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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

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Brisseau-Mirbel - Bristol (in England)
Brisseau-Mirbel (spr. brissoh), Charles Fran-
cois, franz. Botaniker, s. Mirbel.
Briffon (spr. >öng), Eugene .Henri, franz. Po-
litiker, geb. 31. Juli 1835 zu Vonrges, studierte
die Rechte zu Paris und wurde 1859 Advokat da-
selbst, war zngleich Mitarbeiter am "^6mp3" und
am "^V6uir national" und gründete 1868 mit
Challemel-Lacour und Allain-Targs die "I^.6vu6
1)0liticiu6>', die noch im selben Jahre unterdrückt
wurde. 1871 vom ^eine-Departement zum Mit-
glied der Nationalversammlung gewählt, beantragte
er im Sept. 1871 im Namen der äußersten Linken
eine allgemeine Amnestie für alle polit. Verbrecher.
Als Mitglied der Deputiertenkammer seit 1876 ge-
hörte er zur Union rspublicaiiK?, wurde 1879
zweiter Vicepräsident und im Nov. 1881 an Gam-
bettas Stelle Präsident der Kammer-, 6. April 1885
übernahm er die Ministerpräsidentschaft und das
Justizministerium. Gegenüber dem Antrag auf
Räumung Tongkings erklärte B., daß das Mini-
sterium an der Schutzherrschaft über Tongking und
Annam festhalte, und verlangte die Bewilligung
des vollen Kredits von 79 Mill. Frs. Die Kammer
bewilligte ihn 24. Dez. 1885, jedoch nur mit einer
Mehrheit von vier Stimmen. Dies veranlaßte B.,
der auch bei der Wahl des Präsidenten der Republik
28. Dez. 1885 nur 68 Stimmen erhielt, sein Ent-
lassungsgesuch einzureichen und 7. Jan. 1886 dem
Ministerium Freycinet Platz zu machen. Bei der
Präsidentenwahl nach Grevys Rücktritt 3. Dez. 1887
vereinigten sich auf V. nur 26 Stimmen. 1892-93
führte B. in der parlamentarischen Untersuchungs-
kommissionfürdiePanamaangelegenheitdenVorsitz.
Bei der Präsidentenwahl nach Earnots Ermordung
erhielt B. (27. Juni 1894) 191 Stimmen.
Brisfon (spr. -öng), Mathurin Jacques, franz.
Naturforscher, geb. 30. April 1723 zu Föntenay le
Comte (Depart. Vendee), war Schüler Rsaumurs,
wurde Professor der Physik am ^oll6F6 äo Navari o ^
in Paris, dann an den ^coi63 o6ntig.l63 und am !
l^c66 L0U3.p3.i-t6, und starb 23. Juni 1806 zu!
Boissy bei Versailles. B. ist besonders als Orni-
tholog bedeutend. Er schrieb: "1^6 r6FQ6 kmima.1"
i Par. 1756: lateinisch, Leid. 1762), "Oi-uitiiulo-
Fia" (6 Bde., Par. 1760), " ?68ll.ut6ur Zpöciütius ^
<l63 eorp3" (ebd. 1787; deutsch von Vlumhof, Lpz. !
1795), " Oieticmuaii'6 i'3.i8onu6 66 pliz^ihue" ^
(6 Bde., Par. 1800) u. s. w.
Brissot (spr. brissoh), Jean Pierre, nach dem
Dorfe, in dem er erzogen wurde, deOuarville oder
Warville genannt, franz.Politiker, geb. 14. Jan.
1754 zu Chartres, trat nach Vollendung seiner Stu-
dien in Paris schriftstellerisch auf im Sinne der Auf-
klärung und der Opposition gegen die Monarchie.
Seine Arbeiten verschafften ihm Voltaires Beifall
nnd zogen ihm die Verfolgung des Hofs zu. 1784
saß er einige Monate in der Vastille. Einer zweiten
Verhaftung, wegen eines Komplotts mit dem Her-
zog von Orleans, entzog er sich durch die Flucht
nach London, wo or für die Abschaffung des Neger-
handels eintrat. Nach Paris zurückgekehrt, gründete
cr 1788 die 3oci6t6 665; knii3 668 Qoir8 und ging
in deren Auftrag nach Nordamerika. Als bei seiner
Rückkehr die Revolution ausbrach, schürte er durch
die vielgelesene Zeitung "1^ rati-iow ti-g.n^i3"
das Feuer und trat bald in den Mittelpunkt der
Bewegung. Zum Gemeinderat von Paris er-
wählt, ward er Vertreter der Stadt in der Na-
tionalversammlung und hier das Haupt der Bris?
