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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

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Bougainville (Louis Antoine de) - Bougre

Berge steigt B. zu etwa 2700 m Meereshöhe auf. Auf der Insel sind zwei thätige Vulkane.

Bougainville (spr. bugängwil), Louis Antoine de, franz. Seefahrer, geb. 11. Nov. 1729 zu Paris, studierte daselbst und ließ in seinem 25. Jahre den "Traité du calcul intégral" (2 Bde., Par. 1754-56) erscheinen. Anfangs Rechtsgelehrter und Parlamentsadvokat in Paris, nahm er später Kriegsdienste und wirkte 1756-59 als Adjutant des Marquis von Montcalm in Canada, diente dann in dem Feldzuge von 1761 in Deutschland und trat hierauf in den Seedienst. Er unternahm mit der Fregatte La Boudeuse und dem Schiffe L'Etoile von St. Malo aus (15. Dez. 1766 bis 16. März 1769) eine Reise um die Welt, die erste, die von Franzosen ausgeführt wurde. Er beschrieb dieselbe in der "Description d'un voyage autour du monde" (2 Bde., Par. 1771-72; neue Ausg. 1880; deutsch, Lpz. 1783). Durch diese Reise ist die Erdkunde mit neuen Entdeckungen in den Salomons-Inseln und dem Bismarck-Archipel bereichert worden. Im nordamerik. Kriege befehligte er mehrere Linienschiffe und wurde 1779 Chef d'Escadre, 1780 aber Maréchal de Camp in der Landarmee. Nach Ausbruch der Revolution zog er sich aus dem öffentlichen Dienste zurück; er starb 31. Aug. 1811. - Vgl. Pascal, Essai historique sur la vie et les ouvrages de B. (Marseille 1831).

Boughton (spr. baut'n), George Henry, Maler, geb. 1833 zu Norfolk in England, kam 1839 nach den Vereinigten Staaten, ging 1853 nach London, 1859 nach Frankreich und ließ sich 1861 in Camden Hill bei London nieder, wo er 1879 zum Associate der königl. Akademie ernannt wurde. Viele seiner Bilder (Weihnachtsmorgen in der Bretagne, Gang der Puritaner nach der Kirche) sind in den Vereinigten Staaten.

Bougie (frz., spr. buschih), Kerze, Licht. Bougies nennt man in der Chirurgie auch glatte, stielrunde, 20-24 cm lange Cylinder, die man in die Kanäle des menschlichen Körpers einführt, um dieselben (durch Druck von innen nach außen) zu erweitern, seltener um Medikamente dadurch an eine andere Stelle zu bringen. Sie unterscheiden sich von den Kathetern (s. d.) dadurch, daß sie nicht durchlöchert sind, während letztere eine Öffnung an der Spitze und einen Kanal im Innern (zur Herausleitung von Flüssigkeiten) haben. Gewöhnlich werden sie nach der Spitze zu allmählich verdünnt (zugespitzt), seltener sind sie oben gleichdick wie unten und nur abgerundet. Man stellt sie aus Wachs, gehärtetem Kautschuk oder aus einem mit Harzlösungen oder Kautschuk getränkten Seidengespinst her; seltener gebraucht man metallene B. aus Blei, Zinn, Neusilber oder Silber. Man wendet die B. in verschiedener Größe und Gestalt bei Harnröhrenverengungen (Strikturen) an, seltener bei Krankheiten des Mastdarms, der Speiseröhre u. s. w.

