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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

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Breton de los Herreros - Bretschneider
Breton de los Herreros, Don Manuel, span.
Dichter, geb. 19. Dez. 1796 zu Quel in der Provinz
Logrono, erhielt seine Schulbildung in Madrid und
diente 1814-22 als Soldat, wurde dann in der
Verwaltung verwendet, 1823 aber bei der Restau-
ration, als liberaler Gesinnung verdächtig, entlassen.
Die Not zwang ihn, sich litterar. Thätigkeit zuzu-
wenden; er erzielte 14. Okt. 1824 mit dem Lust-
spiel "^ !a v^62 virueiHZ" einen entscheidenden Er-
folg und beherrschte von da an die Bühne. Seit
1837 Mitglied der königlich span. Akademie, starb
V. 13. Nov. 1873 zu Madrid. Der span. Bühne gab
er 150 Stücke, teils Originale, teils Überarbeitungen
älterer vaterländischer und Übersetzungen aus dem
Italienischen und Französischen. Das alte franz.
Lustspiel fand in ihm nicht sowohl einen Nachahmer
als einen letzten hervorragenden Vertreter. Hervor-
gehoben mögen werden: "Nlii'colHv, "^ ^Iliäriä ine
vuolvo", "Hie vo/ llö Naäiid", "'loclo 63 tarza, 6n
63t6 irmucio", "Nn6r6t6 ^ V6lä>3", "I^ua, 66 t^ntHZ"
u. s. w. Weniger glücklich sind einige Versuche im
höhern Drama, die zum Teil an die altspan.
Bühne anzuknüpfen suchen. Unter seinen "I'oezi^"
(Madr. 1831 und Par. 1840) stehen die scherz-
haften und satirischen voran. Er sammelte seine
poet. Werke (5 Bde., Madr. 1850-52) selbst; voll-
ständiger ist die Gesamtausgabe von Breton y
Orozco (5 Bde., ebd. 1883).
Bretonische Sprache und Litteratur. Das
Bretonnche (di-^oui^k) ist die Sprache der vielleicht
schon seit Ende des 4., jedenfalls seit dem 5. Jahrh,
nach dem festländischen Armorica (s. d.) übergesie-
delten Briten und bildet einen Teil des brit. Zweiges
des kelt. Eprachstammes (s. Keltische Sprachen). Am
nächsten ist es dem Cornischcn (s. Eorniscke Sprache)
verwandt. Seit der Einverleibung der Bretagne in
Frankreich (1499) ist es zwar durch das Französische
aus der obern Bretagne ganz verdrängt und auch sonst
sehr eingeschränkt worden, hält sich aber in der Basse-
Bretagne namentlich auf dem Lande, wenn auch mit
vielen franz. Worten durchsetzt, und wird noch von
mehr als einer Million gesprochen: nach Schätzung
von 1878 gab es nur bretonisch Redende etwa
768000, bretonisch und französisch Redende etwa
524000. Man unterscheidet die vier Hauptdialekte
vonLe'on, Tre'guier, (5ornouaillcs (Quimpcr) und
Vannes. Die ältesten Eprachquellen sind bretoni-
sche Glossen in lat. Handschriften seit dem 3. Iabrh.
Unter den zusammenhängenden Schriftstücken sind
die frühesten und zahlreichsten geistliche Schauspiele
(Mysterien) - das älteste "Vi<3 <I6 3t6. X0UU6" wobl
aus dem 14. Jahrh. -, die seit dem 16. Jahrh, sich
auch durch den Druck verbreiteten und noch beute
bisweilen zur Aufführung gelangen. Auch geistliche
Gedichte und ErbauunaFschriften sind auf bretonisch
verfaßt worden; eine Übersetzung der Bibel hat Le
Gonidcc geliefert (1827), der auch sonst vielfach für
Ausbildung des Vrctonischcn als Schriftsprache
thätig war. Den wertvollsten Bestandteil der bre-
tonischen Litteratur bilden Volkslieder, Märchen und
Legenden. Die Liedcrsammlung, die Hersart de la
Villemarquö u. d. T. "V3.i'2H2-Lr6i2" (2 Bde., Par.
1839; 7. Aufl. 1867) herausgab (deutsch von Kart-
mann und Pfau u. d. T. "Vrctonische Volkslieder",
Köln 1859), erwies sich später als neu- oder um-
gcdichtet. Zuverlässige Sammlungen namentlich
von Luzel, "3t6. ^i^piiino 6t 16 roi ^i-tliur" (Quim-
yerie' 1863), "(^6r2wu Li^is-I^si, ^Ii^inz popu-
lI.ii-63 äs^H^^e-Vi-eta^ue" i2 Bde., Par. 1868-
74), "Fontes brstouZ" (Quimperle' 1870), "Vsilleeg
dr6t0iiii68" (Par. 1879), "30ui0iiVr6i2-l26l. Okku-
80Q3 P0pulair68 ä6 1a L3.886-Lr6taFU6" (2 Bde., ebd.
