Schnellsuche:

Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

Diese Seite ist noch nicht korrigiert worden und enthält Fehler.

530
Briefmaler - Briefsteller
Platten beim Pressen federn, sodaß der Druck auf
der ganzen Fläche des Kopierbuchs gleichmäßig zur
Wirkung kommt. Diese Pressen werden auch mit
Schloß angefertigt, um das unbefugte Herausneh-
men des Kopierbuchs zu verhindern.
Briefmaler oder Illu ministen, eine im
Mittelalter aufkommende, bis in das 17. Jahrh,
bestehende zunftmäßige Klasse von Malern, welche
kurze populäre Schriften, meist Einzelblätter (Brief,
von di-6V6. "kurze Mitteilung"), religiösen oder
weltlichen Inhalts herstellten, mit rohen Malereien
verzierten und auf Märkten, kirchlichen Festen u. dgl.
verkauften. Gebete, Heiligenbilder, illustrierte Le-
genden, Kalender, Aderlaßbüchlein und andere me-
diz. Ratgeber, Weissagungen, kurze Nachrichten über
auffallende Begebenheiten (mit Bildern), Spielkar-
ten (daher auch "Kartenmaler"), später Wappen-
und Stammbücher waren hauptsächlich Gegenstand
ihrer Thätigkeit. Zunächst war es Handarbeit, doch
veranlaßte sie die zunehmende Nachfrage noch vor
Erfindung der Buchdruckerkunst zur Förderung
schnellerer Produktion ihre Bilder und kurzen Texte
auf Holz-, Metall-, auch Steinplatten zu schneiden.
Neben den V. gab es außerdem die Kalligraphen
(Schreiber) und Miniatoren (s. Miniaturen), welche
längere Tcrte für den kirchlichen oder weltlichen Ge-
brauch abschrieben und kunstgerecht verzierten.
Briefmarken, s. Postwertzeichen.
Briefmarkenalbum, s. Postwcrtzeichenalbum.
Briefmarkenkunde, s. Postwertzeichenkunde.
Briefporto. ^. In Deutschland (Reichs-
yostgebiet, Bayern und Württemberg) und Oster-
reich-Ungarn, einschließlich Bosnien und Herze-
gowina, beträgt das Porto für den frankierten ge-
wöhnlichen Brief auf alle Entfernungen bis zum
Gewicht von 15 5 einschließlich 10 Pf., bei größcrm
Gewicht bis zu 250 3 20 Pf. Bei unfrankierten und
bei unzureichend frankierten Briefen tritt ein Zu-
schlagsporto von 10 Pf. neben dem Ergänzungs-
porto hinzu. Portopflichtige Dienstbrieje der Be-
hörden werden nicht mit Zuschlagsporto belegt,
über das Porto für die zu den Briefpostsendungen ge-
hörigen Postkarten, Drucksachensendungen,
Warenproben s. diese Artikel, über das B. der
Briefe mit Wertangabe s. Geldbries und Postgeld-
sendungen. Bei Einschreibbricfsendungen gegen
Rückschein (s. 0.), für welche die Beschaffung einer
vom Empfänger auszustellenden Empfangsbescheini-
gung verlangt ist, müssen außer dem Porto und der
Einschreibegebühr von 20 Pf. weitere 20 Pf. vom
Absender im voraus entrichtet werden. - L. Im
Weltpostverein beträgt das Porto nach den zu-
gehörigen sowie nach den noch später beitretenden
Ländern (Vereins-Ausland) bei Briefen fran-
kiert 20 Pf., unfrankiert 40 Pf. für je 15 F, bei
Postkarten einfach 10 Pf., mit Antwortkarte
20Pf. Für Druckfach ensendu ng en, Sendungen
von Geschäftspapieren und Warenproben,
s. diese Artikel. Die Taren für Bnese im Grenzverkehr
Deutschlands mit Belgien, Dänemark, den Nieder-
landen und der Schweiz (bis zu 30 km Entfernung)
betragen 10 Pf. für frankierte, 20 Pj. für unfrankierte
Briefe und für je 15 s- Der Weltpostvereinstaxe
unterliegen auch die Briefe und Postkarten nach den
in den deutschen Schutzgebieten befindlichen Orten
mit einer deutschen Postanstalt sowie nach den Ver-
einspostaustalten in China, Arabien, Madagaskar,
Marokko, Korea. Im Weltpostverein wird für Ein-
