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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

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Brautente - Bravo-Murillo
hier, nachdem sie den Brautkranz mit der Braut-
Haube vertauscht hatte, dem Bräutigam übergeben;
denn das Ehebett muhte öffentlich beschritten wer-
den, sollte die Ehe gültig sein. Manchmal gab dem
im Bett liegenden Paare der Geistliche den Braut-
scgen. Nach einer Weile kehrten dann Brautführer
und Gäste zurück und brachten dem jungen Paare
einen Trunk, oder wenn es am nächsten Morgen
geschah, ein Frühstück, V rauthuhn, und legten der
B. neue Kleider vor das Bett. Damit hatte dann
die V. das eheliche Leben begonnen. In betreff
des Brautstandes haben sich eine Menge Gebräuche
und Sitten erhalten, die bei verschiedenen Völkern
abweichen. So findet sich in Gebirgsgegenden, z. V.
in den Alpen, vornehmlich aber in Altrußland noch
die Vrautschau. Hier wird jede zum 15. oder
16. Jahre herangereifte Jungfrau bis zur ersten
Woche der großen Fastenzeit vor Ostern in ihrer
Wohnung zurückgehalten, dann aber am Sonntag
bräutlich geschmückt zur Kirche gebracht und den
heiratslustigen Jünglingen durch Vermittelung einer
Freiwerberin (3v^ckg.) förmlich zur Brautschau
ausgestellt. Findet sie keinen Werber, so wiederholt
sich dieses nach Jahresfrist, wenn sie sich nicht zur
B. Christi, d. i. zur Nonne erklärt.
Brautente, s. Enten.
Brautexamen, in der kath. Kirche die Prüfung
Verlobter auf ihreRcligionskenntnisse durch den zu-
ständigen Geistlichen, vor der Zulassung zur Trauung.
In der luth. Kirche kommt eine ähnliche Einrichtung
nur vereinzelt (z. B. in Schweden) vor.
Brautführer,Brautgave,Brautgeschenke,
s. Braut.
Braut in Haaren, Zierpflanze, s. NißLiia.
Brantkauf, s. Braut.
Brautkinder sind diejenigen Kinder, welche von
rechtmäßig Verlobten erzeugt sind und geboren
werden, bevor die Ehe geschlossen ist. Vor dem
Tridentinischen Konzil wurde die Auffassung ver-
treten, das Verlöbnis werde durch hinzutretenden
Beischlaf zur Ehe. Nach der Reformation wurde
von prot. Juristen gelehrt, das öffentliche Verlöbnis
habe die Wirkung der Ehe, auch das heimliche Ver-
löbnis werde durch geschlechtliche Verbindung zur
Ehe, die geschwängerte Braut könne aber auch die
Trauung erzwingen. Hieraus wurde gefolgert, B.
ständen ehelichen Kindern gleich, insbesondere dann,
wenn einer der Verlobten bereits verstorben war.
Das Reichsgericht hat in den Entscheidungen V,
168 fg. dargelegt, daß gemeinrechtlich B. ein Erb-
recht an dem Vermögen des Erzeugers nicht haben.
Das Sächs. Bürgerl. Gesetzd. §Z. 1578,1601,1809,
1837, 2018, 2025, 2039, 2565 stellt die V. wenig-
stens in manchen Beziehungen den ehelichen Kindern
gleich. Ihm folgen, aber mit mannigfachen Ab-
weichungen, die Rechte von Anhalt, Altenburg,
Weimar und Reuß jüngere Linie. In Preußen hat
die geschwängerte Braut nach dem Gesetz vom
24. April 1854, welches die Bestimmungen des Preuß.
Allg. Landrechts änderte, eine gewisse Absindung
unter näher bezeichneten Voraussetzungen zu bean-
spruchen. Der (^0(16 civil, das Vadische Landrecht
und das Osterr. Bürgert. Gesetzbuch sowie die meisten
übrigen geltenden Rechte gewähren B. keine beson-
dere rechtliche Stellung. - Vgl. Stobbe, Handbuch,
§. 295,111.
Brautkranz, Brautkrone, s. Braut.
