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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

Schlagworte auf dieser Seite: Boyneburg; Boyron; Boysalz; Boz; Bozděch; Bozen

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Boyneburg - Bozen

langen Laufe unterhalb Drogheda in die Irische See. Der Fluß ist berühmt durch den Sieg Wilhelms III. von England 1. Juli 1690 über Jakob II., der von Irland aus mit franz. Hilfe seine Rückkehr zu erzwingen suchte. Am rechten Flußufer erwartete Jakob den von Norden anrückenden Wilhelm. Während durch den jungen Schomberg, der weiter stromauf über den Fluß setzte, ein Teil der Streitkräfte abgelenkt wurde, drang dessen greiser Vater Graf Schomberg mit der Hauptmacht nach dem rechten Ufer. Er fiel, aber dem Vorstoß hielt der Gegner nicht Stand, Jakobs Heer war bald in voller Flucht, ein Versuch der Rückkehr auf den Thron damit gescheitert und Wilhelms Krone dauernd befestigt.

Boyneburg oder Boineburg, altes Adelsgeschlecht, dessen Stammhaus B. im Kreis Rotenburg (Regierungsbezirk Cassel) liegt. Durch die Brüder Heimbrod und Konrad zerfiel das Geschlecht 1221 in die beiden Hauptstämme von der Weißen und von der Schwarzen Fahne, die beide noch in Blüte stehen. Der Weiße Stamm schied sich in der 14. Generation mit den Söhnen Johann Siegmunds (gest. 1721) in zwei Äste.

1) Der ältere, gestiftet von Johann Adolf von B. (gest. 1763), erhielt Schloß und Gericht Stedtfeld im jetzigen Kreise Eisenach und teilte sich in zwei Zweige, einen in der Burg zu Stedtfeld und einen im Oberhaus zu Stedtfeld, die beide noch blühen.

2) Der jüngere Ast, begründet von Ludwig Bernhard von B., zerfiel in die noch blühenden Zweige zu Deubachshof und zu Wichmannshausen.

Unter den ältern Gliedern des weißen Astes sind zu nennen: Konrad (Kurt) von B. (s. d.) und Johann Christian von B. (s. d.) zu Lengsfeld. Des letztern einziger Sohn, Freiherr Philipp Wilhelm von B., geb. 21. Nov. 1656 zu Mainz, hatte Leibniz zum Lehrer und Führer auf seinen Reisen, begann die diplomat. Laufbahn in mainzischen Diensten und erwarb sich als Gesandter in Wien die Gunst Kaiser Leopolds, der ihn zum Reichshofrat und Kämmerer ernannte. Nachdem er 1699 mit Erfolg für die Vermählung Josephs I. mit Amalie von Braunschweig-Lüneburg gewirkt hatte, nahm er 1702 die Statthalterschaft zu Erfurt an, das er zur Blüte erhob. Er starb 22. Febr. 1717 kinderlos. Mit ihm erlosch die gräfl. Würde, die er 1697 vom Kaiser Leopold erhalten hatte.

Von der Ludwigschen Linie des Schwarzen Stammes ist zu erwähnen: Freiherr Moritz Heinrich von B., geb. 2. Okt. 1788. Er wohnte, seit 1807 in der westfäl. Armee dienend, den meisten Feldzügen unter Napoleon I. bei, ging aber 22. Aug. 1813 mit dem Regiment, das er als Oberstlieutenant befehligte, zu den Österreichern über. In österr. Diensten wurde er 1832 Generalmajor zu Temesvár, 1842 unter Beförderung zum Feldmarschalllieutenant Divisionär zu Ofen. Am 11. Mai 1848 übernahm er an Lederers Stelle die Leitung des ungar. Generalkommandos, das er im Juli mit einer Stellung in Galizien vertauschte. Einige Jahre darauf trat er in den Ruhestand und starb 20. Sept. 1868 zu Wien. - Ein Vetter von ihm, Freiherr Karl Wilhelm von Boyneburg-Lengsfeld, geb. 27. Aug. 1785, gest. 24. März 1865, erhielt 1859 und 1860 in Hessen-Darmstadt und Sachsen-Weimar die Erlaubnis zur Wiederaufnahme der gräfl. Würde und ward auch in Bayern bei der Grafenklasse immatrikuliert. Sein Enkel, Graf Karl Sigismund von Boyneburg-Lengsfeld, geb. 20. Okt. 1852, ist gegenwärtig Haupt des gräfl.

