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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

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Brouckère (Henri de) - Brougham and Vaux

rektor der Münze, übernahm 1834 an der neugegründeten Universität zu Brüssel eine Professur, später auch an der Brüsseler Handelsschule. Nachdem er 1848 zu Brüssel wieder in die Kammer gewählt worden, ernannte ihn der Minister Rogier zum Bürgermeister der Hauptstadt. B. starb 20. April 1860. - Vgl. Juste, Charles de B (Brüss. 1867).

Brouckère (spr. brukähr), Henri de, belg. Staatsmann, Bruder des vorigen, geb. 1801, war beim Ausbruch der belg. Revolution Staatsanwalt zu Roermond und trat in den Nationalkongreß, wo er als Sekretär eine anerkennenswerte Thätigkeit entwickelte. Er befand sich unter den Kommissarien des Kongresses, die zur Verständigung mit Prinz Leopold über dessen Thronkandidatur nach England geschickt wurden. In der Abgeordnetenkammer, wo er zuerst für Roermond, dann seit 1833 für Brüssel ununterbrochen saß, bis das Inkompatibilitätsgesetz von 1848 ihn darauf verzichten hieß, kämpfte er gegen die Ausbreitung des klerikalen Einflusses. Nachdem er während vieler Jahre Rat am Brüsseler Appellhofe gewesen, wurde er 1840 zum Gouverneur von Antwerpen ernannt und 1844 nach Lüttich versetzt, nahm aber 1846, nach dem Eintritts de Theux' ins Kabinett, seine Entlassung. Er war 1849-52 belg. Minister beim päpstl. Stuhle und andern ital. Höfen, trat dann nach dem Rücktritt des Kabinetts Frère-Rogier an die Spitze eines sog. Versöhnungsministeriums, in dem er das Departement des Auswärtigen übernahm. Sein Hauptverdienst als Minister war, die durch den Staatsstreich gestörten Beziehungen zu Frankreich sowohl in polit. als ökonomischer Hinsicht wiederhergestellt zu haben. Nach seinem Rücktritt 30. März 1855 wählte ihn der Bezirk Mons im Juni 1856 zum Deputierten, als welcher er bis 1870 in liberalem Sinne fortwirkte. Seitdem erblindet, lebte er zurückgezogen in Brüssel, wo er 25. Jan. 1891 starb.

Brouette (frz., spr. bruett), kleiner Handwagen.

Brougham (engl., spr. bruhm), fälschlich auch Broom, ein zweisitziger, verdeckter Wagen.

