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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

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Braunkohlenteer - Braunsberg (in Preußen)

zerreiblich; 3) Pechbraunkohle, sehr dicht, dunkelbraun bis schwarz, im Bruch glänzend wie Pech; 4) Lignit oder bituminöses Holz, mit deutlich erhaltenem Holzgefüge, zuweilen noch als Holz verarbeitbar, häufig zusammenhängende Baumstämme bildend; 5) Blätterkohle, Papierkohle oder Dysodil, aus dünner, blattartiger Pflanzenmasse zusammengesetzt und danach leicht trennbar; 6) Moorkohle, torfähnlich, filzig, oft sehr unrein, auch wohl übergehend in sog. Alaunerde, aus der man Alaun darstellt. - Sowohl der Gehalt an verbrennlichen Bestandteilen als der Aschengehalt (letzterer zum Teil von erdigen Beimengungen herrührend) ist bei den einzelnen Braunkohlensorten sehr ungleich, und hauptsächlich danach bestimmt sich ihr Brennwert. (Über genauere Zusammensetzung und die Brennwerte einzelner Braunkohlensorten s. Heizmaterialien.)

B. finden sich in bald größern, bald geringern Mengen in allen Ländern der Erde. In Deutschland, wo die B. durchschnittlich geringwertig ist, zieht sich, von Posen und Schlesien ausgehend, am Abhange des mitteldeutschen Gebirgszuges ein 2 bis 20 Meilen breiter B. führender Gürtel quer durch das Reich bis an den Rhein, und darüber hinaus bis in die Nähe von Aachen und bis nach Trier. Durch bessere B. zeichnen sich aus die Bezirke von Zittau, von Halle und Weißenfels (den Hauptplätzen der Mineralölindustrie), sodann Braunschweig, Cassel und einige Bezirke der Rheinprovinz. Von hervorragender Bedeutung, sowohl durch die sehr bedeutende Mächtigkeit, wie durch ausgezeichnete Beschaffenheit der Kohle ist das große Becken im nördl. Böhmen, das sich von Eger bis zur Elbe erstreckt und unter den bis jetzt bekannten Vorkommnissen noch heute das berühmteste Braunkohlengebiet repräsentiert. Die B. lagert hier so wenig tief unter der Erdfläche, daß vielfach Tagebau möglich ist.

Die Anwendbarkeit der B. als Brennstoff ist beschränkter als die der Steinkohle. Sie ist namentlich zu Rostfeuerungen sowie als Heizmaterial für Stubenöfen brauchbar. In neuerer Zeit stellt man aus der B. auch Leuchtgas und Heizgas dar. Durch trockne Destillation verarbeitet man die B., namentlich die in der Provinz Sachsen und in Schlesien vorkommende "Schwelkohle", auf Paraffin, Solaröl, Karbolsäure, Kreosot und ähnliche Produkte. Zur Farbenbereitung ist der Braunkohlenteer, zum Unterschiede von dem Steinkohlenteer, nicht geeignet.

Die Förderung von B. betrug im Deutschen Reich:

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1870 7 605 234 t im Werte von 22 053 117 M.

1875 10 36 7686 " " " " 36 885 178 "

1880 12 144 469 " " " " 36 710 013 "

1885 15 355 117 " " " " 40 377 832 "

1889 17 551 411 " " " " 44 079 000 "

1890 19 012 481 " " " " 49 507 000 "

1891 20 554 885 " " " " 54 112 000 "

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In Böhmen:

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1850 360 255 t im Werte von 2 161 536 M.

1860 1 548 306 " " " " 7 108 910 "

1870 4 060 169 " " " " 20 504 094 "

1880 5 882 790 " " " " 38 288 000 "

1889 10 250 772 " " " " 55 352 000 "

1890 10 875 306 " " " " 57 108 000 "

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Die übrigen Länder sondern in ihrer Montanstatistik meist nicht die B. von der Steinkohle, sodaß von ihnen die Höhe der Braunkohlenförderung nicht angegeben werden kann.

