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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

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Brasilien (Geschichte)

23. Juli 1840 übernahm demzufolge der 15jährige Dom Pedro II. persönlich die Regierung. Die Brüder Andrada, welche diese Revolution veranlaßt hatten, wurden wieder zu Ministern ernannt. Sie hielten sich aber nur bis zum 23. März 1841, weil sie, dem Republikanismus zugeneigt, der Unterstützung der sog. portug. oder aristokratischen Partei entbehrten, in deren Händen vorzugsweise das Geld des Landes und somit das einzige Mittel lag, die Anhänglichkeit der Beamten und der Truppen zu sichern. Es gelang der Regierung nicht, die Sicherheit im Innern herzustellen und die immer wachsende Finanznot zu mildern. Fortwährend hatte man mit Empörungen im Norden und Süden des Reichs zu kämpfen, die erst 1845 ein Ende nahmen. Zwistigkeiten mit Nordamerika und England, mit letzterm besonders wegen Erneuerung des 1845 erloschenen Vertrags über das Durchsuchungsrecht der brasil. Schiffe sowie wegen Abschluß eines neuen Handelsvertrags, zogen sich durch die nächstfolgenden Jahre. Trotz des England vertragsmäßig zustehenden und mit der größten Strenge geübten Durchsuchungsrechts war es nämlich den Sklavenschiffen gelungen, jahraus jahrein 50 000 Sklaven in den unzähligen Buchten einer 3700 km langen unbewachbaren Küste zu landen. Diesem Zustande nun ein Ende zu machen war die 8. Aug. 1845 vom engl. Parlament beschloßene Bill Aberdeen bestimmt, indem sie für die engl. Kreuzer das Recht in Anspruch nahm, Sklavenschiffe bis in die brasil. Gerichtsbarkeit unterworfenen Küstengewässer zu verfolgen. Die brasil. Regierung nahm, um der Ausführung dieser Gewaltmaßregel vorzubeugen, nunmehr die Unterdrückung des Sklavenhandels selbst energisch in die Hand, sodaß die Sklaveneinfuhr in wenigen Jahren ganz aufhörte. Zu gleicher Zeit machten die Bestrebungen des Diktators der Argentinischen Konföderation, Rosas (s. d.), die Beibehaltung einer kostspieligen Armee nötig. Doch genoß B. im allgemeinen, einige Sklavenaufstände abgerechnet, mehrere Jahre der Ruhe. Infolge der europ. Februarrevolution von 1848 kam es dann im Juni in Pernambuco zu einem Aufstand, der nur mit Mühe im Mai 1849 vorläufig unterdrückt wurde. Seit 1850 begannen die auswärtigen Angelegenheiten B.s immer schwieriger zu werden. Zwar kam im Juli 1850 eine Übereinkunft über die Durchsuchung der Schiffe mit England zu stande. Dagegen wurden die Zustände an der Südgrenze des Reichs immer mehr gefahrdrohend. Rosas und dessen Parteimann General Oribe hatten Uruguay verwüstet, Paraguay bedrängt und die Interessen B.s stark gefährdet. Von der Kammer ermächtigt, ausländische Truppen zu werben, sandte die Regierung den frühern Kriegsminister Barros als Kommissar nach Deutschland, der aus den Trümmern der schlesw.-holstein. Armee im Frühjahr 1851 etwa 2000 Mann zusammenbrachte und als Deutsch-Brasilische Legion nach B. überführte. General Caxias wurde an die Spitze der brasil. Armee gestellt, Admiral Grensell zum Befehlshaber der Flotte ernannt, und mit Urquiza, dem Gouverneur der argentin. Provinz Entre-Rios, schloß man zu gemeinschaftlicher Operation gegen Rosas einen Vertrag. Im Juli 1851 wurde der brasil. Gesandte aus Buenos-Aires abberufen und durch den Übergang Urquizas über den Uruguay 20. Juli der Krieg gegen Buenos-Aires eröffnet. Urquiza wurde von den Landeseinwohnern