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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

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Brasilienholz - Brassen (im Seewesen)

der Tochter des Kaisers, die Thronfolge zu sichern, weigerte sich 15. Nov. 1889 ein Bataillon, Rio zu verlassen. Andere Truppen fraternisierten mit den Aufständischen, die Minister wurden verhaftet, und der alte Kaiser nebst seiner Familie in der folgenden Nacht auf Befehl des Marschalls Deodoro da Fonseca (s. d.), Chefs der neuen parlamentarischen Regierung, an Bord eines Dampfers gebracht und gezwungen, nach Europa abzureisen. Die Republik war bereits ausgerufen. Eine vom 18. bis 20. Dez. in Rio entstandene Gegenbewegung wurde niedergeschlagen. Die neue Regierung, an deren Spitze Fonseca trat, gewährte 21. Nov. allen Brasiliern, die lesen und schreiben können, das Wahlrecht, veröffentlichte den Entwurf einer Konstitution der Vereinigten Staaten von B., schrieb die Wahlen für eine konstituierende Versammlung auf den 15. Sept. 1890 aus und verkündete 10. Jan. 1890 die Trennung der Kirche vom Staat. Die Wahlen fielen infolge amtlicher Wahlbeeinflussung zu Gunsten der Regierung aus, und der 15. Dez. zusammentretende Kongreß nahm den vorgelegten Verfassungsentwurf mit einzelnen Linderungen 24. Febr. 1891 endgültig an. Doch hatte gegen General Fonseca bald Mißstimmung Platz gegriffen, sodaß er nur mit geringer Majorität zum Präsidenten gewählt wurde. Der neue Zustand fand die Anerkennung der fremden Mächte, doch erwies sich Fonsecas Herrschaft nicht von langer Dauer. Die finanzielle Mißwirtschaft, bei der sich die Günstlinge des Präsidenten durch Schwindelgründungen bereicherten, die zahlreichen, ungenügend gedeckten Papiergeldemissionen, die den Kredit des Landes vernichteten und eine ungeheure Preissteigerung hervorbrachten, sowie ein ungünstiger Handelsvertrag mit den Vereinigten Staaten von Amerika erregten eine außerordentliche Verstimmung, die endlich in einem Konflikt mit dem Kongreß zum Ausbruch kam. Als Fonseca gegen ein vom Kongreß beschlossenes Gesetz sein Veto einlegte, erklärte dieser das Veto für ungültig, worauf der Präsident Nov. 1891 ohne gesetzliche Berechtigung den Kongreß auflöste und den Belagerungszustand über Rio verhängte. Mehrere der Föderativstaaten erhoben sich und drohten mit Lossagung von der Union, darunter namentlich Rio Grande do Sul (s. d.), falls Fonseca nicht von der angemaßten Diktatorstellung zurückträte. Diesem Verlangen schlossen sich 23. Nov. auch die Marine und ein Teil des Landheers unter den Admiralen Custodio de Mello und Wandenkolk an, und um den Bürgerkrieg zu vermeiden, legte Fonseca seine Vollmachten in die Hände des Vicepräsidenten Generals Floriano Peixoto nieder. Gerade in dieser Zeit, wo die Wiederherstellung des Kaisertums in B. nicht unmöglich erschien, starb 5. Dez. der Kaiser Dom Pedro in Paris. Auch unter Peixoto kam das Land nicht zur Ruhe; hier und da entstanden in den Einzelstaaten Aufstände, namentlich 1892 und 1893 in Mato Grosso und Rio Grande do Sul. In Rio de Janeiro selbst erhob sich 6. Sept. 1893 die Marine unter Admiral Custodio de Mello, als Peixoto eine Vorlage, der zufolge ein Vicepräsident nicht Präsident der Republik sollte werden dürfen, mit seinem Veto belegte, und die Flotte in der Bai von Rio begann 14. Sept. ein Bombardement auf die Hauptstadt und die Forts. Im November gelang es Mello auf dem Panzerschiff Aquidaban die Bai zu verlassen, um den Aufstand in den südl. Staaten zu organisieren, während Saldanha da Gama den Befehl in der Bai führte. Inzwischen hatte Peixoto in den Vereinigten Staaten Schiffe ankaufen und ausrüsten lassen und als diese 13. März 1894 in der Bai von Rio eintrafen, unterwarfen sich die Aufständischen: da Gama flüchtete auf ein portug. Kriegsschiff. Auch de Mello konnte im Süden keine Erfolge erringen, und er ergab sich, als der Aquidaban bei Desterro von einem Torpedoboot in den Grund gebohrt worden war, mit dem Rest seiner Leute 16. April in Buenos-Aires den argentin. Behörden. Noch während des Aufstandes war 1. März Prudente de Moraes für den Amtstermin des 15. Okt. 1894 zum Präsidenten der Republik gewählt worden.

