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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

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Boyer - Boyle (Richard, Graf von Cork)

um die Ausführung des Krümpersystems große Verdienste erworben hat. Er war Mitglied des Tugendbundes und leitete das Militärinstitut in dessen Königsberger Kammer. B. trat 1809 ins Kriegsministerium, hatte hervorragenden Anteil an den Denkschriften von 1810 über die Einführung der allgemeinen Wehrpflicht und die Unbrauchbarkeit des reinen Milizsystems, erhielt 1810 als Direktor des Allgemeinen Kriegsdepartements den Vortrag in Militärangelegenheiten bei dem Könige, nahm 1812, als Preußens Bündnis mit Frankreich zu stande kam, den Abschied und ging, als Oberst 11. März entlassen, nach Rußland. Indes fand er sich nach kaum einem Jahre wieder in Breslau beim König ein, ward Oberst im Generalstabe, dann als Generalmajor Chef des Generalstabes des I. Armeekorps und wohnte allen folgenden Schlachten und Gefechten desselben bei. Nach dem Frieden von Paris trat er als Staats- und Kriegsminister an die Spitze der preuß. Militärangelegenheiten und wurde 1818 zum Generallieutenant ernannt; sein Wirken als Kriegsminister wird durch eine Reihe organischer Gesetze, darunter das vom 3. Sept. 1814 über die allgemeine Wehrpflicht bezeichnet. Er schrieb im Mai 1817 eine noch heute sehr beachtenswerte "Darstellung der Grundsätze der preuß. Kriegsverfassung" (nicht gedruckt). 1819 nahm er, unzufrieden mit dem Gange der preuß. Politik, seine Entlassung und zog sich ins Privatleben zurück. Er schrieb hier: "Beiträge zur Kenntnis des Generals von Scharnhorst" (Berl. 1833) und die Gegenschrift gegen Haugwitz' Memoiren in der "Minerva" (Okt. 1837), sowie den zur 25. Jahresfeier der Stiftung der Landwehr (3. Febr. 1838) gedichteten Gesang "Der Preußen Losung ist die Drei". König Friedrich Wilhelm IV. berief sogleich nach seiner Thronbesteigung 1840 B. wieder in den Staatsrat, gab ihn als den "Gründer der Landwehr" noch vor der Huldigung dem aktiven Kriegsdienste zurück und erhob ihn zum General der Infanterie. Am 1. März 1841 ward B. Kriegsminister und seinem frühern Patente nach Präsident des Staatsministeriums, 1842 auch Chef des 1. Infanterieregiments. Im Nov. 1847 erhielt er, wegen vorgerückten Alters, den nachgesuchten Abschied, ward zum Generalfeldmarschall und Gouverneur des Berliner Invalidenhauses ernannt und starb 15. Febr. 1848. B.s Namen trägt die ostpreuß. Festung Boyen (s. d.) und das preuß. Infanterieregiment Nr. 41. - Vgl. Die bedeutsamen Erinnerungen aus dem Leben des Generalfeldmarschalls von B. Aus seinem Nachlaß hg. von F. Nippold (3 Bde., Lpz. 1889 u. 1890).

