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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

Schlagworte auf dieser Seite: Bret; Bretagne

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Bret - Bretagne

der Poljessje-Bahnen, ist Sitz eines griech. und eines armenischen Bischofs und hat 39901 E., darunter drei Viertel Israeliten, 3 Kirchen, Synagoge, Progymnasium, Kadettenkorps, Zollamt und 4 Tabakfabriken, welche für 120000 Rubel produzieren. Der ganze Handel befindet sich in den Händen der Israeliten. Von B. aus werden Getreide, Leinsaat, Flachs, Teer, Holz und Borsten nach Danzig verschifft. Sehr entwickelt ist der Viehhandel. Die Festung (1831 angelegt), im S., W. und teilweise im O. von Sümpfen umgeben und als Übergangspunkt über den Bug für diese Flußlinie von großer Bedeutung, besteht gegenwärtig aus den drei großen getrennten Forts: Kobrin, Wolyn und Terespol, sowie aus der Brückenbefestigung «Graf Berg». Die Garnison bildet der Stab der 2. Infanteriedivision und ihrer beiden Brigaden, 6, 7. und 8. Infanterieregiment, 3 Festungsinfanterie-Bataillone, 4 Bataillone Festungsartillerie, 3. Ausfall-Festungsbatterie. 1569 wurde B. nach der Vereinigung Litauens mit Polen die Residenz der Fürsten Radziwill; 1594 wurde hier eine Synode eröffnet, die die Union der kath. mit der griech. Kirche aussprach: 1706 wurde die Stadt von den Schweden zerstört, 1795 kam sie an Rußland und ist seit 1801 Kreisstadt.

Bret, s. Brett.

Bretagne (spr. -tánj), die nordwestlichste Halbinsel Frankreichs, grenzt im N., W. und SW. an das Meer (den Kanal und offenen Atlantischen Ocean), im SO. und O. an die Niederungen Anjous, Maines und der Normandie und erhebt sich jenseit einer durch die Küstenflüsse Vilaine, Ille und Rance bezeichneten Terraineinsenkung wie eine niedrige Berginsel. Sie bildete früher als Herzogtum eine der Provinzen Frankreichs, welche gegenwärtig in die fünf Depart. Ille-et-Vilaine, Finistère, Morbihan, Côtes-du-Nord und Loire-Inférieure zerfällt. Obgleich die größten Erhebungen im NW. nur zu etwa 310‒380 m aufsteigen, hat die B. das Aussehen eines rauhen Gebirgslandes; im Kern aus Thonschiefer und nördlich wie südlich aus Granitmassen bestehend, ragen nackte Kämme und Gipfel in allen Richtungen über magere Bergterrassen empor, das Innere ist durch tiefe Schluchten und Spalten zerrissen und an den Küsten zu steilen, felsigen Buchten und Klippen zersplittert, an denen sich die ungeheuern Meereswellen brechen oder zu hoher Flut auftürmen. Auf der der Nordküste näher liegenden Wasserscheide erheben sich die Montagnes du Mené (Belair 340 m), westlicher die Montagnes de Feubusquet, der Mont-Menebré und die Montagnes d’Arrée (bis 391 m hoch) mit ihren südl. Vorketten der granitischen, steil zerschnittenen Montagnes Noires. Die Gesamtheit der Gebirge nennt man im Lande Kein-Brais, d. h. das Rückgrat der B. Unter den zahlreichen Gewässern sind am bedeutendsten: Vilaine, Blavet und Aune, die zur Verbindung von Brest (s. d.) mit Nantes durch einen Kanal untereinander verbunden sind. Die Buchten von Brest und Douarnenez sind die tiefsten der gefahrvollen und im N. mit Dünen besetzten Küste. Die Natur der eigentlichen B. ist düster und wild: nebelige Luft, heftige Winde sind gewöhnlich; große Strecken Heide und unangebautes Land, nur mit Brombeersträuchern und Heidekraut bewachsen, sind weit verbreitet. Der Wein gedeiht nicht und auf den Höhen findet man mehr Hanf und Flachs als Getreide; dagegen prangen die geschützten und wohlbewässerten Thäler in einträglicher Getreide-, Obst-, Wiesen- und Forstkultur. Im südl. Teile erreicht die immergrüne Eiche des westl. Frankreich ihre Nordgrenze. An die rein kelt. Urbevölkerung erinnern noch gegenwärtig in den drei westlichsten Departements die vier Dialekte der alten Bretonischen Sprache und die große Zahl roher Denkmäler des Druidentums. Der Bretagner hat eine traurige Gemütsstimmung, eine lebhafte, poet. Einbildungskraft, eine unendliche Liebe für seine Heimat; er ist kühner Seefahrer und mutiger Krieger, stolz auf seine Abkunft, anhänglich an das Alte, freisinnig und schwer zu zügeln. Die Masse der Landleute lebt noch in rohen Sitten, in Armut und Unwissenheit; mehr als die Hälfte kann weder lesen noch schreiben, ist abergläubisch und trunksüchtig. Die Industrie ist auf das Notwendige beschränkt. Für den Handel und Verkehr mit den Kolonien wie auch für den Fisch- und Walfischfang ist die B. gut gelegen; in Nantes, Vannes, Quimper, Morlaix, St.Brieuc und St. Malo besitzt das Land lebhafte Handelshäfen, in Brest und Lorient wichtige Kriegshäfen. Rennes und Dinan sind die wichtigsten Binnenstädte. Die B. ist das Geburtsland von Abälard, Maupertuis, Châteaubriand, Duguay-Trouin u. s. w.