schreibsendungen allgemein eine Gebühr von 20 Pf.
und für Rückscheine ebenfalls 20 Pf. vom Absender
erhoben. Zum Vereins-Ausland (also noch nicht
dem Weltpostverein beigetreten) gehören gegenwär-
tig (1893): 2.. die Länder mit eigenem geordneten
Postwesen: Ascension, Betschuanenland, Kapland,
Oranje-Freistaat, Sankt Helena, der Cook-Archipel,
die Tonga-Inseln, die Insel Norfolk; d. die Län-
der ohne eigenes geordnetes Postwesen: Abessinien,
Afahanistan (Kabul), Arabien, Belutschistan, China,
Kaschmir, Korea, Ladach (Tibet), Madagaskar, Ma-
rokko, Samoa-Inseln (mit Ausnahme von Apia),
Serawak (nördl. Teil von Vorneo). Briefe nach
diesen Ländern sind vom Absender stets voll zu
frankieren, insoweit nicht am Bestimmungsorte eine
Postanstalt eines Vereinslandes sich befindet; die
Frankierung gilt im allgemeinen nur bis zur Vereins-
Nusgangsgrenze oder'bis zur letzten Vereins-Post-
anstalt. über das Porto für Briefe im Orts- und
Landbestellbezirk (Stadtbriefe) s. Postortssendungen.
(S. auch Postporto.)
Briefroman, s. Brief.
Briefsteller, jetzt der gewöhnliche T'ttel für
ein Buch, das Anweisung zum Vriefschreiben giebt.
Solche Anweisungen gingen hervor aus den um-
fänglichen anfangs lat., später deutschen Formu-
larien und Rhetoriken, die vorwiegend juristisch-
geschäftliche Zwecke verfolgten und einen B. nur
anhangsweise gaben; demgemäß wird mehr Wert
gelegt auf das Formelle des Briefs, Titulaturen,
Anreden, Orthographie, Belehrung durch Bei-
spiele für alle möglichen Arten des Briefs als
auf die Theorie des Briefstils (der Epistologra-
phik), die, wo sie berücksichtigt wird, sich an den
Italiener Alberich von Monte Cassino anlehnt. Als
ältesten gedruckten Versuch eines selbständigen deut-
schen V. gilt der des gelehrten Buchdruckers Anton
Sorg (Augsb.1484). Dem 16. Jahrh, gehörenu. a. an
H. Fabris "Gülden Epistelbüchlein, dergleichen nit
gesehen worden" (Köln 1565) und das "Neu voll-
kommen Canzlei- und Titelbuch rhetorischer jetziger
canzlciischer Zierlichkeit" (Franks. 1590), dem
17. Jahrh. Franz' "Neuaufgerichtete Liebes-Cammer,
darin allerhand höfliche verliebte Sendschreiben an
das löbliche und anmuthige Frauenzimmer, auch
andere Personen abgefaßt und beantwortet sind"
(1679), Schröters "Sonderbares Biiesichränklein"
(Lpz. 1690) und Talanders (Bohses) "Gründliche
Anleitung zu teutschen Briefen" (Jena 1700). Von
großer Wirkung waren dann Venj. Neukirchs "An-
weisung zu Briefen" (Lpz. 1^7) und Junkers "Wohl-
informierter B." (ebd. 1746), die sich trotz ihrer ge-
schmacklos steifen und zopfigen Vriefmuster in der
Gunst des brieffchreibenden Publikums noch lange
neben dem Befreier des deutschen Briefstils, Geliert
("Gedanken von einem guten deutschen Briefe", 1742;
"Briefe nebst einer praktischen Abhandlung von dem
guten Geschmacke in Briefen", 1751), hielten. Seit-
dem gewannen das meiste Ansehen Heynatz' "Hand-
buch zur richtigen Verfertigung und Beurteilung
aller Arten von schriftlichen Aufsätzen des gemeinen
Lebens überhaupt und insbesondere der Briefe"
(5 Bde., Verl. 1786-1800), Moritz' "Anweisung
zum Vriefschreiben" (ebd. 1795) sowie dessen "Allge-
meiner deutscher V." (10. Aufl., ebd. 1832), Kiese-
wetters "Neuer praktischer Nniversalbriefstcller für
das geschäftliche und das gesellige Leben" (31. Aufl.,
Glogau 1889), Rammlers "Universalbriefsteller"
(61. Aufl., hg. von Traut, Lpz. 1891), Campes
"Briefsteller" (32. Aufl., Quedlinb. 1891), Zeinsius'