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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

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Botanische Institute - Botanische Sammlungen

Klima Deutschlands vertragen, können in deutschen B. G. im Freien gehalten werden. Dahin gehören zunächst alle in Deutschland selbst einheimischen und ferner diejenigen anderer Länder, die zu ihrem Gedeihen keine andern klimatischen Verhältnisse verlangen, also z. B. viele in Nordamerika, Nordasien, an den Abhängen hoher Gebirge wachsende; außerdem die meisten derjenigen, die an ein noch kälteres Klima gewöhnt sind, wie die Pflanzen der höhern Breiten und die alpinen Gewächse. Die sog. Freilandpflanzen werden meist in der Weise verteilt, daß bestimmte Gruppen, wie Bäume, Sträucher, perennierende, einjährige krautartige Pflanzen, besondere Teile des Gartens für sich haben. Bei der Anordnung der krautartigen Pflanzen verfährt man gewöhnlich so, daß man die Gruppierung nach einem bestimmten System vornimmt, um das Auffinden der einzelnen Pflanzen und die Vergleichung naher verwandter Pflanzenarten oder -Familien zu erleichtern. In der Anordnung der Bäume und Sträucher läßt man sich weniger von systematischen Principien als vielmehr von ästhetischen Rücksichten leiten, denn die geschmackvolle Gruppierung der baum- und strauchartigen Gewächse verleiht den B. G. gewissermaßen den Charakter von Parks, ohne dabei den wissenschaftlichen Zweck derselben zu beeinträchtigen. Die Wasser- und Sumpfpflanzen kultiviert man entweder in kleinen Teichen, oder man benutzt besonders eingerichtete Aquarien, die an allen Stellen leicht zugänglich sind und in mehrere durch Mauern abgegrenzte, mehr oder minder tiefe sumpfige Abteilungen zerfallen. Die alpinen Pflanzen werden an freie, luftige Stellen gepflanzt, meist auf künstlich zusammengestellte Felsgruppen.

In neuern B. G. hat man den größern Teil der kultivierten Freilandgewächse, einschließlich der Gehölze und Annuellen, systematisch geordnet im Garten zu verteilen und die während des Sommers im Freien Aufstellung findenden Gewächshauspflanzen den betreffenden Familien einzufügen versucht. Wenn es auch nicht denkbar ist, alle Gewächse in dieser Weise unterzubringen, so erleichtert es doch das Studium der Systematik ungemein, wenn nach Möglichkeit die charakteristischen Arten der verschiedenen Gattungen einer Familie zu einem geschlossenen Ganzen vereint und in Unterfamilien gegliedert sind. Ein gutes Vorbild für eine derartige Anordnung bieten die B. G. in Berlin und Heidelberg. In neuester Zeit werden die Pflanzen auch häufig nach ihrer geogr. Verbreitung gruppiert und von den Florengebieten der nördlichen gemäßigten Zone besondere pflanzengeogr. Anlagen geschaffen. Alle in dem betreffenden Gebiete vorkommenden charakteristischen Pflanzen werden nach der Art und Weise ihres Vorkommens und ihrer Lebensbedingungen gruppiert und für diesen Zweck besondere Anlagen für Alpen-, Wasser-, Sumpf-, Moor-, Heide- und Waldpflanzen in natürlichen Formen ausgeführt. Die größte Anlage dieser Art befindet sich zu Berlin; sie umfaßt ganz Europa, das nördl. und östl. Asien, besonders Sibirien, Japan und China, das Himalajagebiet, die Balkanländer und Nordamerika.

Alle Gewächse, die nicht in dem Klima der Orte, wo die B. G. liegen, gedeihen können, müssen in besondern Gewächshäusern untergebracht werden, von denen zur Aufnahme sowohl tropischer wie subtropischer Pflanzen die genügende Anzahl mit den entsprechenden Einrichtungen versehen, errichtet sind (s. Gewächshäuser).