Geschichte. Die B. bildete zu Cäsars Zeit den westl. Teil von Armorica (s. d.). Später führte das Land den Namen Provincia Lugdunensis tertia, stand aber nur dem Namen nach unter der röm. Herrschaft. Etwa 420 gänzlich befreit, erscheint das Land an der Spitze des armorikanischen Bundes. Sehr bald traten indes an die Stelle der Bundesrepubliken kleine Monarchien, und 497 unterwarfen sich die Armoriker dem Frankenkönig Chlodwig. Die Franken nannten das kampflustige Volk Bretton, die lat. Schriftsteller schon seit dem 5. Jahrh. Britanni und Brittones, und das Land Britannia cismarina (später Britannia minor), im Gegensatze zu dem überseeischen Insellande Britannia und mit Rücksicht auf die uralte Stammverwandtschaft der kelt. Bevölkerung diesseit und jenseit des Kanals. Die Frankenherrschaft, auch unter den Karolingern, war weder streng durchgeführt noch von Dauer. Auch die Herzöge der Normandie vermochten ihre Oberherrlichkeit nicht zur Geltung zu bringen; doch durften sich die einheimischen Beherrscher nur Grafen von B. nennen. Mit Conan Ⅳ. starb 1170 der alte Grafenstamm aus, und es folgte der Gemahl seiner Erbtochter Konstanze, Gottfried (ein Sohn Heinrichs Ⅱ. von England). Der Sohn desselben, Arthur Ⅰ., wurde von seinem Oheim Johann von England 1203 ermordet. Konstanze hatte aus anderer Ehe eine Tochter Alice, die sich 1213 mit Peter Mauclerc, Grafen von Dreux (einem Urenkel des Capetingers Ludwig Ⅵ.), vermählte, welcher die Grafschaft erbte. Sein Enkel Johann Ⅱ. wurde 1298 vom König Philipp Ⅳ. zum Herzog von B. und Pair von Frankreich erhoben. Der Mannsstamm der Herzöge von B. erlosch 1488 mit Franz Ⅱ., der, verbunden mit dem Herzog von Orléans, im Kampfe gegen Karl Ⅷ. unterlag und kurze Zeit darauf starb. Seine Erbtochter Anna, die Verlobte des Erzherzogs Maximilian von Österreich, mußte notgedrungen 1491 sich dem König Karl Ⅷ., und nach dessen Tode 1499 seinem Nachfolger, Ludwig ⅩⅡ., vermählen. Ihre einzige Tochter Claude vermählte sich unter dem Drucke der auf die Union gerichteten nationalen Stimmungen 1514 mit dem