossalta über die Ghibellinen (1249) brachte den Sohn des Kaisers, Enzio, der hier bis an sein Ende (1272) gefangen gehalten wurde, in die Gewalt der Stadt. Durch die innern Kämpfe zwischen den Adelsfraktionen der Geremei (Guelfen) und der Lambertazzi (Ghibellinen) zerrüttet, kam B. 1278 mit der ganzen Romagna unter die Oberhoheit des Papstes Nikolaus III. Abwechselnd stritten sich nun die Päpste, das Volk und die Familien Pepoli (1337–50 und Bentivoglio (1401–1506 [1512]) um die Herrschaft in B.; vorübergehend geboten hier auch die mailänd. Visconti (1350, 1402). Erst 1506 wurde die Stadt durch Julius II. dem Kirchenstaate als päpstl. Delegation völlig einverleibt, wobei sie jedoch noch immer viele Freiheiten (eigene Münzprägung und selbständige Wahlen der städtischen Beamten) behielt, die erst infolge der franz. Occupation zum größten Teile verloren gingen. 1515 kam zu B. ein Konkordat zwischen Papst Leo X. und König Franz I. von Frankreich zu stande; 24. Febr. 1530 fand im Dome San Petronio die letzte Kaiserkrönung auf ital. Boden statt, nämlich die Karls V. durch Papst Clemens VII., nachdem 1529 hier der Friede für Italien verhandelt und geschlossen worden war; von 1547 bis 1551 tagte das Tridentiner Konzil hierselbst. Nach der Einnahme durch die Franzosen 1796 wurde B. mit Gebiet zunächst Bestandteil der Cispadanischen, dann der Cisalpinischen Republik, später als Dipartemento Reno Teil des Königreichs Italien, bis sie 1815 dank der Gewandtheit des Kardinals Consalvi wieder an den Papst kam. 1831 war sie als Mittelpunkt des «Vereinigten Italiens», Hauptherd des republikanischen Aufstandes, der 4. Febr. ausbrach und die Einsetzung einer provisorischen Regierung zur Folge hatte. Zwar ward derselbe infolge des schnellen Einrückens der Österreicher unter Frimont sehr bald unterdrückt und die päpstl. Regierung wieder aufgerichtet; doch brachen die ↔ Unruhen schon 21. Dez. 1831 von neuem aus; allein auch diesmal stellten schon im Jan. 1832 die österr. Waffen die alte Ordnung wieder her. Als 1843 unerträgliche Plackereien und Willkürlichkeiten der Zoll- und andern Beamten Unruhen in der Romagna verursacht hatten, wurde eine außerordentliche Militärkommission nach B. gesandt. Eine Menge Bolognesen wurden ins Gefängnis geworfen, andere, zum Teil aus den besten Familien, flohen aus Furcht in die nahen Gebirge. Die dadurch erregte Unzufriedenheit hatte ihren Gipfel erreicht, als Pius IX. den päpstl. Stuhl bestieg. An den Bewegungen und Demonstrationen der nächsten Zeit nahm B. den lebhaftesten Anteil. Als ein österr. Korps 8. Aug. 1848 B. durch einen Handstreich besetzen wollte, wurde dasselbe von dem erbitterten Volke gezwungen, mit Verlust von Toten und Gefangenen die Stadt zu verlassen. Nach Abschluß des Friedens mit Sardinien kehrten jedoch im Einverständnisse mit dem Papste die Österreicher 8. Mai 1849 zurück, und B. mußte sich nach achttägiger Gegenwehr und wiederholtem Bombardement 16. Mai ergeben und wurde von dem Korps des Generals Gorzkowski besetzt. Seitdem behielt die Stadt österr. Garnison bis zum ital. Kriege von 1859, infolgedessen sie vom Kirchenstaate abfiel und im März 1860 mit der Romagna ihren Beitritt zum Königreich Sardinien erklärte. – Vgl. Savioli, Annali della città bolognese (3 Bde., Bassano 1788–95); Gatti, Descrizione delle più rare cose di B. (Bologna 1813); Muzzi, Annali della città di B. dalla sua origine al 1796 (ebd. 1840–46); Guidicini, Cose notabili della città di B. (Bd. 1–5, ebd. 1869–74); Muzzi, Compendio della storia di B. (ebd. 1875); über die eigentümlich rauhe Mundart vgl. C. Coronet-Berti, Vocabolario bolognese-italiano (2 Bde., ebd. 1877).

Bologna (spr. -ónja), Giovanni da (bei den Franzosen Jean Boulogne), flandr. Bildhauer, geb. 1524 zu Douai, lebte seit 1544 in Italien, wo er unter dem Namen Giovanni Fiammingo bekannt war, und starb 1608 zu Florenz. Seine berühmtesten Werke, in denen er dem Stile Michelangelos folgte, sind: der Neptunsbrunnen in Bologna (s. Tafel: Brunnen I, Fig. 6), 1566 in Erzguß vollendet; der Raub der Sabinerinnen (1583), Marmorgruppe in der Loggia dei Lanzi in Florenz, ebendort Hercules und der Centaur, der Appenino, Koloß in der ehemaligen großherzogl. Villa in Pratolino; die bronzene Reiterstatue Cosimos I. in Florenz (1591) und der bronzene fliegende Merkur (1572) im Museo nazionale daselbst. B. gehört zu den bedeutendsten Künstlern seines Faches, sowohl was die Größe der Form, als die Feinheit der Umrißlinien seiner Gruppen betrifft. Seinen Gestalten ist eine große Geschlossenheit und Schlankheit eigen, die in der Folge vielfach nachgeahmt und für den Stil des 17. Jahrh. maßgebend wurde. Seine besten Schüler waren Adrian de Fries, Peter Candid und Tacca. – Vgl. Desjardins, La vie et l’œuvre de Jean Boulogne (Par. 1884).

Bolognese (spr. -onjehse), il, ital. Maler, s. Grimaldi.

Bologneser Flaschen, kleine dickwandige flaschenförmig aufgeblasene Glasmassen (s. umstehende Figur), die heiß von der Glasbläserpfeife abgeschnitten und rasch abgekühlt, deren innere Teile daher einer starken Pressung ausgesetzt sind. Der Glasbläser formt sie, um sich von der Beschaffenheit des in Schmelzung begriffenen Glases zu überzeugen. Man benutzt sie im physik. Unterricht, um die Ko-

Anmerkung: Fortgesetzt auf Seite 262.