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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

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Brandt (Joseph von) - Brandwunden

(Petersb. 1836), "Collectanea palaeontographica Rossiae" (Tl. 1, ebd. 1849), "Symbolae sirenologicae" (3 Tle., in den "Mémoires de l'Academie impériale de St. Pétersbourg", ebd. 1846- 68), "Beläge zur nähern Kenntnis der Säugetiere Rußlands" (ebd. 1855), "Untersuchungen über die Verbreitung des Tigers" (ebd. 1856), "Beiträge zur Naturgeschichte des Elens" (ebd. 1870), "Über die fossilen und subfossilen Cetaceen Europas" (mit Ergänzungen, ebd. 1873-74) u. a.

Brandt, Joseph von, poln. Maler, geb. 11. Febr. 1841 zu Szczebrzeszyn bei Warschau, wandte sich während seiner Ingenieurstudien in Paris der Kunst zu, trat 1862 in die Münchener Akademie und dann in das Atelier von Franz Adam. Er entwickelte eine lebhafte Thätigkeit als Darsteller von Gefechten, Lagerscenen meistens aus dem poln. Kriegsleben älterer Zeit, wobei er das ethnogr. Moment in den Typen scharf hervorzuheben und die prächtigen Nationalkostüme für den Effekt seiner Bilder wohl zu verwerten weiß. Sein Kolorit ist reich, meist grau gestimmt, die Zeichnung sicher. Schon sein erstes größeres Bild: Angriff der Polen unter Sobieski auf das türk. Lager bei Wien (1873; im Besitz des Kaisers von Österreich), ließ die hervorragende Begabung des Künstlers erkennen. Vorerst war er jedoch glücklicher in kleinern Werken, wie in dem Kriegsgesang der ukrainischen Kosaken (1874; Museum in Königsberg), oder in dem Pferdemarkt in einem podolischen Dorfe (1875; Berliner Nationalgalerie), oder in dem schwedisch-poln. Reitergefecht aus der Zeit des Dreißigjährigen Krieges (Stuttgarter Galerie), als in dem großen Bilde Tatarenkampf (1878; Berliner Nationalgalerie). Seitdem gelangte B. zu immer größerer Klarheit und Bestimmtheit und einem harmonischen Kolorit, wie es sowohl sein Kriegsgenre im Überfall eines türk. Vorpostens durch poln. Reiter, im Kampf um die Fahne, in den Kosaken auf der Fährte, als auch im ländlichen Genre von poln. Fuhrwerken, Juden, Märkten u. s. w. auszeichnet, wovon ein Poln. Fuhrwerk (1877; Museum zu Breslau), eine Ausfahrt zur Jagd (1883; Museum zu Leipzig) und Kosakenpferd im Schneesturm (1885; Neue Pinakothek in München) zu nennen sind. Auf der Internationalen Kunstausstellung zu Berlin 1891 sah man von ihm zwei Gemälde: Ein Siegeslied, Pferdefang mit dem Lasso. B. lebt in München.

Brandt, Karl, Theatermaschinist, geb. 15. Juni 1828 zu Darmstadt, bildete sich hier in den technischen Schulen für seinen Beruf vor und genoß den Unterricht Dorns in Darmstadt und Schütz' in München. 1847 wurde er Maschinenmeister am Königstädtischen Theater zu Berlin, 1849 am Hoftheater seiner Vaterstadt, wo er bis zum Tode, 27. Dez. 1881, wirkte. B. gehörte zu den genialsten Bühnentechnikern. Zahlreiche Einrichtungen großer Opern (z. B. der "Afrikanerin" und der "Königin von Saba") und Ausstattungsstücke auf in- und ausländischen Theatern gingen von ihm aus; 1857-81 schuf er solche für 24 große Bühnen. Für Richard Wagners Theater in Bayreuth leitete er die scenische Anlage und führte die Scenerie des "Parsifal" noch im Modell aus. - Sein Sohn Fritz B. ward nach dem Tode des Vaters Maschinendirektor bei den Parsifal-Aufführungen in Bayreuth.

