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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

Schlagworte auf dieser Seite: Börsenverein der Deutschen Buchhändler zu Leipzig

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Börsenverein der Deutschen Buchhändler zu Leipzig

Anmerkung: Fortsetzung des Artikels 'Börsensteuer'

Anmerkung: Fortsetzung von [Italien.]

tierten, nach dem durchschnittlichen Kurswert des vorangegangenen Jahres zu berechnenden Kapitals ausmacht. Bei ausländischen Gesellschaften wird nur der für Geschäfte in Italien bestimmte Teil des Kapitals in Ansatz gebracht. Ferner wird von den Vorschußgeschäften der Sparkassen und ähnlicher Anstalten eine halbjährige Steuer von 1,20 Lire vom Tausend erhoben. Die Schlußzettel über Effekten- und über die an der Börse abgeschlossenen Warenumsätze haben einen festen Stempel zu zahlen, der bei Cassageschäften 50 Cent., bei Zeitgeschäften 2 Lire beträgt. Der Gesamtertrag dieser Steuer war durchschnittlich 1877-85 3,5, 1888-89 7,1 Mill. Lire.

Litteratur . Cohn, Ein Wort zur B. (in den «Jahrbüchern für Nationalökonomie und Statistik», Neue Folge, X, 1, Jena): Friedberg, Die B. (Berl. 1875); ders., Vorschläge zur technischen Durchführung einer prozentualen B. (Jena 1882); ders., Das Reichsbörsensteuergesetz (in den «Jahrbüchern für Nationalökonomie und Statistik», NeueFolge, XI, 1); Grimm, Das Börsensteuergesetz (in Schanz' «Finanzarchiv», II, 1115 fg.); Zecht, Die Geschäftssteuer auf Grundlage des Schlußnotenzwangs (6. Aufl., Stuttg. 1886); Puls, Die B. (3. Aufl., Frankf. a. M. 1892); Perrot, Die Börse und die B. (Heidelb. 1880); Wagner, Finanzwissenschaft, Vd. 2, §. 467 (Lpz. 1880); Scheimpflug, Zur Reform der österr. Börsenverkehrssteuer (Wien 1881).

Börsenverein der Deutschen Buchhändler zu Leipzig , ein am 30. April 1825 gegründeter Verein der angesehensten buchhändlerischen Firmen, erstreckt seine Wirksamkeit vornehmlich auf das Deutsche Reich, Österreich-Ungarn und die Schweiz, aber auch auf die ganze übrige civilisierte Welt, soweit sich irgendwo mit dem deutschen Buchhandel verkehrende Firmen finden. Im Mai 1893 zählte er 2548 Mitglieder, welche 2753 Firmen vertraten, davon 2315 im Deutschen Reich, 187 in Österreich-Ungarn, 113 in der Schweiz, 5 in Belgien, 4 in Dänemark, 20 in Frankreich, 1 in Griechenland, 19 in Großbritannien, 10 in Holland, 17 in Italien, 4 in Norwegen, 3 in Rumänien, 33 in Rußland, 6 in Schweden, 2 in der Türkei, 14 in Amerika.