Geschichtliches. Schon zu Anfang des 14. Jahrh. bestanden in Italien zu Salerno und Venedig Anlagen, welche als B. G. insofern angesehen werden können, als sie die wichtigsten der als heilkräftig geltenden Pflanzen enthielten; es waren also mehr medizinisch-botan. Gärten. Da zu jener Zeit die Kenntnis der Gewächse noch sehr mangelhaft war, so haben diese ersten B. G. weniger botan. als histor. Interesse. Im 16. Jahrh. wurden B. G. in Padua (1545), Pisa (1547), Bologna (1567), Leiden (1577), Heidelberg (1593) angelegt und von nun an gelangten sie bald durch den immer lebhafter werdenden Verkehr mit außereurop. Ländern zu hoher Bedeutung. Im 17. Jahrh. entstanden die B. G. zu Gießen, Paris, Jena, Oxford, Kew, Amsterdam, Berlin, Utrecht. Während des 18. Jahrh. wurden in Deutschland die meisten der mit den Universitäten verbundenen B. G. angelegt, außerdem auch viele andere, die nicht in direktem Zusammenhange mit den Hochschulen standen. Die Gärten in Petersburg, Moskau, Kopenhagen, Upsala, Lund stammen ebenfalls aus dem vorigen Jahrhundert. Gegenwärtig besitzt fast jede Universität einen Botanischen Garten, außerdem giebt es in allen größern Städten derartige Anlagen. Auch in den außereurop. Ländern, in Nordamerika, in Indien, Australien, im Kapland und an vielen andern Orten sind B. G. In Europa ist wohl der Garten zu Kew bei London der großartigste und reichhaltigste. In Deutschland sind besonders hervorzuheben die Gärten von Berlin, Breslau, Halle, Göttingen, Leipzig, München, Heidelberg und Marburg.

Litteratur. Aiton, Hortus Kewensis (2. Aufl., 5 Bde., Lond. 1810-13); Link, Hortus regius botanicus Berolinensis (2 Bde., Berl. 1827-33); Schlechtendal, Hortus Halensis (Halle 1841); Schenk, Der Botanische Garten zu Würzburg (Würzb. 1860); Göppert, Bericht über den Botanischen Garten zu Breslau (9. Aufl., Bresl. 1883); Urban, Geschichte des königl. Botanischen Gartens zu Berlin (Berl. 1882); ders., Führer durch den königl. Botanischen Garten zu Berlin (ebd. 1887).

Botanische Institute sind diejenigen Universitäts-Institute, deren Zweck es ist, den Studierenden Gelegenheit zu geben, durch praktische Übungen sich sowohl mit mikroskopischen als auch experimentell-physiol. Untersuchungen vertraut zu machen. In Deutschland besitzen fast alle Universitäten derartige B. I. Da sie in den meisten Fällen mit den botan. Gärten im Zusammenhang stehen, so wird auf diese Weise die botan. Forschung aufs beste gefördert. Während von den botan. Gärten die zu den Untersuchungen nötigen Pflanzen kultiviert werden, gewähren die B. I. durch ihre reichliche Ausstattung mit optischen, physik., chem. Apparaten und durch ihre sonstigen Einrichtungen den wissenschaftlichen Arbeiten und dem Unterricht in der Botanik die vorteilhafteste Unterstützung.

Botanische Sammlungen sind die Sammlungen der zu den vielfachen Untersuchungen und zum Unterricht in der Botanik nötigen verschiedenartigen pflanzlichen Objekte, die man nicht immer in frischem Zustande zur Hand haben kann. Die wichtigsten und umfangreichsten Sammlungen sind die Herbarien (s. d.), in denen getrocknete Pflanzen oder wenigstens charakteristische Teile derselben aufbewahrt werden. Dieselben sind so eingerichtet, daß die einzelnen Pflanzen nach dem Trocknen zwischen Papierbogen gelegt und nach einem bestimmten