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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

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Borré - Borromini

Borré, Pflanzenart, s. Porré.

Borretsch, Pflanzengattung, s. Borago.

Borries, Wilh. Friedr. Otto, Graf von, hannov. Staatsmann, geb. 30. Juli 1802 in Dorum im Lande Wursten, studierte 1820-23 in Göttingen die Rechte, war einige Zeit Gerichtsassessor in Harsefeld, dann Gerichtshalter in Delm, endlich Mitglied des Hofgerichts in Stade. Später verließ er den Justizdienst und wurde als Regierungsrat zur Landdrostei Stade versetzt. Mit Eintritt der Reaktion schloß er sich der Adelspartei an und trat mit Eifer für seinen Stand auf. Im Ministerium Schele erhielt B. 1851 das Departement des Innern und wurde zugleich zum Mitglied der Ersten Kammer ernannt. In dieser Stellung drang er mit dem Finanzminister von der Decken, um die von Hof und Adel gewünschte Verfassungsveränderung herbeizuführen, auf Octroyierungen mit Hilfe des Bundestags, während seine Kollegen durch Verständigung mit Ritterschaft und Ständen zum Ziele zu gelangen dachten. Infolge dieses Zwiespalts mußten B. und der Finanzminister 10. April 1852 ihre Ämter wieder niederlegen. Erst im Juli 1855 übernahm B. aufs neue das Departement des Innern und wurde hiermit die Seele der Reaktion gegen die Verfassung vom 5. Sept. 1848. Nach den Octroyierungen vom 1. Aug. 1855 (s. Hannover) wußte sich B. eine Majorität in der Zweiten Kammer zu schaffen, die nicht nur jene Akte in der Session von 1857 bestätigte, sondern auch auf die von ihr geforderte Finanzveränderung (Domanialausscheidung) zu Gunsten der königl. Kasse einging. Mit Hilfe derselben gefügigen Majorität unternahm er sodann 1858 die Umwandlung der sog. Stüveschen Organisationen in der Landesverwaltung. Als er im April 1860 in der Zweiten Kammer äußerte, die deutschen Fürsten würden auf jede Weise ihre Souveränität zu wahren suchen und könnten durch die Not sogar dazu gedrängt werden, die Allianz auswärtiger Mächte zu suchen, wurde er, obwohl man diese Äußerung in ganz Deutschland mit allgemeinem Unwillen aufnahm, vom König Georg dafür in den Grafenstand erhoben. Mit der polit. Reaktion war in Hannover zugleich die kirchliche gewachsen, die sich namentlich auch bei Hofe Geltung zu verschaffen wußte und 14. April 1862 den Befehl zur Einführung eines orthodoxen Landeskatechismus zur Folge hatte. Da B. dieses Vorgehen mißbilligte, und 9. Aug. in der Hauptstadt selbst Ruhestörungen ausbrachen, so wurde 21. Aug. die Einführung des Katechismus sistiert und B. 22. Aug. entlassen. Er zog sich auf sein Gut zu Hedendorf zurück und ließ sich, nachdem er sich mit der Adelspartei ausgesöhnt, im Herbst 1863 in die Erste Kammer wählen. Nach der Einverleibung Hannovers in Preußen wurde B. 16. Nov. 1867 ins preuß. Herrenhaus berufen, an dessen Verhandlungen er in konservativem Sinne teilnahm; auch war er Mitglied des hannov. Provinziallandtages. Die Bestrebungen der welfischen Partei fanden bei ihm keine Unterstützung. Er starb 14. Mai 1883 in Celle.

Borromäerinnen, s. Barmherzige Schwestern.

Borromäusverein, ein 1844 zu Bonn von dem Freiherrn von Loë, den Professoren Walter und Dieringer u. a. gegründeter Verein zur Verbreitung kath. Schriften. Die Mitglieder zahlen jährlich 6, die Teilnehmer 3 M., erhalten dafür Bücher als Vereinsgabe und können die in das Verzeichnis des Vereins aufgenommenen Schriften zu zwei Drittel des Ladenpreises beziehen. Die Überschüsse werden zur Gründung von Leihbibliotheken verwendet. Der Vorstand des B., dessen Einnahmen sich 1888 auf fast 200 000 M. beliefen, hat seinen Sitz in Bonn.