Bougie (spr. buschih), arab. Buddschahjah, Seestadt und seit 1875 Sitz einer Unterpräfektur im gleichnamigen Arrondissement des Depart. Constantine in Algerien, 180 km im O. von Algier, 3 km von der Mündung des Wadi-Sahel oder Summam, liegt an der durch drei Küstenforts geschützten Westseite des Golfs von B., der von Kap Carbon 40 km weit bis Kap Cavallo reicht, und hat eine sichere Reede, den besten Ankerplatz der ganzen alger. Küste. Die Stadt ist am Abhange des 700 m hohen Dschebel-Guraja auf einem von tiefen Schluchten zerrissenen, rings steil zum Meere abfallenden Plateau erbaut; vom Hafen führt eine Fahrstraße zur Stadt hinauf. Auf der jetzt von einem uneinnehmbaren Fort gekrönten Höhe befindet sich noch die Kubba einer heiligen Frau, der Lella Guraja, ein ehemals weitberühmter Wallfahrtsort, dem B. den Namen "Klein-Mekka" verdankte. B. ist, obgleich Hauptmarkt des fruchtbaren Ostkabyliens, nur eine stille Provinzialstadt mit wenig bedeutendem Handel; durch Eisenbahn über Buira ist es mit Algier, über Setif mit Constantine verbunden. B. ist Sitz mehrerer Konsulate, hat (1891) 12 381 E., eine Schule, eine Kinderbewahranstalt, Kasernen, Magazine, ein Hospital und Handel mit Wachs, Honig, Orangen, Öl, Getreide und Wein. Zahlreiche Überreste von Bauten und Inschriften beweisen die Bedeutung B.s im Altertum und Mittelalter. - Im Altertum lag hier Saldae, an der Westgrenze der röm. Provinz Numidia, das unter Augustus zur Kolonie erhoben wurde und späterhin Bischofssitz war. Der Vandalenkönig Geiserich erhob den Ort vor der Eroberung von Karthago zu seiner Hauptstadt und umgab ihn mit einer bedeutenden Ringmauer, von der ebenso wie von der römischen noch Reste vorhanden sind. Im 10. Jahrh. wurde die Stadt unter dem Namen Biddschajah (Bigaja) Hauptort des mächtigen Königreichs der Beni-Hammad und wuchs zum wichtigsten Handelsplatze Nordafrikas empor, dessen betürmte Ringmauer, wie die Reste zeigen, 7 km im Umfang hatte. Die Blüte dauerte auch noch lange fort, nachdem 1152 die Macht der Beni-Hammad durch die Almohaden gestürzt und B. mit dem Reiche Marokko, seit 1240 mit dem Königreich Tunis vereinigt worden war. Die Pisaner, später die Venetianer und namentlich die Genuesen trieben lebhaften Handel mit Bugea oder Bugia und hatten daselbst Karawanseraien, Bäder, Kirche, Friedhof u. s. w. Im 15. Jahrh. tritt der Ort als Seeräubernest auf. Die Eroberung durch die Spanier 1509 und ihre Unduldsamkeit machte allem Handel mit einem Schlage ein Ende. Vom türk. Piratenhäuptling Horuk Barbarossa 1512 und 1514 bestürmt, ergab sich B. endlich schmachvoll 1555 unter dem Grafen Alfons de Peratta an den Pascha von Algier. Unter der Türkenherrschaft sank es völlig herab, und als die Franzosen es 29. Sept. 1833 besetzten, war es ein ärmliches Dorf.

Bougival (spr. buschiwáll), Dorf im Kanton Marly-le-Roi, Arrondissement Versailles des franz. Depart. Seine-et-Oise, 13 km westlich von Paris, am linken Ufer der Seine zwischen zwei Hügeln, an der Linie St. Cloud-L'Etang la Ville der Westbahn, hat (1891) 2392, als Gemeinde 2823 E., Post, Telegraph, eine Kirche aus dem 12. Jahrh. mit frühgot. Schiff, roman. Glockenturm und neuerer Façade, zahlreiche Villen, zwei schöne Brücken über die hier durch die Ile de la Chaussee in zwei Arme geteilte Seine, Steinbrüche und eine Gesteinshöhle. B. ist ein beliebter Ausflugsort der Pariser. Während der Belagerung von Paris 1870/71 war B. von der preuß. 19. Brigade besetzt und wurde mehrmals von den durch das Feuer des Mont-Valérien wirksam unterstützten Franzosen angegriffen, so bei dem Ausfall gegen Malmaison (21. Okt. 1870).

Bougre (frz., spr. buhgr), Schimpfwort: schlechter Kerl, Schuft, ist entstanden aus "Bulgare" (lat. Bulgarus); dieser Volksname wurde zum Scheltwort, als die Ketzerei der Bogomilen (s. d.) sich von Bulgarien über Südeuropa verbreitete, bedeutet also eigentlich "bulgarischer Ketzer".