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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

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Braunwurz - Braut
und kulturhistor. Bildern (Kostüme, Bilder aus dem
Altertum u. a.), gezeichnet von hervorragenden Künst-
lern, die Bilderbücher von L. Meggendorfer, F. Pocci
u. a., die "Iugendblätter" (gegründet von Isabella
Braun). Dazu kommen noch Dialektdichtungen von
Kobell und Karl Stieler, die "Hauschronik" (2 Bde.,
1852) mit meisterhaften Holzschnitten, "Unsere
Frauen", Rottenhöfers "Illustriertes Kochbuch",
Vischoffs "Anleitung zur Angelfischerei" u. a.
Braunwurz, s. 3oi-0pKuiHriii.
Braurecht, s. Braugerechtigkeit. Mtemis.
Brauronia (Vrauronische Artemis), s.
Brausemagnesia, s. Citroncnsäure.
Brausepulver (I>u1vi8 a^ro^lioi-uL) nennt man
die pulverförmige Mischung eines doppeltkohlen-
sauren Alkalis (gewöhnlich des doppeltkohlensauren
Natriums) mit trockner gepulverter Weinsäure. Letz-
tere verbindet sich, indem man das Pulver in WaM
rührt, mit dem Alkali und treibt die Kohlensäure
aus, die nun gasförmig entweicht und dabei Blasen
wirft, schäumt und braust. Das V. des Deutschen
Arzneibuchs besteht aus einem Gemisch von 10
Teilen doppeltkohlensaurem Natrium (Natrium-
bicarbonat), 9 Teilen Weinsäure und 19 Teilen
Zucker. Das englische V. (?u1vi8 aöropliorug
Hu^licnZ) entbält in gefärbtem Papier 2 F doppelt-
kohlensaures Natrium, in weißem Papier 1,5 3 Wein-
säure. Man löst zuvor ersteres in reinen: Wasser
oder in Zuckerwasser und schüttet dann letztere
hinein. Setzt man zu dem weißen Pulver noch ein
Abführsalz, z. V. Seignettesalz, hinzu, so erbält
man die abführenden V. (?u1vi3 aeroplim-us
1^x3.118), auch Seidlitzpulver genannt. Diese V.
wirken kühlend, niederschlagend, fordern die Gallen-
und Stuhlabscheidung, stillen das Erbrecken u.s.w.
und sind so bei vielerlei krankhaften Zuständen der
Verdauungswerkzeuge, besonders bei Blutanhäu-
fung in den Unterleibsorganen, mit Nutzen an-
wendbar; auch sind sie wohlschmeckender als andere
Purgiersalze.
Brausestein, s. Zeolith.
Brausewetter, Otto, Maler, geb. 11. Sept.
1835 zu ^aalfeld in Ostpreußen, besuchte die Aka-
demie zu Königsberg, widmete sich erst der Dar-
stellung von Bildern wie Richard III. (1860; Mu-
seum zu Danzig), Charonsnachen (1867), Gustav
Adolf in der Schlacht bei Lützen (1876), Aristoteles
(Universitätsaula in Königsberg), ging aber dann
zum histor. Genre über, zu welchen: schon seine Edel-
dame in der Werkstatt eines Bildhauers das Grab-
denkmal ihres Gatten betrachtend (1868; Museum
in Königsberg) gehört. Nach längerm Aufenthalte
in Frankfurt a. M. und in München nach Berlin
übergesiedelt, wo er Professor an der Akademie wurde,
vollendetcerdort1888seinbedeutendstes Bild: Jorks
Ansprache an die ostpreuß. Stände 5. Febr. 1813
(Sitzungssaal des ostpreuft. Provinziallandtags in
Königsberg). Sein Christus am Kreuz (1891) er-
regte durch realistische Kraft Aufsehen.
Brausteuer, Brausteuergemeinfchaft, s.
Viersteuer.
Braut heißt ein Mädchen oder eine Witwe von
dcr Zeit der Verlobung (s. d.) an bis zur Schließung
der Ehe. Im Mittelhochdeutschen bezeichnete V. die
junge Frau am Hochzeitstage, die Nmvermäblte, wie
noch jetzt das entsprechende engl. Wort di-icw. Im
ältern deutschen Rechte soll noch der Vrautkauf
üblich gewesen sein, welcher dahin erklärt wird, daß
der Vater oder Vormund ein Lösegeld für Entlassung
der V. aus der Vormundschaft oder Gewalt erhielt.
