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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

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Braunschweig (Herzogtum; Geschichte)

Herzogs Magnus I. Sohn, Ludwig, die andere mit Herzog Otto von Sachsen-Wittenberg vermählt war. Ludwig, dem die Nachfolge zugesichert war, starb aber schon 1367, und als Wilhelm nun dessen Bruder, den verhaßten Magnus II., zum Nachfolger bestimmte, erhoben die sächs. Herzöge, von Kaiser Karl IV. begünstigt, Widerspruch dagegen, infolgedessen der schon erwähnte Lüneburger Erbfolgekrieg entstand. Als Wilhelm 1369 starb, erlosch mit ihm die ältere Lüneburger Linie, worauf das Land nach dem Erbfolgekriege an das von der Wolfenbütteler Linie begründete mittlere Haus Lüneburg kam.

III. Das infolge der Teilung des mittlern Gesamthauses 1409 (1428) begründete mittlere Haus B. schritt schon unter den Söhnen Heinrichs zu einer nachher mehrmals erneuerten Teilung, indem Wilhelm der Ältere Calenberg, Heinrich der Friedsame Wolfenbüttel bekam. Doch erhielt Wilhelm nicht nur 1450 von Otto Cocles die göttingischen Besitzungen abgetreten (s. oben), sondern beerbte 1473 auch seinen Bruder Heinrich. Nach seinem Tode (1482) nahm sein jüngerer Sohn, Wilhelm II., den ältern, Friedrich, der in Wahnsinn verfallen war, gefangen, teilte aber die sämtlichen Lande des Vaters schon bei seinem Leben 1495 unter seine Söhne, Heinrich (den Ältern) und Erich (den Ältern), von denen jener die wolfenbütteler, dieser die calenberg-göttingischen Lande bekam. Erich I., der Stifter der Calenbergischen Linie, bekannt als Kampfgenosse Kaiser Maximilians I. und Teilnehmer an der Hildesheimer Stiftsfehde (s. d., 1519-23), starb 1540; sein Sohn Erich II., der zur kath. Kirche übertrat, gegen den Schmalkaldischen Bund (s. d.) und gegen Moritz (s. d.) von Sachsen focht, starb 1584 kinderlos; damit erlosch diese Linie wieder; die Lande fielen an Wolfenbüttel. Der Begründer der Wolfenbütteler Linie, Heinrich der Ältere, gest. 1514, hinterließ sechs Söhne, doch kam von ihnen nur der älteste, Heinrich (s. d.) der Jüngere, zur Regierung. Dieser begann sein Land zu einem selbständigen Staate umzugestalten und zwang seinen Bruder Wilhelm durch 12jährige Gefangenschaft zur Anerkennung des Primogeniturrechts, welches seitdem im wolfenbütteler Hause unbestritten galt (Pactum Henrico-Wilhelminianum). Während er sich den kirchlichen Neuerungen entgegensetzte, gab er doch dem Lande viele, zum Teil noch bestehende zweckmäßige Einrichtungen. Fast seine ganze Regierungszeit hindurch war er in Kriege verwickelt. Er starb 1568; ihm folgte sein Sohn Julius (s. d.), der durch Gründung der Universität Helmstedt die Durchführung der Reformation und zugleich des röm. Rechts in seinen Landen sicherte. Um seine 1584 durch den Anfall von Calenberg-Göttingen vergrößerten Lande (s. oben) erwarb er sich hohe Verdienste. Bei seinem Tode 1589 kam sein ältester Sohn, der gelehrte Heinrich Julius (s. d.), zur Regierung. Er erwarb 1596 nach Aussterben der Grubenhagenschen Linie deren Besitzungen, ordnete die Verhältnisse der Landleute zu ihren Gutsherren und erweiterte seine Macht. Auch trat durch ihn das Institut des Schatzkollegiums, das nachher die Thätigkeit eines landständischen Ausschusses versah, ins Leben. Er starb 1613; Nachfolger war sein ältester Sohn Friedrich Ulrich, der den sturmbewegten Zeiten des Dreißigjährigen Krieges nicht gewachsen war. Mit ihm erlosch 1634 das mittlere Haus Braunschweig-Wolfenbüttel; sein Land fiel an August von Braunschweig-Lüneburg-Dannenberg. (S. unten.)

