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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

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Breslau (Stadt)

Posen und Schlesien (10 Bergreviere, 3 Berginspektionen, 3 Hütten-, 1 Salzamt), einer Oberpostdirektion für den Reg.-Bez. B. mit 367 Verkehrsanstalten und 2769 km oberirdischen Telegraphenlinien (mit 8734,31 km Leitungen), einschließlich 3172,90 km Stadtfernsprechanlagen, einer königlich preuß. Eisenbahndirektion (3112,48 km Bahnlinien) mit den 9 Betriebsämtern B. I (387,29 km Bahnlinien), B. II (303,45 km), Glogau, Kattowitz, Lissa, Neisse, Oppeln, Posen und Ratibor, zweier Betriebsämter (270,62 und 324,80 km) der Eisenbahndirektion Berlin, eines Hauptzollamtes, einer Generallandschaftsdirektion, eines Medizinalkollegiums, einer königl. Strombaudirektion, einer königl. Kommandantur sowie des Generalkommandos des 6. Armeekorps, der Kommandos der 11. Division, der 21. und 22. Infanterie-, der 11. Kavallerie- und der 6. Feldartilleriebrigade.

Unterrichts- und Bildungswesen. Die Universität wurde 1702 auf Betrieb der Jesuiten von Kaiser Leopold I. unter dem Namen Leopoldina als kath.-theol. und philos. Fakultät gestiftet und durch Vereinigung mit der von Kurfürst Joachim I. von Brandenburg 1506 als Viadrina gestifteten Universität Frankfurt a. O. 1806 als volle Universität mit 4 Fakultäten neu gegründet, von denen sich die theologische in katholische und evangelische teilt. Im Winter 1891/92 hatte sie 65 ord. (16 theol. [9 kath., 7 evang.], 6 jurist., 9 mediz., 34 philos.), 35 außerord. Professoren (1, 2, 2, 17, 13) und 30 Privatdocenten (-, 1, 1, 12, 16), 1262 immatrikulierte Studierende und 65 Hörer. Zur Universität gehören: die Universitätsbibliothek (Professor Dr. Ständer) mit 300 000 Bänden, darunter 2500 Inkunabeln, 250 Aldinen, 3000 Handschriften und die an orient. Werken reiche Bibliotheca Habichtiana; der durch Göppert mustergültig eingerichtete Botanische Garten (Dr. Engler) mit botan. Museum und reichem Herbarium; die Institute für Anatomie, Physiologie, Pathologie, Pharmakologie, Pharmacie, Pflanzenphysiologie, Landwirtschaft, landwirtschaftliche Technologie, Tierchemie und Veterinärkunde; die mediz., chirurg., ophthalmiatrische und gynäkologische Klinik, die Kliniken für Ohren-, Geschlechts-, Haut- und Geisteskrankheiten, ein mineralog., ein geolog. Museum, ein physik., ein chem. Laboratorium, eine Sternwarte (auf dem Universitätsgebäude), Institute für Kunstgeschichte und Kirchenmusik. Ferner bestehen ein Konvikt für evang. Theologen, ein fürstbischöfl. Klerikalseminar, ein königlich kath. Schullehrerseminar, ein Seminar für israel. Prediger und Lehrer (Fränkelsches Stift), 6 Gymnasien, 3 städtische, nämlich zu St. Elisabeth (1293 gegründet, seit 1592 Gymnasium, Direktor Dr. Paech, 26 Lehrer, 15 Klassen, 444 Schüler) mit 3 Vorklassen (100 Schüler), zu St. Maria-Magdalena (1267 gegründet, seit 1643 Gymnasium, Direktor Dr. Möller, 35 Lehrer, 16 Klassen, 459 Schüler) mit 3 Vorklassen (114 Schüler), das paritätische Johannes-Gymnasium (Direktor Dr. Müller, 23 Lehrer, 15 Klassen, 447 Schüler) mit 3 Vorklassen (111 Schüler) sowie drei königliche, Friedrichsgymnasium (1764 gegründet, Direktor Treu, 23 Lehrer, 8 Klassen, 237 Schüler) mit 3 Vorklassen (25 Schüler), kath. St. Matthias- (1668 gestiftet, Direktor Dr. Oberdiek, 31 Lehrer, 16 Klassen, 571 Schüler), das paritätische König Wilhelm-Gymnasium (Direktor Dr. Eckardt, 18 Lehrer, 8 Klassen, 284 Schüler) mit 3 Vorklassen (125 Schüler), ferner das städtische simultane Realgymnasium am Zwinger (1836 eröffnet, Direktor Dr. Meffert, 29 Lehrer, 15 Klassen, 574 Schüler) mit 3 Vorklassen (116 Schüler), städtisches evang. Realgymnasium zum Heiligen Geist (1525 reformatorisch umgestaltet, Direktor Dr. Reimann, 29 Lehrer, 14 Klassen, 367 Schüler) mit 3 Vorklassen (70 Schüler), die königl. Oberrealschule mit technischer Fachschule und Baugewerkschule (Direktor Dr. Fiedler, 50 Lehrer, 25 Klassen, 627 Schüler), 2 städtische evang., 1 kath. höhere Bürgerschule, 2 höhere Mädchenschulen, 3 Mädchenmittelschulen, höhere Handelslehranstalt, private Lehrerinnenbildungsanstalten, Privat-Taubstummen-Unterrichts- und Erziehungsanstalt, Schlesische Blindenunterrichtsanstalt (simultan), 18 private höhere und 1 private Mädchenmittelschule, kath. Privatlehrerinnenseminar, 104 städtische und 5 private Elementarschulen und zahlreiche andere Privatlehranstalten. Für anderweite Ausbildung sorgen die aus der Rhedigerschen Bibliothek (gestiftet durch Thomas von Rhediger im 16. Jahrh.), den Kirchenbibliotheken zu St. Maria-Magdalena und St. Bernhardin und der alten Ratsbibliothek 1867 entstandene Stadtbibliothek (Professor Dr. Markgraf) mit 150 000 Bänden (nach dem Doublettenverkauf 1891) und 3000 Handschriften, das Stadtarchiv mit 5000 Bänden und 30 000 Urkunden, das städtische Münzkabinett mit 10 000 Nummern, darunter 3300 schles. Münzen, das reichhaltige Provinzialarchiv und 3 städtische Volksbibliotheken. Ferner bestehen das Thaliatheater (1672 Plätze), eine Filiale des Stadttheaters, das Residenztheater (1500 Plätze) und das Concordiatheater.

