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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

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Bruchband - Bruchsteine

licher Ideen mit Formen und Mitteln einer hohen Kunstbildung liegt. Das wichtigste dieser drei Werke wurde der "Frithjof", der in der Komposition für Männerchor eine Periode der dramat. Kantate einleitete. Ihm stehen in der Entstehungszeit und an künstlerischem Werte der "Normannenzug" und die Ballade "Schön Ellen" am nächsten, neben ihnen eine Reihe kleinerer Arbeiten ("Jubilate-Amen", "Birken und Erlen", "Salamis", "Römischer Triumphgesang"), durch die namentlich die Litteratur für Männerchor wesentlich bereichert wurde. Seit 1873 hat B. seine Hauptkraft dem weltlichen Oratorium zugewendet. "Odysseus", "Glocke", "Achilleus" (1885), "Feuerkreuz" (1888) sind Arbeiten dieser Gattung, die von den größern deutschen und engl. Chorvereinen meist mit großem Erfolg aufgeführt wurden. B.s Opern, "Loreley" (1863) und "Hermione" (1872), haben auf den Bühnen nicht Fuß gefaßt. - Vgl. Chop, Zeitgenössische Tondichter (2 Bde., Lpz. 1890).

Bruchband, s. Bruch (S. 595 b).

Bruchboden, s. Bruch und Moor.

Bruche (spr. brüsch), Fluß, s. Breusch.

Brüche oder Brüchte hießen im mittelalterlichen Rechtswesen, besonders in Niederdeutschland, die geringern Verbrechen (Vergehen oder Frevel) sowie die darauf gesetzte Strafe, besonders Geldstrafe, welche bei Zahlungsunfähigkeit der Verurteilten in körperliche Züchtigung umgewandelt wurde. Die B. wurde vor den Brüchengerichten verhandelt. Daher: Brüchen, für ein Vergehen eine Geldstrafe auferlegen.

Brucheinklemmung, s. Bruch (S. 595 a., 596 a).

Bruchgraben (Großer), s. Bode (Fluß).

Bruchhausen, Bruchhauser Steine, s. Brilon.

Bruchidae (grch.), Familie der vierzehigen Käfer, s. Samenkäfer.

Bruchoperation, s. Bruch (S. 596 a).

Bruchpflaster von Krüsi-Altherr, s. Geheimmittel.

Bruchpforte, Bruchring, Bruchsack, s. Bruch (S. 595 a).