Brougham and Vaux (spr. bruhm änd wahks), Henry, Lord, brit. Staatsmann, geb. 19. Sept. 1778 in Edinburgh, studierte daselbst, bildete sich sorgfältig durch die Lektüre der alten Redner sowie durch praktische Redeübungen aus und ließ sich nach einer Kontinentreise 1800 als Sachwalter nieder. Schon mit 17 Jahren hatte er einen Essay über die Geschwindigkeit des Lichtes in den "Philosophical Transactions" veröffentlicht. 1803 erschien seine "Inquiry into the colonial policy of the European powers" (2 Bde.). Er war Mitgründer und Mitarbeiter der 1802 in Edinburgh entstandenen "Edinburgh Review". Als polit. Schriftsteller ebenso wie als Anwalt that er sich hervor, siedelte 1805 nach London über und trat 1810 ins Parlament. Dort kämpfte er für Negerbefreiung und Handelsfreiheit und war entschiedener Gegner des Anschlusses Englands an die Heilige Allianz. 1820 erwählte die Königin Karoline B. zu ihrem Anwalt in dem von Georg IV. gegen sie angestrengten Scheidungsprozeß, und es gelang ihm, durch diese Verteidigung große Popularität zu erhalten, wenn auch sein Verhalten aus persönlichen Gründen dabei nicht ohne Tadel war. Größere Verdienste erwarb er sich um die Volkserziehung (vgl. seine in vielfachen Auflagen erschienenen "Practical observations upon the education of people", zuerst Lond. 1825; deutsch von Klöden, Berl. 1827), er beförderte die Stiftung der Gesellschaft zur Verbreitung gemeinnütziger Kenntnisse und wirkte 1826-27 eifrig bei der Gründung der Londoner Universität mit. Die Universität Glasgow hatte ihn 1825 zum Lord-Rektor erwählt. Im Parlament, wo er von 1816 bis 1830 Winchelsea vertrat, stand er in Opposition zum damaligen Toryregiment; als Canning an die Spitze trat (1827), näherte er sich der Regierungspartei. Nach Wellingtons Sturz wurde er Nov. 1830 zum Lord-Kanzler ernannt und als Lord B. ins Oberhaus erhoben. Hier forderte er die Parlamentsreform und führte Verbesserungen im Justizwesen ein, obgleich er dabei sein eigenes Diensteinkommen bedeutend verminderte. Bei der Wiederkehr der Tories 1834 schied er aus, und seine eigene nicht sehr lautere Haltung beim Abgang Greys (s. d.) bewirkte, daß er auch von den künftigen Whigministerien kein Amt mehr erhielt. Er bewahrte eine selbständige Stellung, war im Parlament außerordentlich thätig, ließ sich aber durch Gereiztheit zu übereilten Schritten und oft sehr inkonsequentem Verhalten hinreißen. Die franz. Februarrevolution von 1848 erfüllte ihn zuerst mit solcher Begeisterung, daß er, der einen stattlichen Landsitz bei Cannes besaß, daran dachte, selbst als franz. Bürger an den dortigen Vorgängen teilzunehmen; schon 1849 aber verurteilte er sie in einem "Schreiben an den Marquis von Lansdowne" in schärfster Weise, wie er den früher gescholtenen Zaren Nikolaus 1850 als Hort der Civilisation pries und als früherer Feind jeder Negersklaverei im amerik. Bürgerkrieg für die sklavenhaltenden Südstaaten Partei nahm. Er besaß hohe Verstandesschärfe, einen klaren, dabei rhetorisch glänzenden Vortrag und war ein Meister der parlamentarischen Debatte. In seiner außeramtlichen Zeit war er in Politik, Geschichte und Naturwissenschaften litterarisch thätig. Als er sich schon vom polit. Leben ganz zurückgezogen hatte, gründete er in seinen letzten Lebensjahren noch die "National association for the promotion of social science". Er starb kinderlos 7. Mai 1868 auf seinem Schloß bei Cannes.

Von Lord B.s Werken sind, außer den "Speeches at the bar and in parliament" (Lond. 1838; neue Aufl., 4 Bde., 1843), den "Opinions on politics, theology and law" (ebd. 1837) und dem "Essay on the British constitution" (ebd. 1844), besonders zu nennen die histor. Werke: "Sketches of statesmen of the time of George III." (3 Bde., ebd. 1839-43) und "Lives of men of letters and science who flourished in the time of George III." (ebd. 1845: zweite Serie, ebd. 1846), in welchen letztern besonders die Schilderung Voltaires Beachtung verdient. Seine physik. Untersuchungen erneuerte er 1850 mit der Abhandlung "Experiments and observations on the properties of light", denen 1852 und 1853 weitere Arbeiten über denselben Gegenstand und "Analytical view of Newton's principia" (Lond. 1855) folgten. Eine Sammlung seiner Schriften: "Critical, historical and miscellaneous works" (10 Bde., ebd. 1857; 2. Aufl., 11 Bde., ebd. 1868), wurde von ihm selbst herausgegeben. Eine neue vollständige Ausgabe einer Werke erschien in 11 Bänden (Edinb. 1872-73). Im 11. Bande befindet sich eine von Ralph Thomson zusammengestellte Liste seiner litterar. Arbeiten, deren Zahl 133 ist. Aus seinem Nachlasse gab sein Bruder heraus: "The life and times of