Borromeische Inseln, vier kleine felsige Inseln im Lago Maggiore (s. d.), zum Kreis Pallanza in der ital. Provinz Novara gehörend. Sie führen ihren Namen von der mailänd. Familie Borromeo, welche die beiden größern dieser von Natur aus nackten und steinigen Eilande 1671 mit Erde beschütten, anbauen und in herrliche Parks umwandeln ließ. Auf Isola Madre steigen 7 Terrassen, auf Isola Bella deren 10 bis zu 32 m Höhe an und tragen die stets in südl. Vegetation prangenden Gärten. Diese je einen Palast umgebenden Gärten, die Lage in der belebten Bucht des Sees und die Aussicht auf die Alpen haben den B. I. eine große Berühmtheit verschafft. Die beiden andern sind Isola dei Pescatori, nicht der Familie Borromeo gehörig, von 200 Fischern bewohnt, und Isola di San Giovanni oder Isolino.

Borromeo, Carlo, Graf, Kardinal und Erzbischof von Mailand, geb. 2. Okt. 1538 zu Arona am Lago Maggiore, studierte die Rechte in Pavia, ward seit 1560 durch seinen Oheim, Papst Pius IV., Protonotar, Referendar der Signaturen, Kardinaldiakon und Erzbischof von Mailand. Wegen sittenreinen Lebens und bedeutender Gelehrsamkeit hoch angesehen, suchte er dem Papsttum die alte Macht zurückzuerobern und zugleich die Kirche, besonders die Geistlichkeit, von dem eingerissenen Verderben zu reinigen. Er vermittelte die Beeinflussung des 1562 wieder eröffneten Tridentiner Konzils und erwirkte eine möglichst scharfe Fassung seiner Beschlüsse; er verwaltete die neugewonnenen Gebietsteile des Kirchenstaates, die Romagna, die Marken und Bologna, führte das Protektorat der Franziskaner, Karmeliter und Malteser und war thätiges Mitglied der Inquisitionskommission. Seit 1564 unter Papst Pius V. nahm B. ständigen Sitz in Mailand und widmete seine ganze Kraft der Regierung seines Sprengels, gründete Seminarien und führte eine strenge Kirchenzucht ein. Die Strenge, mit der er für Reform der entarteten Mönchsorden eintrat, veranlaßte 1569 sogar einen Mordversuch. Mit besonderm Eifer war B. bestrebt, die Reformation in seinem Sprengel im Keime zu erdrücken. Mit selbstloser Hingabe trat er 1576 der schrecklichen Pest entgegen und rettete einen großen Teil der Bevölkerung. Im Goldenen Borromeischen Bunde verband er die sieben kath. Kantone der Schweiz zur Verteidigung ihres Glaubens. Er starb 3. Nov. 1584 und wurde 1610 heilig gesprochen. Sein Gedächtnistag ist der 4. Nov. Bei Arona wurde ihm eine eherne Kolossalstatue errichtet. B.s theol. Schriften gab am besten Sax (5 Bde., Mail. 1747) heraus. - Sein Leben beschrieben Giussano (1610; deutsche Ausg. in 3 Bdn., Augsb. 1836-37), Godeau (Brüss. 1684; Par. 1747), Touron (Par. 1761), Dieringer (Köln 1846), Sylvain (3 Bde., Mail. 1884); "Documenti circa la vita e le gesta di B." (4 Bde., ebd. 1857-61) hat Sala veröffentlicht.

Seines Bruders Sohn, Graf Federico B., geb. 18. Aug. 1564, gest. 21. Sept. 1631, ebenfalls Kardinal und seit 1595 Erzbischof von Mailand, ist der Begründer der Ambrosianischen Bibliothek (s. d.).

Borromini, Francesco, ital. Bildhauer und Baumeister, geb. 1599 zu Bissone im Mailändischen, gest. 1667, lebte in Rom und war neben Bernini der Hauptvertreter des Barockstils. B. war ein geist-^[folgende Seite]