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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

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Bourget (Lac du) - Bourget (Paul)

Hôtel-Dieu und die Präfektur an der Stelle des Residenzschlosses der Herzöge von Berry. Seit 1871 besitzt B., das Frankreichs Arsenal und Mittelpunkt der Nationalverteidigung werden soll, ausgedehnte militärtechn. Anstalten: Kanonengießerei, Zeughaus, Pyrotechnische Schule, Pulvermagazin und eine Artillerieschießschule mit Polygon; in Garnison liegt das 35. Infanterie- und das 1. und 37. Feldartillerieregiment. 1 km von der Stadt die metallurgischen Werkstätten von Mazières, wo die Gußstücke zu den Centralhallen zu Paris hergestellt wurden. B. hat Tuch- und Eisenwarenfabriken, Lohgerbereien und Brauereien und Handel mit Eisen, Mühlsteinen, Tuch, Getreide, Hanf und Wein. In der Nähe der eisenhaltige Gesundbrunnen St. Firmin. B. ist Sitz eines Erzbischofs, des Obergerichtshofs für die Depart. Cher, Indre und Nièvre, des Kommandos vom 8. Armeekorps, der 16. Infanteriedivision, der 31. Infanteriebrigade und der 8. Gendarmerielegion, eines Forstamtes, eines Friedens- und Handelsgerichts, einer Filiale der Bank von Frankreich und hat ein Lyceum (statt der 1464 gegründeten Universität), zwei geistliche Seminare, die Irrenanstalt des Departements, ein Waisenhaus, Gesellschaften für Geschichte, Statistik und Ackerbau u. s. w., öffentliche Bibliothek, Museum, 3 Zeitungen, sowie ein Theater.

B., die altgallische Stadt Avaricum im Lande der Bituriger, benannt nach dem Flusse Avara (der jetzigen Yèvre), wurde 52 v. Chr. von Julius Cäsar im Kampfe mit Vercingetorix erobert, später Biturica genannt und als einer der größten und festesten Plätze des westl. Gallien durch Augustus zur Hauptstadt der röm. Provinz Aquitania prima erhoben. Im Mittelalter war es die Hauptstadt der Landschaft Berry. Während der Hugenottenkriege eroberte es 1562 Montgomery, mußte es aber dem Herzoge von Guise räumen. Später trat es auf die Seite der kath. Ligue, unterwarf sich aber 1594 dem Könige Heinrich IV. Unter den sieben zu B. gehaltenen Kirchenversammlungen ist die von 1438 sehr wichtig durch die hier beschlossene sog. Pragmatische Sanktion der Gallikanischen Kirche (s. d.).

Bourget, Lac du (spr. lack dü burscheh), nächst dem Genfersee der größte See im Stromgebiet der Rhône und der größte Frankreichs, liegt 231 m ü. d .M. im franz. Depart. Savoyen, 10 km nördlich von Chambéry zwischen den Ketten des Mont-du-Chat (1400 m) und des Mont de la Charvaz westlich, der Dent-du-Nivolet (1556 m) und der Montagne de Corsuet östlich, ist 16 km lang, 2-3 km breit, 44 qkm groß, bis 145 m, im Mittel aber 80 m tief und wird von der Leisse durchflossen, die am Südende bei Le Bourget eintritt und aus dem Nordende durch den 3 km langen Kanal de Savières der Rhône zufließt. Einförmig von Süd nach Nord gestreckt, trägt der See wie die ihn einschließenden Bergzüge mehr jurassischen als alpinen Charakter. Die Sumpfebenen an beiden Enden weisen auf einstige größere Ausdehnung des Wasserspiegels hin. Während das linke Ufer steil abfällt, lagert sich auf dem rechten, dem die Mont-Cenisbahn folgt, zwischen Berg und See ein fruchtbares Hügelgelände. Außer dem Flecken Le Bourget (s. d.) sind die wichtigsten Uferorte links die alte Burg Bourdeau und die Abtei Haute-Combe, rechts Port de Puer, der Landungsplatz für den 1½ km vom See entfernten Badeort Aix-les-Bains, und am untern Ende Schloß und Dorf Châtillon.

