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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

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Braunschweig (Herzogtum; Geschichte)
welftsche Erbe gemeinschaftlich, bis sie es 1203 teil-
ten. Heinrich, der Pfalzgraf, erhielt Hannover mit
dem Lande westlich der Leine von dieser Stadt bis
Gottingen, den westl. Teil des Lünebnrgischen und
die nördl. Gegenden (einschließlich Dithmarschen);
Otto, der 1108 zum deutschen König (Otto IV., s. d.)
gewählt worden war, das eigentliche V. mit der
Umgegend bis zur Leine und den Unterharz; Wil-
helm den östl. Teil des Lüneburgischen mit der
Stadt Lüncburg, den Oberharz u. s. w. Wilhelm
starb 1213 und hinterlieh einen einzigen Sohn,
Otto (s. d.) das Kind: Kaiser Otto ! V. starb 1218
kinderlos; Heinrich (gest. 1227) hatte uur zwei
Töchter. Otto das Kind, der einzige Stammhalter
des welftschen Hauses, wurde in heftige Kämpfe
verwickelt, da die beiden Töchter Heinrichs ihre Erb-
ansprüche an Kaiser Friedrich II. verkauft hatten,
der auch sofort die Stadt B. an sich zu bringen
suchte. Den Streit zu endigen, gab Otto 1235 das
Schloh zu Lüneburg mit seiner Herrschaft dem Kaifer
und dieser es dem Reich als "Eigen". Die Stadt V.
und deren Zubehör, wie die Lüneburgischen Lande
erhielt Otto als erbliches Herzogtum und wurde
Reichsfürst. Seit dieser Zeit gab Otto sich der Sorge
um das Wohl seiner Unterthanen hin, gründete
Städte und Schlösser und erteilte den Bürgern von
B. und Lüneburg große Freiheiten. Er starb 1252;
das Herzogtum kam an seine Söhne Albrecht und
Johann. Diese regierten gemeinschaftlich bis 1267,
wo sie auf dem Fürstcntage zu Quedlinburg in der
Weise teilten, daß Johann das Herzogtum Lünc-
burg, die Stadt Hannover nebst einigen Schlössern,
Albrecht (s. d.) das Herzogtum V., das Land zwi-
schen Teister und Leine (Calenbcrg), das Fürsten-
tum Oberwald (Göttingen) mit dem Weserdistrikt
und Harz erhielt. Die Stadt B. blieb beiden Brü-
dern gemeinschaftlich. Albrecht residierte auf der
Burg Dankwarderode zu B., Johann zu Lüneburg:
jener begründete die ältere Braunschweigische, dieser
die ältere Lüneburger Linie.
I. Das ältereHausB. Albrecht, der Große
(IioußuL) genannt, der eine Stütze des Landfriedens
in Nordwestdeutschland war, starb 1279, und es er-
folgte nun durch seine drei Söhne eine neue Teilung
des Landes. Der älteste Sohn, Heinrich, erhielt
Grubenhagen; Albrecht der Feiste das Land Ober-
tt?6/d mit den Städten Göttingen und Münden;
der dritte, Wilhelm, die Burgen B. und Wolfen-
büttel, Asseburg u. s. w. 1) Die Linie Gruben-
hagen erhielt sich bis 1596. Nach mehrmaligen
Teilungen ihres Erbes kam Philipp I. 1526 wieder
zur alleinigen Negierung und trat 1534 der Refor-
mation bei. Sein ältester Sohnund Nachfolger, Ernst,
trat dem Schmalkaldischen Bunde bei, wurde mit
dem Kurfürsten Johann Friedrich von Sachsen bei
Mühlberg 1547 gefangen, aber bald ausgewech-
selt, und kam 1551 zur Regierung. Ernst, ein vor-
züglicher Regent, starb 2. April 1567 kinderlos; ihm
folgten seine Brüder, Wolfgang und Philipp II. Als
mit letzterm 1596 die Grubenhagensche Linie erlosch,
wurde das Land von Heinrich Julius von Braun-
schweig-Wolfenbüttel in Besitz genommen (f. unten),
jedoch später (1616) nach einem reichsgerichtlichen
Erkenntnis an die Cellesche Linie abgetreten.