Bruchsal. 1) Amtsbezirk im bad. Kreis Karlsruhe, hat (1890) 58 435 (28 828 männl., 29 607 weibl.) E., darunter 8776 Evangelische und 1278 Israeliten; 12 378 Haushaltungen und 30 Gemeinden.- 2) Hauptstadt des Amtsbezirks B., 21 km von Karlsruhe, in 144 m Höhe, an dem Saalbach, bei dessen Austritt aus dem Kraichgauer Hügelland in die Rheinebene, an den Linien Heidelberg-Karlsruhe-B.-Germersheim (25,6 km) und B.-Stuttgart (78,5 km) der Bad. Staatsbahnen, besteht aus der eigentlichen Stadt und 2 jenseit des Saalbachs liegenden Vorstädten (Württemberger und Durlacher) und hat (1890) 11 902 (6279 männl., 5623 weibl.) E., darunter 2958 Evangelische und 736 Israeliten, in Garnison (637 Mann) die 1., 2., 3., 5. Eskadron des 21. Dragonerregiments und eine Compagnie des 110. Regiments zur Bewachung der Strafanstalten; Post erster Klasse, Telegraph, Bezirksamt, Amtsgericht (Landgericht Karlsruhe), Obereinnehmerei, Domänenverwaltung, Obersteuerkommissariat, Eisenbahn-Oberbetriebsinspektion, Bahnbauinspektion, Bahnamt (37,39 km Linien) und ein Proviantamt. Bemerkenswert sind das früher fürstbischöfl. Schönbornsche Residenzschloß, 1720-70 in Barock aufgeführt, jetzt teilweise als Kaserne und Garnisonlazarett benutzt, die Schloßkirche (Simultankirche), die kath. Peterskirche in ital. Bauart mit der Gruft der Fürstbischöfe, die neue Synagoge, das Zellengefängnis, 1845 von Hübsch erbaut, das Kriegerdenkmal für 1870/71 im deutschen Renaissancestil, die Büste des bad. Ministers Beck (gest. 1855), das neue Pfründnerhaus, das Hoheneggerhaus (altes Herrenhaus aus dem 15. Jahrh.). Ferner bestehen ein großherzogl. Gymnasium, 1757 gestiftet (Direktor Ammann, 15 Lehrer, 9 Klassen, 300 Schüler), höhere Bürgerschule nebst Pensionat, höhere Mädchenschule, Gas- und Wasserwerk, ein Männerzuchthaus nach pennsylvan. System (1848), ein Landesgefängnis nebst Frauenstrafanstalt im alten Schloß, ein Theater, ein schönes Schwimmbad und mehrere Vereine. Die Industrie besteht in der Fabrikation von Eisenbahnbedarfsgegenständen (besonders Centralweichenstellung), Malz, Tabak und Cigarren, Seife, Kerzen, Lampen, Gewehrschäften, Kisten und Faßdauben; auch giebt es mehrere Sägewerke, Ziegeleien und Brauereien. Der bedeutende Handel, unterstützt durch eine Reichsbanknebenstelle, erstreckt sich auf Tabak, Hopfen und Gerste. Die in der Mitte des 18. Jahrh. errichtete Saline ist seit Anlage der Salzwerke zu Dürrheim (s. d.) und Rappenau (seit 1824) aufgegeben worden. - B. (zuerst noch 937 Bruxolegum) war früher eine kaiserl. Pfalz, die Kaiser Otto III. 1002 seinem Vetter, dem Herzog Otto von Francien, übergab, um ihn für den alten Palast zu Worms schadlos zu halten, den dieser nach seinem Wunsche dem Bischof Burkard von Worms abgetreten hatte. Nach dem Aussterben der Herzöge von Francien kam B. durch Erbschaft an das jüngere Speiersche Haus, dessen Haupt damals König Konrad II. der Salier war. Doch schon dessen Sohn Heinrich III. schenkte B. 1056 dem Hochstift Speier, unter dessen Schutz der Ort als Sommerresidenz der Bischöfe von Speier seit 1105 allmählich zur Stadt heranwuchs, und dem es bis zum Luneviller Frieden verblieb, worauf es 1802 nebst den Teilen des Bistums am rechten Rheinufer an Baden kam. Das Schloß im Rokokostil mit Fresken von Zick und feinen Stuckarbeiten wurde 1801 Witwenresidenz der Markgräfin Amalie von Baden, nach deren Tode (1832) es nicht mehr von Fürstlichkeiten bewohnt wurde. - Vgl. Feigenbuz, Der Kraichgau und seine Orte, das Bruchsaler Schloß; Stocker, Der Amtsbezirk B.

Bruchsalbe von Sturzenegger, s. Geheimmittel.

Bruchschlange, soviel wie Blindschleiche (s. d.).

Bruchschnitt, s. Bruch (S. 596 a).

Bruchsteine sind im Gegensatz zu den Werkstücken, Hausteinen oder Quadern (s. Baumaterialien) die roh oder unbearbeitet zur Verwendung kommenden natürlichen Bausteine. Sie werden entweder vereinzelt gefunden als Feld- oder Lesesteine, oder aus Steinbrüchen gewonnen oder bilden den Abfall bei Gewinnung und Bearbeitung der größern Wertstücke. Je mehr die Gesteinsarten geschichtet, von schiefrigem Gefüge oder bearbeitbar sind, um so mehr bieten die daraus gewonnenen lagerhaften, d. h. wenigstens mit einer zum festen Aufliegen geeigneten Fläche versehenen B. ein bequemes Mauerbaumaterial. Ganz unregelmäßige, wenig lagerhafte B. nennt man Horzeln, Wacken. Bei ihnen muß die Unregelmäßigkeit des Verbandes durch gutes Bindemittel und größere Mauerstärke ersetzt werden. Je nach der chem. Beschaffenheit unterscheidet man 1) kieselige B., wie Granit, Syenit, Gneis,