Indessen wird auch dasjenige, was an den Herrn
einer Leibeigenen zu zahlen war, wenn diese geheiratet
wurde, Vrautkauf oder Brautlösung genannt.
Die Eltern pflegen der B. vor der Hochzeit eine
Ausstattung (s. d.) zu geben. Dasjenige, was zur
Tragung der Lasten der Ehe von ihnen mitgegeben
wird, heißt in manchen Gegenden Braut gäbe oder
Brautschatz. Diesem Brautschatze entsprechend
giebt dann der Verlobte eine Wid erläge, welche
der V. zufallen soll, wenn sie Witwe wird; außer-
dem pflegte er am Tage nach der Hochzeit eine
Morgengabe als Geschenk zu geben. Den Töch-
tern regierender Häuser gab vielfach das Land einen
im Wege der Steuer aufzubringenden Betrag, wel-
cher Vrautsteuer (auch Prinzessinnensteuer)
genannt wurde. - Brautgeschenke heißen Ge-
schenke, welche Verlobte einander mit Rücksicht auf
das Verlöbnis machen (sponLHiitia. 1ai'FiiH8). Das
geltende Recht enthält Vorschriften, welche über
deren Rückgabe oder Nichtrückgabe für den Fall be-
stimmen, daß das Verlöbnis durch den Tod oder die
schuld emcs Teiles aufgelöst wird; vgl. z.V. Preuß.
Allg. Landr. II, 1, §§. 112,122,123,132; Sächs.
Vürgerl. Gesetzb. §§. 1583 - 1587; Ooäs civil
Art. 1088; Österr. Vürgerl. Gesetzb. tz. 1247.
Schon früh wurde es ziemlich allgemein Sitte,
daß der Bräutigam der B. zur Verlobung öffentlich
den V rautrina. als Sinnbild ehelicher Treue an-
steckte (vgl. Hofmann, Über den Verlobungs- und
den Trauring, Wien 1870), worauf Umarmung und
Brautkuh folgten. Bei der Hochzeit, wozu B. und
Bräutigam ihre beiderseitigen Verwandten und
Freunde durch Hochzcitbitter einluden, führte der
Brautführer oder Brautmann den Brautzug,
in dem sich auch die Brautjungfern, deren Zahl oft
20 überstieg, befanden. Die V. erschien dabei in
ältester Zeit in langem, losem Haar. dem Zeichen
der bewahrten Reinheit, später mit dem Braut-
kranz von Blumen oder Myrten oder der Braut-
krone (im 18. Iadrh. noch sehr üblich) und dem
Brautschleier. Die Farbe des Schleiers war die
weiße, später auch die rote; er deutete nach Ambro-
sius auf die eheliche Schambaftigkeit, und der heil.
Augustin will, daß die Schleier nicht so fein seien,
daß sie gleichsam nur als Netze auf dem Kopf er-
scheinen. Schon die Juden bekränzten den Bräuti-
gam, die Griechen und Römer beide Brautleute.
In der griech. Kirche bekränzt der Priester mit dem
gcwcidten Kranze beide und beftet ihn bei der zwei-
ten Ebe wenigstens auf die Schulter der Verlobten,
wäluend die russ. Kirche den Kranz nur bei der
ersten Vermählung gestattet. Beim Brautzüge wie
bcim Zusammengehen des Paares erschollen nach
alter Sitte die Vrautgesänge, wofür die Kirche, seit-
dem sie ihre Mitwirkung bei der Hochzeitsfeier ge-
sichert hatte, die Vrautmesse bei der kirchlichen
Trauung eiufübrte. Letztere geschah in mittelalter-
lichen Zeiten häusig unter einer Thür an der Nord-
seite der Kirche, die deshalb die Braut thür ge-
nannt und mit plastischen Kunstwerken, meist den
klugen und thörichten Jungfrauen (wie an der Sc-
bald- und Lormzerkirche in Nürnberg, Martini-
kirche in Braunschweig, Iakobikirche in Rothen-
burg a. d. Tauber), geziert wurde. Nach der Zusam-
mengebung wurde im Hause der B. ein Mittags-
mahl eingenommen und am Abend die V. durch die
Brautmutter, die Eltern oder Vormünder unter Be-
gleitung der Gäste in die Brautkammer geführt und