sotins, die meist Girondisten (s. d.) genannt wer-
den. Er schwärmte für die Republik, den Krieg
gegen alle "gekrönten Tyrannen" und die Re-
publikanisierung des ganzen Europa. Sein Ein-
fluß auf die auswärtige Politik Frankreichs war
um diefe Zeit sehr groß. Die letzte That von Be-
deutung, zu der er mitwirkte, war die Kriegserklä-
rung an England und Holland im Frühjahr 1793.
Damals hatte er schon mit den Radikalen gebrochen.
Es scheint, daß der Sturm auf die Tuilerien, 10. Aug.
1792, ganz gegen seine Absicht erfolgt ist. Seit den
Septembermorden (1792) war der Bruch unheilbar
geworden. Wenn B. im Prozeß des Königs für den
Tod, jedoch mit Berufung an das Volk, stimmte, so
geschah das, wie bei vielen, nnr aus eigener Todes-
furcht. Dennoch erlag er 31. Mai 1793 mit den
übrigen Girondisten. Er wurde des Einverständ-
nisses mit dem Hofe beschuldigt, zu Moulins ver-
haftet, W0 er U. d. T. "1^6S8 5". M63 6Ql3.QtL"
(hg. von seinem Sohne als "Nemoii'68 ä" L. 8ur 163
cc)ut6inp0raw8 6t la. rsvoiMwu t'ra.llca.i86", 4 Bde.,
Par. 1830: neue Ausg. von Lescure, ebd. 1877) Me-
moiren schrieb. Am 31. Okt. 1793 bestieg er mit 20
Genossen das Schafott.
Bristenftock heißt nach dem an seinem Fuße ge-
legenen Dörfchen Bristen im schweiz. Kanton Nri
der nördlich gegen das Reuß- und das Madcraner-
thal vorgeschobene Gipfel der Glarner Alpen. Der
B. ist eine mächtige regelmäßige Gneispyramide
mit spärlichen Firnfeldcrn am Nord- und Ostabhang
und bietet auf seiner Spitze, die 4 km südlich von
Amstcg zu 3075 m ü. d. M., 2550 m über die Sohle
des Reußthals aufsteigt, eine großartige Rundsicht.
Die mühsame Besteigung erfordert von Amstcg bis
zum Gipfel 7-8 Stunden.
Bristol (spr. brißt'l), Municipalstadt und Parla-
memsborough,Bischofssitzund
wichtiger Handelsplatz in der
engt. Grafschaft Glouccster,
liegt auf sieben Hügeln und in
den Thälern eines fruchtbaren
Landstrichs an der Vereini-
gung der für Schiffe bis 1000 t
schiffbaren Flüsse Avon und
Frome, 10 km oberhalb der
Mündung des erstern in den
Scvcrntrichtcr. V. hat (1891) 221665 E. und zer-
fällt in die eigentliche oder Altstadt am rechten
Nfer des Avon, mit engen Straßen, Rcdcliffe am
linken Ufer und die Vorstädte Clifton-Down,
den Sitz der reichen Kaufleute, mit der großen
Hängebrücke über dcn Avon (s. Tafel: Hänge-
drücken 1, Fig. 1) und Durdham-Down.
Bauten und öffentliche Anstalten. Die
Stadt hat zahlreiche Kirchen, Kapellen und Bet-
häuscr, darunter die 1300-32 erbaute, 1877 teil-
weise erneuerte got. Kathedrale von 91 m Länge,
mit merkwürdigen Skulpturen und einem Kapitel-
haus in normann. Stil, die prachtvolle got. Kirche
der heil. Maria Redcliffe aus dem 13.-15. Jahrh,
mit 86 ni hohem Turm, und die Lord-Mayors-
Kapellc oder St. Markuslirche ans dem 12. Jahrh.
Ferner sind bemerkenswert der bischöfl. Palast, die
im gnech. Stil 1740 erbaute Börse, das 1858 in
klassischem Stil crbauteGebäude der Bank von B.,die
Gcricktshalle, das 1827 vv^ud^c großartige got.
Ratbaus, das Theater und Denkmäler von Edward
Colston (gest. 1721) und S. Morley (gest. 1886).
Zahlreich sind die Neste mittelalterlicher Bauten und