Bourget, Le (spr. burscheh). 1) Flecken im Kanton La Motte-Servoler, Arrondissement Chambery des franz. Depart. Savoie, am Lac du B., hat (1891) 476, als Gemeinde 1408 E., Post, Telegraph, Eisen-, Blei-, Zink- und Kupferlager. - 2) Dorf im Arrondissement St. Denis des franz. Depart. Seine, nordöstlich von Paris, an der Mollette, der Straße nach Compiègne und an der Linie Paris-Soissons-Laon-Belg. Grenze der Franz. Nordbahn, mit 2138 E., war 1870 während der Belagerung von Paris Schauplatz blutiger Kämpfe. Der Ort (6 km vom Hauptwalle von Paris) war von den Vorposten des preuß. Gardekorps (einer Compagnie) besetzt, die bei einem Ausfalle 28. Okt. vertrieben wurden. Die Franzosen sammelten nun im Dorfe ansehnliche Truppenmassen. Nachdem das Dorf 29. Okt. von der preuß. Artillerie heftig beschossen worden war, ohne die Franzosen zum Abzuge zu bringen, erhielt die 2. preuß. Gardedivision (Budritzky) den Befehl, B. 30. Okt. wiederzunehmen. Sie teilte sich in 3 Kolonnen. Zwei Regimenter und das Garde-Schützenbataillon griffen den stark verbarrikadierten Nordring an; ein Regiment unterstützte den Angriff von Westen, ein anderes von Südosten. Der letztern Angriffskolonne gelang es zuerst, einzudringen und sich langsam den erst am Nordausgang Kämpfenden zu nähern. Nach vierstündigem, erbittertem und beiderseits sehr verlustreichem Kampfe, gegen Mittag, war B. vollständig erobert und der Feind in ungeordnetem Rückzuge auf St. Denis. Am 21. Dez. 1870 richtete sich ein größerer Ausfall aus Paris namentlich gegen B. Die Franzosen drangen wiederum in B. ein; allein der Angriff auf die weiter rückwärts liegende Verteidigungsstellung der Deutschen wurde nach mehrstündigem Gefechte abgeschlagen und das Dorf wiedergenommen. In den Nächten vom 13., 14. und 15. Jan. 1871 fanden abermals Ausfälle gegen B. statt, wurden aber zurückgeschlagen. - Vgl. Bellemare, Les trois journées du B. (Par. 1872), und Geschichte des königl. preuß. 3. Garde-Grenadierregiments Königin Elisabeth im Deutsch-Französischen Kriege 1870-71 (Berl. 1881).

Bourget (spr. burscheh), Paul, franz. Schriftsteller, geb. 2. Sept. 1852 zu Amiens, studierte in Clermont-Ferrand und in Paris und schrieb früh Gedichte. Sammlungen erschienen 1885 als "Poésies 1872-76" und "Poésies 1876-82". Unter den litterar. Kritikern Frankreichs nimmt B. gegenwärtig einen hohen Rang ein, seitdem er in der "Nouvelle Revue" und andern Blättern Aufsätze veröffentlicht und einen Teil seiner litterar. Studien gesammelt hat in den "Essais de psychologie contemporaine" (1883; über Baudelaire, Renan, Taine, Stendhal), "Nouveaux Essais" (1885; über Dumas fils, Lecomte de Lisle, die Goncourts, Turgenjew) und "Études et portraits" (2 Bde., 1888; über Flaubert, G. Sand, J. Vallès, Shelley, Rivarol). Bemerkenswert ist B.s Buch "Ernest Renan" (1883, in den "Célebrités contemporaines") und die Herausgabe von Scarrons "Roman comique" (1881, mit Vorrede). B. gilt zugleich als einer der ersten unter den lebenden Romandichtern Frankreichs. Auf L'Irréparable. Deuxième amour. Profils perdus" (1884) folgten "Cruelle énigme" (1885), "Un crime d'amour" (1886), "André Cornélis" (1887), "Mensonges" (1888) und "Le Disciple" (1889; deutsch, Stuttg. 1892). Die "Pastels" (1889) sind fein ausgeführte Frauenporträte, ähn-^[folgende Seite]