freudig empfangen und sah sich bald durch den Übertritt zahlreicher Truppen verstärkt. Durch die geschickten Bewegungen Urquizas einerseits, der brasil. Flotte auf dem Parana andererseits sowie durch das Vorrücken der brasil. Hauptarmee in der Front und im Rücken bedroht, mußte der argentin. General Oribe 2. Sept. die Belagerung von Montevideo aufgeben und Anfang Oktober kapitulieren. B. schloß jetzt mit Paraguay, Corrientes, Entre-Rios und Uruguay ein Schutz- und Trutzbündnis und schickte dem General Urquiza Verstärkungen zu. Dieser brach von Montevideo auf, rückte mit 23 000 Mann in Eilmärschen gegen Buenos-Aires vor und trug in dessen Nähe, bei Monte-Caseros, 3. Febr. 1852 über die Armee des Diktators einen Sieg davon, der den Krieg zu Gunsten B.s entschied und Rosas stürzte. Nach dem Kriege nahm B. einen gewissen Aufschwung. Der Handel hob sich, die Finanzlage verbesserte sich; mit Peru wurde ein Schiffahrts- und Grenzberichtigungsvertrag geschlossen, die Regierung nahm einige dringend notwendige Straßenbauten in Angriff, es bildete sich eine Dampfschiffahrts-Gesellschaft für den Amazonenstrom, und es wurden Anläufe zur Verbesserung des Volksschulunterrichts und der Armee-Einrichtungen gemacht. Vor allem aber wandte man der Herbeiziehung von Einwanderern und dem Gedeihen ihrer Ansiedelungen neue Aufmerksamkeit zu. Seit der 1825 erfolgten Gründung der deutschen Kolonie San Leopoldo in der Provinz Rio Grande do Sul unweit Porto-Alegre war nämlich in der brasil. Kolonisation für längere Zeit ein Stillstand eingetreten. Die Unterdrückung des Sklavenhandels, die einen empfindlichen Mangel an Arbeitskräften im Lande zur Folge hatte, rückte nun die Kolonisationsfrage wieder in den Vordergrund der Interessen B.s. Ein 1850 neu eingesetztes Generallandamt suchte die Kolonisation durch Unterstützung teils schon bestehender, teils neu zu gründender Ansiedelungsunternehmungen zu fördern, und zu den am besten gedeihenden gehörten die in dieser Zeit mit deutschen Auswanderern in der Provinz Sta. Catharina gegründeten Dona-Francisca (s. d.) und Blumenau (s. d.). 1853 wurde die Bank von B. mit einem Stammkapital von 30 Mill. Milreïs gegründet und der Bau von Eisenbahnen begonnen, der jedoch einen äußerst langsamen Fortgang genommen hat. Eine Meinungsverschiedenheit zwischen B. und Paraguay, die durch das vom Präsidenten dieser Republik 3. Okt. 1854 ausgegangene Verbot der Schiffahrt fremder Handels- und Kriegsfahrzeuge auf dem Paraguay veranlaßt war, führte die Absendung eines brasil. Geschwaders unter Ferreira de Oliveira herbei, hatte aber keine kriegerische Verwicklung zur Folge. 1855 wurde der vom Ministerpräsidenten Parana vor die Kammern gebrachte Entwurf einer wichtigen Wahlgesetzänderung durch die Unterstützung der liberalen Partei angenommen. Kurz nach Paranas Tode, im Frühjahr 1857, kam ein Koalitionsministerium unter dem Marquis de Olinda ans Ruder. In demselben Jahre wurde ein von der Regierung mit reichen Mitteln ausgestatteter Kolonisations-Centralverein in Rio de Janeiro gegründet. Die von ihm übernommene Verpflichtung, innerhalb 5 Jahren 50 000 Kolonisten in B. einzuführen, vermochte der Verein aber nicht zu erfüllen, weil eine immer zunehmende Abneigung gegen das auf den großen Gütern herrschende Halbpacht-(Parceria) System bei der für die Auswanderung in Betracht kommenden europäischen, namentlich deutschen und schweiz. Bevölkerung Platz gegriffen hatte. Um die