Vgl. Unger, Die Verwertung der B. als Feuerungsmaterial (Weim. 1863); Zincken, Die Physiographie der B. (Hannov. 1867; Ergänzungen dazu, Halle 1871); Neumann, Die Vergasung erdiger B. zum Betriebe der Schmelz- und Brennöfen (ebd. 1873); Pechar, Kohle und Eisen (Berl. 1878).

Braunkohlenteer, s. Teer.

Braunkopfstärling, s. Stärlinge.

Braunlage, Flecken im braunschw. Kreis Blankenburg, in der Nähe der höchsten Kuppen des braunschw. Oberharzes, des Großen und Kleinen Wurmberges, in 483 m Höhe, an der Warmen Bode, hat (1890) 1561 E., Post, Telegraph, eine große Glashütte, mehrere Sägemühlen und einige größere Spanschachtel- und Vogelbauerfabriken und ist Höhenkurort (1889: 900 Kurgäste).

Bräunlingen, Stadt im Bezirksamt Donaueschingen des bad. Kreises Villingen, 6 km von Donaueschingen, an der Brege und der Bregthalbahn (im Bau), hat (1890) 1570 E., Postagentur, Telegraph, kath. Pfarrkirche und Seidenweberei.

Braunmeina, s. Stare.

Braunsberg. l) Kreis im preuß. Reg.-Bez. Königsberg, hat 946,04 qkm, (1890) 52 209 (24 685 männl., 27 524 weibl.) meist kath. E., 4 Städte, 114 Landgemeinden und 43 Gutsbezirke. - 2) Kreisstadt im Kreis B., 60 km im SW. von Königsberg, an der Passarge, welche Alt- und Neustadt trennt, bis hierher mit kleinen Fahrzeugen beschifft wird und 8 km weiter unten bei ihrer Mündung in das Frische Haff einen Hafen bildet, sowie an der Linie Dirschau-Königsberg und der Nebenlinie Mehlsack-B. (27,10 km) der Preuß. Staatsbahnen, hat (1890) 10 851 (4937 männl., 5914 weibl.) E., darunter 3181 Evangelische und 104 Israeliten, Post erster Klasse mit 2 Zweigstellen, Telegraph, Dampferstation, Landgericht (Oberlandesgericht Königsberg) mit 10 Amtsgerichten (B., Heiligenbeil, Preuß.-Holland, Liebstadt, Mehlsack, Mohrungen, Mühlhausen, Saalfeld, Wormditt, Zinten), Amtsgericht, Landratsamt, Reichsbanknebenstelle, Zoll- und Steueramt, Handelskammer für die Stadt B.; 3 kath. und 1 evang. Kirche, 4 Hospitäler, Gasbeleuchtung und ein Landgestüt; ferner Gerberei, Brauerei und bedeutenden Handel mit Getreide, Mehl, Flachs, Ölkuchen und Schiffbauholz; früher wurde viel Garn ausgeführt, viel Tuch- und Leinweberei getrieben. In dem an Stelle des frühern fürstbischöfl. Schlosses errichteten Gebäude befindet sich ein 2. Juli 1811 gestiftetes königlich kath. Schullehrerseminar mit Internat; das 1579 von dem berühmten ermeländ. Kardinal-Bischof Stanislaus Hosius gegründete Lyceum Hosianum war früher nur ein bischöfl. Seminar für junge Geistliche, wurde aber durch die Kabinettsorder vom 19. Mai 1818 zu einer kath. Fakultät der Theologie und Philosophie erhoben und aus den Gütern des kurz vorher säkularisierten Klosters Neuzelle bei Frankfurt a. O. dotiert. Es hat 1893 10 Professoren und 41 Studierende, aus denen sich der Klerus von Ermeland ergänzt, eine bedeutende Bibliothek und Sammlungen von Gipsabgüssen. Daneben besteht das Priesterseminar des Bistums Ermeland, 1565 ebenfalls von Hosius gegründet, ferner ein königlich kath. Gymnasium (Direktor Gruchot, 14 Lehrer, 9 Klassen, 297 Schüler),

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