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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

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Britanniabrücke - Britisch-Belutschistan
Königin Voadicca stand, wurde durch die Härte der
röm. Verwaltung und den Wucher der röin. Bankiers
veranlaßt. 70000 Nömer wurden ermordet; doch
gelang es dem Statthalter Suetonius Paullinus,
die Briten nach verzweifeltem Kampfe wieder zu
unterwerfen. Durch siegreiche Kämpfe mit den Völ-
kern im Norden und in Wales befestigten Petilms
Cerealis (70-74) und Julius Frontinus (74-77)
die röm. Herrschaft. Cn. Julius Agricola, der
78-85 unter Vewasian und Domitian V. ver-
waltete, dehnte sie ois zu den Meerbusen des Clyde
und Forth in Schottland aus, dcr nördlichsten
Grenze, die sie überhaupt erreicht hat; doch blieb
innerhalb dieser Grenzen die größere Kälfte von
Wales unter ihm, wie unter seinen Nachfolgern
von der röm. Herrschaft frei. Hadrian gab jene
Grenze militärisch auf und zog als solche 122-124
zwischen dem Solwaybusen und der Tynemündung
eine Festungskette, deren Neste noch jetzt bestehen.
Die Maaten im südl. Schottland, welche die Kette
durchbrachen, wurden von dem Statthalter Lollius
Urbicus besiegt, der die alte Grenze des Agricola
durch einen nach dem Kaiser Antoninus Pius be-
nannten Erdwall befestigte und fo 142 n. Chr. das
römische V. von I>. dardai-a, oder Caledonia schied.
Gegen die Bewohner des letztern, die Caledonier,
war stete Wachsamkeit der Statthalter nötig. Ein-
falle derselben veranlaßten den Kaiser Septimius
Sevcrus, 208 selbst nach V. zu gehen, wo er, nach'
dem er den Wall .hadrians neu verstärkt und bei-
nahe ganz Schottland erobert hatte, 211 zu Ebo-
racum (Z)ork) starb. Doch wurden nach seinem Todc
die neuen Erwerbungen wieder aufgegeben.
Um 207 n. Chr., oder wahrscheinlich schon 197,
teilte Severus V. in zwei Provinzen, eine westliche
und östliche, ihrer Lage nach "Ober-" und "Unter-
britannien" genannt. Später hieß dann Unterdri-
tannicn "Li-itknnia I>riinH", Oberbritannien "Li'i-
tHunia 86euuäH". Der Menapier Carausius (s. d.)
nahm 287 den Kaisertitel in B. an und herrschte kraft-
voll 7 Jahre lang, bis ihn sein Präfekt Allectus
tötete, der selbst durch Constantius Chlorus 296 be-
siegt ward. Li-itHuiiig. ?iini3. wurde damals (297)
von Diocletian in drei neue Provinzen zerteilt, von
denen die nördliche Naxinia <üu.68ai'i6ii8i8, die süd-
liche ^lavig. (^639.1-1011818 hieß; der mittlern verblieb
der Name Lrit^imia I^-ima. In Eboracum, wo
Chlorus 306 starb, ward dessen Sohn Flavius Con-
stantinus d. Gr. zuerst zum Cäsar ausgerufen. Unter
des letztern Negierung genoß B. noch der Ruhe,
aber bald nach seinem Tode begannen die räuberi-
schen Einfälle der Picten (s. d.) und Scoten aus
Irland und Schottland. 368 erfocht Theodosius
über beide Völker einen großen Sieg: es gelang
ihm, dem scotischen Stamm der Volumii, die Wales
besetzt gehalten hatten, einen großen Teil ihrer Er-
oberungen abzunehmen. Das neugewonnene Land
ward unter dem Namen Vüiöntia. als Provinz ein-
gerichtet, sodah Li'itHQuia. 86ounäa von jetzt au
m der Hauptsache auf die Kalbinsel Cornwall be^
schränkt blieb. Bald wiederholten die Barbaren ihre
Einfälle, fodaß Kaiser Honorius die röm. .Herrschaf:
über V. ganz aufgab, nachdem er noch einmal 421
eine Legion den Briten zu Hilfe gesendet hatte. Als
der röm. Feldherr Actius 446 ihnen den Beistand
verweigerte, suchte diesen ein drit. Fürst in Kent,
Vortiger, bei den Sachsen, die nun verbunden mit
den Angeln in der zweiten Hälfte des 5. Jahrh, selbst
ihre Herrschaft in B. gründeten. (S. Angelsachsen.)
