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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

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Briefmaler - Briefsteller

Platten beim Pressen federn, sodaß der Druck auf der ganzen Fläche des Kopierbuchs gleichmäßig zur Wirkung kommt. Diese Pressen werden auch mit Schloß angefertigt, um das unbefugte Herausnehmen des Kopierbuchs zu verhindern.

Briefmaler oder Illuministen, eine im Mittelalter aufkommende, bis in das 17. Jahrh. bestehende zunftmäßige Klasse von Malern, welche kurze populäre Schriften, meist Einzelblätter (Brief, von breve, "kurze Mitteilung"), religiösen oder weltlichen Inhalts herstellten, mit rohen Malereien verzierten und auf Märkten, kirchlichen Festen u. dgl. verkauften. Gebete, Heiligenbilder, illustrierte Legenden, Kalender, Aderlaßbüchlein und andere mediz. Ratgeber, Weissagungen, kurze Nachrichten über auffallende Begebenheiten (mit Bildern), Spielkarten (daher auch "Kartenmaler"), später Wappen- und Stammbücher waren hauptsächlich Gegenstand ihrer Thätigkeit. Zunächst war es Handarbeit, doch veranlaßte sie die zunehmende Nachfrage noch vor Erfindung der Buchdruckerkunst zur Förderung schnellerer Produktion ihre Bilder und kurzen Texte auf Holz-, Metall-, auch Steinplatten zu schneiden. Neben den B. gab es außerdem die Kalligraphen (Schreiber) und Miniatoren (s. Miniaturen), welche längere Texte für den kirchlichen oder weltlichen Gebrauch abschrieben und kunstgerecht verzierten.

Briefmarken, s. Postwertzeichen.

Briefmarkenalbum, s. Postwertzeichenalbum.

Briefmarkenkunde, s. Postwertzeichenkunde.

Briefporto. A. In Deutschland (Reichspostgebiet, Bayern und Württemberg) und Österreich-Ungarn, einschließlich Bosnien und Herzegowina, beträgt das Porto für den frankierten gewöhnlichen Brief auf alle Entfernungen bis zum Gewicht von 15 g einschließlich 10 Pf., bei größerm Gewicht bis zu 250 g 20 Pf. Bei unfrankierten und bei unzureichend frankierten Briefen tritt ein Zuschlagsporto von 10 Pf. neben dem Ergänzungsporto hinzu. Portopflichtige Dienstbriefe der Behörden werden nicht mit Zuschlagsporto belegt. Über das Porto für die zu den Briefpostsendungen gehörigen Postkarten, Drucksachensendungen, Warenproben s. diese Artikel, über das B. der Briefe mit Wertangabe s. Geldbrief und Postgeldsendungen. Bei Einschreibbriefsendungen gegen Rückschein (s. d.), für welche die Beschaffung einer vom Empfänger auszustellenden Empfangsbescheinigung verlangt ist, müssen außer dem Porto und der Einschreibegebühr von 20 Pf. weitere 20 Pf. vom Absender im voraus entrichtet werden. - B. Im Weltpostverein beträgt das Porto nach den zugehörigen sowie nach den noch später beitretenden Ländern (Vereins-Ausland) bei Briefen frankiert 20 Pf., unfrankiert 40 Pf. für je 15 g, bei Postkarten einfach 10 Pf., mit Antwortkarte 20Pf. Für Drucksachensendungen, Sendungen von Geschäftspapieren und Warenproben, s. diese Artikel. Die Taxen für Briefe im Grenzverkehr Deutschlands mit Belgien, Dänemark, den Niederlanden und der Schweiz (bis zu 30 km Entfernung) betragen 10 Pf. für frankierte, 20 Pj. für unfrankierte Briefe und für je 15 g. Der Weltpostvereinstaxe unterliegen auch die Briefe und Postkarten nach den in den deutschen Schutzgebieten befindlichen Orten mit einer deutschen Postanstalt sowie nach den Vereinspostanstalten in China, Arabien, Madagaskar, Marokko, Korea. Im Weltpostverein wird für Einschreibsendungen allgemein eine Gebühr von 20 Pf. und für Rückscheine ebenfalls 20 Pf. vom Absender erhoben. Zum Vereins-Ausland (also noch nicht dem Weltpostverein beigetreten) gehören gegenwärtig (1893): a. die Länder mit eigenem geordneten Postwesen: Ascension, Betschuanenland, Kapland, Oranje-Freistaat, Sankt Helena, der Cook-Archipel, die Tonga-Inseln, die Insel Norfolk; b. die Länder ohne eigenes geordnetes Postwesen: Abessinien, Afghanistan (Kabul), Arabien, Belutschistan, China, Kaschmir, Korea, Ladach (Tibet), Madagaskar, Marokko, Samoa-Inseln (mit Ausnahme von Apia), Serawak (nördl. Teil von Borneo). Briefe nach diesen Ländern sind vom Absender stets voll zu frankieren, insoweit nicht am Bestimmungsorte eine Postanstalt eines Vereinslandes sich befindet; die Frankierung gilt im allgemeinen nur bis zur Vereins-Ausgangsgrenze oder bis zur letzten Vereins-Postanstalt. Über das Porto für Briefe im Orts- und Landbestellbezirk (Stadtbriefe) s. Postortssendungen. (S. auch Postporto.)

