Schnellsuche:

Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

373

Boulogne-sur-Seine - Bouquet (Blumenstrauß)

bewilligt hat, erweitert und verbessert. Seine Tiefe (7,90 m) soll auf 14,25 m, die Länge seiner Quais (2,918 m) auf 3,918 m gebracht werden. Er besitzt eine Flotte von 327 Schiffen (darunter 10 Dampfschiffe) mit einem Gehalt von 10 593 t. Konsulate haben in B. Belgien, Deutschland, Großbritannien, Niederlande, Türkei und Venezuela.

Geschichtliches. B., das alte Gessoriacum im Lande der Moriner, wurde seit Konstantin d. Gr. Bononia, unter den Karolingern Bolonia genannt. Seit dem 9. Jahrh. bildete es eine besondere Grafschaft, die 1435 an den Herzog von Burgund kam und nach dem Tode Karls des Kühnen 1477 von Ludwig XI. mit der Krone Frankreichs vereinigt wurde. Auf der zu B. 1264 gehaltenen Kirchenversammlung ward England mit Bann und Interdikt belegt. Heinrich VII. von England belagerte 1492 die Stadt; 1544 eroberte sie Heinrich VIII.; doch ward sie 1550 von den Franzosen wiedergewonnen. Napoleon I. ließ 1803-5 den Hafen reinigen und kleine Forts und Batterien zur Sicherstellung des Hafens und der Stadt anlegen und vereinigte hier 2413 große und kleine ausgerüstete Fahrzeuge zur Überfahrt eines Heers nach England. Schon stand ein Heer von 172 000 Mann Infanterie und 9000 Mann Kavallerie monatelang in einem großen Lager auf der Hochfläche nördlich von B., angeblich zum Übersetzen nach England bereit, als der Ausbruch der Feindseligkeiten mit Österreich 1805 diesem Heere eine ganz andere Bestimmung gab. Zum Andenken an dieses große Lager ward vor der Stadt auf einer über 100 m hohen Felsenwand eine dor. Marmorsäule (Colonne de la Grande-Armée) errichtet, die später nach den Zeichnungen Labarres vollendet wurde (53 m hoch, bei 4 m Durchmesser, mit der 5 m hohen Bronzestatue Napoleons I.). Am 6. Aug. 1840 war B. das Ziel der verfehlten Expedition Louis Napoleons (Napoleon III.), der bei dem weiter nördlich gelegenen Weiler Wimereux landete. - Vgl. Lebaudy, Le port de B.-sur-mer, son présent et son avenir au point de vue commercial (Par. 1870); Merridew, Guide to B. and its environs (Lond. 1882); P. Joanne, B.-sur-mer et Berck (Par. 1889).

Boulogne-sur-Seine (spr. bulónnj ßür ßähn), Ort im Kanton Neuilly, Arrondissement St. Denis des franz. Depart. Seine, unmittelbar im Südwesten von Paris unweit der Westbahn, hat (1891) 32 569 E., zahlreiche Villen, Pferdebahn, Leinwandbleichen mit 400 Waschhäusern und Eau-de-Javelle-Fabriken. Nördlich von B. liegt das Boulogner Holz (s. d.). Der Ort hieß ehemals Menus-les-Saint Cloud. 1319 gründeten Pariser, die von einer Pilgerfahrt aus Palästina glücklich wieder in Boulogne-sur-Mer angelangt waren, ihrem Gelübde gemäß zu Menus eine Kirche, die sie Notre-Dame de Boulogne-sur-Seine nannten. Die Kirche ward 1860-63 restauriert.