Die gemeinsame Benennung der Völker, dic bis
gegen Caledonien wohnten und dem kelt. Völker-
stamm angehörten, war Vritanni oder Vrito-
n es. Unter den einzelnen Stämmen sind nament-
lich die Cantii, deren Name sich im heutigen Kent
erhalten hat, die Trinobanten, in deren Gebiet Lon-
dinium (London) lag, und wegen tapferer Gegen-
wehr gegen die Römer die Brigantes im Norden,
die Ordovici und Silures in den westl. Gebirgen
und die Dumnonii im Südwesten zu erwähnen.
Mit den übrigen Kelten (s. d.) gemeinsam war den
Vritannen ein eigentümlicher Priesterstand in den
Druiden. In der Hörigkeit des Priesterstandes,
der Häuptlinge und der Ritter befand sich schon zu
Cäsars Zeit, wie in Gallien, die Masse des übrigen
Volks; auch die Könige waren durch den Adel be-
schränkt und hatten nur im Kriege, bei dem man
sich der Streitwagen (^3306^6) bediente, freiere Ge-
walt. Viehzucht,'Iagd, Bergbau, Getreidebau und
Tauschhandel mit den Produkten trieben die Ein-
^ wohner von alter Zeit her. Unter den Römern, bei
deren Abzug noch 28 Städte nebst vielen Kastellen
und kleinen Orten in der röm. Provinz bestanden,
vervollkommneten sie sich bald in den Künsten des
Friedens; auch das Christentum verbreitete sich früh,
schon zu Ende des 2. Jahrh., in V. - Vgl. Wright,
^ti6 (^It, tlis Nomun kiiä td6 3iix0Q (4. Aufl.,
Lond. 1885); Guest, 01-1311168 O1til^6 (2 Bde.,
ebd. 1883); Ecarch, R0m3.11 Li-i^iu (ebd. 1883).
Britannlabrücke, s^ Röhrenbrücke.
Vrtta.nnia.oi3iN2.ri.il2,, 1>rit3.uiiia minoi-,
s. Bretagne.
Vritanniametall, eine seit 1850 häusig (zu-
erst in England) angewendete Legierung von weißer
Farbe, woraus Löffel, Gabeln, Zuckerdosen, Milch-
tannen, Leuchter, Salzfässer u. s. w. verfertigt wer-
den, die man zum Teil mittels galvanischer Ver-
silberung völlig silberähnlich macht. Es besteht aus
65-97 Proz. Zinn, 1-24 Proz. Antimon und
1-5 Proz. Kupfer, zuweilen enthält es noch wenig
Zink. Nach §. 1 des Reichsgesetzes vom 25. Juni
1887 darf das B., soweit es zu Eß-, Trink- und Koch-
geschirren verwendet werden soll, nicht mehr als
10 Proz. Blei enthalten. B. nimmt beim Polieren
hohen Glanz an, läht sich zu dünnem Blech (s. d.,
S. 103d) auswalzen und mit Schnelllot löten. Die
in Frankreich als Netni ki-gentiu und Ninotdr auf-
gekommenen Kompositionen sind auch B.
Britannlcus, Claudius Tiberius Cäsar, der
Sohn des Kaisers Claudius und der Messalina,
geb. 41 n. Chr., erhielt 43 nach dem Beginne der
Unterwerfung Britanniens vom Senat den Bei-
namen V. Nack dem Tode seiner Mutter 48 wurde
durch die Vermählung des Kaisers Claudius mit
dessen Nichte, der jüngern Agrippina, dcren Sohn,
der nachmalige Kaiser Nero, Stiefbruder des B.
Agrippina suchte auf jede Weise V. zu verdrängen,
und als Claudius die Zurücksetzung bereute, wurde
er selbst auf ihr Geheiß umgebracht (54 n. Chr.),
B. aber wurde 55 n. Chr. auf Befehl Neros ver-
giftet. - Berühmt ist die Tragödie Nacines, die
das tragische Gesänck des V. zum Gegenstand hat.
Britisch-Belutschistan, die nordöstl. Ecke von
Belutschistan, grenzt im N. an Afghanistan und das
afghanisch-ind. Grenzgebiet, im O. an Sindh und
das Paudschad, im lH. an das unabhängige Be-
lutschistan und im W. an Afghanistan. Den Kern
bilden die seit 1. Nov. 1887 unter brit. Herrschaft
gestellten Gebiete (^z^i^ukä äiZtriets) von Schora-