2) Die von Albrecht dem Feisten gestiftete Linie
Göttin gen verschmolz 1292, als dessen Bruder
Nilhelm, der Stifter der Linie Wolfenbüttel, starb,
auf einige Zeit mit der Wolfenbütteler Linie; diefe
Vereinigung dauerte aber nur bis zum Tode Ottos
des Milden 1344, des ältesten Sohnes Albrechts
des Feisten, denn Ottos Brüder, Ernst und Magnus,
teilten das Land abermals; Ernst erhielt Göttingen,
Magnus Wolfenbüttel. Als 1367 herzog Ernst
starb, folgte ihm sein Sohn Otto der Quade <Ma.w8),
dessen Regierung eine Kette von Fehden und
Kämpfen war. Er starb 1394 und hinterließ einen
einzigen Sohn, Otto den Einäugigen ((^oci68), der
nach dem Tode seines Vormundes, des trefflichen
Friedrich von V. (gest. 1400), sich als Schützer der
Städte und ihrer aufblühenden Macht zeigte, aber,
durch Krankheit bewogen, 1450 feine sämtlichen
Besitzungen, mit Ausnahme der Stadt und des
Gerichts Uslar und des Schlosses zu Münden, an
Wilhelm den Siegreichen von Calenberg abtrat.
Mit Otto erlosch 1463 die ältere Linie Göttingen.
3) Die dritte, von Albrechts d. Gr. Sohn Wil-
helm gestiftete Linie Wolfenbüttel verschmolz
1292 mit der Linie Göttingen, bis sie 1344 durch
Magnus I. den Frommen wiederhergestellt wurde.
Er hatte durch seine Vermählung mit Sophie, der
Tochter Heinrichs, des brandenb. Markgrafen von
Landsberg, 1327 beträchtliche Besitzungen zur Mit-
gift erhalten und dadurch eine ungewöhnliche Macht
erlangt, lebte aber im Zwist mit seinem Sohne
Magnus II. und starb 1369. Magnus II. oder mit
der Kette sloi-(iu^u8) nahm, als in demselben Jahre
mit Wilhelm die ältere Lüneburger Linie ausstarb,
die ihm von diesem nicht lange zuvor (1355) über-
wiesene Erbschaft in Anfpruch (f. unten). Hierüber
kam es mit Sachsen-Wittenberg zu dem großen Lüne-
burger Erbfolgekrieqe. Magnus II. ließ alle
kaiserl. Befehle unberücksichtigt, wurde deshalb ge-
ächtet und fiel 1373 in der Schlacht bei Leveste am
Deister. Die Sachsen-Wittenberger waren nun im
Besitz des Lüneburgischen. Nach dem Tode Albrechts
von Sachsen verglich sich jedoch dessen Oheim und
Erbe Wenzel mit den beiden ältesten Söhnen von
Magnus II., Friedrich und Bernhard, die er mit
seinen Töchtern vermählte. Friedrich begnügte sich
mit Vraunschweig-Wolfenbüttel; Bernhard sollte
auf Wenzel im Lüneburgischen folgen. Doch kam es
hierüber zu einem Zwiste, in welchem Heinrich, der
jüngste Sohn Magnus' II., und Friedrich, von der
Stadt B. unterstützt, gegen die Lüneburger zogen,
bei Winsen a. d. Aller siegten (1388) und Bernhard
zwangen, den jüngern Bruder Heinrich zum Mit-
erben im Lüneburgischen zuzulassen. Als Friedrich,
den eine Partei nach König Wenzels Tode zum
Kaiser bestimmte, bei Fritzlar ermordet war (1400),
herrschten seine Brüder Bernhard und Heinrich über
die Lande Braunschweig-Wolfenbüttel und Lünc-
burg gemeinschaftlich. Durch die Teilung 1409 er-
hielt Bernhard das braunschw., Heinrich das lüne-
burg. Land. Doch Heinrichs Söhne, Wilhelm und
Heinrich, nötigten 1428 den Oheim zu einem Tausch
ihrer Lande und wurden so Gründer des mittlern
Hauses V., Bernhard aber Stifter des mittlern
Hauses Lüneburg. Im 1.1409 (1428) wurde Calen-
berg (Hannover) vom Lüneburgischen getrennt und
zu Braunschweig-Wolfenbüttel gelegt.
II. In der von Albrechts d. Gr. Bruder, Johann,
1267 gestifteten älternLüneburger Linie folgte
nach des Stifters Tode 1277 dessen Sohn, Otto
der Strenge, der sein Land durch Ankäufe ver-
größerte und 1330 starb. Diesem folgten wieder seine
zwei Söhne, Otto und Wilhelm, die tns 1352, wo Otto
kinderlos starb, gemeinschaftlich regierten. Wilhelm
hatte nur zwei Töchter, von denen die eine an des