Boulton (spr. bohlt'n), Matthew, engl. Mechaniker, geb. 3. Sept. 1728 in Birmingham, wo sein Vater eine Metallwarenfabrik besaß, übernahm nach dem Tode seines Vaters dessen Fabrik, die er bedeutend vergrößerte und in welcher er namentlich die Verfertigung plattierter Gold- und Silberwaren zum wirklichen Kunstgewerbe gestaltete. 1762 kaufte er das bei Birmingham gelegene Heideland von Soho, das sich seitdem in einen ansehnlichen Fabrikort verwandelt hat. Nachdem er verschiedene gewerbliche Manipulationen, z. B. eine wohlfeile und dauerhafte Art, Gips zu vergolden, und ein Verfahren, Ölgemälde auf mechan. Wege zu kopieren, mit Erfolg im Großen betrieben, widmete er seine Thätigkeit mit Eifer dem Bau von Dampfmaschinen, ein Unternehmen, das, bei der damaligen unvollkommenen Konstruktion, keine befriedigenden Resultate ergeben konnte. 1768 besuchte Watt (s. d.) das Etablissement von Soho, worauf B. beschloß, seine eigenen Versuche aufzugeben, um sich an der Verwertung der Wattschen Erfindung zu beteiligen. 1775-85 nahm die Firma B. und Watt fünf Patente, in denen zahlreiche wichtige Verbesserungen der Dampfmaschine sowie mehrere selbständige Erfindungen inbegriffen waren. Die Verbindung der Compagnons endete 1800 mit dem Erlöschen des Patents, welches sie zusammengeführt hatte; ihre Söhne setzten das Geschäft dann unter der bisherigen Firma fort. B. wendete seit 1788 die Dampfkraft mit Glück auf die Münzkunst an, indem er eine sog. Münzmühle baute, welche acht Prägwerke in Bewegung setzte und jahrelang nicht nur England und seine Kolonien, sondern auch mehrere andere Staaten mit Kupfergeld versorgte. Zwei große Münzwerke hatte er im Auftrag Pauls I. für Rußland gebaut. Durch diese Anlagen hat er wesentlich zur Verbesserung des Münzwesens beigetragen, wie namentlich die von ihm 1797-1807 geprägten, in Stil und Technik alle frühern weit übertreffenden engl. Kupfermünzen zeigen. Noch 1797 hatte er in Smetwick eine Eisengießerei angelegt, durch deren vielfach neue Vorrichtungen der Dampfmaschinenbau wesentlich vervollkommnet wurde. B. starb 17. Aug. 1809 in Soho.

Boumann (spr. bau-), Johannes, Baumeister, geb. 1706 zu Amsterdam, wurde 1732 von Friedrich Wilhelm I. nach Preußen berufen, wo er später unter Friedrich d. Gr. eine rege Bauthätigkeit entwickelte. So baute er in Berlin die Domkirche (1747-50), das Palais des Prinzen Heinrich (1754-64, jetzt Universitätsgebäude), die kathol. Hedwigskirche (1747-73), ferner in Potsdam die franz. Kirche (1752) und das Rathaus (1754). Er starb 1776 als Oberbaudirektor in Potsdam. - Sein Sohn Georg Friedrich B. baute u. a. die königl. Bibliothek zu Berlin (1775-80).

Bounty Inseln (spr. baunti), zu Neuseeland gehörige Gruppe von 24 kleinen, ziemlich hohen Felseninseln im südl. Großen Ocean unter 47° 50' südl. Br. und 179° 7' östl. L. von Greenwich, 650 km östlich von Neuseeland. Sie bedecken 139 km, sind wasserarm und vegetationslos, daher unbewohnt, doch sehr reich an Pelzrobben; Bligh, Kapitän der Bounty, entdeckte dieselben im Sept. 1788.

Bouquet (frz., spr. bukeh), Bukett, ein künstlerisch geordneter Blumenstrauß aus frischen oder aus natürlich trocknen oder getrockneten Blumen, ein Modeartikel, welcher in civilisierten Ländern Tausende von Menschenhänden beschäftigt und eine großartige Industrie ins Leben gerufen hat. Bei den größern B. kommt es vor allem darauf an, die Blumen nach Maßgabe der Größe des B. zu wählen und gleichzeitig auf Mannigfaltigkeit der Farben und der Formen zu sehen, die Blumen mit Rücksicht auf die Kontrastwirkung zu verteilen und endlich durch dazwischen eingeschobenes lockerndes Grünmaterial auseinander zu halten. Die Herstellung eines B. geschieht gewöhnlich in der Weise, daß um eine mit grünen feinen Zweigen umgebene Mittelblume nacheinander andere Blu-^[folgende Seite]