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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

Schlagworte auf dieser Seite: Britisch-Birma; Britisch-Columbia; Britisch -Betschuanenland

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Britisch-Betschuanenland - Britisch-Columbia

rud, Pischin, Katsch-Kawas, Harnai, Sidi und Thal-Tschotiali. 1888 wurde das Khetranland nebst den Barkhanthälern hinzugefügt. Dies B. im engern Sinne wird regiert von einem engl. Chief-Commissioner; in loserm Zusammenhange stehen das afghanisch-ind. Grenzgebiet (zwischen westl. und östl. Suleimankette bis zum Sefid-Koh) und die durch engl. Beamte verwalteten, aber noch unter Oberhoheit des Chans von Kelat stehenden Bezirke von Quetta und Bolan. Der Flächeninhalt beträgt etwa 35 000 qkm. Das Gebiet wird durchzogen von den südl. Ketten des Suleimangebirges und ist reichlich bewässert. Bei Harnai und Tschotiali wurden bedeutende Mineralölquellen entdeckt (in Tschotiali produzierte man [1889] 310 000 Gallonen Petroleum). Die Eingeborenen gehören teils zu den Afghanen, teils zu den Belutschen. Mit den Europaern zählte man 1890 in B. (nebst Quetta) 172 687 E. Die wichtigsten Städte sind Harnai, Sibi und Pischin. Das Land durchzieht in 2 Armen die von der Indusbahn abzweigende Bahn, die jetzt bis Kandahar führt. Als Eingangsthor für das südl. Afghanistan hat B. für England großen Wert.

Britisch -Betschuanenland, s Betschuanenland.

Britisch-Birma (Britisch-Burma oder Britisch-Burmah), s. Birma.

Britisch-Columbia, die an der Küste des Stillen Oceans gelegene Provinz des Dominion of Canada, umfaßt die früher unter dem Namen Neucaledonien, Neugeorgien, Neunorfolk, Neucornwall, Vancouver, Stikine-(Stakeen-)Territorium bekannten Gebiete. Zwischen dem Stillen Ocean und Alaska im W. und der Hauptkette der Felsengebirge (Rocky Mountains) im O. gelegen, grenzt sie im N. an den 60. Breitegrad und im S. an die Vereinigten Staaten. Früher stand sie unter ausschließlicher Kontrolle der Hudsonbai-Gesellschaft, die an den verschiedenen Punkten der Küste und des Innern ihre Posten hatte. Die 1858 erfolgte Entdeckung von Gold am Fraserfluß, die gleich im ersten Jahre 20 000 Einwanderer anzog, veranlaßte 2. Aug. 1858 die Erweiterung des bisherigen Gebietes zu einer Kolonie, deren Grenzen sich zunächst im N. bis zu dem Skeenafluß und dem Findlayarm des Peaceflusses erstreckten. 1866 aber wurden diese Grenzen nördlich bis zum 60.°, östlich bis zum 120. Meridian ausgedehnt. Zugleich umfaßte die Kolonie alle umliegenden Inseln, mit Ausnahme von Vancouver, das jedoch 1866 gleichfalls mit ihr vereinigt wurde, während B. selbst 1871 in das Dominion von Canada aufgenommen ward. B. hat mit Einschluß der dazugehörigen Küsteninseln, namentlich der Königin-Charlotte-Inseln (13 215 qkm), 1 010 949 qkm. (S.Karte: Britisch Nordamerika und Alaska.)