Vereinswesen und Kassen. Von den gelehrten Gesellschaften und zahlreichen Vereinen verdienen Erwähnung die 1803 gegründete Schlesische Gesellschaft für vaterländische Kultur mit bedeutenden Sammlungen und 2 Bibliotheken, die Vereine für schles. Altertümer, für schles. Geschichte, für Geschichte der bildenden Künste, der Künstler- und der Kunstverein, der physik., physiol., genealogische, Alpen- und die beiden Riesengebirgsvereine, die Breslauer Dichterschule und der Schillerverein, im ganzen für Kunst und Wissenschaft 29, Musik und Gesang 40, religiöse und wohlthätige Zwecke 60, Erziehung und Bildung 28, Politik und Volkswirtschaft 40, Handel und Gewerbe 27, kommunale Angelegenheiten 11, gesellige Zwecke 80. Es bestehen 5 Freimaurerlogen: 2 provinziale (Horus und Friedrich zum goldenen Scepter) und 3 Johannislogen (die vereinigte zu den 3 Totengerippen, zur Säule, zur Glocke).

Die Kreissparkasse hat (1890) 9,44 Mill. M. Kapital, 2,11 Mill. M. Einlagen und 377 400 M. Zinsbetrag ; die städtische Sparkasse(1890/91) 29 432 362 M., 91 462 Bücher, 94 119 Einlagen im Betrag von 6 891 846 M.; der Vorschußverein hat (1890) 2420 Mitglieder, 648 267 M. Guthaben, 58 558 M. Reingewinn (7 Proz. Dividende), der Konsumverein 31 727 Mitglieder, 8 273 812 M. Umsatz, 945 979 M. Reinertrag (10,7 Proz. Dividende), außerdem bestehen die Genossenschaftsdruckerei mit 113 Mitgliedern, 59 755 M. Guthaben, 4527 M. Reingewinn (6 Proz. Dividende), die Allgemeine preuß. Altersversorgungs-Anstalt u. a.

1889 erschienen 7 tägliche Zeitungen, darunter die freikonservative "Schlesische Zeitung" und die deutschfreisinnige "Breslauer Zeitung", 20 Wochen-, 11 Monatsschriften, 20 kleinere und Fachblätter.

Wohlthätigkeitsanstalten. Die königl. Universitätskliniken, die städtischen Krankenhäuser zu