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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

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Briefkarte - Briefkopierpresse
gäbe der Sendungen verlangen. Das Gericht kann
diese Anordnung aufheben oder beschränken." Unter
Umständen sind Postbeamte befugt, beschädigte Sen-
dungen zu eröffnen, um den Inhalt festzustellen; sie
müssen sich aber dabei jeder über den Zweck der Er-
öffnung hinausgehenden Einsicht enthalten; unter
derselben Bedingung können unbestellbare Sen-
dungen behufs Ermittelung des Absenders durch
Beamte der Oberpostdirektionen eröffnet werden.
Postbeamte, welche die der Post anvertrauten
Briefe oder Pakete unbefugt eröffnen oder unter-
drücken, werden nach §. 354 des Reichs-Strafgesetz-
buchs mit Gefängnis nicht unter 3 Monaten be-
straft, unter Umständen auch mit der Entziehung
der Fähigkeit zur Bekleidung öffentlicher Amter bis
zu 5 Jahren. Im übrigen ist das Postgeheimnis
disciplinarisch gesichert.
Die Klagen über Verletzung des B. sind so alt
wie das Vriefschreiben. Schon Lucian berichtet
darüber zahlreiche Details. Auch aus dem Mittel-
alter hat die Geschichte unzählige Beispiele von
Brieferbrechungen überliefert. Luther, dessen an
Leipziger Bürger gerichtete Briefe häusig erbrochen
wurden, protestierte 1528 in seiner "Schrift von
heimlichen und gestohlenen Briefen, sampt einem
Psalm, ausgeleget Widder Hertzog Georgen zu
Sachsen" öffentlich gegen einen folchen Recbts-
bruch. Selbst die Briefe an und von Fürsten
entgingen diefem Schickfal nicht. Landgraf Phi-
lipp von Hessen (1593) ließ einen Brief an den
Herzog von Vraunfchweig erbrechen, und Gustav
Adolf klagte in seiner Kriegserklärung von 1630
den Kaiser der Erbrechung eines Briefes an den
Fürsten von Siebenbürgen an. Systematisch be-
trieben Ludwig XIV. und der Kardinal Richelieu die
Brieferbrechungen. Letzterer richtete 1628 das Ca-
diu6t uoir ("Schwarzes Kabinett") in dem Postamte
zu Paris ein, wo alle Briefe zu polit. Zwecken durch-
sucht und dann als Unterlage zu Denunziationen
benutzt wurden. Die Durchsuchung und Wiederver-
schließung der Briefe war zu einer wirklichen Kunst,
zu einem "königl. Plaisir" ausgebildet, wie es Riche-
lieu nannte. Das (^I)iu6t iwir kostete unter Lud-
wig XVI. jährlich 300000 Livres. In Deutschland
ist das schwarze Kabinett des Grafen Brübl und
seines Gehilfen, Hofrat von Siepmann, in Dresden
zu trauriger Berühmtheit gelangt. Bei der Invasion
Berlins durch die Franzosen (1806) wurden von dem
Generalintendanten Napoleons, Biguon, täglich
2000 Briefe geöffnet. .Über Brieferbrechungen in
England klagt Swift in den Briefen an seinen Freund
Pope. - Zum deutschen Recht vgl. Dambach, Da5
Gesetz über das PostWesen des Deutschen Reiches
vom 28. Okt. 1871, erläutert durch Kommentar zum
Postgesetz (4. Aufl., Berl. 1881), die Lehrbücher de5
Staatsrechts von Laband, G. Meyer, Schulze,
Zorn, sowie Sydow in Stengels "Wörterbuch des
Verwaltungsrechts ".
Brieftarte heißt der Begleitzettel zu einem
Postbriefbcutel und dient zur namentlichen Aufzeich-
nung der in letztcrm enthaltenen Wertgegenstände.
(S. auch Kartenbrief.) ' ^Haltung.
Briefkopierbuch, s. Kopicrbuch und Buch-
Vriefkopierpresse, Vorrichtung zur Herstellung
autographischer Abzüge von Briefen u. s. w. Beim
Gebrauch wird der mit Kopiertinte geschriebene
Brief mit der beschriebenen Seite auf das an-
ftes^chtete Blatt des Kopierbuchs und dieses zwi-
schen die Presse gelegt, worauf man die letztere
BrockhauZ' Konversations-Lexikon.. 14. Aufl. III.
Fig. 1.
fest zuspannt. Die beistehende Fig. 1 zeigt die ge-
bräuchlichste Form dieser Vorrichtung. Die flach-
gängige Schraube g., die am untern Ende eine
Platte trägt, wird mittels des Handgriffs d, an dem
sich Schwungkugeln ^ k ^
befinden, hinabgetrie- s ) , ^ ------s )
ben. Die Presse wird ^^ ^~^
mit Ausnahme der
Schraubenspindel, die
aus Schmiedeeisen be-
steht, meist ganz aus
Gußeisen angefertigt.
Bei der in Fig. 2 dar-
gestellten Presse er-
folgt der Druck durch
Hebel und Excenter.
Ein unten an der
Druckspindel angebrachtes Stellrad gestattet ein ge-
naues , der Stärke des Kopierbuchs entsprechendes
Einstellen der Druckplatte. Das Zusammenpressen
erfolgt hier durch
einen einzigenHc-
beldruck gegen-
über dem lang-
wierigen Drehen
an der Spindel
bei Fig. 1. Hat
man jedoch meh-
rere Kopierbücher
von verschiedener
Stärke, so entfällt
dieser Vorteil.
Fig. 3 u. 4 zei-
gen die B. von
F. Soennecken in
Fig. 2.
Bonn, die sich durch Form und Anordnung vorzugs-
weise für den Privatgebrauch sowie für die Be-
nutzung auf Reisen eignet, da sie von geringem
Fig. 3.
Gewicht ist und wenig Naum einnimmt. Fig. 3
zeigt den Querschnitt der Presse mit eingelegtem
Kopicrbuche, Fig. 4 die Handhabung. Diese B.
3'ig. 4.
besteht aus zwei mit Bügeln überspannten und
durch Scharniere verbundenen Druckplatten, die
mittels zweier in Verbindung gebrachter Hebel-
schlösser gegeneinander gepreßt werden können.
Die Druckplatten sind nach innen gewölbt. Die
über dieselben gespannten Bügel bewirken, daß die
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