Zweigs des Geschlechts.

Boyneburg, Joh. Christ. von, Staatsmann, geb. 12. April 1622, trat früh in die Dienste des Landgrafen von Hessen-Darmstadt, war dann Gesandter bei der Königin Christine von Schweden und sonst mit mannigfachen diplomat. Verhandlungen betraut. Er trat dann in den Dienst des Kurfürsten von Mainz zur Vermittelung der Streitigkeiten des Erzstiftes mit den benachbarten Fürsten nach dem Westfälischen Frieden. Für die Mitwirkung bei der Wahl Leopolds zum röm. König erhob ihn Kaiser Ferdinand III. in den Freiherrenstand. 1656 wurde B. katholisch, verfolgte den Plan einer Vereinigung der kath. und luth. Kirche, wurde aber 1664, von einer gegnerischen Partei am kurfürstl. Hofe verdächtigt, vom Kurfürsten gefangen gesetzt, doch nach kurzer Zeit freigelassen. Er lebte fortan als Privatmann den Wissenschaften und starb 8. Dez. 1672 zu Mainz. Mit Leibniz befreundet, vermittelte er, daß dieser 1670 Rat beim höchsten Gericht des Kurfürstentums Mainz wurde. B.s umfangreicher und wichtiger Briefwechsel ist hg. von Struve (Jena 1706), von Meelführer (Nürnb. 1703), von Gruber (2 Bde., Hannov. u. Gött. 1715).

Boyneburg, Konrad (Kurt) von, "Der Kleine Hesse" genannt, berühmter Landsknechtsführer unter Kaiser Karl V., geb. 1494, war in Diensten des Herzogs Ulrich von Württemberg, dann in denen des Landgrafen Philipp von Schwaben, nahm an dessen Fehde gegen Sickingen sowie an dem Feldzuge des schwäbischen Bundes gegen Herzog Ulrich von Württemberg 1519 teil. Darauf beteiligte er sich 1521 an Sickingens Fehde gegen Trier und als Landsknechtsführer unter Frundsberg an der Schlacht von Pavia (1525). Frundsberg ernannte ihn 1526 zu seinem Stellvertreter; bei dessen Erkrankung übernahm er 1527 den Oberbefehl über etwa 12000 Landsknechte, mit denen er unter Karl von Bourbon Rom stürmte und Neapel entsetzte, wofür ihn Karl V. 1530 zum Ritter schlug. B. zeichnete sich dann bei der Eroberung von Florenz und 1532 im Kriege gegen die Türken aus und nahm dann an den weitern Feldzügen gegen die Türken, gegen Frankreich (1544), sowie am Schmalkaldischen Kriege teil. 1557 half er Philipp II. von Spanien den Sieg bei St. Quentin erfechten. Er starb zu Schelklingen 29. Juni 1567. Seine Nachkommen wurden 1571 von Kaiser Maximilian II. in den Reichsfreiherrenstand erhoben. - Vgl. Solger, Konrad von B. (Nördl. 1870).

Boyron (spr. boaróng), Michel, s. Baron.

Boysalz, s. Salz.

Boz (spr. bos), Pseudonym von Charles Dickens (s. d.).

Bozděch (spr. bosdjech), Emanuel, czech. Dramatiker, geb. 21. Juli 1841 in Prag, studierte daselbst Philosophie, war einige Zeit Dramaturg des böhm. Theaters, verfiel in Schwermut und hat 10. Febr. 1889 seine Wohnung verlassen, ohne bisher gefunden zu werden. Sein erstes Lustspiel "König Cotillon" wurde 1867 aufgeführt. Dann folgte das Trauerspiel "Baron Görtz" (1868) und die Lustspiele "Der Weltbeherrscher im Hauskleide" (Napoleon I.), "Die guten Freunde", "Die Prüfung des Staatsmanns" (Minister Kaunitz), "Die Abenteurer" (aus der Zeit Rudolfs II.), "Der General ohne Armee", "Das Armband". B. gab auch eine Sammlung Novellen (Prag 1877) heraus.

Bozen. 1) Bezirkshauptmannschaft, ohne die Stadt B., in Tirol, hat 1744,23 qkm, (1890) 67496