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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

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Bridport - Brief
Bridport, Stadt und Municipalborough in
der engl. Grafschaft Dorset, unweit des Kanals
an der Vereinigung der einen geräumigen Hafen
bildenden Brit und Asker, hat (1891) 6611 E.,
Fabrikation von Netzen und Tauwerk sowie auch
von Segeltuch und Drahtzieherei.
Bridsch, s. Bharatpur.
Brie, franz. Landschaft, vom Zusammenfluß der
Seme und Marne oberhalb Paris ostwärts bis
Se'zanne, jetzt zum Depart. Seine-et-Marne, klei-
nernteils zu den Depart. Marne, Aube und Aisne
gehörig, ist (namentlich die obere B.) eine der getreide-
reichsten Gegenden Frankreichs, zugleich berühmt
durch ihre Rahmkäse (I?i'0inHF6 äs N.), aber ver-
rufen wegen ibrer schlechten Weine. Sie zerfiel ehe-
mals in die V. Champenoise mit den Haupt-
städten Meaur, Provins und Chateau-Thierry im
O., die zur Champagne, und die B. Francaise
oder Parisienne im W., die zur Isle-de-France
geborte. Das Land bildete lange Zeit eine eigene
Grafschaft, welche nach dem Ausstcrbenibrer Herren
1328 mit der Krone Frankreich vereinigt wurde.
Der Hauptort Vri e-Comte-Robert (spr. bri
kongt robä'hr) oder Vrie-sur-Ieres (spr.hürlähr)
im Arrondissement Melun des Depart. Seine-et-
Marne, ist Hauptort eines Kantons (191,96 ykin,
16 Gemeinden, 11159 E.), an der Linie Paris-
Vincennes-V.-Comte-Robert der Franz. Ostbahn,
bat (1891) 2480, als Gemeinde 2772 E., Handel
in Getreide und Käse, und eine got.Kirche mit Glas-
malereien und Grabmälern aus dem 13. Jahrh.
Brief (vom lat. di-6vi8, "kurz"), jede an eine be-
stimmte Person gerichtete schriftliche Mitteilung,
die offen oder unter Verschluß statt mündlicher
Votschaft gesandt wird. Im Altertum (zunächst
bei Griechen und Römern) pflegte man vorzugs-
weise Wachstäfelchen, tadeiiÄL, zu gebrau-
chen, woher auch der Vriefbote, tadeii^i-ius, seinen
Namen erhielt. Sie waren je auf einer Seite be-
schrieben und so zusammengefaltet, daß die nicht
beschriebenen Seiten (gewöhnlich waren es nur
zwei) nach außen zu stehen kamen, und batten einen
erhöhten Rand, sodaß das Geschriebene oder Ein-
geritzte hohl lag und nicht verwischen konnte. Das
Siegel wurde auf die Stelle gedrückt, wo die mit
einem Bindfaden kreuzweise gebundenen Täfelchen
verknotet waren. Bein: Offnen der Briefe wurde
das Siegel genau geprüft. Auf der Außenseite des
"Briefes" stand die Adresse, übrigens schrieb man
schon zu Ciceros Zeiten außerdem auch auf Pa-
pier (Papyrus), das schon seit Alexander dem
Großen in Europa bekannt und bald einheimisch
war. In diesem Fall wurden die zusammengefal-
teten Blätter mit einem Faden durchnäht und die
Enden desselben geknüpft und gesiegelt. An Ent-
sernte schrieb man dann gewöhnlich auf Papier,
an Einheimische auf Täfelchen; ob auch auf Per-
gament (das 185 v. Chr. erfunden wurde) ist
ungewiß. Die Sklaven, welche als Sekretäre die
Korrespondenz der Herren besorgten, hießen bei
den Römern ad epigtuliä, 3. manu oder HinHQU6ii-
868. Auch das Schreiben in Chiffren war den
Römern bereits bekannt. So setzte Julius Cäsar
in seinen Geheimschreiben immer den vierten Buch-
staben von dem, den er eigentlich hätte setzen sollen,
Augustus immer den folgenden. Das Briefgeheim-
nis war den Alten heilig, aber auch Beispiele des
Mihbrauchs kommen vor. Was die äußern For-
men betrifft, so begann und schloß der Grieche seine
B. mit einem Glückwunsch ("sei gesund"), der Römer
ähnlich, z. V.: "(^U8 lito 8uo salutein äa.t (äi-
oit)", oder nur "lü^u8 lito ^Intern", wörtlich:
"Cajus (sagt seinem) Titus Heil"; beide Formeln
stets abgekürzt; hier also 0. ^. 8. v. oder 0.1?. 8.,
und zum Schluß "Vai6" oder "^ni-a, ut V3.I6H3",
oder "tac vai6H8" ("lebe wobl").