Brautlauf ist das älteste german.Iöort für
Hochzeit. Es findet sich bei allen german. Stämmen'
! während es aber in Deutschland seit dem 16. Jahrh,
ziemlich ausgestorben ist, hat es sich bei denNieder-
! ländern (druilokt), Dänen (bryllop), Schweden
! (dröllop) in der alten Bedeutung erhalten. Ohne
Zweifel ist der Ausdruck einer uralten Sitte der
Brauterwerbung entsprossen, und zwar in einer
Zeit, wo man sich die Braut, wie noch bei verschie-
denen wilden Völkern heutzutage, durch Raub holte.
In manchen Gegenden Deutschlands lebt diese Er-
werbung noch heute in symbolischer Handlung son,
indem am Hochzeitstage die Braut, nachdem sie vom
Bräutigam einen Vorsprung erhalten hat, vor
letzterm flieht und bis zu einem festgesetzten Punkte
eingeholt werden muß. Geschieht dies nicht, so
wird der Bräutigam gehöhnt und verspottet.
Brautlösung, Brautmesse, Brautfchatz,
Brautschau, Brautschleier, Brautsteuer,
Brautthür, s. Braut. lIanet.
Braut von Lammermoor, s. Dalrymple,
Brautwerber, s. Freiwerber.
Brauweiler, Dorf im Landkreis Köln des
preuß. Reg.-Bez. Köln, zur NürtznnMerei Frei-
mersdorf gehörig, 13 km westlich von Köln, hat
(1890) 1888 E., Post, Telegraph und in der ehe-
maligen Vcnediktinerabtei eine Provinzialarbeits-
anstalt (1073 Insassen). - B. verdankt seine Ent-
stehung um 970 einem gewissen Bruno, der dem
heil. Medardus hier eine Kapelle erbaute, die nach
^ seinem Namen Vrunwiler genannt wurde. Im
i 12. Jahrh, zerstörte eine Feuersbruns^alle Gebäude
mit Ausnahme des Kapnelsaals. später wieder
aufgebaut, wurde das Kloster 1804 aufgehoben,
1810 in ein Armenhaus und unter der preuß. Re-
gierung in eine Arbeitsanstalt verwandelt.
Brauwer, Adriaen, niederländ. Maler, s.
Vrouwer.
Brauzwang, s. Braugerechtigkeit.
Brava, eine der Kapverdischen Inseln (s. d.).
Brava, Hafenplatz im ostl. Afrika, s. Varawa.
Bravade (frz., spr. -wahd), Hohn, beleidigende
Prahlerei, trotziges Wesen.
Brävalla-Heide (spr.drohw-), der Platz einer in
der nordischen Sage weit berühmten Schlacht, in der
König Harald Hildetand von seinem Neffen Sigurd
Ring besiegt wurde. Man hat V. nach Smaland
(nahe Wexiö) verlegen wollen; wahrscheinlicher ist
jedoch die Annahme, daß dieser Ort in der Nähe
des Bräviken (s. d.) zu suchen sei.
Bravi (ital., Mehrzahl von Bravo, d. h. Tapfe-
rer, Kühner), s. Bandit. Im türk. Heere bezeichnete
man als B. diejenigen Fanatiker, die sich vor dem
Kampfe mit Opium berauschten und dann tollkühn
dem Feinde entgegenstürzten.
Bräviken (spr. brohw-), der größte Meerbusen
der Ostsee an der Ostküste Schwedens, etwa 100 hkni
groß und 20 Kni lang, zwischen den Provinzen Söder-
manland und Dstergötland, mit wenigen Inseln. Die
nördl. Ufer sind steil und gebirgig (Kolmärden,
s. d.), die südlichen eben. In der westl. Ecke liegt
Norrköping (s. d.) an der Mündung des Motala.
Bravo! (ital.), brav! trefflich! namentlich als
Veifallszuruf; für mehrere: dravi; für eine weib-
liche Person: drava; für mehrere: dravs; in ge-
steigerter Form: draviLäiino, di3.vi38iilii, draviL-
8iuig.) di'3.vi83iui6 (s. auch Bravi).
Bravo, Don Luis Gonzalez, span. Staatsmann,
s. Gonzalez-Brabo.
Bravo-Murillo (spr.-iljo), Juan, span. Staats-
mann, neb. im Juni 1803 zu Frejenal de la Sierra in