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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

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Bromderger Kanal - Broemel
den Reg.-Bez. B. mit 2940,02 km oberirdischen Tele-
graphcnlinim (7136 km Leitungen, einschließlich
l.76,10 km ^tadtfernsprechanlagen) und 319 Ver-
lehrsanstalten, einer königt. Eisenbahndirektion mit
4378,15 km Bahnlinien und 10 Vetriebsämtern
(Alleustein, Berlin, V., Danzig, Königsberg, Po-
sen, Schneidemühl, Stettin, Stolp, Thorn), eines
Bezirkseisenbatmrats (s. Eisenbahnbeiräte) für den
Umfang des Eisenbahndirektionsbezirks B., eines
Eisenbabnbetriebsamtes (364,65 km Linien), einer
lö nigl. Eiscnbahnhauptwerkstätte, einer Generalkom-
tnission, eines Hauptsteueramtes, einer Provinzial-
Landsckaftsdireltion sowie der Kommandos der
4. Division, der 7. Infanterie- und 4. Kavallerie-
brigade und der Eisenbahnlinien-Kommission 6-.
An Unterrichts- und Vildungsanstalten
bestehen ein königl. Gymnasium, 1817 gestifter
(Direktor Dr. Guttmann, 29 Lebrer, 18 Klassen, 560
Schüler, 3 Vorklassen, 144 Schüler), verbunden
mit einem pädagogischen Seminar, königl" simul-
tanes Realgymnasium, 1851 gegründet (Direktor
Dr. Kiehl, 22 Lehrer, 13 Klassen, 436 Schüler),
Lehrerseminar, 1810 gegründet (97 Zöglinge im
Internat und 26 im Externat), Präparandenanstalt,
städtische Knabonmittelschule, städtische böhere Mäd-
chenschule mit Lehrerinneuseminar, 1 mittlere und
3 private Mädchenschulen, 8 Volksschulen (2865
Kinder), Provinzial-Taubstummen- und -Blinden-
anstalt, Privat-Militärpädagogium, Kindergärt-
nermnenbildungsanstalt, Fraucnarbeitsschule und
mehrere Musikinstitute. Die Sammlungen des Ge-
schichtlichen Vereins für den Netzebczirk befinden sich
in der Nonnenkirche. Das Stadtthcatcr ist 1890
abgebrannt: ein Neubau wird geplant. Es erschei-
nen 4 polit. Zeitungen, 4 amtliche Blatter und 2 Fach-
zeitschriften.
An Stiftungen und gemeinnützigen An-
stalten bestehen die evang. Diakonissenanstalt
"Gicse - Rafalsii - Stiftung", das Luisenstift zur
Aufnahme alleinstehender älterer Frauen, Vürger-
dospital, Kranken- und Krankenabsonderungshaus,
Armen-und Siechenhaus, Lcihamt, .Herberge zurZei-
mat, 2 Volkskücken, 4 Kleinkinderdcwabranstalten.
Die Industrie erstreckt sich auf Maschinenbau,
Eisengießerei, Fabrikation von Spiritus, Schnupf-
tabak, Möbeln, Leder, Schäften, Seife, Lichte, Dach-
pappe und Ofen, ferner bestehen Schneide- und Mahl-
mühlen, Ziegeleien, Bierbrauereien. V. ist Sitz der
Ostdeutschen Vinnenschiffahrtsberufsgenosscnschaft.
Der Handel führt Getreide und Holz ein; letz-
teres kommt auf der Vrahe an und wird durch die
Eisenbahnen und den Vromberger Kanal weiter be-
fördert. Es bestehen cinc Handelskammer für den
Stadtkreis V., Reichs bankstelle, städtische Spar-
und Kreiskasse, Kreis-, Kommunal- und Sparkasse,
Landschaftskasse, Gewerbebank und 4 Vorschuß- und
Tarlehnsvereine.
Der Verkehr wird außer durch die Eisenbahnen
(1890/91: 317313 verkaufte Fahrkarten, angekom-
men 7689 t Stückgüter und 126662 t Wagenladun-
aen; abgegangen 13324 t Stückgüter und 35640 t
Wagenladungen) durch den Vromberger Kanal (s.d.)
vermittelt. In B. hat die Bromberger Hafen-Aktien-
Gesellschaft zur Erbauung und Unterhaltung des
Weichselhafcns Brahemünde sowie die Vromberger
Schleppschissahrts-Aktien-Gesellschaft (Anlagekapi-
tal 1 Mill. M.) ihren Sitz. Eine Pferdebahnlinie
durchzieht die Stadt und Onmibusverbindung besteht
mit Sckubin und Krone a.d. Vrahe. Zwei Postämter,
eine Agentur und ein Telegraphenamt beförderten
(1891) 10051606 Sendungen, darunter 4940 998
im Eingang, und 237 827 Telegramme, darunter
48 919 im Ein- und 144056 im Durchgang. Das
Fernsprechnetz umfaßt 152 km Leitungen mit 109
Sprechstellen (187 033 Gespräche).