Fritz B., Bruder von Karl B., geb. 25. Febr. 1846 zu Darmstadt, leitete 1864 in Vertretung seines Bruders die Bühneneinrichtung am Wallner-Theater zu Berlin, war seit 1865 in München am Gärtnerplatz- und Hoftheater thätig, wo er Wagners "Nibelungen", Stücke für Ludwigs II. Separatvorstellungen und einige Wunderwerke in dessen Prunkbauten einrichtete, und ist seit 1. Jan. 1876 Maschinenmeister, seit 1882 Maschinerie-Oberinspektor der Berliner Hofbühne.

Brandt, Marianne (eigentlich Marie Bischof), Sängerin, geb. 12. Sept. 1842 in Wien, erhielt am dortigen Konservatorium Unterricht, wurde 1867 für Graz, 1868 für die Berliner Hofoper engagiert und ging 1882 an die Deutsche Oper in Neuyork. Die B. besitzt eine Altstimme von so ungewöhnlichem Umfang, daß ihr selbst Sopranpartien trefflich gelingen. Hervorragend ist sie als Wagnersängerin.

Brandt, Sebastian, s. Brant.

Brandtechnik, s. Pyrotypie.

Brandung, das Überstürzen (Brechen oder Branden) der Wellen an der Küste über Untiefen (Strandbrandung) und an Klippen (Klippenbrandung). Besonders gefährlich ist die B. an Flachküsten, wo die Tiefe des Meers in einiger Entfernung vom Ufer plötzlich zunimmt. Da im tiefen Wasser die Wellen rascher gehen als im seichten, so überholen sie sich an der Grenze des tiefen und seichten Wassers, d. h. sie branden. Unter dem Namen Surf ist diese Erscheinung besonders an der Koromandelküste bekannt.

Brandwache, frühere Bezeichnung für die Außenwache (s. d.), welche hinter einem Lager oder Biwak aufgestellt ist und der im allgemeinen polizeiliche Aufsicht, im besondern die Bewachung von Arrestanten oder Gefangenen obliegt.

Brandwälle, alte Befestigungsart, s. Burg.

Brandwirtschaft, s. Betriebssystem.

Brandwunden, Wunden, die sowohl durch Feuer und erhitzte Substanzen als auch durch ätzende Substanzen (z. B. konzentrierte Mineralsäuren) hervorgebracht werden können. Das Entstehen einer Brandwunde setzt schon einen höhern Grad der Verbrennung und mindestens den Verlust der Oberhaut voraus, sei es, daß dieser Verlust sofort oder erst infolge der nachfolgenden Entzündung und Blasenbildung erfolgt. Ist auf diese Weise nur die Oberhaut verloren gegangen, so heilt die Brandwunde so vollständig, daß keinerlei bleibende Änderung der Haut entsteht, denn die Oberhaut wird leicht wieder erzeugt. Sind dagegen tiefere Schichten zerstört, so bleibt stets außer einer gewissen Unempfindlichkeit der Haut eine Narbe zurück, welche die Teile je nach dem Umfang der B. mehr oder weniger stark zusammenzieht und dadurch zu Verziehungen, Verwachsungen und Bewegungshemmungen Anlaß geben kann. Die Behandlung der B. besteht lediglich in der Abhaltung äußerer Schädlichkeiten, namentlich auch des Luftzutritts durch geeignete Bedeckung der verbrannten Teile. Letztere geschieht durch die sog. antipyrotischen Mittel, wie durch Überziehen der B. mit milden, schleimigen oder fetten Substanzen, z. B. Mandelöl, Eidottern, ungesalzener Butter, Sahne, flüssigem Leim u. dgl., ferner durch Bestreuen mit einem unschädlichen Pulver, z. B. Mehl, Stärke, doppeltkohlensaurem Natron u. dgl., worauf man die Wunde mit reiner Wundwatte bedeckt. Die Anwendung der Kälte wird von der ihrer Oberhaut beraubten Haut meist nicht vertragen. Mehl und Watte kleben auf der Wunde an und trocknen nicht selten mit den Wundsekreten, welche sie aufgenommen haben, zu einer Kruste ein.