Der B. ist seit seiner Begründung der Mittelpunkt für die genossenschaftlichen Bestrebungen des deutschen Buchhandels. Nach seinen 25. Sept. 1887 beschlossenen neuen Satzungen hat er zum Zweck: die Pflege und Förderung des Wohls sowie die Vertretung der Interessen des deutschen Buchhandels und seiner Angehörigen im weitesten Umfange, insbesondere aber die Schaffung und Unterbaltung von Anstalten und Einrichtungen behufs Erleichterung des gegenseitigen Geschäftsverkehrs und der Abrechnungen, die Feststellung allgemein gültiger geschäftlicher Bestimmungen im Verkehr der Buchhändler untereinander sowie der Buchhändler mit dem Publikum in Bezug auf die Einhaltung der Bücherladenpreise, bez. den von letztern zu gewährenden Rabatt, die Pflege des Unterstützungswesens für Angehörige des Buchhandels, die Belebung des genossenschaftlichen Geistes in Orts-, Kreis-, Verleger- und Kommissionärvereinen, sowie die Förderung der Bestrebungen dieser Vereine zum Schutze des geschäftlichen Wohles ihrer Mitglieder. Der B. wurde im Lauf der Zeit von großer Bedeutung für Ordnung und Sicherung des buchhändlerischen Verkehrs in seinem Gebiete. In letzterer Beziehung ist die in der Ostermesse 1891 beschlossene « Verkehrsordnung » (s. d.) wichtig. Besonders hat er sich auch um die Entwicklung ↔ der bezüglichen Gesetzgebung verdient gemacht, namentlich um das Gesetz über Urheberrecht vom 11. Juni 1870. Ebenso hat er sich mit einer Kodifizierung des Verlagsrechts durch eine Verlagsordnung beschäftigt, welche auch das Interesse der Deutschen Reichsregierung erweckt hat. Er hat seinen Sitz in Leipzig, ist Genossenschaft mit jurist. Persönlichkeit, besitzt (1893) ein Vermögen von etwa 1314000 M. und wird vertreten durch einen aus 6 auf je 3 Jahre gewählten Mitgliedern bestehenden Vorstand. An seiner Spitze standen 1825 Karl Chr. Horvath, Potsdam ; 1820 27 Dr. Friedr. Campe, Nürnberg; 1828/30 Karl Duncker, Berlin; 1831/33 Wilh. Ambr. Varth, Leipzig; 1834/37 Theod. Chr. Friedr. Enslin, Berlin; 1838/39 Joh. Chr. V. Mohr, Heidelberg: 1840/42 Friedr. Joh. Frommann, Jena; 1843/45 Heinr. Erhard, Stuttgart; 1846/48 Friedr. Joh. Frommann, Jena; 1849 Karl Ruthardt, Breslau; 1850/51 Georg Reimer, Berlin; 1852/54 Rud. Besser, Hamburg; 1855/60 Dr. Moritz Veit, Berlin; 1861/63 Friedr. Joh. Frommann, Jena; 1864/66 Karl Hoffmann, Stuttgart; 1867/72 Julius Springer, Berlin; 1873/78 Adolph Enslin, Berlin; 1879 Wilhelm Hertz, Berlin; 1880 Adolf Enslin, Berlin; 1881 Franz Wagner, Leipzig; 1882/87 Adolf Kröner,Stuttgart;1888 Paul Parey, Berlin; 1889/91 Adolf Kröner, Stuttgart; seit 1892 Dr. Eduard Brockhaus, Leipzig.

Da die 1834-36 in Leipzig erbaute Buchhändlerbörse räumlich nicht mehr ausreichte, wurde 1886-88 auf einem von der Stadt Leipzig geschenkten Grundstück vom B. ein neues Gebäude, das Deutsche Buchhändlerhaus , errichtet, Kosten 1 Mill. M., von Kayser und von Großheim in Berlin erbaut. In demselben befinden sich die Bureaus der Verwaltung des B. (Geschäftsstelle, Redaktion des «Börsenblattes», des «Buchhändler-Adreßbuches»), ferner die dem Verein der Buchhändler zu Leipzig gehörige Bestellanstalt für buchhändlerische Geschäftspapiere, die Bibliothek des V., das Deutsche Buchgewerbemuseum mit der königlich sächs. Bibliographischen Sammlung (ehemals Museum Heinrich Klemm). Kataloge der Sammlungen sind in Vorbereitung; bis jetzt sind erschienen: "Verzeichnis der Sammlungen des V. I. Katalog der Bibliothek" (Lpz. 1885) und «Katalog des Museum Klemm. Abteil. 1 und 2» (Dresd. u. Lpz. 1885). Alljährlich zur Zeit der Buchhändlermesse (s.d.) wird am Sonntag Kantate die ordentliche Hauptversammlung, in der auch allgemeine Angelegenheiten des Buchhandels beraten werden, darin abgehalten, während an den nachfolgenden Tagen Saldierung der Rechnungen über die im vorhergehenden Jahre gemachten Geschäfte dort vorgenommen werden. Auf Anregung von Dr. Eduard Brockhaus wurde 1876 die Herausgabe einer Geschichte des Deutschen Buchhandels beschlossen und einer Historischen Kommission überwiesen, die Friedr. Kapp die Bearbeitung übertrug; nach dem Tode Kapps gaben Alb. Kirchhofs und der Bibliothekar des V., F. Herm. Meyer, den 1. Band der «Geschichte des Deutschen Buchhandels» (Lpz. 1886) heraus: letzterm ist auch 1891 die Vollendung des Werkes übertragen worden, nach seinem Tode übernahm sie 1893 Dr. Oskar von Hase. Zum Sammeln wichtigen Materials erscheint das «Archiv für Geschichte des Deutschen Buchhandels» (Lpz, 1878 fg., bis 1893 16 Bde.). Außerdem erscheinen noch im Verlage des B.: «Publikationen des V. der Deutschen Buchhändler» (Lpz. 1874 fg., bis 1891 8 Bde.; eine «Neue Folge» derselben bildet das

Anmerkung: Fortgesetzt auf Seite 330.

Anmerkung: Fortgesetzt auf Seite 330.