Briefroman, s. Brief.

Briefsteller, jetzt der gewöhnliche Titel für ein Buch, das Anweisung zum Briefschreiben giebt. Solche Anweisungen gingen hervor aus den umfänglichen anfangs lat., später deutschen Formularien und Rhetoriken, die vorwiegend juristisch-geschäftliche Zwecke verfolgten und einen B. nur anhangsweise gaben; demgemäß wird mehr Wert gelegt auf das Formelle des Briefs, Titulaturen, Anreden, Orthographie, Belehrung durch Beispiele für alle möglichen Arten des Briefs als auf die Theorie des Briefstils (der Epistolographik), die, wo sie berücksichtigt wird, sich an den Italiener Alberich von Monte Cassino anlehnt. Als ältesten gedruckten Versuch eines selbständigen deutschen B. gilt der des gelehrten Buchdruckers Anton Sorg (Augsb. 1484). Dem 16. Jahrh. gehören u. a. an H. Fabris "Gülden Epistelbüchlein, dergleichen nit gesehen worden" (Köln 1565) und das "Neu vollkommen Canzlei- und Titelbuch rhetorischer jetziger canzleiischer Zierlichkeit" (Frankf. 1590), dem 17. Jahrh. Franz' "Neuaufgerichtete Liebes-Cammer, darin allerhand höfliche verliebte Sendschreiben an das löbliche und anmuthige Frauenzimmer, auch andere Personen abgefaßt und beantwortet sind" (1679), Schröters "Sonderbares Briefschränklein" (Lpz. 1690) und Talanders (Bohses) "Gründliche Anleitung zu teutschen Briefen" (Jena 1700). Von großer Wirkung waren dann Benj. Neukirchs "Anweisung zu Briefen" (Lpz. 1727) und Junkers "Wohlinformierter B." (ebd. 1746), die sich trotz ihrer geschmacklos steifen und zopfigen Briefmuster in der Gunst des briefschreibenden Publikums noch lange neben dem Befreier des deutschen Briefstils, Gellert ("Gedanken von einem guten deutschen Briefe", 1742; "Briefe nebst einer praktischen Abhandlung von dem guten Geschmacke in Briefen", 1751), hielten. Seitdem gewannen das meiste Ansehen Heynatz' "Handbuch zur richtigen Verfertigung und Beurteilung aller Arten von schriftlichen Aufsätzen des gemeinen Lebens überhaupt und insbesondere der Briefe" (5 Bde., Berl. 1786-1800), Moritz' "Anweisung zum Briefschreiben" (ebd. 1795) sowie dessen "Allgemeiner deutscher B." (10. Aufl., ebd. 1832), Kiesewetters "Neuer praktischer Universalbriefsteller für das geschäftliche und das gesellige Leben" (31. Aufl., Glogau 1889), Rammlers "Universalbriefsteller" (61. Aufl., hg. von Traut, Lpz. 1891), Campes "Briefsteller" (32. Aufl., Quedlinb. 1891), Heinsius'