Oberflächengestalt. Das Festland von B. besteht aus einem westl. Küstengebiet, dem centralen Stufenland des Fraserstroms und einem südöstl. Gebiet am obern Columbiastrom. Hinter der fjord- und inselreichen Küste erheben sich dieser parallellaufende Bergkämme, die einem nur schmalen Küstenstreifen Raum gestatten und im Innern ihre größte Höhe im Cascade-Gebirge erreichen. Hinter diesem breitet sich das mittlere Stufenland des Fräser aus, der Hauptbestandteil des Landes, weiterhin folgen die Blauen Berge oder der Westarm und endlich an der Ostgrenze der östl. oder Hauptarm des Felsengebirges, das hier im S. 2000-3600 m hoch ist, aus zackigen Kämmen besteht und zahlreiche Schneegipfel trägt, worunter der Mount-Hooker (4785 m) und der Mount-Brown (4880) die höchsten sind, sich dann aber, von 53° nördl. Br. an und besonders an der Nordgrenze von B., zu einem vielfach durchbrochenen Mittelgebirge herabsenkt. Zwischen Mount-Hooker und Mount-Brown liegt die Athabasca-Passage. Das den Südwesten B.s einnehmende Gebirgsland mit dem Columbia-Strom wird von einer Zahl ziemlich isolierter Gebirgsketten, wie Selkirk-, Purcell-Columbia- und Cariboo-Mountains, durchzogen und ist trotz des Metallreichtums wegen der Wildheit der Gebirgszüge noch sehr wenig erforscht. B. ist reichlich bewässert durch Flüsse und sehr viele zum Teil große Seen. Hauptstrom ist der größtenteils auch für Dampfer schiffbare Fraser (s. d.). Im N. gehört der Skeena ganz, der Stikine bis auf das Mündungsgebiet zu B.

Klima. Wie überhaupt die Westküste Nordamerikas infolge des pacifischen Golfstroms, so besitzt besonders auch B. ein weit milderes, gleichmäßigeres Klima als die unter gleicher Breite gelegenen Landstriche der Ostküste. Die Vancouver-Insel und die Küstenstriche lassen sich in ihren klimatischen Verhältnissen mit dem Süden von England vergleichen und nur die südl. Zone (zwischen 49. und 51.° der Breite) bedarf für die Zwecke des Landbaues künstlicher Bewässerung. Der Küstenstrich bildet ein hügeliges Land, ist bedeckt mit schönen Nadelwäldern, zwischen denen weite offene Stellen mit einer nahrhaften Grasdecke liegen, gut geeignet zur Viehzucht, zum Anbau europ. Cerealien, Kartoffeln, Gemüse und für Obstbäume. Jenseit des reichbewaldeten Cascadegebirges zeigt sich das Land beträchtlich rauher und unwirtlicher. Das Plateau zwischen dem Cascadegebirge und der Gold-Range ist 3500 m hoch. Doch ist die Kälte auch hier nicht so groß, als die Lage erwarten ließe, und das Reifen der Cerealien bleibt immer gesichert.

Flora und Fauna. Der Holzwuchs im Fraserthal ist bedeutend und begreift hauptsächlich die Tanne, Schierlingstanne (Tsuga canadensis Carr.), weiße und rote Eiche, die Esche, Erle, die amerik. Ceder, den Lebensbaum, die Pappel, die Weide, den Ahorn und die Weichselkirsche. Ungeheure Waldbestände sind noch gänzlich unangetastet. Die für Ackerbau geeigneten Landstriche am Fraser und Thompson schätzt man auf 155 000, am Columbia auf 55 000, im Athabasca-Distrikt auf 30 000 qkm. Ungeachtet der Ausbeutung durch die Hudsonbai-Compagnie, deren reichsten Pelzdistrikt das Land bildete, sind Pelztiere, wie Bären aller Art, Luchse, Bisamratten, besonders aber Biber und Marder, noch immer sehr zahlreich. An Büffeln, Hirschen, Bergschafen, Kaninchen, sowie an Geflügel und Fischen, dem Hauptnahrungsmittel der Indianer, ist kein Mangel. Am gewöhnlichsten sind Karpfenarten und Störe, an der Küste der Hering, am wichtigsten aber der Lachs, der alljährlich in unabsehbaren Zügen die Flüsse hinaufgeht. Die Lachsfischerei im Frasergebiet liefert den Hauptbestandteil der Fischausfuhr.

Mineralreich. Die geognost. Beschaffenheit des Landes hat man erst seit dem Bau der B. der ganzen Breite nach durchschneidenden Canad. Pacificbahn (1880-85) zu erforschen begonnen. Die östl. Gebirge sind sehr metallreich; Gold, Silber, Eisen, Kupfer, Blei, Platin, Antimon, Molybdän sind in reichlicher Menge neben Salz und Schwefel gefunden