IV. Das mittlere Haus Braunschweig-Lüneburg beginnt zwar 1409 mit Heinrich, da aber seine Söhne Wilhelm und Heinrich 1428 mit ihrem Oheim Bernhard tauschten (s. oben), so wurde dieser nach Lüneburg verpflanzt und somit Stammvater der folgenden lüneburg. Herzöge. Er regierte bis 1434 und hinterließ zwei Söhne, Otto den Lahmen oder von der Heide und Friedrich den Frommen, die bis zu Ottos Tode 1446 gemeinschaftlich regierten, worauf Friedrich die Regierung allein übernahm und bis zu seinem Tode 1478 führte. Sein Nachfolger war sein Enkel, Ottos des Großmütigen Sohn, Heinrich der Mittlere. Dieser war nachmals in die Hildesheimer Stiftsfehde verwickelt und gegen seinen Vetter Heinrich den Jüngern von Wolfenbüttel im Bunde mit dem Bischof Johann von Hildesheim; er begünstigte auch die Bewerbung Franz' I. von Frankreich um den Kaiserthron gegen Karl V. Als darauf 1520 auf dem Reichstage zu Worms über ihn die Reichsacht verhängt wurde, die erst 1530 aufgehoben wurde, trat er seinen Söhnen Otto, Ernst und Franz seine Lande ab und starb 1532, nachdem bereits 1527 sein Sohn Otto der Mitregierung gegen die Abtretung von Harburg entsagt und so eine neue Linie, Braunschweig-Harburg, gestiftet hatte, während der dritte Sohn Franz, 1539 mit dem Amte Gifhorn abgefunden, die Linie Braunschweig-Gifhorn stiftete. Die erstere Linie erlosch mit Ottos Enkeln 1642, und die zweite schon 1549 mit ihrem Stifter selbst. So war nun Heinrich des Mittlern Sohn, Ernst der Bekenner, der alleinige Herr in Lüneburg, wo er die Reformation einführte. Er hinterließ bei seinem Tode 1546 vier Söhne, Friedrich, Franz Otto, Heinrich und Wilhelm, von denen die beiden erstern bald starben. Die beiden letztern wurden die Begründer der neuern Häuser B. und Lüneburg. Zunächst verglichen sich dieselben 10. Sept. 1569 dahin, daß die Ämter Dannenberg, Lüchow, Hitzacker und Scharnebeck, sowie Jagd und Schloß zu Göhrde an Heinrich, das Herzogtum Lüneburg aber, auf das jedoch der Bruder die Successionsrechte nicht aufgab, an Wilhelm kommen sollten. So wurde Herzog Wilhelm, der jüngere der Brüder, der Stammvater der neuen Linie Braunschweig-Lüneburg, die später die Kurwürde erhielt und seit 1815 Hannover als Königreich regierte.

V. Heinrich, der sich Herzog von Braunschweig-Lüneburg-Dannenberg nannte, wurde durch seinen jüngern Sohn August der Stammvater des neuen Hauses Braunschweig-Wolfenbüttel, das durch Abstammung von ihm den Vorzug des Seniorats besaß. Er starb 1598, und ihm folgte sein ältester Sohn Julius Ernst, der 1636 kinderlos starb. Bedeutender war dessen jüngerer Bruder August (s. d.), ein hochgebildeter Mann. An diesen trat, als 1634 die Wolfenbütteler Linie ausstarb (s. oben unter III), sein Bruder Julius Ernst die Ansprüche auf das wolfenbütteler Erbe ab. August übernahm 14. Dez. 1635 die Regierung und wurde Stifter des jetzigen braunschw. Herzogshauses. Er hat das Land, das lange Jahre der Krieg verheert und die Unfähigkeit seines Vorgängers dem Verderben zugeführt hatte, in väterlicher Weise regiert, daher ihn auch schon sein Zeitalter den göttlichen Greis (Senex divinus) nannte. Auch ist er der Begründer der Bibliothek zu Wolfenbüttel. August starb 1666 und hinterließ drei Söhne, Rudolf August, Anton Ulrich und Ferdinand Albrecht. Letzterer erhielt Bevern, und so entstand die apanagierte Neben-^[folgende Seite]