1890), Ouellien, "^diiu30ii8 6t äg.Q868 ä63 Lr6t0ll3"
(ebd. 1889). Aufzählung sämtlicher volkstümlicher
Litteraturdenkmäler durch Gaidoz und Sibillot in
der "I<6vu6 c6iti<^i6", Bd. 5. Die Sprache ist öf-
ters bearbeitet: Grammatiken von Grögoire de
Rostrencn (Rennes 1738), Le Gonidcc (Par. 1807,
1838, 1847), Guillöme (Vannes 1836), Hingant
(Tre'guier 1868); für die ältere Sprache: Zeuß,
(^i-luninlUicH c6iticH (2. Aufl., von Ebel, Verl.
1868-71); Wörterbücher von Lagadcuc ("(^a-
tiiolicou", Trsguier 1499; neu hg. von Le Men,
Par. 1868), Gre'goire de Nostrenen (französisch-bre-
tonisch, Rcnnes 1732), L'Armerye (französisch-bre-
tonisch, anonym, Leid. 1744), Le Pelletier (Par.
1752), Le Gonidec (Angoul. 1821; neu hg. von
Hersart de la Villemarquö, französisch-bretonisch,
nebst Grammatik, St. Vrieuc 1847; bretonisch-
sranzösisck 1850), Tronde (französisch-bretonisch,
Brest 1869; bretonisch-französisch, ebd. 1876); für
die ältere Sprache: Ernault, 1^6 mM6r<3 cl6 8t6.
Zlli'I)6 6t (1icti0uuHir6 6t^ni0i0^iciu6 äu di-6t0U
m0^6^(Par. 1888). Vgl. noch d'Ärbois de Inbain-
ville, I^tuä63 Fi'amm^ticI.168 8ur 168 1HUFU63 e6l>
ticiu63, Tl. 1 (Par. 1881); Loth, ^Qr68t0matlii6 bi'6-
t0uii6 (^.rinoric^in, O9.II018) (^0rniliu6). I: Li-6>
tou-^rinoi'icliin (ebd. 1890).
Bretfchneider,Heinr.Gottfr.von,satir.Schrift-
stellcr, geb. 6. März 1739 zu Gera, wurde 1756
Kornett bei den sächs. Dragonern, 1761 preuß. Ritt-
meister, bereiste 1772-73 Frankreich, Holland und
England (B.s "Reise nach London und Paris, nebst
Auszügen aus V.s Briefen", hg. von Göckingk,
Verl. 1817; sittcngcschichtlich lehrreich), wurde 1776
österr. Vicelandeshauptmann zu Versecz im Vanat,
1778 Bibliothekar an der Universität zu Ofen, wo er
von den Jesuiten verfolgt wurde. Da ihn sein Um-
gang mit Nicolai in Wien verhaftt machte, ging
er an die neue Universität zu Lemberg. Kränkelnd
und von Iesuitenränken verfolgt, trat V. 1809 in
den Ruhestand und starb 1. Nov. 1810 bei Pilsen.
Von B.s meist anonymen Schriften sind hervorzu-
heben: das prächtige Vänkelsängerlied "Eine ent-
setzliche Mordgeschichte von dem jungen Werther"
(1774), der von Kaiser Joseph veranlaßte witzige
"Almanach der Heiligen auf 1788" und "Georg
Wallers Leben und Sitten" (Köln ft. i. Verl.^ 1793),
worin er das Treiben der Wiener Welt, die Intri-
guen der Reichshofräte und ibrcr Agenten u. s. w.
lebendig schilderte. - Vgl. Denkwürdigkeiten aus
dem Leben des k. k. Zofrathes H. G. v. B., hg. von
Lingcr (Wien 1892).
Bretfchneider, Karl Gottlieb, prot. Theolog,
Vertreter des "rationalen Snpranaturalismus",
geb. 11. Febr. 1776 zu Gersdorf im sächs. Erzgebirge,
studierte seit 1794 zu Leipzig, habilitierte sich 1804
an der Universität Wittenberg, wurde 1807 Obcr-
pfarrcr in Schnceberg, 1808 Superintendent in
Annaberg, 1816 Gcneralsuperintendent zu Gotha,
wo er 22. Jan. 1848 starb. Seine schriftstellerische
Thätigkeit erstreckt sich auf die verschiedensten Ge-
biete der Theologie. Sein "Handbuch der Dogmatik
der evang.-'luth. Kirche" (2 Bde., Lpz. 1814-18;
4. Aufl. 1838) sowie die "Systematische Entwick-
lung aller in der Dogmatik vorkommenden Begriffe"
(ebd. 1805; 4. Aufl. 1841) zeigen reiche Kenntnis
des histor. Materials, aber ermangeln der religiösen