Geschichte. Die Stadt B., bereits 1252 ur-
kundlich erwähnt, befand sich bald in den Händen
der Polen, bald der pommerschen Herzöge, bis sie
1327 in Besitz der Deutschen Ritter kam, die sie schon
1343 im Frieden zu Kalisch wieder den Polen über-
liehen. Durch die Kriege völlig verödet, wurde sie
1346 durch König Kasimir 111. von neuem aufgebaut
und erhielt Magdeburgisches Recht. Im 16. Jahrh,
war V. einer der bedeutendsten Handelsorte Polens.
Doch sank die Stadt unter der poln. Herrschaft und
wurde auch 1701-11 durch die Pest fast ganz ent-
völkert, sodaß sie 1772, als sie unter preuß. Scepter
gelangte, nur 500 E. zählte. Seit den Zeiten Fried-
richs d. Gr. jedoch hat sich V., namentlich infolge
der Anlage des Kanals, zu einer betriebsamen Han-
delsstadt erhoben. Die Zahl der Einwohner, die
1843 nur 8878 betrug, hat sich nahezu verfünffacht.
- Vgl.Kühnast, Histor. Nachrichten überB. (Vromb.
1837); Wuttke, Städtebuch des Landes Posen (Lpz.
1864); Der Netzedistrikt (Vromb. 1868).
Bromberger Kanal, unter Friedrich d. Gr.
1773-74 von Vrenkenhoff mit einem Aufwande
von 684471 Thlrn. erbaut, verbindet die Brahe
mit der Netze (das Weichsel- mit dem Odergebiet),
beginnt bei Nakel an der Netze, ist 1,5 in tief, 19 in
breit, 26 kin lang und hat 12 Schleusen, von denen
die Stadtschleuse'bei B. (1882-85) mit einem Auf-
wand von 431000 M. verlegt wurde. Er trägl
Fahrzeuge bis 2500 Ctr. Belastung. 1890 gingen
zu Berg (zur Netze) 363 beladcne und 498 unbela-
dcne Frachtschiffe mit 94000 t Tragfähigkeit und
39000 t Ladung, ferner 585000 t Floßholz, zu Thal
241 beladene und 212 unbeladene Frachtschiffe mit
52000 t Tragfähigkeit und 19000t Ladung, ferncr
1000 t Floßholz. - Vgl. Garbe. Der V. K. (Vromb.
1874).
Brome (spr. brohm), Richard, engl. Dramatiker,
geb. am Ende des 16. Jahrh., gest. 1652. B. war aus
niederm Stande, wurde Diener Ven Ionsons und
gewann hier eine bedeutende Bühnenkenntnis, die
er durch genaue Beobachtung des alltäglichen Le-
bens und Treibens ergänzte. Von seinen 15 Dra-
men, deren 10 ungedruckte 1653-59 (2 Bde.,
London) erschienen, zeigen die Lustspiele am meisten
die Eckule seines Lehrmeisters. Von den ältern
"1Ii6 ^oi-tnei-n Iig.886, or a N68t of t'oolg" (1632),
"^1i6^uch)0ä68" (1640), "^6 ^ovilll Cl6^" (1652),
"11i6 cit^ ^vit" (1653) und "^ii6 cmirt d6^3.r"
(1653) ragen das erste und dritte durch realistische
Wiedergahe volkstümlicher Scenen hervor. Neu-
druck der Dramen 1874 (3 Bde., London). - Vgl.
Faust, R. V. (Halle 1887).
Broemel, Max Alb. Günther, liberaler Poli-
tiker und volkswirtschaftlicher Schriftsteller, geb.
7. Juni 1846 zu Potsdam, besuchte 1866-70 die
Universität und das Statistische Seminar zu Berlin,
mackte dann größere Studienreisen, ward 1872
litterar. Sekretär der Kaufmannschaft zu Stettin,
1879 Generalsekretär des "Vereins zur Förderung
der Handelsfreiheit" in Berlin. 1877-86 gab er die
"Freihandels-Korrespondenz" heraus. 1884 wurde
B. für Stettin in den Deutschen Reichstag gewählt,
welche Stadt er seit 1887 auch im preuß. Abgcoro-