Boyer (spr. bŏajeh), Jean Pierre, Präsident der Republik Haïti, geb. 21. Febr. 1776 zu Port-au-Prince, von mulattischer Abstammung, kam jung nach Frankreich, wo er sich europ. Bildung erwarb und 1792 Militärdienste nahm. Er wurde Bataillonsführer, kehrte in seine Heimat zurück und focht beim Einfall der Engländer auf San Domingo gegen diese. Als die Schwarzen unter Toussaint-Louverture gegen die Mulatten und Weißen zugleich auftraten, kämpfte er unter dem Mulattenführer Rigaud gegen Toussaint und mußte nach der Niederlage seiner Partei in Frankreich Zuflucht suchen. 1802 kehrte er mit der Expedition des Generals Leclerc zurück und trat in die große Verbindung ein, die den Zweck der Vereinigung beider Rassen und einer vollständigen Befreiung der Kolonie hatte. Mit Pétion stellte er sich nach der Thronbesteigung des Negers Dessalines an die Spitze der Farbigen. Beide halfen mit dem Negergeneral Heinrich Christoph 1806 Dessalines stürzen, verließen aber jenen, als sie sahen, daß er sich selbst zum Herrscher machen wollte. Pétion stiftete jetzt im westl. Teile der Insel eine unabhängige Republik, und B. erhielt das Kommando der Hauptstadt Port-au-Prince und die Würde eines Generalmajors. Nach Pétions Tode 1818 wurde er zum Präsidenten der Republik erwählt, ordnete das Finanzwesen, verbesserte die Verwaltung und beförderte Künste und Wissenschaften. Nach dem Tode Christophs vereinigte er 1820 den monarchischen Teil der Insel mit der Republik, 1821 das östliche, unter span. Herrschaft gebliebene Gebiet, und erreichte 1825 die Unabhängigkeitserklärung des jungen Staates von seiten Frankreichs um den Preis von 150 Mill. Frs. Entschädigung. B. verwaltete von nun an die Republik Haïti mehr als 15 Jahre im tiefsten Frieden, zog sich aber durch seine Politik, die auf die Unterdrückung der Schwarzen zu Gunsten der Mischrasse gerichtet war, viele Feinde zu. Infolge einer März 1843 ausgebrochenen Militärrevolution flüchtete B. auf ein engl. Kriegsschiff, das ihn nach Jamaika brachte; dort dankte er ab und begab sich später nach Paris, wo er 9. Juli 1850 starb. (S. Haïti.)

Boyer de F., bei zoolog. Namen Abkürzung für Etienne Laur. Jos. Hippol. Boyer de Foscolombe (spr. bŏajeh de foskolóngb), Entomolog zu Aix, geb. 1772, gest. 1853. Er schrieb hauptsächlich über schädliche Insekten.

Boyesen, Hjalmar Hjörth, norweg.-amerik. Novellist, geb. 23. Sept. 1848 zu Fredericksvärn in Norwegen, studierte Philosophie in Kristiania und wanderte 1869 nach den Vereinigten Staaten aus, war Redacteur der norweg. Zeitung "Fremad" ("Vorwärts") in Chicago, dann Lehrer in Ohio, studierte 1872 in Deutschland, besonders in Leipzig, german. Philologie, kehrte 1874 nach den Vereinigten Staaten zurück und wurde Professor an der Cornell University in Ithaca (Neuyork). Seit 1881 ist er Professor des Deutschen am Columbia College in Neuyork. 1873 erschien seine erste Erzählung aus dem norweg. Leben, "Gunnar", im "Atlantic Monthly" (neue Aufl. 1888; deutsch, Bresl. 1880 u. Lpz. 1887). Ferner veröffentlichte er: "Tales from two hemispheres" (1875); "A Norseman's pilgrimage" (1876), "Goethe and Schiller: their lives and works including a commentary of Goethe's Faust" (1878; 3. Aufl. 1885; daraus deutsch: "Ein Kommentar zu Goethes Faust", von Mylius, Lpz. 1882), die Novelle "Falconberg" (1876), "Ilka on the Hill Top and other stories" (1881), "Queen Titania" (1882), "Idylls of Norway and other poems" (1883), das Drama "Alpine Roses", die Novelle "A daughter of the Philistines" (1883; deutsch von Scheibe: "Eine Tochter der Philister" 1887), "The history of Norway" (1886), "Vagabond Tales" (1889), "Against heavy odds" (1890), eine Jugendgeschichte, und "Essays of German literature" (1892). Viele seiner Novellen wurden verdeutscht, z. B. zwei von Spielhagen (1885), "Fiedelhans und seine Familie" von Katscher (Lpz. 1890).

Boykottieren, s. Boycotten.

Boyle (spr. beul), Richard, Graf von Cork, großbrit. Staatsmann, geb. 13. Okt. 1566 in Canterbury, studierte Rechtswissenschaft und ging 1588 mit sehr geringen Mitteln nach Irland, um dort sein Glück zu machen, wurde Regierungsfiskal und schloß eine