Im Mittel alter war bis zum 13. Jahrh, aus-
schließlich Pergament in Gebrauch, das aber im
14. Jahrh, fast ganz vom Papier verdrängt wurde.
Der Begriff, welcher mit dem Wort B. verbunden
wurde, war bis ins 16. Jahrh, völlig der von
Urkunde (s. d.), woran noch die Ausdrücke Adels-,
Fracht-, Kauf-, Lehr-, Schuldbrief, Bricfadcl und
vcrbriefen erinnern; jetzt bedeutet es die persön-
liche Mitteilung im Gegensatz zu dem offiziellen
schreiben. Wie die Bezeichnung "Courier", so
beruht auch der Ausdruck "Brief" für Zeitung
auf dem Umstand, daß die ersten Zeitungen (s. d.)
aus B. entstanden. Geschworner B. war in der
Schweiz die Bezeichnung der alten Stadt- und
Landschaftsverfassungen, während V. m der jetzigen
Bedeutung im Mittelaltcr mit Missive, später
Sendschreiben, bezeichnet wurde. Dem Mittel-
alter dienten zu Vorlagen für B. die V. Ciceros
und Alkuins, für amtliche Schreiben Formelbücher,
deren sich viele erhalten haben (s. Briefsteller).
Diakon Alberich von Monte-Cassino (in verarg
dicwiiäi) unterschied 5 Hauptbestandteile des B.:
1) 3k1utati0 (Begrüßung), 2) captatio I)6U6voi6uti3,6
(s. d.), 3) uHi'i-ktio (sachlicher Inhalt), 4) petitio
(Bitte um Erhaltung des Wohlwollens), 5) cou-
cw8io (Schluß). Diese 5 Teile erhöhten sich in der
Zopfzeit des 17. Jahrh, bis zu 12 Teilen. Die jetzige
Postkarte (s. d.) hat wesentlich dazu beigetragen,
alle diese Redewendungen einzuschränken und Kürze
des Ausdrucks in den Briefstil einzuführen.
Die Mohammedaner beginnen ihreB. in der
Regel mit einer Anrufung Gottes und schließen
dieselben mit dem Salam. Der Unterschrift wird
gewöhnlich das Siegel des Schreibers in einer
unserer Buchdruckerschwärze ähnlichen dicken Tinte
beigedrückt. In V., die sich über den alltäglichen
Geschäftsstil erheben, wird gern eine gehobene, in
gereimter Prosa sich bewegende Ausdrucksweise an-
gewendet. Dementsprechend hat sich eine reiche
Briefstellerlitteratur (arabisch: Inscha) entwickelt.
Der Verschluß des B. wurde seit den ältesten
Zeiten durch Vienenwachs oder eine Art Sicgelerde
hergestellt, in der Siegelringe abgedruckt wurden
(Siegelringe der Pharaonen, Sphinx des Augu-
stus). Im 15. Jahrh, wurde Siegellack aus China
eingeführt; das erste Siegel von Lack findet sich
an einem Schreiben aus London (3. Aug. 1554) an
den Rheingrafen PH. Fr. von Dann. 1624 kamen
in Speyer die Oblaten auf (s. Sicgelkunde). Die
Briefumschläge (Couverts) wurden 1820 (von
Vrewer) in England erfunden.
Der Vriefver kehr hat rnit der Entwicklung
des Postwesens zu einer Wcltanstalt einen gewal-
tigen Umfang angenommen; es entfielen (1890)
auf einen Einwohner im Durchschnitt aufgegebene B.
und Postkarten: in Deutschland 25,8, Belgien 21,3,
Bulgarien 1,,, Dänemark 20,3, Frankreich 18,5,
Griechenland 2,9, Großbritannien und Irland 41,2,
Italien 7,4, Luxemburg 14,8, Niederlande 20,4,
Schweden und Norwegen 11,i, Osterreich 17,9, Un-
garn 7,0, Portugal 5,8, Rumänien 2,9, Rußland 1,8,
Schweiz 32,4, Serbien 2,6, Spanien 6,i, Türkei 0,4.