Litteratur. Vgl. Southey, Histoy of B. (3 Bde., Lond. 1810-19); Constancio, Historia do B. (2 Bde., Par. 1839); von Varnhagen, Historia geral do B. (Rio de Janeiro 1855); Pereira da Silva, Historia da fundação do imperio brazileiro (6 Bde., ebd. 1864 fg.); da Silva Lisboa, Historia dos principães successos politicos do imperio do B. (20 Bde., ebd. 1826-30); Handelmann, Geschichte von B. (Berl. 1860); Nowakowski und Flechner, B. unter Dom Pedro II. (Wien 1878); Anfriso Fialho, Historia d’estbelecimento da republica "Estados unidos do Brasil" (Rio de Janeiro 1890).

Brasilienholz, s. Caesalpinia und Rotholz.

Brasiliennußöl, ein fettes Öl, welches durch warmes Pressen oder durch Schwefelkohlenstoff-Extraktion aus den Brasilien- oder Paranüssen, den Früchten von Berholletia excelsa Humb., und aus Stearin, Palmitin und Elaïn besteht. Die Nüsse liefern über 50 Proz. Öl.

Brasilīn ist der in Farbstoff verwandelbare Bestandteil des Brasilien- und Fernambukholzes (Rotholz) und scheidet sich in Krystallkrusten beim Lagern des Rotholzextrakts ab. In reinem Zustande bildet es farblose, in Wasser, Alkohol und Äther lösliche Krystallnadeln, die sich am Lichte leicht gelblich oder rot färben. B. hat die Zusammensetzung C16H14O5. Seine Lösung in Alkalien nimmt aus der Luft rasch Sauerstoff auf und färbt sich dabei intensiv karminrot. Säuren fällen aus dieser Lösung ein Oxydationsprodukt des B., das Brasileïn, C16H12O5, das durch Reduktion mit Zinkstaub wieder in B. verwandelt wird. Durch Destillation entsteht aus B. viel Resorcin (s. d.).

Brasilstrom, der südl. Arm des atlantischen Äquatorialstroms, s. Atlantischer Ocean (Bd. 2, S. 39 a).

Braslawl, s. Brazlaw.

Braß, s. Ölflüsse.

Brasse, franz. Längenmaß, s. Faden.

Brassen, die Taue, mit welchen man die Rahen (s. d.) horizontal bewegt; auch bezeichnet man mit B. diese Bewegung selbst. So heißt vierkant brassen die Rahen in die Querschiffslinie bringen. B. und Toppen ist das Kommando, die Rahen mit Hilfe der B. und Toppnanten (s. d.) in die Querschiffslinie und genau horizontal (also senkrecht zu den Masten und Stengen) zu richten; auf Kriegsschiffen geschieht dies im Hafen jeden Morgen. Rund brassen bedeutet beim Wenden (s. d.) oder Halsen (s. d.) die über den einen Bug (s. d.) angebraßten Rahen durch die B. so drehen, daß die Rahen über den andern Bug angebracht werden. (S. Anbrassen, Aufbrassen, Backbrassen.) Großbrassen sind B. des Großmastes, Kreuzbrassen die des Kreuzmastes u. s. w.